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Give Up The Ghost

Storie von: arne, am 09.11.2003 ]

Da ist also der erste Longplayer unter neuem Namen, "We're Down Til We're Underground" betitelt. Give Up The Ghost hießen in der Vergangenheit bekanntlich American Nightmare, mussten sich dann aber umbenennen. Eine Euro-Tour unter neuem Namen haben sie bereits absolviert und die nächste ist schon angekündigt. Sehr busy die Jungs. In den Staaten kommt der neue Longplayer über Equal Vision und hier bei uns als Lizenz über Burning Heart, was im ersten Moment schon ein wenig komisch scheint.

 
Das schwedische Label will sich auch wieder stärker im Hardcore etablieren und mit den Jungs aus Boston haben sie dafür zweifelsfrei eine schlagkräftige Gruppe im Programm. Sehr schön kommt immer wieder mal die frühere Youth-Crew-Vergangenheit (u.a. Ten Yard Fight) mit durch, doch Give Up The Ghost sind musikalisch inzwischen deutlich gereift. Wer alle Veröffentlichungen bislang kennt, wird in "We're Down Til We're Underground" (übrigens ein geiler Titel!) die logische Fortführung des alten Materials finden. Die Bostoner spielen modernen Hardcore-Sound zwischen Old- und New-School mit dezenten Metal-Einflüssen und herrlich vielen Noise-Parts. Unbroken sind nach wie vor als Parallele zwingend zu nennen!!

Die Jungs limitieren sich jedoch nicht und spielen, wonach ihnen ist. Gut so, denn der Sound kommt damit frisch, verspielt und gut knallig. Daneben gibt es auch einige sehr emotional-melodische Passagen. Das neue Album bietet einen verdammt variablen Mix, der über die volle Länge unterhält und den man gleich wieder von Vorne hören mag und das tue ich auch schon seit Tagen. Die Texte sind erneut teils sehr kritisch, natürlich ein weiteres Mal überdeutlich und auch wieder sehr destruktiv in ihrer Aussage. Mit seinem super-angepissten Shouting-Stil transportiert Frontmann Wes das mehr als deutlich. Vor allem die auf Tempo angelegten Songs ballern ordentlich, doch Give Up The Ghost fahren zweigleisig, auf der einen Seite gibt's Post-Youth Crew-Sound und daneben/dazwischen immer wieder tolle Noise-Passagen. In der Gesamtheit bleiben sehr intensive Songs und ein richtig geiles Album. Pünktlich zur anstehenden wird auch “Background Music“ über Burning Heart neu aufgelegt. Die Vinyl-Version kommt über Reflections.

Gitarist Tim stand mir telefonisch für ein Interview zur Verfügung und nahm mich dabei mit auf seine Rundreise durch Downtown Boston; von Presslufthämmern und komischen Zwischenrufen unterbrochen. Zu Beginn interessierte mich, wie sich die Band letztendlich auf den neuen Namen Give Up The Ghost einigte: „Wir mussten uns ja umbenennen. Give Up The Ghost passte einfach am besten zu uns. Wir haben verschiedene Namen im Gespräch gehabt und dieser ist es dann eben geworden. Für uns bedeutet es soviel wie sich jeder Situation zu stellen. Es gab fünf verschieden Ansprüche an den neuen Namen und wir mussten einen Kompromiss finden. Wenn man schon einige Zeit lang beisammen ist, ist es für eine Band sehr schwer einen neuen Namen zu finden. Unser Sänger kam dann mit der Idee. Das war aber erst nach den Aufnahmen zum Album. Als wir ins Studio gingen, stand der Name noch nicht. An Give Up The Ghost mag jeder von uns etwas anderes und so entschieden wir uns für den Namen.“ Nun galt es die Motivation der Jungs zu hinterfragen, schließlich sind sie doch alle schon etliche Jahre im Hardcore-Zirkus aktiv unterwegs und Ermüdungserscheinungen sind nach wie vor nicht auszumachen. Was treibt sie also an:

„Vor allem, auf Tour gehen zu können, neue Städte zu sehen und viele Leute kennen zu lernen. Natürlich ist das Leben auf Tour sehr hart, aber wir lieben es einfach. Punk Rock ist alles, woran wir Tag und Nacht denken und das, was wir alle touren wollen, so lange es möglich ist. Wir sind ständig in Bewegung und das hält uns jung. Es ist einfach toll.“ Immer wieder liest man von diesem „besonderen“ American Nightmare/ Give Up The Ghost- Sound. Die Bostoner haben mit ihrem explosiven Gebräu eine Welle losgetreten und etliche Nachahmer auf den Plan gerufen. Inwieweit grenzt sich das Quintett aber von anderen Band ab? Tim weiß es auch nicht so recht, gibt sich eher bescheiden:

„Als wir noch schneller waren und man unsere Old School


- Vergangenheit noch deutlicher hörte, haben wir uns schon von anderen Bands abgegrenzt. Heute ist das aber nicht mehr so stark der Fall, denke ich. Wir versuchen immer mit möglichst verschiedenen Bands zu spielen, wie Poison The Well oder Avail. Wir versuchen nicht bewusst ein eigenes Ding durchzuziehen, wir spielen einfach unseren Sound und eben das kommt heraus. Man hört verschiedene Einflüsse und vielleicht ist es das.“ Hhm, das erklärt nicht unbedingt das anhaltend große Interesse an Give Up The Ghost. Ich bohrte weiter und fragte ein zweites Mal in die gleiche Richtung:

„Auf jeden Fall, es gibt nur wenige großartige Bands, die wirklich etwas losgetreten haben; etwa Converge oder Hatebreed. Sie sind erfolgreich und kurz danach gibt es haufenweise Bands, die das kopieren. Das ist in meinen Augen ein Armutszeugnis. Jede Band sollte versuchen eigen zu klingen. Wir versuchen das auch. Wir orientieren uns nicht an den erfolgreichen Bands und lassen der Musik ihren Weg. Wenn die Kids das mögen, ist es toll für uns, wenn nicht, würden wir auch nichts ändern. Wir lieben unsere Musik.“

Was ich an Give Up The Ghost schätzte, ist die unbändige Energie, die ihren Releases entspringt und die hörbare Leidenschaft der Musiker für die eigenen Songs. Nur auf wenigen Platten in der letzten Zeit klangen die Bands ähnlich authentisch. Den eigenen Status versteht Tim übrigens nur Ansatzweise; der eigene Erfolg ist ihm eher Suspekt. Eine Begründung findet er jedenfalls nicht: „Jeden Tag zermartert es mein Hirn und ich finde keine Antwort, keiner von uns. Wir haben nie mit einem solchen Erfolg gerechnet. Mal schauen, was nach dem Release der neuen Platte passiert. Wir nehmen die Dinge, wie sie kommen. Es scheint aber alles sehr gut zu laufen.“

Davon darf man ausgehen, wenn man sich die einschlägigen HC-Verkaufscharts in den Staaten ansieht. Schön finde ich an "We're Down Til We're Underground", dass sich die Band hörbar gewachsen zeigt und den eigenen Stil ein wenig erweitert hat: „Jeder, der uns kennt, oder uns live gesehen hat, wird die Platte verstehen. Wir hatten zwei Jahre um die Songs zusammen zu bekommen. Als wir “Background Music“ herausbrachten, hatten wir innerhalb von 12 Monaten ein Demo, zwei 7 Inches und eine Full Length innerhalb veröffentlicht. Im Grunde hatten wir keine Zeit, wir haben eigentlich ständig Songs geschrieben, sie aufgenommen und veröffentlicht. Diesmal hatten wir 24 Monate an unserem Material zu arbeiten und das hört man einfach.“

Zudem ist auch der Drum-Sound deutlich fetter und besser ausgefallen. Ein neuer Trommler ist der Grund und der erweitert hörbar das Spektrum der Drums und davon profitiert der Gesamtsound ungemein. Textlich gesehen, sieht Tim die Lyrics von Wes übrigens nicht per se als destruktiv und düster: „Viele Leute dachten nach der ersten Platte, wir seien negativ eingestellte Menschen. Das sind wir nicht. Natürlich transportieren die Texte von Wes eine gewisse Stimmung und oftmals sind wir keine uneingeschränkten Optimisten, aber besonders die neue Platte zeigt das gesamte Spektrum dessen, was wir in den letzten Monaten durchlebt haben und erklärt unseren Entwicklungsprozess. Das sind wir, wie wir sind; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir sind nicht mehr die gleichen wie noch vor zwei Jahren. Man darf als Band nicht stagnieren. Es macht keinen Spaß, ständig die gleichen Songs zu spielen und das gilt auch für die Texte.“

Stimmt und das wäre einfach langweilig. "We're Down Til We're Underground” ist das genaue Gegenteil davon und ich kann Euch diese Scheibe nur wärmstens empfehlen. Im modernen Hardcore ist sie zweifellos eine der wichtigsten Scheiben des Jahres!

 
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