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Mushroomhead

Storie von: Zosse, am 11.11.2003 ]

Acht maskierte und in schwarze Overalls gehüllte Nu Metaller aus Cleveland, Ohio, erobern die Metal-Welt. Acht? Nicht neun? Nein, wir reden schließlich nicht von Slipknot sondern von MUSHROOMHEAD. Und die waren schon früher am Verkleidungs-Drücker. Die Band wurde nämlich 1993 gegründet und veröffentlicht bereits ihr fünftes Album, auf dem zudem eine größere Stilvielfalt gefahren wird, die auf weiter Metal-Flur bislang total eigenständig ist.

 
MUSHROOMHEAD haben sich einer total genialen Mixtur aus Metal, Industrial und Rap verschrieben, die von zwei Shoutern angereichert wird. Der eine jubiliert à la Mike Patton, der andere röhrt, daß es einem die Schuhe auszieht. Zum Release ihres neuen Albums XIII konnte ich Skinny, Schlagzeuger des achtköpfigen-„Kürbisköpfe“-Haufens während ihrer US-Promo-Tour auf die gezackten Zähne fühlen. Die Weirdos scheint es stark in die alte Welt zu ziehen.

„Wir müssen unbedingt schnellstens wieder rüberkommen. Hoffentlich in den nächsten Wochen. Wir brauchen das. Wir waren das letzte Mal vor anderthalb Jahren in Deutschland, als wir mit Flaw und American Head Charge auf Tour waren. Es war eine wirklich großartige Zeit und wir hatten eine Menge Spaß. Deutschland war sehr gut zu uns.“

Auf dem Backcover der neuen CD taucht als Produzent der Name Steve Felton auf, der dem MUSHROOMHEAD-Experten natürlich mehr als bekannt vorkommt. „Das bin ich! Ich versuche aber, den Drummer der Band von dem Produzenten zu trennen. Wenn ich nämlich als Produzent für irgend jemand anderen arbeiten würde, will ich nicht, daß alle denken, ich bin nur dazu fähig, einen MUSHROOMHEAD-artigen Sound hinzubekommen. Du kannst es aber ruhig erwähnen. Wenn andere Leute mit mir arbeiten wollen, brauchen sie nämlich keine Angst zu haben, daß ich Skinny von MUSHROOMHEAD bin. Ich bin dann ich selbst! Das ist aber ein generelles Problem. Wenn ein Produzent seinen Namen hergibt, denken viele, alle anderen Arbeiten von ihm müßten auch so klingen, wie diese Band.“

Warum denn überhaupt Skinny? „Das ist ein Spitzname, den ich damals von meinen Eltern bekommen habe, haha. Ich war noch ein kleines Kind und weiß wirklich nicht, wie ich daran gekommen bin. Ich werde einfach schon immer so genannt.“ Wobei ich nicht denke, daß „Pig Benis“, der Basser, seinen Namen auch von seinen Eltern bekommen hat. „Haha, nein. Ganz am Anfang unseres Bestehens sahen wir alle absolut anderes aus. Er trug damals eine Schweinemaske, daher das Pig.“

Interessant war es, kürzlich zu lesen, daß Jason Mann, einer der zwei Sänger der Band ein eigenes Label gegründet hat, welches auf den Namen Fractured Transmitter hört und bereits eine Band beherbergt. Und zwar keine geringeren als die mächtigen Meshuggah. „Ja, J Mann ist kürzlich in das Feld der Plattenfirmen gestiefelt. Im Grunde genommen ist das eigentlich ein persönlicher Gefallen für sich und Meshuggah, da wir seit kurzem dicke Freunde sind. Wir lernten uns auf dem zweiten Teil des letztjährigen Ozzfest kennen. Meshuggah spielten auf der Mainstage. Wir verbrachten einige Off-Days zusammen und wurden Freunde. Als die Band in den Staaten mit Tool auf Tour war, kontaktierte Jason die Jungs und half ihnen Abend für Abend mit dem Merchandise, um mit ihnen abzuhängen. Als wir an dem neuen Album arbeiteten, fragte Jason Jens Kidman, ob er auf unserem Album singen möchte. Meshuggah live sind wirklich unglaublich. Ich stand dort und schaute ihnen zu. Tomas spielte Schlagzeug und ich dachte immer nur, wie zur Hölle er das spielen kann. Einige Parts könnte ich vielleicht noch nachahmen, an einem bestimmten Punkt wäre ich aber definitiv verloren, haha. Sie sind musikalisch unglaublich. Und zudem wirklich großartige Persönlichkeiten. Wir sind sehr glücklich, sie als Freunde zu haben. Und natürlich auch darüber, Jens auf dem Album zu haben!“

Vor kurzem war auch zu lesen, daß einer der beiden Sänger die Band verlassen will. Anscheinend aber Nonsens. „Das ist nur ein Gerücht. Wir waren selber überrascht, als wir das hörten. Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade mit Godsmack in Kanada auf Tour, als das Gerücht aufkam.“

