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New Years Day

Storie von: arne, am 29.04.2019 ]

Keine zwei Songs dieser Band klingen gleich. NEW YEARS DAY um ihre stimmgewaltige Frontfrau Ashley „Ash“ Costello zelebrieren musikalische Variabilität und erfinden sich nicht mit jedem Album, sondern jedem einzelnen Stück neu. Der agile und breit gefächerte Crossover bietet den Kaliforniern dabei alle Möglichkeiten. „Unbreakable“ weist Elemente aus dem Modern-Metal, Industrial/Elektro, MetalCore, Gothic-/Alternative-Rock und Pop auf.

 
„Alles hängt von der Stimmung ab, in der ich mich befinde, wenn ich ein Stück schreibe“, kontert Gitarrist Nikki Misery, für den der Sound-Clash nicht Besonderes ist. „Manchmal suche ich nach einem Beat, um meine Hüften kreisen zu lassen, manchmal nach einem Riff, das mich verzücken lässt. So viel zieht mein Interesse auf sich. Unser musikalischer Geschmack ist so breit gefächert, dass es schwer ist, genau zu bestimmen, wonach ich suche und was uns auszeichnet. Es ist der Reiz der Musik, dass sie DICH findet. Ich lasse mich aber auch gerne von anderen beeinflussen. Gegenwärtig gibt es insbesondere zwei Künstler, die ich fantastisch finde. Zum einen sind das die Growlers, die ich für ihren „Surf-Gothic-Stil“ schätze. Ihre Grooves tanzen derzeit fast jeden Tag in meinem Kopf. Zum anderen hat mich eine Band tief beeindruckt, die sich leider kürzlich aufgelöst hat. Das sind die Biters aus Atlanta gewesen – reiner 70er Jahre Rock’n’Roll, der an Thin Lizzy, T Rex, Cheap Trick erinnert, einfach fantastische Songs!“

Anders, als man es vermutet, besitzen musikalische Eigenständigkeit und Variabilität für NEW YEARS DAY gar keinen so hohen Stellenwert, glaubt man Nikki: „Es ist mir noch nie wichtig gewesen, originell zu sein. Da bin ich ehrlich. Meiner Meinung nach kümmern sich schon zu viele Leute darum, anstatt sich neben dem Streben nach Originalität nachvollziehbar und authentisch selbst zu verwirklichen. Diesen Fehler begehe ich nicht. Solange wir glücklich mit dem sind, was wir tun, ist mir die Frage nach Originalität egal. Da kläre ich die Leute viel lieber über unsere Einflüsse auf. Hört euch diejenigen an, mit denen wir auf Tour waren und findet heraus, wie sie uns beeinflusst haben. Was wir spielen, ist nichts anderes als das Spiegelbild unserer Reise als Band.“ Der vierte Longplayer der Band, „Unbreakable“, fällt sowohl härter als auch poppiger aus. Dieses Ergebnis ist dem Gitarristen zufolge den Umständen geschuldet und weniger das Resultat gezielter Planung: „Mit dem Songwriting ist das so eine Sache. Wenn du nicht bereit bist, tief zu graben und um den Wahnsinn herum zu tanzen, ist es dann wirklich Songwriting? Natürlich ist jeder Musiker anders, hat andere Ideen und meint zu wissen, was cool ist. Manchmal ist es wirklich hart, denn richtig liegt man fast nie. Ich versuche jedenfalls, mich nicht zu sehr auf das zu konzentrieren, was die Fans denken könnten – ich weiß ja nicht einmal, was ich zu einem bestimmten Zeitpunkt denken soll. Etwas, das schlecht beginnt, kann am Ende zu einem richtig starken Song werden. In vielfacher Hinsicht kann die kreative Arbeit nervenaufreibend sein.


Hinsichtlich der stilistischen Aufstellung der Gruppe überrascht Nikki Misery mit einer pragmatischen Einordnung. Als Crossover will er NEW YEARS DAY nicht verstanden wissen: „Ich kann nicht behaupten, dass wir so etwas anstreben. Aus meiner Sicht sind wir eine Rock’n‘Roll Band, Punkt. Die Rock-Musik ist aber nicht mehr dieselbe wie in den 1950ern, 60ern oder 70ern Jahren. All diese zusätzlichen Labels und so weiter: mir ist all das egal. Wir sind eine Rock-Band. Das reicht mir völlig. Ich interessiere mich nicht dafür, verstanden, gemocht oder populär zu werden. Rock muss meinem Verständnis nach keine Begründung liefern.“ Mit Blick auf die Entstehungsgeschichte und Wirkung von „Unbreakable“ bemüht der Kalifornier einen interessanten Vergleich: „Hinsichtlich des Songwritings ist meine Sichtweise, dass ich keine andere Wahl habe. Jeder Song nimmt mich mit auf seine Reise. Ich kann es nur so beschreiben, als würde ich auf dem Beifahrersitz im Selbstmordwagen von „Death Proof“ mit Kurt Russel am Steuer sitzen.“

Die poppige Zuspitzung von Teilen des neuen Albums passt in diesen Rahmen: „Wir betrachten das nicht als Risiko. Diese Band hatte schon immer ein poppiges Element. Und außerdem tun wir, was wir wollen. Wenn wir ein Country-Album machen wollen, dann tun wir auch das. NEW YEARS DAY erfindet sich ständig neu. Diese Entwicklung sagt mir zu. Ich würde es hassen, jedes Mal dasselbe Album herauszubringen. Lasst uns seltsam werden!“ Schon der Titel gibt dabei die Richtung des neuen Materials vor: „Nach all dem, was wir in den letzten Jahren mit dieser Band durchgestanden haben, sind wir davon überzeugt, dass wir „Unbreakable“ sind“, klärt Nikki auf. „Das ist Ausdruck unserer gewachsenen Stärke. Bei der Arbeit hatten wir wieder viel Spaß. Zuletzt bei „Malevolence“ kamen wir emotional von sehr dunklen Orten. Nun stellt sich die Sache ganz anders dar, also klingt „Unbreakable“ auch anders. Wir sind aber nach wie vor Hitzköpfe und kraftvoll unterwegs, wenn auch nicht mehr ausgehend von Schmerz und Leid. Die Welt kann uns nicht aufhalten, also schnall dich an. Es wird eine wilde Fahrt.“

Die Verbindung zwischen den sprunghaften Ideen und Passagen des Viertwerks schafft die jederzeit präsente Frontfrau: „Ich wünschte, es gäbe eine bestimmte Formel“, äußert der Gitarrist abschließend. „Doch ehrlich gesagt, gehen wir einfach mit all unseren Ideen, Einflüssen, Emotionen, Lebenserfahrungen und vor allem mit Ash‘s Vision in die Arbeit hinein und setzen sie in Songs um.“ Gemessen am düster-hymnischen Sound mit seinem enormen Wiedererkennungswert klingt das fast nach Understatement.

 
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