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Burst

Storie von: arne, am 12.10.2003 ]

An BURST kommt man als Fan intensiver, breitflächiger Metal-Musik dieser Tage nicht vorbei. Nach der viel beachteten "In Coveting Ways" MCD auf Chrome Saint Magnus erscheint nun mit “Prey On Life“ der neue Longplayer der Band über Relapse Records. Die Schweden haben ihren einzigartigen Sound weiter verfeinert; ziehen eine Melodie nach der anderen aus der Hinterhand und bleiben dennoch verdammt heftig.

 
Mir fällt keine vergleichbare Band ein, die einerseits so brutal, aber gleichfalls auch so melodisch und traurig-melancholisch aufspielt. Hinzu kommt ein rauer, leicht angezerrter Gesang, der zusätzlich ungemein viel Emotion aufbaut. Hinter BURST verbergen sich ehemalige Musiker von Nasum, Godscent und Static Empire, die hier in punkto Dichte, Wut und Härte neue Maßstäbe setzen. Die Songstrukturen sind vertrackt, komplex und sehr intelligent arrangiert. Die nordische Seele hört man stets heraus. Im neunten Jahr ihres Bestehens scheinen BURST nun reif in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit zu treten; Relapse scheint hierfür die ideale Plattform.

“Prey On Life“ wurde wie auch sein Vorgänger im Phlat Planet unter Mitarbeit von Frederik Reinedahl aufgenommen, der die Vision der Musiker perfekt umsetzte. Die Schweden sind diesmal jedoch neue Wege gegangen und haben ihre Arbeitsweise verändert: „Die Aufnahmen haben bereits im Mai 2002 begonnen. Wir entschieden uns die Songs in Etappen aufzunehmen, um den Sound und die Songstrukturen reflektieren und verbessern zu können. Diese Arbeitsweise hat sich ausgezahlt. Wir haben all das, von dem wir annahmen, es sei interessant, auch ausprobiert. Das hat sich als Glücksgriff erwiesen. Die Musik ist sehr intensiv, hat aber diesen besonderen Touch. Es klingt einfach nach uns, nach BURST. Ausgehend von “In Coveting Ways” haben wir uns deutlich entwickelt und sind heute breiter und anspruchsvoller angelegt.“

Das kann ich nur bestätigen. Die Songs auf “Prey On Life“ entfachen eine schier unglaubliche Intensität und Soundfülle. Das ist auch das Ergebnis eines stringenteren Vorgehens seitens der Band, die den Gesamtbild niemals aus den Augen verloren hat:

„Diesmal haben wir uns jedoch noch bewusster darauf konzentriert eine musikalische Einheit zu schaffen, in der die Songs ineinander übergehen und zusammen passen. Wir wollten nicht einfach Songs schreiben, die dann als Platte erscheinen ohne untereinander einen Bezug zu haben. Wenn man sich selbst nicht stetig neu herausfordert und voranschreitet, kann man gleich aufhören. Wir sind lediglich einen nötigen Schritt gegangen.“

Das klingt fast zu einfach, aber BURST haben inzwischen eine sehr gesunde Einstellung gegenüber ihrer Arbeit und wissen, was sie wollen und wie sie ihre Ziele erreichen können:

„Jedes neue Album ist eine Herausforderung; es braucht eine Menge Zeit, Disziplin und Toleranz. Von den ersten Ideen bis hin zur letztendlich so gut wie möglich realisierten Vision durchlebt man alle Emotionen, die nur vorstellbar sind. Natürlich gibt es immer etwas, das man im Rückblick gerne ändern möchte, aber als Künstler


ist man wohl nie zu 100 Prozent mit seinem Werk zufrieden. Dennoch sind wir auf das neue Album sehr stolz und fast vollends mit ihm zufrieden.“

Von meiner Warte aus gibt es keine Kritik-Punkte und ich bin mehr als dankbar für dieses Album großer Emotionen: „Jegliche Musik, die keine Emotion transportiert, ist in meinen Augen uninteressant und langweilig. Wir sind dabei keinesfalls eine dieser winselnden Emo-Bands, die erzählen, wie schlecht die Welt zu ihnen ist. Wenn ich von Emotionen spreche, meine ich die grundlegenden Gefühle, die einen erst zum Mensch machen. Musik ist eine starke Ausdrucksform, die hervorragend Gefühle und Stimmungen transportieren kann. Das nutzen wir und ein leichter melancholischer Vibe klingt bei uns immer mit. Es ist uns wichtig Emotionen mit Energie und Intensität zusammen zu führen. Wenn man Emotionen und Power in einem Package liefert, kann man mit seiner Musik viel erreichen.“

Dennoch ist auch für BURST nicht alles planbar: „Kreativität kommt, wie in jeder anderen Kunstform auch, vor allem aus einem selbst, dem Herzen, aus der Intuition heraus und den eigenen Gefühlen. All das reflektiert unsere Musik, die sich langsam entwickelt hat. Natürlich ist die Welt nicht perfekt und man wird oft zurückgeworfen, doch mit der richtigen Einstellung geht es immer voran. Eben das drücken wir mit unserer Musik und den Texten aus.“

Die Suche nach einem geeigneten Label gestaltete sich auch für BURST schwierig. So kommt der geneigte Fan erst jetzt, eineinhalb Jahre nach den Aufnahmen, in den Genuss der Songs. Neues Material ist in der Zwischenzeit allerdings nicht entstanden: „Nachdem das Album geschrieben war, haben wir erst einmal eine längere Pause eingelegt. Erst vor etwa einem Monat fingen wir an neue Songs zu schreiben. Wenn man ein neues Album eingespielt hat, sollte man sich zunächst die nötige Zeit nehmen seine Arbeit kritisch zu analysieren und sich ausgehend davon weiter entwickeln. Der Ausgangspunkt für neues Material ist also “Prey On Life“.

Jesper hat seine Bass-Tätigkeit bei Nasum übrigens inzwischen zugunsten von BURST eingestellt. Er will sich voll und ganz auf die Band konzentrieren: „Er konnte und wollte sich nicht länger zwischen beiden Bands aufteilen, da es neben dem Musiker-Dasein auch noch ein normales Leben gibt.“

Verständlich, zumal BURST mit seinem intensiven, leicht melancholischen Sound sehr viel Energie zieht. Schon die Platten tun es und wer die Schweden auf der letzten Tour live erlebt hat, weiß, dass sich die Musiker auf der Bühne komplett verausgaben. Diese Musik muss man leben, sich komplett auf sie einlassen. Nur dann entfaltet sie ihre ganze Wirkung!

 
 Links:
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