Besonders cool fand ich das Cover, welches ein Auge zeigt. Ein Auge eines Bandmitglieds? „Exakt! Ich kann Dir aber nicht sagen um welches Mitglied es sich handelt, da mußt Du selbst drauf kommen, haha. Es ist eine Nahaufnahme eines unser maskierten Mitglieder. Kurioserweise spielten


wir heute, am 23. Oktober 1993, unsere erste Show. Wir werden also heute 10 Jahre alt und darum steigt Abends noch eine Riesenparty! Als wir anfingen, sahen wir noch aus wie eine Band namens Slipknot. Wir trugen Overalls und verschiedene Masken. Unser Basser eine Schweinemaske, ich eine Gasmaske, unser Gitarrist eine S/M-Bondage-Maske. Als wir rauskamen, nannten sie uns Mr. Bungle und verglichen uns mit Gwar. Interessanterweise wurden wir immer mit anderen Bands verglichen. Als Manson groß wurde, wurden wir mit ihm verglichen, als Slipknot erfolgreich wurden, wurden wir mit denen verglichen, oder mit Mudvayne. Als diese Vergleiche sich häuften, entschlossen wir uns, etwas uniformierter aufzutreten, also mehr Fokus auf die Band als Ganzes zu legen, als auf individuelle Mitglieder. So kam ich dann mit der X-Base-Idee, wegen der X-e in den Masken, um die Ecke. Klar, jedes Mitglied ist noch einzigartig, vor allem unsere beiden Sänger mit ihrer Schminke, weil singen durch eine Maske klingt wie Scheiße, haha, im Grunde genommen sind wir aber alle ähnlich. Die Idee war gut, weil niemand so aussah wie wir. Wir versuchten, wie eine Armee zu wirken, wie eine Einheit. Das stellt für uns die Musik in den Vordergrund, man ist nicht so sehr auf ein bestimmtes Bandmitglied konzentriert. Musik ist das Entscheidende und das Wichtigste für uns.“

Durch die Presse geisterten desöfteren Meldungen, daß MUSHROOMHEAD und Slipknot aufgrund ihres ähnlichen Auftretens bis aufs Blut verfeindet seien. Laut meinem Gesprächspartner aber auch totaler Humbug! „Als Slipknot rauskamen, gab es immer Vergleiche zwischen uns. Wir änderten ja unser Outfit um diesen Vergleich auszuklammern und paßten auf, daß wir nicht mehr aussahen wie sie. Ich denke auch, die Musik ist wie Tag und Nacht. Wir hatten noch nicht mal eine Chance, diese Jungs zu bekämpfen, ich habe sie noch nie getroffen, um mit ihnen zu reden. Es ist alles von den Medien inszeniert, weißt Du. Dieser Typ sagte dies und der Typ sagte das.“

Ein besonders cooles verstecktes „Gimmick“ findet man übrigens am Schluß der CD. Die Band entschied sich für einen Coverversion und zwar für Seal’s „Crazy“! „Das ist auch eine interessante Geschichte. Nachdem Matt Wallace, übrigens ein Genie, das Album gemixt hatte, kam er mit der Idee, etwas zu covern, entweder für hidden tracks, eine Single, oder B-Sides. Wir hatten ca. 40 Songs auf einer Liste und arbeiteten schließlich an sechs davon. Matt‘s Idee war eben Seal’s „Crazy“, der dann auch am besten funktionierte.“ Definitiv. Ich persönlich habe damit den Floor auf meinem Rock-Event schon diverse Male in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt. Und ich denke der Song wird auch in anderen Clubs bald heißlaufen! „Der Song sollte noch erkennbar sein. Wir wollten ihm zusätzlich noch den typischen MUSHROOMHEAD-Stempel aufdrücken, ihn aber nicht bis zu dem Punkt zerstören, an dem er unerkennbar wird. Wenn aber der erste Chorus kommt, weißt Du, um welchen Song es sich handelt.“

Übrigens gibt es noch eine weitere Band, die sich für die gleiche Cover-Version entschieden hat. Ihr Name...Slaves On Dope. „Sie meinten, wir hätten ihnen ihre Idee gestohlen, Seal’s „Crazy“ zu covern. Sie sollten sie veröffentlichen und nicht deswegen heulen. Alle möglichen Bands covern die gleichen Songs. Es ist nicht ihr Song, also was ist ihr Problem? Wie viele Bands kennst Du, die „War Pigs“ gecovert haben. Ich denke, sie benötigen Aufmerksamkeit. Wenn sie wollen, können sie kommen und sich bei mir beschweren, haha. Ich weiß nicht, ob sie einen Plattenvertrag haben. Ich weiß nicht mal, ob sie überhaupt schon ein Album draußen haben, haha. Ich kenne ihre Version des Songs nicht und...soll ich ehrlich sein? Ich kenne nicht mal Slaves On Dope.“

Scheint so, als wären einige Leute gegen diese Band. Unverständlicherweise. Aber Genialität, Perfektion und Einzigartigkeit gepaart mit einem großen Maß an Kreativität wird immer Neider finden!

 
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