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Sick Of It All - Part 2

Storie von: arne, am 18.08.2003 ]

Das Phänomen geht in die nächste Runde, SICK OF IT ALL veröffentlichen im September mit “Life On The Ropes“ ihr viertes Album auf Fat Wreck Chords. Neben Agnostic Front steht wohl nur noch dieses äußerst sympathische Quartett synonym für den New York Hardcore. Auch nach über 15 Jahren im Geschäft haben SICK OF IT ALL nicht einen Deut Durchschlagskraft und Spritzigkeit eingebüßt und Verschleißerscheinungen sucht man vergebens. Das Interview geht weiter.

 
Hier in Deutschland klappt das nicht und: „Das ist leider überall so, auch wenn es nicht so sein sollte. Dort ist die Oi!-Show, da der Punk, hier Street-Punk und da hinten Hardcore. Eigentlich sollte das alles durchmischt sein, aber so ist es nicht. Gerade deshalb haben wir wohl unseren SICK OF IT ALL-Stil kreiert, der verschiedene Stile verbindet. Einigen Leuten sind wir nicht hart genug, weil wir zu viele Punk-Elemente haben; den Punks wieder sind wir zu sehr Metal. Das ist doch toll und so sollte es auch sein. Das ist unser Background, es ist Teil unserer Geschichte. Es gibt groovige Songs, harte Tracks, da ist Hardcore, dort Punk, da Oi!; das ist SICK OF IT ALL! Wir führen all unsere Einflüsse zusammen und limitieren uns nicht auf ein Genre. Hardcore ist ursprünglich die Mischung von Punk und Metal. Daran sollten sich die Kids erinnern.“ ...oder es endlich lernen. Egal, für welche Spielart, die Rahmenbedingungen für härtere Underground-Bands haben sich in den Jahren kontinuierlich verbessert:

„Heute ist es vor allem einfacher ein Label zu finden und eine Tour zu organisieren. Die Clubs haben sich für Hardcore geöffnet und lassen auch jüngere Kids mit rein. So entwickelt sich das Ganze. Früher war alles deutlich überschaubarer und viel kleiner. Irgendwann haben dann immer mehr Leute erkannt, dass man auch Geld verdienen kann und schon waren mehr da. Zu Beginn waren die Leute dabei, weil sie die Musik liebten und an Hardcore glaubten. Heute finden sich im Umfeld viele, die Hardcore eigentlich gar nicht interessiert, die nur Geld machen wollen. Wie ich schon sagte, M.A.D., Destiny: Sie haben damals, weil sie die Bands mochten, Shows für Gruppen aus den Staaten organisiert. Man kontaktierte dann Freunde in anderen Städten und die machten die nächste Show. Einige haben dann Agenturen gegründet, aber all das musste sich entwickeln. Die Erfahrungen der Pioniere können Neueinsteiger nicht wett machen, denn vieles läuft noch heute auf persönlicher Basis. Startet eine neue Band, kann sie heute oft auf eine gut entwickelte Szene zurückgreifen. In unseren Anfangstagen gab es so etwas nicht. Wir mussten kämpfen alles am Leben zu halten. Das muss man wissen, um es zu respektieren. Ich bin sehr stolz auf unseren Beitrag und auch auf die Leute, die bis heute dabei geblieben sind und etwas erreicht haben.“

SICK OF IT ALL stand dabei von jeher für folgendes: „Für sich selbst einzustehen und sich nicht von jedem Scheiß beeinflussen zu lassen. Man sollte immer das tun, was man will und eigene Wege gehen. Kopiere nicht meinen Haarschnitt, denn ich habe ihn schon. Tätowiere dich nicht, nur weil dein Freund ein Tattoo hat, das dir gefällt. Sei allem gegenüber aufgeschlossen und schränke dich nicht selbst ein.“ Für das eigene Leben haben das die New Yorker bislang sehr erfolgreich umgesetzt: „Wir verstehen das Leben nicht als Abfolge verschiedener Lebensabschnitte. Es geht uns nicht um soziale Anerkennung. Mit 15 wollte ich nach der High School nicht aufs College gehen und heute mit 30 ist mir nicht danach eine Familie zu gründen und Kinder zu haben. Eine Vielzahl von Leuten denkt in gewissen


