Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1648

Arch Enemy

Storie von: arne, am 01.11.2003 ]

Mit ihrem fünften Studio-Album “Anthems Of Rebellion“ (Century Media) holen ARCH ENEMY zum ganz großen Schlag aus. Die vier Schweden um ihre deutsche Frontfrau Angela Gossow haben mit Sicherheit weit mehr vorgelegt, als man erwarten durfte bzw. sich erhofft hat. Vom straighten Death-/Thrash-Metal der ersten drei Platten hat sich die Band noch deutlicher gelöst und nun wildert das Quintett ungeniert in den Weiten des modernen Metal.

 
ARCH ENEMY anno 2003 sind vom Sound her deutlich offener, hörbar mutiger und experimenteller, und extrem variabel. Dabei bleiben sie dennoch herrlich aggressiv und gut knallig. Melodische Leads finden sich natürlich noch etliche, doch besonders auf die rhythmischen Komponenten der Platte scheint diesmal sehr viel Arbeit verwendet worden zu sein, was “Anthems Of Rebellion“ zu großer Fülle verhilft.

Natürlich stellt das Brüderpaar Michael und Christopher Amott seine exzellenten Fähigkeiten auf der Gitarre erneut unter Beweis. Die treibenden Riffs und schönen Leads der Brüder prägen neben dem super angepissten Shouting von Frontfrau Angela die Platte. Für eine extreme Metal-Band nicht alltäglich, haben ARCH ENEMY inzwischen auch textlich etwas zu sagen. Die intelligenten Lyrics richten sich gegen Normierung, Einheitsbrei und Massenmedien. Das sind die drei Grundpfeiler, zwischen denen die Texte angesiedelt sind. Ganz bewusst wurde das Werk “Anthems Of Rebellion“ getauft. Gesang wie Musik sind sehr ausdrucksstark und ungemein abwechslungsreich. Die musikalische Breite ist beachtlich. Zwischen richtig brutal und super eingängig, in den Refrains gar fast poppig, zieht das Album seine Runden. ARCH ENEMY waren schon immer gut, doch hier haben sie sich selbst übertroffen.

Die Möglichkeit eines Interviews mit Shouterin Angela Gossow ließ ich natürlich nicht ungenutzt verstreichen. Erst kurz vor der “Wages Of Sin“ Platte zur Gruppe gestoßen, galt es für die sympathische Frontfrau zunächst ihre eigene Position in der Band zu finden: „Ich bin da einfach reingestolpert und fand mich auch gleich im Studio wieder. Ich habe nicht viel über meinen Schritt nachgedacht, sondern bin ihn einfach gegangen. Hätte ich lange überlegt, wäre ich ihn vielleicht nicht gegangen. Es ist ja schon ein Risiko sein Leben und seinen Job aufzugeben und sich einfach so reinfallen zu lassen. Zu Beginn hatte ich natürlich eine Menge persönlicher Unsicherheiten, ob das, was ich mache, gut genug ist und ob es das ist, wonach die Jungs suchten. Ich konnte ja nur schlecht abschätzen, wie ich auf die Jungs wirke. Ich brauchte anfangs viel Feedback. Das hat sich zum Glück schnell gelegt und die Band hat sich rührend um mich gekümmert. Die Vier sind echte Gentlemen und haben mir alle Freiheiten gelassen. Wir sind dann anschließend ja auch gleich auf Tour und da lernt man sich am besten kennen. Inzwischen sind wir ein gewachsenes Team, eine zusammengeschweißte Band.“

Die Integration ins ARCH ENEMY- Gefüge vollzog sich also schnell und problemlos. Danach hieß es mit den Reaktionen von Fans und Presse umgehen zu lernen, was kein leichtes Unterfangen war: „Man wird einerseits gehypt, aber es gibt auch immer Leute, die versuchen einen nach unten zu treten oder dich zu verletzten. Die wühlen dann im Persönlichen oder schreiben fiese Kommentare. Man muss wirklich lernen, damit klar zu kommen. Da muss man drüber stehen und dieser Lernprozess dauert seine Zeit, eh man problemlos sagen kann fuck you very much. Es ist ja schließlich mein Leben und das geht andere nichts an.“

Den direkten Fan-Kontakt sucht Angela noch heute, auch wenn sie nicht mehr im Forum auf der Band-Website www.archenemy.net aktiv wird: „Ich schaue mir das ab und zu an, aber das darf man nicht zu ernst nehmen. Das sind Leute, die dich und die Bandinterna nicht kennen, aber dennoch darüber diskutieren. Anfangs habe ich ab und an geantwortet, aber das ist nicht gut. Dann ist man für die Leute zu greifbar und sie fangen an nach Dingen zu fragen, die sie nichts angehen. Deshalb habe ich mich zurück gezogen. Wenn sich jemand mit mir in Verbindung setzen will, kann er mir eine persönliche Email schreiben. Da sehe ich dann vielleicht an der Email-Adresse, wer dahinter steckt und es ist nicht so öffentlich, einfach etwas Persönlicheres, auf das ich auch reagieren kann. Ich stelle mich nicht mehr in die Öffentlichkeit, um mit Leuten über mich zu diskutieren.“

