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Sick Of It All - Part I

Storie von: arne, am 11.08.2003 ]

Das Phänomen geht in die nächste Runde, SICK OF IT ALL veröffentlichen im September mit “Life On The Ropes“ ihr viertes Album auf Fat Wreck Chords. Neben Agnostic Front steht wohl nur noch dieses äußerst sympathische Quartett synonym für den New York Hardcore. Auch nach über 15 Jahren im Geschäft haben SICK OF IT ALL nicht einen Deut Durchschlagskraft und Spritzigkeit eingebüßt und Verschleißerscheinungen sucht man vergebens. Hier gibt's Part I des interessanten Interviews.

 
Klar, die Band erfindet sich nicht neu, aber noch war jede Platte der Jungs war Knaller. Professionell, druckvoll, abgeklärt und mit vollem Herzen bei der Sache, das sind SICK OF IT ALL anno 2003. Sie haben ihren unverkennbaren Sound ein weiteres Stück perfektioniert und setzen dabei auf altbewährte Qualitäten.

Fat Wreck preist sie als „Kings of New York Hardcore!” an und ich bin gewillt dem zuzustimmen. Kein andere Erststunden-Band der Ostküsten-Metropole ist heute noch derart mitreißend und knallig wie diese hier. Gerade live steckt das Quartett jeden in die Tasche und man spürt regelrecht die Leidenschaft und Hingabe, mit der SICK OF IT ALL auftreten. Egal, wie oft man sie sieht, und die Jungs sind bekanntlich häufig und ausgiebig in Europa unterwegs, man ist jedes Mal wieder beeindruckt. Besser kann NY-HC nicht sein.

Nach ihrem Auftritt auf dem With Full Force Festival gastierten SOIA einen Tag im Destiny-/Fat Wreck-Büro in Berlin, um das anstehende Album zu promoten. Diese Chance ließ ich nicht ungenutzt verstreichen und saß schließlich mit Gitarrist Pete und Bassist Craig Ahead in der Büro-Küche. Die Stimmung war gelöst und die Jungs bester Laune. Das Resümee des Full Force-Auftrittes fiel zusammengefasst so aus:
„Es hat viel Spaß gemacht und die Show war gut. Gutes Publikum. Wir spielten zwei neue Songs und die Leute schienen sie zu mögen. Einer war sehr direkt und härter und auch das Slayer- Publikum und die Metal-Crowd mochten ihn. Der andere war etwas ruhiger, kam aber auch gut an.“ Gerade mit dem Full Force verbinden die New Yorker eine Menge und die europäischen Sommer-Festivals sind für SICK OF IT ALL inzwischen so etwas wie eine liebgewonnene Tradition:

„Schon als wir das erste Mal nach Europa kamen, haben wir Leute getroffen, die offen und ehrlich zu uns waren und uns sehr geholfen haben. Die meisten Festivals fanden zum ersten Mal statt, als wir damals hier in Europa loslegten. Wie z.B. das Full Force, wir spielten schon das erste. Damals waren es etwa 1.800 Leute und gestern 20.-30.000. Für uns ist es toll, diese Möglichkeiten wahrzunehmen. Schon immer wollten wir den Leuten zeigen, was wir können. Wir versuchen immer das Beste aus unseren Chancen zu machen. Die Festivals sind dabei wichtig, denn man erreicht sehr viele Leute. Wir sind froh, spielen zu dürfen.“

Seit besagten Anfangstagen hat sich eine Menge getan, auch für die Band selbst: „Vor allem hat sich die Qualität der Musik verbessert, denn inzwischen können die Leute ihre Instrumente spielen. Punk heißt ja nicht, dass man mit seinen Instrumenten nicht umgehen kann. Im Equipment-Bereich hat sich sehr viel getan und deshalb gibt es heute bessere Sounds. Die Leute vor der Bühne und wir als Musiker profitieren davon; es funktioniert auf beiden Seiten und das ist toll. Man kann seine Gefühle heute besser umsetzen und die Leute fühlen das direkter. Das beste Equipment der Welt garantiert aber nicht, dass man mit vollem Herzen bei der Sache ist. Ist man es, kann man seiner Spirit besser transportieren.“

