Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1770

The Ocean 1

Storie von: arne, am 14.11.2003 ]

The Ocean aus Berlin bewegen sich zwischen den Grenzen von Minimal- und Brachial-Rock. Als Kollektiv um einen festen Kern von fünf Musikern formiert, gilt es für diesen Zusammenschluss, ähnlich etablierten Größen wie Isis, Neurosis oder auch Cult Of Luna, die Weiten intensiver Monumental-Musik auszuloten. Ende September erschien über Make My Day Records das Instrumental-Album “Fogdiver“ als erstes Lebenszeichen nach einem Demo.

 
Vor allem zu Beginn erinnern die schnelleren Parts dieser Scheibe immer wieder an das letzte Isis- Album, aber das gibt sich schnell. Dann zelebriert das Kollektiv seinen eigenen “The Ocean-Sound.“ Ausgehend von spärlich instrumentierten Parts arbeiten sich die Musiker immer wieder zu einem atmosphärisch-vollen Sound empor, der in Deutschland seines Gleichen sucht. ...und The Ocean stammen tatsächlich aus unserem Berlin, auch wenn die Beteiligten durchweg Wahl- Berliner sind. Es brauchte scheinbar den Schmelztiegel der Hauptstadt die richtigen und geistesverwandten Leute zusammenzuführen, die nun auftrumpfen können. Neben der klassischen Instrumentierung einer Rock-Band kommen auch Violine, Cello und elektronische Sound-Effekte zum Einsatz. Erlaubt ist, was gefällt und das Soundgewand weiter füllt.

"Fogdiver" ist eine Reise durch die menschliche Gefühlswelt und komplett instrumental gehalten. Lediglich einige Samples des Filmes "Stalker" finden sich. Die Arrangements sind durchdacht, anspruchsvoll und bisweilen fast episch angelegt. The Ocean lullen mit ihrem Sound sowohl ein, als sie mit ihren temporeicheren Parts auch mächtig austeilen. Vom Sound her eigentlich eher düster angelegt, bleiben bei mir als Hörer am Ende allein positive Gefühle zurück. The Ocean muss man erleben, sich von der Atmosphäre der Songs mitreißen lassen. Dann geht man gestärkt und neuen Mutes aus ihnen hervor. In einem Kreuzberger Cafe unweit des Ocean-Land, in dem das Kollektiv probt und aufnimmt traf ich auf Nils (Visuals), Torge (Trommler), Gerd (Percussion) und Jonathan (Bass), die mich zunächst über die Basics aufklärten:

„Ein Kollektiv ist es, weil wir keine feste Band im herkömmlichen Sinne sind. Es gibt zwar einen festen Kern von Musikern, aber darum gibt es noch einen Kreis von locker assoziierten Leuten, die etwa Querflöte, Cello oder Posaune spielen und auch einen Ton-Techniker. Es gibt einen sehr fließenden Übergang zwischen Bandmitglied und freier Mitarbeit. Das ist unser Kollektiv.“

Gemeinsam teilt man die Vorliebe für unkonventionelle Musik, die gerade live ansprechend in Szene gesetzt sein will. „Unsere Vision ist es, eine möglichst perfekte Show auf die Bühne zu stellen, die praktisch wie ein Film abläuft. Du gehst rein wie ins Kino, die Show fängt an und wir machen keine Ansagen und nichts. Es läuft dann bis zum Ende durch und ist visuell unterlegt, mit Interludes zwischen den Liedern. Es ist praktisch ein geschlossener Kreis, der immer weiter ausgebaut wird. In einem Lied ist etwa Cello und Geige da, im nächsten eine bestimmte visuelle Sache oder etwas ganz anderes. Wir arbeiten z.B. auch einen Jongleur ein und bei uns spielen verschiedenste Geschichten mit rein. Es gibt ein Gesamtkonzept und nicht einfach eine Band, die auf die Bühne geht und wieder abtritt. Unsere Shows sind von Vorne bis hinten durchgeplant. Natürlich klingt das erst einmal negativ, aber es hat sich bewährt. Man kann sich vorher Gedanken machen, wie die Show aussehen soll und alles vorher berechnen. Wir wollen möglichst wenig dem Zufall überlassen.“

