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The Devil Wears Prada

Storie von: arne, am 27.12.2019 ]

Es gehört viel Mut dazu, mit dem eigenen Trademark-Sound zu brechen und sich als Band neu zu erfinden. THE DEVIL WEARS PRADA tun auf ihrem siebten Album exakt das. „The Act“ überrascht mit vorbehaltloser Offenheit und experimenteller Variabilität. Spannend klingt das Ergebnis der kreativen Selbstverwirklichung allemal.

 
„Es kommt auf die Einstellung und Prioritäten einer Band an“, holt Frontmann Mike Hranica aus. „Das entscheidet darüber, wie ihre Musik ausfällt und klingt. Für uns nehme ich es in Anspruch, dass wir erfindungs- und einfallsreich unterwegs sind. Denn das entspricht unserem Selbstverständnis. Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen man zweifelt oder eingeschüchtert ist und externe Erwartungen zu nah an sich heran lässt. Wir fühlen uns mit „The Act“ und unserer aktuellen Ausrichtung aber sehr gut repräsentiert und sind mehr als zufrieden.“ Das Quartett aus Dayton, Ohio nimmt auf seiner neuen Platte keine leichte Kurskorrektur, sondern eine komplette Umdeutung der eigenen Aufstellung vor. Mit Kenntnis der Veröffentlichungshistorie von THE DEVIL WEARS PRADA lassen sich die Veränderungen durchaus mitzugehen. Etliche Fans werden daran wohl aber doch zu knabbern haben:

„Um ehrlich zu sein, habe ich mich noch niemals ganz verstanden gefühlt“, erwidert der Shouter. „Für mich spielen THE DEVIL WEARS PRADA auf „The Act“ launischen Post-MetalCore. Das mag vielleicht anmaßend klingen, ist aber meine ehrliche Sicht der Dinge.“ Genauso gut ließe sich mit Blick auf die aufwühlenden, tief reichenden und vielfältig angelegten Songs von Post-Hardcore sprechen. Das verdeutlicht die Abkehr vom bisherigen Stil, der die Wahrnehmung der US-Kombo bislang bestimmt hat. Die andere Anmutung ist Mike zufolge kein Zufall: „Alles, was man auf „The Act“ hört, basiert auf bewussten Entscheidungen und ist nicht einfach so entstanden. In gewisser Weise ist es eine Verschwendung von Zeit und Energie, sich so intensiv mit seinen Songs zu beschäftigen und sie immer und immer wieder zu überarbeiten. Das kollidiert mit dem Anspruch, möglichst aufrichtige und kathartische Musik zu erschaffen, aber wir haben es dennoch getan. Schließlich wollten wir nichts dem Zufall überlassen.“ Nachdem THE DEVIL WEARS PRADA ein Album im Stil von „Transit Blues“ geschrieben hatten, warfen sie das Material wieder über den Haufen und haben von vorne begonnen:

„„The Act“ ist eine große Veränderung für uns, aber sie ist dennoch in dem verwurzelt, was unsere Band schon immer gewesen ist“, reflektiert der Frontmann. „Es geht nicht darum, die eigene Box zwanghaft zu verlassen, um etwas völlig Neues zu schaffen, sondern darum, die Wände der Box zu zerstören und sich kreativ so weit wie möglich auszudehnen.“ Gesagt, getan. Die Umsetzung dieser Maxime lässt den siebten Longplayer der Band so spannend und die Auseinandersetzung mit ihm so lohnend erscheinen.


Es gibt unglaublich viel zu entdecken, denn die Einfälle des Quartetts sind toll: „ Sich als Musiker und Künstler zu verbessern und zu wachsen, ist ein natürlicher Prozess“, relativiert der Sänger. „Wer sich wirklich mit seiner Kunst und seinem Stil auseinander setzt, muss im Zeitverlauf besser werden. Das liegt in der Natur der Dinge. THE DEVIL WEARS PRADA haben eine solche Entwicklung erfahren, denn in der Band kommen unsere individuellen Veränderungen zusammen. Aus diesem Grund ist es für mich fast selbstverständlich, dass man unseren Reifeprozess erkennt und er sich in besseren Songs und Alben so deutlich ausdrückt.“ Was die musikalische Arbeit der Gruppe aus Dayton, Ohio anbelangt, sollte man zudem wissen, dass diese in jeder Hinsicht emotionsgetrieben erfolgt:

„Der Ansatz unserer Band wird zu einem überwiegenden Teil durch die Texte bestimmt“, erzählt Mike Hranica. „Ein Großteil der Emotionen, die sich in den Songs widerspiegeln, wird durch die Stimmungen und Gefühle gesteuert, die wir lyrisch transportieren. Gefühlsbetonte Texte bedingen einen gefühlvollen Sound, denn beides muss zusammen finden. Bei der Arbeit an „The Act“ haben wir das intuitiv berücksichtigt. Dass wir in unserem Songwriting sowohl brachiale als auch eingängige Passagen miteinander verbinden, ist auch etwas, dass wir schon seit den ersten Tagen der Band praktizieren.“

Die jeweils handelnden Personen üben natürlich ebenfalls Einfluss auf die sich wandelnde Musikalität von THE DEVIL WEARS PRADA aus: „Die Interaktion und das Zusammenspiel innerhalb der Band haben sich durch die Wechsel im Line-Up verändert“, bestätigt der Musiker. „Das Songwriting mit Jon (Keyboards) und Kyle (Gitarre) birgt andere Herausforderungen als das mit den früheren Mitgliedern. Dafür bringen sie wiederum andere Sichtweisen mit ein, seit sie involviert sind. Was uns alle antreibt und was wir teilen, ist das starke Bedürfnis, spannende Musik zu schreiben und mit dieser zu touren.“ Den Wandel in seinen eigenen Ansprüchen formuliert der Frontmann abschließend wie folgt: „Mein Blick auf unsere Musik hat sich über die Jahre hinweg dahingehend verändert, als dass ich sie heute aus einer anderen Perspektive betrachte und andere Schwerpunkte setze. In den frühen Tagen sollte alles möglichst heftig und schnell sein. Diesen Antrieb gibt es heute nicht mehr, denn daraus ziehe ich längst keine Inspiration mehr. Der Fokus hat sich mehr auf den einzelnen Song, aber auch das Gesamtbild, das die Stücke von THE DEVIL WEARS PRADA abgeben, verschoben.“

 
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