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Harmful

Interview von: Matthias Rauch mit Chris, am: 05.10.2001 ]

Eine der besten und beständigsten deutschen Noisebands ist mit Sicherheit Harmful. Ackern die drei Jungs doch schon fast zehn Jahre durch die Republik und können neben hervorragenden Alben auch auf eine ständig wachsende Hörerschaft zählen. Grund genug mich anlässlich des neuen Albums "Wromantic", mal mit Chris, seines Zeichens Basser von Harmful, zu unterhalten.

 

Musicscan:Ok, erst mal die Standardfrage. Stellt die Band doch einmal kurz vor, für Leute, die euch vielleicht noch nicht kennen.

Harmful:Harmful wurde Ende 1992 gegründet. Die Bandmitglieder sind bis heute die selben geblieben. Aren Emirze - Gitarre und Gesang, Chris Aidonopoulos - Bass und Nico Heimann an den Drums.

Musicscan:Wo würdet ihr den größten Unterschied von "Wromantic" zu euren bisherigen Alben sehen?

Harmful:Mit "Wromantic" haben wir den Schritt getan, der eigentlich schon lange in uns versteckt war. D.h. die Melodie noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben ist die Melodie auf "Wromantic" sehr ausgeprägt und nicht versteckt oder eingebettet, wie es z.B. auf den ersten beiden Alben war. Mit "Counterbalance" fing es an, dass wir melodiösere Songs schrieben, die aber noch nicht so ausgereift waren wie heute. Reif ist die Bezeichnung, die am ehesten auf "Wromantic" zutrifft. Alles klingt erwachsen, die Songs sind sehr kompakt, die Melodien des Gesangs sind einprägsam und schön wie nie zuvor. Jeder hat sein Bestes gegeben und das hört man den Songs auch an.

Musicscan:Wie sieht der Songwriting Prozess im Hause Harmful aus? Ist dieser in der Hand von einer Person oder ist das schon eine kollektive Angelegenheit, bei der sich jeder gleichberechtigt einbringt?

Harmful:Gleichberechtigt einbringen? Meiner Meinung nach geht das nicht zu 100%. Es ist ganz unterschiedlich. Überwiegend kommt Aren mit einer schon vorhandenen Idee, einem Riff oder einer Melodie in den Proberaum. Das arbeiten wir dann zusammen aus. Aren setzt die Pflanze und jeder gießt sein Wasser dazu, damit sie groß wird. Was für den Song gut ist, wird getan. Ob das mehr oder weniger von einer Person ist, ist letztendlich egal. Über die Jahre hinweg sind wir ein gut eingespieltes Team geworden, indem jeder weiß, wie er dem Prozess am dienlichsten ist und das ist sehr viel wert. Demokratie in einer Band ist eine schwierige Sache. Sie kann viele Entscheidungen aufhalten und behindern und sehr lange rauszögern. Es ist gut, wenn zumindest eine Person die Zügel fester in der Hand hält. Das ist, meiner Meinung, nach in jeder Band so, auch wenn etwas anderes erzählt wird.

Musicscan:Hat sich dieser Songwriting Prozess über die Jahre verändert?

Harmful:Eigentlich nicht, denn es hat sich bewährt und als sehr effektiv erwiesen. Vielleicht werden wir aber dennoch einmal andere Wege einschlagen, einfach um zu sehen, was dabei herauskommt.

Musicscan:Erzählt doch mal etwas über die gescheiterte Zusammenarbeit mit Intercord und wie der Deal mit der BMG zustande kam.

Harmful:Die Geschichte ist eigentlich nicht sehr lang. Mit dem Demo zum "Counterbalance" Album bekamen wir den Deal bei Intercord. Wir machten dann die Aufnahmen mit Dave Sardy für das "richtige" Album, welches auch auf Intercord erscheinen sollte. Kurz vor Release des Albums kam es dann zur Übernahme bzw. Wiedereinnahme von EMI. Intercord war eine Tochter-Firma der EMI und sollte aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingegliedert werden. Da sowohl EMI, als auch wir kein Interesse hatten, zusammen zu arbeiten kam es zu dieser Entscheidung. Mit dem fertigen Album "Counterbalance" gelangten wir dann zur BMG. Sie mussten nur ja sagen.

Musicscan:Welchen Stellenwert hat Harmful in eurem Leben mittlerweile eingenommen? Ihr seid ja schon fast 10 Jahre unterwegs!