Trotz super vieler Emails versucht Angela möglicht viele zu beantworten. Kontakt könnt Ihr bei Interesse über die Website


aufnehmen. Die visuelle Präsentation im Netz ist ARCH ENEMY sehr wichtig; die Seite selbst wirkt sehr ansprechend, funktional und schick: „Zunächst ist es uns wichtig, eine sehr informative und aktuell upgedatete Website zu haben. Wir alle sind Internet-Freaks, ich ziehe auch die meisten Infos über Bands und Touren aus dem Netz, auch, weil ich so viel reise. Es gibt so viele gute Magazine und man bekommt über sie auch ein viel direkteres Feedback. Die meisten Live-Reviews passieren ja schnell online, während man bei Print-Magazinen oft Wochen oder Monate wartet. Das Internet ist uns sehr wichtig und wir sind uns auch bewusst, dass viele Fans sich ihre Infos über uns aus dem Netz ziehen. Da muss man upgedatet sein und auch Design-mäßig achten wir sehr auf das Auftreten. Nicht nur in unsere Booklets stecken wir sehr viel Arbeit Wir sehen das gesamte Package; nicht nur die Musik, sondern auch das Visuelle.“

...was eine Band ja auch auf der Bühne nicht aus den Augen verlieren darf: „Stimmt, wir versuchen schon ein gewisses Image zu transportieren, auch wenn es nicht so dominant wie bei manchen Black Metal Bands ist. Wir sind auch live sehr visuell orientiert und spielen nicht nur unsere Musik runter. Wir haben eine sehr aggressive Show, die sehr Metal aussieht.“

Die eigene Positionierung ARCH ENEMYs im Metal-Universum festigt sich mit jedem Release und entwickelt sich kontinuierlich. Das weiß auch Angela: „Wir sind heute nicht mehr Underground, aber auch noch längst nicht in einer Liga mit IRON MAIDEN oder SLAYER. Wir kämpfen noch um unsere Position und sind derzeit im guten Mittelfeld, würde ich sagen. Wir sehen zu, dass wir immer ein Stückchen höher kommen. Musikalisch haben wir viele Einflüsse und sind da auch in der Mitte. Eigentlich ist für jeden etwas dabei, denn wir sind für alle Richtungen offen und verwirklichen unsere Offenheit auch auf unseren Platten. Wir stehen nicht mehr darauf, ständig zu knüppeln. Unter denen, die Erfolg haben, sind wir aber mit die Extremsten, denke ich. IN FLAMES und SOILWORK sind ja mittlerweile ein bisschen abgeschwächter und die ganzen extremen Bands sind noch nicht in der Position, wie wir sie haben. Hier sind auf jeden Fall relativ up and coming im Moment. Das merkt man gerade in Amerika und in der Promotion jetzt. An uns besteht sehr viel Interesse.“

Was sich u.a. in einem Rock Hard- Cover und einer endlosen Promo-Rundreise zum Release ausdrückte. Nach je einer Woche Amerika und Japan, stand die Band in Deutschland, Spanien, Italien, Belgien und Schweden tagelang Rede und Antwort. Wenn das mal kein krasses Programm ist, was eine sehr gefestigte Einstellung verlangt: „Wir sind sehr professionell und arbeiten richtig hart. Auf Tour feiern wir zum Beispiel auch kaum, weil wir unsere Live-Shows nicht gefährden wollen. Wir proben auch ziemlich viel zusammen und sind auch sehr involviert, was Booklets und die Website angeht. Viele Bands geben sich da keine Mühe, wir schon. Auch an den Management-Entscheidungen sind wir beteiligt und können mit entscheiden, mit wem wir wann auf Tour gehen. Wir wägen immer ab, ob Sachen Sinn machen oder nicht.“

Apropos Touren, für Angela bedeutet das jedes Mal aufs Neue, ganz eigene Einschränkungen hinzunehmen: „Die erste Tour fand ich total furchtbar. Ich war vorher noch nie in meinem Leben auf Tour gewesen und es waren dann gleich fünf Wochen Amerika-Tour mit Nile und richtig Underground. Die Jungs waren alle sehr nett, aber ich hatte ganz persönliche Probleme. Ich bin Veganerin und hatte arge Probleme Essen zu bekommen. Auch an die Hygiene muss man sich Schritt für Schritt gewöhnen und arrangieren. Inzwischen nehme ich immer mein Paket Müsli, mein Soja-Milch-Paket und meine Bananen mit auf Tour. Damit komme ich klar, wenn es sein muss. Auf Tour nehme ich immer viel ab, weil ich auch nichts Süßes esse, nichts mit Zucker trinke und auch nichts mit Weißmehl esse. In meinen Körper kommt nichts, was raffiniert ist und kein Müll, der Vitamine aus meinem Körper zieht. Ich bin halt super gesund und musste lernen, mein Essen zu bunkern.“

 
 Links:
  Arch Enemy
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Avatar
  The Atlas Moth
  Cane Hill
  Cursed Earth
  Good Tiger

Interviews/Stories:

  All Will Know
  Minipony
  Lionheart

Shows:

  12.12. Doro - Regensburg
  12.12. Jo Stockholzer - Wuppertal
  13.12. Jo Stockholzer - Zwickau
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen
  13.12. Mia Aegerter - Frankfurt