Gerade Nils weitet seine Visuals und Lichteffekte immer weiter aus: „Meine


Idee zu einer Light-Show ist daraus entsprungen, dass wir auf Konzerten von düsteren Bands waren und oben vier rote und gelbe Lampen außerhalb des Taktes blinkten, was überhaupt nicht zur Musik und Atmosphäre passte. Auf so hatten wir einfach keine Lust und so musste etwas Eigenes her. Wir bauen das selbst auf, es sind 12 bis 14 Spots und alles ist programmiert, so dass es immer Lied-genau abläuft und nicht einfach nur blinkt.“

Obwohl sich The Ocean als Kollektiv verstehen, stammen alle Songs und Arrangements aus einer Hand: „Robin, unser Gitarrist, ist für das Songwriting verantwortlich. Die Songs kommen aus seiner Feder und dann werden sie von uns einstudiert und vielleicht noch ein wenig geändert. Immer wieder stellen sich Parts als nicht spielbar heraus und das müssen wir dann anpassen.“ Das gesamte Kollektiv steht hinter Robin und seinen Arrangements. „Die Songs kommen meistens von ihm und das ist auch so gewollt. Wir alle der Meinung sind, dass es einfach schlüssiger wirkt, wenn alles aus einer Feder kommt. Ich bin persönlich auch sehr dankbar dafür, denn es ist eine ganz andere Art von arbeiten, wenn man die Vision eines anderen umsetzt. Es ist nicht so ein Jamm-Ding, bei dem man sich zu Tode spielt. Es geht einfach auch schneller. Für mich sind die besten Bands immer die, wo es ein-zwei Songwriter sind.“

Wie schon eingeleitet, stammt keiner der beteiligten Musiker aus Berlin. Die richtigen Leute zu finden, war aber auch hier schwer: „Es ist auch in Berlin nicht einfach gute und passende Musiker zu finden. Unser Stil ist nicht leicht zu spielen, und du musst sowohl einen finden, der die Fähigkeiten dazu hat und auch noch Bock hat auf so etwas und drittens auch noch menschlich dazu passt. Das ist nicht einfach. Wir haben immer wieder neue Leute eingearbeitet, die dann wieder gingen.“

Inzwischen hat sich ein fester Kern heraus kristallisiert, mit dem sich hörbar gut arbeiten lässt. Die Entscheidung zunächst ein Instrumental-Album zu veröffentlichen, traf jedoch nicht das Kollektiv: „Wir hatten dem Jörg von Make My Day sowohl die alten Lieder mit Gesang als auch die ganz neuen ohne Gesang geschickt. Die neuen Stücke gefielen ihm richtig gut, zumal ihm der harte Gesang von Markus auf den alten Sachen nicht so zusagte. Er meinte, es würde auch ohne ganz gut funktionieren und so kam es dann. Das war für uns auch kein großes Problem, weil wir sowieso mal eine Instrumental-Platte machen wollten und der Gesang bei uns auch nicht derart im Vordergrund steht wie bei einer normalen Rock-Band. Er ist ein weiteres Element, aber die Musik steht und fällt nicht mit dem Gesang. Auch in unseren anderen Songs gibt es immer wieder minutenlange Parts ohne Gesang.“

Da ich The Ocean bislang noch nicht live gesehen habe, interessierte mich natürlich, wie der Gesang angelegt ist: „Markus übernimmt die heftigen Parts und das Rumgebrülle und ich (Torge) mache den Weichspülergesang, bei dem ich auch von unserem Bassisten unterstützt werde.“ Inzwischen ist zudem auch der ex- avery Shouter Nico im Kollektiv aktiv.

Den zweiten Teil des The Ocean- Interviews könnt Ihr hier in wenigen Tagen lesen...

 
 Links:
  The Ocean
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Atavistik Death Pose
  Novelists Fr
  Our Mirage
  Pray For Sound
  Spectres

Interviews/Stories:

  Hollywood Undead
  Spoil Engine
  Une Misere

Shows:

  28.02. Ray Wilson - Freiburg
  28.02. Make Them Suffer - Karlsruhe
  28.02. Spiritbox - Karlsruhe
  28.02. Polar - Karlsruhe
  28.02. The Deadnotes - Bremen