Harmful:Einen sehr großen, um nicht zu sagen den Größten. Harmful ist schon zu unserem Leben geworden. Etwas anderes möchten wir ja auch nicht. Meiner Meinung nach ist eine absolute Antwort auf diese Frage nicht möglich. Sollte die Liebe nicht einen etwas größeren Stellenwert haben? Ohne z.B. die Liebe zur Musik gäbe es auch keine Band! Wir sind glücklich, dass es die Band so weit geschafft hat und unsere Perspektiven in dieser Hinsicht noch offen sind. Wir haben uns einen Traum erfüllt den andere für sich selbst noch gar nicht erschlossen haben. Deswegen stecken wir unsere Kraft in diese Band. Kämen wir nicht Schritt für Schritt nach vorne, würden wir vielleicht anders darüber denken. Der Mensch steht nun mal auf zwei Beinen im Leben.

Musicscan:Ich nehme an, dass ihr mittlerweile von der Band leben könnt. Wann habt ihr den Entschluss gefasst, euch nur noch auf Harmful zu konzentrieren?

Harmful:Um von der Musik richtig leben zu können, müsste man schon einen Hit haben, der für Furore sorgt. Das ist in Deutschland noch viel schwerer zu bewältigen, als vielleicht in anderen Ländern, wie z.B. den USA, in denen solche Art von Musik einen höheren Stellenwert hat. Richtig davon leben ist nicht ganz so einfach. Solange aber die Treppenstufen nach oben hin erklommen werden, sei es auch langsam, ist das völlig in Ordnung. Richtig auf die Band konzentriert und 100% haben wir eigentlich schon immer gegeben, denn wir wollten nie ein schlechtes Album machen oder schlechte Live-Shows spielen. Mit "Counterbalance" kam dann der Punkt, wo man einen Schritt weiter war als beim Indie. Die Vorarbeit sollte ja auch irgendwann dahin führen. Unser Ziel war es, uns noch mehr auf die Band konzentrieren zu können. Bis jetzt läuft es nach diesem Plan. Es könnte zwar noch mehr passieren, aber für den Moment ist das okay und es ist immer noch mehr als zuvor.

Musicscan:Da ich leider keine Texte bekommen habe, würde mich interessieren, um was sich eure Texte hauptsächlich drehen und welche Themen aufgegriffen werden.

Harmful:Die Texte kommen von Aren. Er verarbeitet darin verschiedene Themen. Hauptsächlich stehen zwischenmenschliche Beziehungen im Vordergrund, die aber auch in andere Bereiche reichen, wie sie im Leben halt so vorkommen und nicht nur auf das typische Mann/Frau Thema zurückgreifen. Texte sind eine sehr interessante Sache, denn sie lassen viel Freiraum für eine eigene Interpretation. Jeder liest etwas anderes aus ihnen heraus und das ist das Interessante daran. Wenn man den eigentlichen Hintergrund kennt, bleibt diese Fantasie weg.

Musicscan:Wie war die Zusammenarbeit mit einem Produzenten wie Dave Sardy und warum habt ihr für "Wromantic" wieder mit Guido Lucas kollaboriert? Wolltet ihr mit diesem Album weniger Experimente oder Unsicherheiten zulassen?

Harmful:Die Aufnahmen mit Dave Sardy waren für uns Neuland. Sein Name eilte ihm voraus. Keiner kannte den anderen und wir wussten nicht, worauf und auf wen wir uns da eingelassen hatten. Die Zeit mit ihm war sehr locker und die Aufnahmen waren recht entspannt. Letztendlich hat auch er nur versucht, mit seinem Können dem Album einen guten Sound zu verpassen. Im Nachhinein kann man sagen, dass wir damals bei weitem nicht so gut klangen wie heute, und dass dies der Grund war, dass "Counterbalance" nicht ganz so gut geworden ist, wie wir das heute gemacht hätten. Die Erwartungen an ihn hatten unser eigenes Können ein bisschen in den Hintergrund gestellt. Einspielen tut das Album immer noch die Band und kein Produzent. Der Entschluss wieder mit Guido Lucas zu arbeiten war dann eigentlich recht einfach. Er kennt uns schon sehr lange und weiß uns sehr gut einzuschätzen. Über die Jahre hinweg hat auch er seine Erfahrungen gesammelt. Genauso wie wir. Deshalb waren wir uns bei diesen Aufnahmen sicher, mit ihm noch einen Schritt weiter zu gehen, was sich letztendlich dann auch bewiesen hat. Insofern wollten wir kein Experiment eingehen bzw. mit Guido konnten wir es uns erlauben gewisse Experimente, zumindest was die Songs angeht, einzugehen oder nicht.

