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Funnylovepainful

Storie von: arne, am 16.09.2020 ]

Die aus dem Raum Aukrug stammenden FUNNYLOVEPAINFUL treten mit einem leidenschaftlich und eingängig aufgesetztem Mix aus Alternative und Indie-Rock an. „No Shadow Without Light“ markiert das Ende einer zehnjährigen Durststrecke. Das Quartett hatte sich nach 2008 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, meldet sich mit seinem vierten Album nun aber stark zurück.

 
„In erster Linie haben wir uns in der Zeit privat geordnet; Beruf, Heirat, Kinder, etc.“, erwidert Gitarrist Michael Pohlmann (auch Backing Vocals) auf die letzten zehn Jahre angesprochen. „Die Zeit war wichtig für jeden einzelnen von uns. Wir brauchten den Abstand zum Lebensprojekt FUNNYLOVEPAINFUL, denn wir haben die Band nie nur als Hobby oder Zeitvertreib gesehen. Für uns war es immer schon etwas ganz Wichtiges und Besonderes. Wir wollten uns immer gut damit fühlen, was wir da tun und haben alles in dieses Projekt gesteckt, jedoch so viel herumexperimentiert und an irgendwelchen Sounds geschraubt, dass wir unseren Fokus verloren haben. Deshalb wollten wir uns neu erfinden und besser klingen als je zuvor. Bis wir zu der Erkenntnis kamen, dass wir alles hatten und alles schon da war, um ein neues Album aufzunehmen. Einen neuen Sound brauchten wir gar nicht. Also haben wir alles wieder verworfen und uns an die neue Platte gesetzt. Dann ging alles relativ schnell.“

Pause und Abstand haben den Musikern aus Schleswig-Holstein geholfen, sich über ihre Ansprüche und Erwartungen klar zu werden: „Das Schrauben an Sounds und die Tatsache, dass wir ein kleines Studio gegründet und auch andere Bands aufgenommen haben, hat uns schon einiges an Erfahrung gebracht“, äußert Michael. „Wenn wir früher eine Idee im Kopf hatten, war es bisweilen schwierig, diese auch wirklich nach den eigenen Vorstellungen umzusetzen. Das fällt uns heute wesentlich leichter, weil wir wissen, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um unseren Zielen sehr nahe zu kommen. Wir spielen mittlerweile gut 25 Jahre zusammen. Da hat sich eine nonverbale Kommunikation eingestellt. Da kommt dann einer von uns mit einer Grundidee in den Proberaum und aufgrund von Mimik und Blicken weiß jeder, wohin die Reise geht.“ Auf dem Comeback-Werk „No Shadow Without Light“ spürt und hört man das: „Wir hatten einfach tierisch Bock, ‘mal Nägel mit Köpfen zu machen“, so der Gitarrist. „Wir waren es leid, im stillen Kämmerlein abzuhängen. Insofern war es auch gut, dass uns die Decke auf den Kopf gefallen ist, da wir, unserer Meinung nach, hervorragende Songs haben. Es wäre schade gewesen, wenn wir sie weiterhin nur für uns selbst gespielt hätten.“

Teilweise haben FUNNYLOVEPAINFUL das wirklich lange getan: „Es gibt Songs auf dem Album, die tatsächlich schon zehn Jahre auf dem Buckel haben“, verrät der Musiker. „Das spricht ja für ihre Qualität. Der größte Teil ist aber erst in dem Jahr vor der Aufnahme entstanden. Wir


haben den Luxus, dass jeder von uns eine kleine Mucker-Ecke im heimischen Keller hat. Das hat den Vorteil, dass jeder seine spontanen Einfälle schnell aufnehmen kann. Gerade die ersten Ideen sind oft am geilsten. Mit den heutigen Möglichkeiten ist es leicht, seine Vorstellungen so detailliert festzuhalten, dass auch die Mitmusiker schnell angefixt sind. Das nimmt uns zumindest ein wenig Druck. Früher waren wir froh, wenn wir uns bei der nächsten Probe eine total verrauschte Gitarrenaufnahme mit dem Kassetten-Deck vorspielen konnten.“ Dennoch geht es im kreativen Arbeiten weniger mit Planung und Technik-Unterstützung zu:

„Beim Songwriting haben wir eigentlich keinen blassen Schimmer, was am Ende dabei herauskommt“, gibt Michael zu. „Vielleicht wird es was Geniales oder es wandert in den Müll. Wir setzen uns nicht hin und schreiben heute ‘mal was Trauriges, Fröhliches oder Wütendes. Es passiert einfach. Da gibt es ‘ne schöne Zeile in dem Song ,King Of My Own‘ auf unserer Platte: „The Ability To Let It Grow, To Let It Flow And Let It Go“ – genau das ist es.“ Im Ergebnis steht ein Rock-Sound, der intuitiv erschließbar ist: „Natürlich kommen wir gern schnell zur Sache und lieben auch eingängige Melodien“, holt der Musiker aus. „Für uns sind aber genauso auch versteckte Elemente wichtig, die einen Song dann in einer ganz anderen Stimmung erscheinen lassen können. Eine gute Platte zeichnet sich für mich dadurch aus, dass man selbst nach mehrmaligem Hören noch Details entdecken kann, die einem vorher vielleicht gar nicht bewusst geworden sind.“ Auf ihrem „No Shadow Without Light“ halten es FUNNYLOVEPAINFUL so:

„Wir erheben keinen Anspruch auf Eingängigkeit“, stellt der Gitarrist klar. „Das mag vielleicht den Anschein erwecken, weil wir auf Songs mit guten Melodien stehen, die schneller ihren Weg in die Gehörgänge finden. Für uns ist es aber wichtig, wir selbst zu sein und das auszudrücken, was wir fühlen. Wenn wir meinen, ein Song braucht eine zuckersüße Britpop-Melodie, dann machen wir das einfach. Und wenn wir denken, jetzt könnt‘s ein bisschen flotter zur Sache gehen, dann schrecken wir auch nicht davor zurück, Hardcore-Elemente einzubauen. Das hat zum einen damit zu tun, dass jeder von uns einen ziemlich breiten Musik-Geschmack hat. Zum anderen bedeutet sich festzulegen ja auch, sich in eine bestimmte Schublade zu stecken. Da unsere Songs unterschiedliche Emotionen widerspiegeln, ist es doch mehr als sinnvoll, sich an einer reichen Farbpalette zu bedienen.“

 
 Links:
  www.funnylovepainful.com
 
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