Gerade in der Hardcore-Szene hat sich seit den Anfangstagen der Band 1987 eine Menge getan. SICK OF IT ALL haben die Szene die Jahre über wachsen sehen und diese Entwicklung mit angeschoben. Anfangs


durchweg einem D.I.Y. Ideal folgend, hat sich bis heute vieles verschoben bzw. in größere Dimensionen entwickelt:
„Das Problem ist ist heute, dass Label vielversprechende Bands gleich für zehn Alben unter Vertrag nehmen wollen, um sie im Erfolgsfall gut an einen Major verkaufen zu können. D.I.Y. war und ist großartig, aber es gibt immer die menschliche Komponente und andere Einflüsse. Wenn man D.I.Y. startet und versucht auf diesem Level bleiben, kommt man oft nicht an der Tatsache vorbei, dass sich alles plötzlich auf viel größeren Level bewegt und man das nicht mehr überschauen kann. Eine Sache kann Ausmaße annehmen, die man niemals für möglich gehalten hat. Man wächst in diesem Fall zwangsläufig mit. Das ist ganz natürlich. Man muss dabei immer seine eigenen Ausgaben mit im Blick haben, denn man will ja überleben. Gerade im Punk und Hardcore kommen die meisten Leute aus einem D.I.Y. Background. Es ist schon witzig, dass uns die neu hinzugekommenen Kids, sagen wir seien zu groß und zu bekannt. Vor zehn-zwölf Jahren wären wir mit ihnen auf einem Level gewesen, aber seitdem hat sich viel entwickelt, wir uns auch. Schau dich hier um; Destiny hat alles aus dem Nichts aufgebaut. Leute aus der Szene rafften sich auf und halfen eine Tour zusammenzustellen. Heute hört man über Fat Wreck Chords, M.A.D. und Destiny sie seien zu groß und deshalb Bullshit. Wo wart ihr denn vor 15 Jahren, als die Leute mit ihrer Arbeit anfingen? Es ist einfach zu kritisieren. Mit eigener Kraft etwas aufzubauen, ist deutlich schwerer.“

Hat man es dann geschafft sich zu etablieren und fährt erste Erfolge ein, sieht man sich oft Anfeindungen und übler Nachrede ausgesetzt. Nicht nur ich habe dafür nur Unverständnis übrig: „Der Underground scheint oftmals eifersüchtig zu sein, wenn eine Gruppe breitere Aufmerksamkeit erfährt. Die Bands wollen das in den meisten Fällen nicht mal, doch die Kids, die dann die Platten boykottieren, streben wohl danach. Wie sonst ist es zu erklären? Sie wären gerne populär; die meisten Musiker wollen das nicht, richtige Menschen streben nicht danach. Sie wollen lediglich ihren Weg gehen und ihr Ding durchziehen. Haben sie Erfolg, müssen sie sich mit Anfeindungen auseinandersetzen. Ich kann das nicht verstehen. Bekanntheit sollte nicht das Ziel kreativer Tätigkeit sein, keine Band sollte darauf abzielen. Das bringt nichts. Tut man es, verkauft man sich. Böte man einer solchen Person eine Million Dollar um sich in einer bestimmten Art und Weise zu kleiden und benehmen, würde sie es wohl tun. Das ist nicht aufrichtig und unfair. Es verdient keinen Respekt.“

Letztendlich entscheidet der Hörer, was ihm gefällt und beständiger braucht eine Basis: „Musik ist letztlich nur eine Medium, das in allen Spielarten respektiert werden sollte. Viele Kids kommen auf unsere Shows, schauen sich aber nicht die anderen Bands an. Das ist Schwachsinn. Als ich als Kind zu Shows ging, habe ich mir alles angesehen, von Avoid, über Flipper bis zu weiß ich was. Es kam nicht auf den Stil an, es ging um die Musik und die musste überzeugen. Eben darum geht es, man muss sich einen offenen Geist bewahren und Neuem eine Chance geben.“

Teil 2 folgt Ende der Woche, also schaut wieder bei uns rein!

 
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