Musicscan:Wie seht ihr die weltpolitischen Entwicklungen momentan, vor allem in Bezug auf die Geschehnisse vom 11.09. in den USA? Hegt ihr gewisse Befürchtungen?

Harmful:Die erste Reaktion, die ich hatte war erst mal Ungewissheit. Mit einem solchen Schlag war ja nicht zu rechnen. Alles was einem wichtig erschien, war in diesem Moment weggeblasen. Ich denke, dass die Welt aufgeweckt wurde und sich jetzt ein paar neue Fragen stellen muss. Man hat gemerkt, dass die Welt, obwohl sie groß ist, auf einmal doch so klein erscheint. Probleme, die ein paar tausend Kilometer von uns entfernt doch näher sind, als wir geglaubt haben. Die Welt wird sich zwar weiter drehen, aber viele Menschen werden sich ihre Ziele und Wünsche neu überlegen und eventuell anderen, viel wichtigeren Dingen im Leben Platz einräumen. Es bleibt abzuwarten wie sich alle Beteiligten verhalten und welche Maßnahmen gezogen werden. Einen Krieg möchte meiner Meinung nach niemand.

Musicscan:Ok, kommen wir zum Schluss. Welche Künstler haben euch inspiriert oder inspirieren euch immer noch?

Harmful:Auf jeden Fall Black Sabbath. Dieser Band haben wir es zu verdanken dass es zwischen uns gefunkt hat und wir heute noch Musik machen. Prong war auch ein sehr großer Einfluss auf uns. Viele haben diese Band verkannt. Heute sind es ganz andere Sachen, die einen inspirieren. Egal, was es ist. Wenn es Qualität hat, eigenständig und überzeugend ist, dann hat alles irgendwie seinen Einfluss. Ob das Bands, Songwriter oder andere Musikrichtungen sind, ist dabei völlig nebensächlich.

Musicscan:Drei Platten für die Ewigkeit.

Harmful:Black Sabbath "Black Sabbath", Prong "Beg to differ" und die dritte Platte ist mir noch nicht bekannt.

Musicscan:Was können die Leute von Harmful in den nächsten Monaten erwarten? Wie sind die Pläne?

Harmful:Von Harmful wird man in den nächsten Monaten einiges mitbekommen. Wir sind wieder auf Tour. In diesem Jahr sind es noch ca. 30 Shows. Nächstes Jahr geht es dann weiter, wobei wir aller Voraussicht nach auch in Österreich und der Schweiz spielen werden. Zudem müsste man unser, vor kurzem abgedrehtes Video zu "Simple Touch" sehen können, welches demnächst wohl auf den Sendern laufen wird. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie die Platte ankommt und wie die Resonanzen auf den Konzerten sind. In der Zwischenzeit schreiben wir vielleicht ein paar neue Songs. Richtige Pausen gibt es eigentlich nicht. Wir sind immer irgendwie beschäftigt. Das ist auch gut so, sonst wird uns noch langweilig.

Musicscan:Vielen Dank für das Interview. Vielleicht sieht man sich ja auf der kommenden Tour.
Also, hier die Tourdates:

18.10. Bochum - Zeche
25.10. Dortmund - FZW
26.10. Emden - Alte Post
02.11. Würzburg - Cafe Cairo
03.11. Schwäbisch Hall - Club Alpha
07.11. Bielefeld - Falkendom
08.11. Koblenz - Suppkultur
09.11. Duisburg - Parkhaus
10.11. Lübeck - Alternative
11.11. Berlin - Knaack
14.11. Köln - MTC
16.11. Siegen - Lyz
17.11. Hannover - Bei Chez Heinz
18.11. Hamburg - Schlachthof
21.11. Frankfurt - Nachtleben
22.11. Rostock - Mau
23.11. Freiberg - Füllort
24.11. Leipzig - Moritzbastei
27.11. Nürnberg - Klüpfel
28.11. Regensburg - Alte Mälzerei
29.11. Saarbrücken - Hellmut
30.11. Kronach - Struwwelpeter
01.12. München - Backstage
05.12. Wetzlar - Franzis
06.12. Jena - Rosenkeller
07.12. Weinheim - Cafe Zentral
08.12. Jülich - Kulturbahnhof
14.12. Erfurt - Engelsburg
15.12. Düsseldorf - Spektakulum
21.12. Chemnitz - Kraftwerk
04.01.02 Bischofswerda - East Club
11.01.02 Karlsruhe - Substage
12.01.02 Backnang - Juze
18.01.02 Lörrach - Burghof

 
 
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