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Sanguisugabogg

Storie von: arne, am 20.04.2021 ]

Was das Quartett selbst „Down-Tuned Drug Death“ nennt, meint einen rohen, unbequemen und abgefuckten Oldschool-Death mit düsteren Sludge-Grooves, der zudem Akzente moderner Extrem-Kost aufweist. Zusammen mit dem Aufsehen erregenden Namen schinden SANGUISUGABOGG mit „Tortured Whole“ nachhaltigen Eindruck.

 
Nach der 2019er „Pornographic Seizures EP“ markiert das Debüt gerade einmal das zweite Lebenszeichen der Gruppe aus Columbus, Ohio, die sich ebenso vehement wie treffsicher bauchgesteuert vorstellt: „Ich denke nicht, dass es für irgendjemanden von uns wirklich schwierig war,“ erwidert Schlagzeuger/Produzent Cody Davidson auf sein Fazit hinsichtlich des Erstellungsprozesses des ersten Albums angesprochen. „Vielmehr war es größtenteils ganz natürlich, weil wir uns nur auf die einzelnen Songs konzentrieren, anstatt auf eine zielgerichtete Sammlung hinzuarbeiten. Natürlich wollen wir es richtig krachen lassen, aber es ist nicht so, dass wir ein artikuliertes Bild malen. Wir haben diese Songs im Laufe von ein paar Monaten geschrieben und es fühlte sich eher nicht so an, als würden wir einem Debüt-Statement oder so hinterherjagen. Schon zu dem Zeitpunkt, als „Pornographic Seizures“ herauskam, haben wir an ersten Songs gearbeitet. Die letzten beiden haben wir dann aber doch erst ein paar Tage vor den Aufnahmen zusammengekratzt. ‚Posthumous Compersion‘ war ursprünglich ein Demo für mein Ein-Mann-Goregrind-Outfit Putrid Stu. Ich hatte es gerade erst wenige Tage, bevor wir die Schlagzeugspuren aufnehmen wollten, geschrieben. Als ich es Band-Leader Cameron vorspielte, sagte er: „Fuck Dude! Können wir das nicht nutzen?!“ Das war eine Woche, nachdem wir ,Felching Filth‘ fertiggestellt hatten. Die typische Formel für einen SANGUISUGABOGG-Song lautet: Cameron schreibt alle Gitarren-Parts, ohne ein Schlagzeug im Kopf zu haben. Er spielt einfach drauf los, während ich am Schlagzeug improvisiere, bis ich eine Idee davon habe, was ich spielen will. So war es schon immer. Er sagt oft, seine Mission sei es, „Cody zu verarschen“. Wenn wir etwas ausarbeiten, gibt es immer ein Überraschungsmoment. Doch wenn wir nicht „Fuck Yeah“ sagen, dann legen wir es wieder auf Eis oder manipulieren es so lange, bis es sich richtig anfühlt. Doch meistens hat Cameron alles im Griff. Dann liegt es nur an mir, ihn von hinter dem Kit zu überreden. Devins Texte kommen entweder am Tag der Aufnahme oder frühestens eine Woche vorher. Er bringt es aber stets auf den Punkt. Bei fast jedem Song können wir nicht glauben, was er sich einfallen lässt. Das Beste daran, Songs mit SANGUISUGABOGG zu schreiben, ist, dass wir alle auf die Rolle des anderen vertrauen. Deshalb ist es für den Einzelnen nur so schwer, wie man es sich selbst als Individuum macht.“

Mitunter regiert aber auch das Prinzip Zufall: „Die Tracks ,Pornographic‘ und ‚Interlube


‘ sind am Ende eher spontan auf die Platte gekommen“, verrät Cody. „Als wir das Album aufgenommen haben, hatten wir offiziell noch nicht bei Century Media unterschrieben. Als wir die Songs einreichten, war die Gesamtlänge ein bisschen kurz. Also haben wir hin und her überlegt, was wir tun können. Eigentlich waren wir zufrieden damit, wie verdammt krass das Album geworden ist. Ich persönlich wollte es vermeiden, in letzter Minute noch mehr Material aufzutreiben, obwohl einige meiner Lieblingsmomente auf „Tortured Whole“ sehr schnell erdacht worden sind. Bis dahin mussten wir noch nie Songs in einem eng gesetzten Zeitrahmen schreiben. Es fühlte sich nicht richtig an, wieder ins Studio zu gehen und zu versuchen, alles noch einmal anzupassen, doch wir hatten keine Tracks in der Hinterhand. Unsere einzige Option schien es zu sein, einige Filler zu ergänzen. Die beiden Songs basieren auf den ersten Ideen, die mir einfielen – frei nach dem Motto „Wir machen das Beste daraus.“ Vor allem ‚Pornographic‘ hat aber richtig Spaß gemacht, weil ich die ganze Woche über Sachen wie ,Mr. Crowley‘ von Ozzy gejammt und Filme wie „Scarface“ oder „A Clockwork Orange“ gesehen habe. Diese Art von Soundtracks sind für mich bewegend, wirklich schön, aber auch haarsträubend. Also habe ich mich daran gemacht, etwas zu erschaffen, das wie die Bahngleise in Miami in den 1980er Jahren klingt. Ich habe versucht, eine Art 80er-Jahre-Vibe hinzubekommen. Letztlich ist es aber eher das Finale einer großen Tragödie denn eine Party geworden. Es war wirklich cool von den Jungs, mich das machen zu lassen.“

Auch künftig scheint bei SANGUISUGABOGG Vieles möglich zu sein: „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass irgendwer von uns Gedanken über Kontinuität anstellt; zumindest jetzt noch nicht“, vermutet Cody. „Als es nur mich und Cameron gab, haben wir eine Art „Oldschool-Absicht“ verfolgt; keinen Worship-Stil, aber doch stark von älterem Death Metal und neuen Bands, die sich an diesem Sound orientierten, beeinflusst. Als Devin dazukam, brachte er ein Element des brutalen Death Metal mit ein. Unsere EP ist meiner Meinung nach eher auf der Oldschool-Seite, doch mit „Tortured Whole“ sind wir darüber hinausgegangen. Ich werde unsere Einflüsse immer hören, nehme aber auch all die unterschiedlichen Meinungen darüber wahr, was es nun eigentlich ist. Und ehrlich gesagt, haben wir es nicht festgenagelt. Ich denke, das ist es, was wir bieten: eine Vielfalt des Death Metal, die nicht wie ein Puzzle zusammenpasst.“

 
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