Abschnitten, wir nicht. Wir unterwerfen uns nicht den Ideen der Gesellschaft. Aus diesem Grund sind wir noch immer da.“

Motivationsprobleme haben die Jungs keine, sind Jungspunde geblieben: „Ich fühle mich in gewisser Weise noch immer als Jugendlicher, wirklich. Ich renne schneller und springe höher als jedes andere Kid mit einer Gitarre oder einem Bass da draußen. Scheint mir jedenfalls oft so. Das ist die Sache, die ich kann und in der ich gut bin. Ich nehme das sehr ernst und will es noch lange tun.“ Schon in der Jungend fanden SICK OF IT ALL ihre Passion und bis heute gibt es keine Abnutzungserscheinungen: „Natürlich hat man immer mal wieder schlechte Tage oder eine schlechte Show, aber das hält niemals lange vor. Wir sind uns unserer besonderen Chance bewusst und verstehen es als Ehre die Möglichkeiten wahrzunehmen. Jeder im Publikum würde es auch gerne tun, aber wir stehen auf der Bühne. Das ist eine besondere Motivation und treibt uns an. Wie gestern, wir spielten vor 20.000 Leuten und nach jedem Song klatschten sie. Was könnte schöner sein? Es bedeutet uns so viel.“ Den „typisch-deutschen“ SOIA- Fan beschreiben beide augenzwinkernd wie folgt: „Ein besoffener Deutscher, der mit seinem Gesicht im Schlamm liegt. Er hat sich bei unserem Gig so verausgabt, dass er man Schluss entkräftet zusammenbrach.“

Das neue Album der New Yorker wird “Life On The Ropes.“ Im September kommt es mit seinem Comic-Cover in die Läden. „Das Cover symbolisiert das Grundkonzept der Platte. Sie handelt davon; dass man tagtäglich gegen Brutalität der Welt, die einen auf verschiedene Art und Weise angreift, bestehen muss. Man sieht zwei unschuldige Kinder, die von verschiedenen Seiten angegangen werden. Da ist ein großer Typ mit Kreuzen, ein religiöses Monster, ein Sex-Monster, natürlich die Regierung, die von Macht und Geld getrieben wird, die blanke Angst, ein Typ, der Drogen symbolisiert und einer für Gier. Das Bild soll zeigen, dass es in der Welt viele schlechte Einflüsse gibt, mit denen sich nicht nur aufwachsende Kinder auseinandersetzen müssen. Überall und zu jeder Zeit kann man auf Schlechtes treffen. Wir müssen lernen den Versuchungen zu widerstehen und wachsam sein.“ Musikalisch gibt es den gewohnt-bewährten HC-Cocktail: „Es ist eine Mischung von Up Tempo-Songs mit vielen Back-Ups, klassischen Old School-Hardcore-Tracks, SICK OF IT ALL-typischen Oi!-Songs, Punk, Metal, Bad Brains- Stuff und noch einer Menge mehr.“

Auf Bridge Nine kommt zudem die “Relentless“ Single, die Songs featured, die nicht auf dem Album zu finden sind: „Sie kamen auf uns zu und es ist für uns eine tolle Möglichkeit. Die jungen Kids schauen oftmals nur auf das Label und nicht auf die Bands. Bridge Nine steht für modernen Hardcore und ist sehr populär. Für uns ist es die Chance SICK OF IT ALL neuen Kreisen vorzustellen, die uns zuvor nicht kannten. Das war auch die Intention von Bridge Nine an uns heranzutreten. Sie erzählten uns, dass sie viele Kids treffen würden, die zwar den Namen SICK OF IT ALL schon mal gehört hatten, aber unsere Musik nicht kannten. Das wird sich hoffentlich ändern.“

 
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