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Cult Of Luna

Storie von: arne, am 20.11.2003 ]

Die führende Liga breitflächiger, intensiver und melancholisch-destruktiver Krach-Kombos hat ein neues Mitglied. Cult Of Luna aus Umea in Schweden sind zwingend in eine Reihe mit Sound-Visionären/-Größen wie Isis und Neurosis zu stellen.

 
Tonnenschwer, irgendwie bitterböse, aber gleichfalls auch ungemein emotionsgeladen und melodisch einlullend entfalten sich die Songs der Band zähflüssig wie zermürbend. Gibt es noch ein Morgen?

Hört man Cult Of Luna, ist man sich da nicht so sicher. Ein nihilistischer Unterton schwingt dieser Slow-Motion-DeathCore-Band jederzeit latent mit. Hier gibt es monumentalen Krach auf ganz hohem Niveau. Über Earache Records erschien kürzlich sowohl das selbstbetitelte Debüt der Band als Re-Release als auch das Zweitwerk “The Beyond.“ Beide Platten hintereinander gehört, ziehen unendlich viel Energie und berauben den Hörer jeglicher Lebenslust.

Der stetige Wechsel ruhiger, melodischer und zerbrechlich anmutender Parts mit vertrackteren, aufgewühlten Mid-Tempo-Mosh-Passagen prägt die Platten. Große Teile der Arrangements sind instrumental gehalten und zimmern fragile Soundwände, die als bald wieder eingerissen werden. Die Instrumentierung schwankt dabei zwischen ganz spärlich bis hin zu super-voll. Elektronische Frickeleien und Keyboard-Untermalung verstehen sich von selbst. Der Gesang ist ebenso rau wie markerweichend und dem von Aaron Turner nicht unähnlich.

Nach einem langen Soundcheck im Knaack sprach ich einige Minuten mit Gitarrist Johannes und der riss mir den bisherigen Werdegang der Schweden wie folgt ab: „Wir sind seit guten vier Jahren aktiv. Als wir gerade mal eine Split-7Inch mit Switchblade veröffentlicht hatten, sah uns ein UK-Guy auf einer Show und fragte uns, ob wir für ihn ein Album einspielen wollten. Er war von Rage Of Achilles und wir konnten das natürlich nicht ausschlagen. Es war eine zu gute Chance. Wir nahmen jeden Song, den wir hatten, auf und es wurde unser Debüt. Wir sind mit der Platte nicht vollends zufrieden und waren von den durchweg guten Reviews sehr überrascht. Die Leute mochten uns und wir bekamen in vielen Magazinen höchste Punktzahlen. Besonders im UK kamen wir ausgezeichnet an und erhielten sofort Angebote von größeren Verlagen. Wir entschieden uns schließlich für Earache. Bis zu diesem Punkt hatten wir nur wenige Live-Shows gespielt, aber mit dem


neuen Album versuchen wir nun möglichst oft unterwegs zu sein. So richtig konstant haben wir das erst im letzten Dezember angefangen. Bisher waren es etwa 20 bis 30 Shows, aber es sollen zukünftig mehr werden, denn wir sind sehr heiß.“

Die ersten Deutschland-Gigs absolvierten Cult Of Luna mit Poison The Well. Stilistisch um Welten getrennt, ist das für die Schweden kein Problem, denn: „Als Band sind wir einfach so kreativ, wie es uns möglich ist. Wir versuchen diverse und interessante Songs zu schreiben; alles andere überlassen wir unseren Hörern und Fans.“ Doch die werden ihre liebe Not haben, den Bulldozer-Sound der Jungs in Worte zu fassen: „Ich kann schon verstehen, dass es den Leuten schwer fällt uns zu beschreiben. Was soll ich aber denken, wenn unser Album als Meisterwerk bewertet wird. Ich glaube nicht, dass wir ein solches vorgelegt haben. Natürlich ist es eine große Ehre, aber es hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Uns zeigt das Feedback, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber oftmals können wir es auch nicht verstehen. Ich persönlich blende das zumeist aus und versuche einfach Spaß zu haben und mich selbst zu fordern.“

...doch Cult Of Luna sind inzwischen auch richtig selbstbewusst: „Ich denke, es gibt nur drei Bands, die gemeinsam in einer Liga spielen, und das sind Isis, Neurosis und wir. Man muss uns nicht vergleichen, das ist nicht nötig, denn jeder von uns hat seine individuelle Ausrichtung, aber in punkto Intensität und Progressivität spielen wir auf einem Niveau.“ Dieses Statement klingt im ersten Moment vielleicht ein wenig großkotzig, aber ich kann es nur bestätigen. Cult Of Luna stehen den genannten Größen in nichts nach und rocken ebenso heftig. Auch das Berliner Knaack hatten sie schnell in ihrer Hand. Nach eineinhalb Stunden Soundcheck war der Sound einfach optimal auf den Slow-Motion-Death-Core-Stil eingestellt und die Jungs spielten sich schnell in Trance:

„Wir experimentieren mit allen Aspekten unserer Musik solange, bis sie in der gewünschten Art und Weise klingen. Alles muss passen. Wir sind Perfektionisten in dieser Beziehung.“ Gut so.

 
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