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Nine.

Storie von: arne, am 05.10.2001 ]

A noisy Rock'n'Roll Band with Hardcore-Roots: nine.
Eine der wichtigsten schwedischen Bands in Sachen Hardcore ist mit Sicherheit nine. aus Linköping, die schon seit 1994 ihre Bahnen zieht. Momentan spielen die Jungs zusammen mit RAISED FIST und WITHIN REACH die Still Screaming- Tour und schaffen es damit doch noch, ihr im März erschienenes, drittes Album 'lights out' (Burning Heart) live vorzustellen.

 
Kurz umrissen spielen die Vier seit etwa zwei Alben vordergründig das, was sich schon lange andeutete: noisy Hardcore-Rock'n'Roll direkt aus der Hölle! Ihr ungeheures Potential kommt dabei einmal mehr als deutlich zur Geltung und vielleicht erfahren die Schweden inzwischen sogar die breite Aufmerksamkeit, die ihnen schon lange zusteht... Ein wenig hat sich die Band in ihrer Entwicklung das Wasser selbst abgegraben, zogen sich die Musiker doch kurz nach ihrem 98er Album 'kissed by the misanthrope' (Sidekicks Records) zurück, um dann wieder auf zu erstehen. Innerhalb der dreijährigen Bandpause war es dabei keineswegs ruhig um nine., fand sich doch auf der 'still screaming'-Compilation und dem 'Cheap Shots IV'-Sampler jeweils ein neuer Track der Schweden. Gerade der Beitrag des 'still screaming' -Samplers führte zur aktuellen Tour und das ist doch schön, wie ich finde. Fleißigen Sammlern war sicherlich die 99er Split CD mit LIKE PETER AT HOME auf dem spanischen Label Outlast Records nicht entgangen, die ebenfalls mit zwei neuen Songs zu überzeugen wusste. Einer dieser Songs ('...and the wolves want more') findet sich auch, natürlich neu eingespielt und ein wenig modifiziert, auf der aktuellen Platte der Schweden. Musikalisch dokumentierten die Jungs immer wieder einen Reifeprozess, wie man so schön sagt und bis auf Gitarrist Benjamin leben inzwischen alle Bandmitglieder in Stockholm, wo sie der Musikszene ihres Landes deutlich näher sind und stärker von dieser profitieren können. Schon seit ihrer Debut-MCD 'to the bottom' (No Looking Back Records) von 1995 verfolge ich den Weg der Band und ein kurzes Gespräch mit Gitarrist Benjamin war unumgänglich. In meinen Augen waren die Schweden leider immer ein wenig unterbewertet, auch wenn Vergleiche mit REFUSED oder mehr noch mit ENTOMBED zu einer ansehnlichen Fangemeinde beitrugen. Gerade mit ENTOMBED verbinden die Jungs sehr viel und in Stockholm fand auch schon ein gemeinsamer Gig statt: "Ja stimmt, besonders hier in Schweden werden wir sehr oft mit ENTOMBED verglichen und fühlen uns dadurch sehr geehrt, weil wir diese Band sehr mögen und respektieren. Gemeinsamkeiten mit REFUSED oder BREACH sehe ich eigentlich nicht so viele, aber das sind in jedem Fall ebenfalls gute Bands. Wir sind aber definitiv melodischer." Melodischer sind nine. definitiv und immer wieder höre ich Leute vom typischen nine.-Sound sprechen, ohne diesen wirklich in Worte fassen zu können: "Der typische nine.-Sound ist zur gleichen Zeit hart UND melodisch. Im Prinzip treffen sich in unserer Musik Death Metal und Pop. Musik und Texte sind hart UND emotional. Die meisten schwedischen Bands verwenden weder persönlichen Texte noch emotionale Riffs; wir aber schon. Wie spielen zwar auch harte Musik, wollen aber nicht auch noch über harte Dinge singen oder uns unnötig cool darstellen. Es gibt einem wesentlich mehr, über seine Emotionen und persönliche Dinge

zu singen." Beim Durchblättern des Booklets fällt auf, dass ein Großteil der Lyrics nicht von Sänger Johan stammen: "Ja, das stimmt schon, ich schreibe sehr viele Texte allein, aber Probleme gibt es deshalb nicht. Ich arbeite zu Hause viel an meinem Computer und bin auch noch half British. Wir nehmen bei den Proben immer alle Texte zusammen und schauen dann, was am Besten klingt. Einige Texte haben Johan und ich auch zusammen geschrieben. So ist es eine sehr gute Kombination, denn in nur einem Song kann man Dinge auch von zwei Seiten beleuchten." Thematisiert werden mit 'lights out' Problemfelder der heutigen Welt. Den Album-Titel kann man dabei wörtlich nehmen, wenn man sich mit dem Zustand der Erde auseinandersetzt, wie es nine. tun. Probleme in Beziehungen werden ebenfalls beleuchtet, aber fast durchgängig wirken die Lyrics dabei eher depressiv ausgerichtet und ohne positiven Ausblick... Ja klar, wer glücklich ist, kann sich auch nicht beschweren: "Man kann über diese Themen und Gefühle einfach besser schreiben. Das heißt aber nicht, dass wir negativ-eingestellte Personen sind. Wir führen vielmehr ein sehr glückliches Leben. Man muss sich immer vor Augen halten, dass jeder Finsternis irgendwann wieder Licht folgt, auch wenn es oft vielleicht nicht so scheinen mag." Der Labelwechsel von Sidekicks zu Burning Heart (auch wenn das im Prinzip dasselbe ist, ich weiß) war in meinen Augen für die Band ein unausweichlicher Schritt. Sidekicks behinderte die Entwicklung der Band schon ein wenig, da die letzten beiden Alben nicht sonderlich gut promoted erschienen. Burning Heart ist da schon das bessere Kaliber und das Label scheint die Band durch den Schritt ernster zu nehmen und stärker zu supporten. Benjamin erzählte zudem, dass die Band Probleme hatte, in der Vergangenheit richtig touren zu können, was sich jetzt sichtlich gebessert hat. Auch der musikalische Schwerpunkt hat sich ein wenig verschoben: "Die neuen Songs sind deutlich rockiger ausgefallen. Früher waren wir sehr hardcore-lastig, aber inzwischen spielen eine gesunde Mischung aus Hardcore, Metal und Alternative Rock." Eine solche Entwicklung gehen dieser Tage ja einige Bands, aber wenige sind dabei so überzeugend wie nine. Zudem versuchen die vier Musiker auch nicht, die eigenen Hardcore-Roots zu leugnen, sondern spielen gekonnt mit den Genre-Elementen. Aufgenommen wurden die zehn Tracks einmal mehr in den Soundlab Sudios von Miezko (NASUM) und Matthias (MILLENCOLIN), die sehr gute Arbeit geleistet haben und ebenfalls für die Qualität der Platte bürgen: "Wir kennen die beiden schon sehr lange und es war eine perfekte Zusammenarbeit. Sie haben genau verstanden, was wir wollten und wir haben viele, sehr produktive Diskussionen geführt." ...die zu einem ansehnlichen Ergebnis geführt haben. Wer sie noch nicht kennt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, nine. anzutesten; egal, ob nun live oder auf Platte..Arne
 
 
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