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Cortez

Storie von: arne, am 06.12.2018 ]

Die Schweizer Band CORTEZ fällt seit jeher durch ihre rigorose Experimentierfreude und eine sich beständig verändernde, dichte Wall-of-Sounds auf – so auch auf ihrem Drittwerk „No More Conqueror“. Die Musikalität des Trios ist unstet und unberechenbar; bietet genau aus diesem Grund überraschende Aha-Momente.

 
„Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir viele Einflüsse mischen“, erwidert Schlagzeuger Greg, einer der beiden Kreativköpfe. „Dabei versuchen wir es aber so klingen zu lassen, als wäre es unser eigener Stil. Da bei uns Math-Rock, Heavy und Black Metal, NeoMetal, Progressive, Experimentelles, Zeitgenössisches, Indie, Jazz und sogar elektronische Konzepte zusammen kommen, kann man wohl mit Fug und Recht sagen, dass wir musikalisch viel zu bieten haben. Als Hörer interessieren wir uns für viele Sachen, wobei die meisten davon nicht Metal-orientiert sind. In jedem Stil findet man inspirierende Dinge. Wenn wir komponieren, kommen all die gewonnenen Eindrücke zusammen. Auf unserer Seite der Musik ist CORTEZ das aggressive Projekt, das intensiv, chaotisch und gleichzeitig kontrolliert ist. Sam (Gitarre und Produktion) und ich kennen uns schon lange. Auch wenn wir nicht immer denselben Geschmack teilen, finden wir in der gemeinsamen Arbeit stets einen Weg, uns zu erfreuen, ohne dafür Kompromisse einzugehen.“

Worauf die Musiker aus sind, kann Greg nur näherungsweise umreißen: „Für mich markiert unser Spiel eine Mischung aus der Punk-Attitüde der frühen Converge, Meshuggah‘s Groove, Botch‘s Song-Konstruktion, Arab on Radar‘s Intensität, Steve Reich’s Polyrhythmik, Aphex Twin‘s Abgedrehtheit, Isis‘ Räumlichkeit und wahrscheinlich noch mehr (oder weniger) als das Genannte. Was unseren Ansatz auszeichnet, ist, dass wir nicht aus einer bestimmten Schule stammen und diese verteidigen müssen. Wir sind ganz normale Leute, die ihre Einflüsse mischen. Da wir intensive und komplizierte Musik schätzen, spielen wir solche. Unser Publikum ist zum Glück nicht dasjenige, dass bei jedem Klischee laut aufschreit. Es handelt sich vielmehr um ein Publikum, das sich in den hinteren Teil des Raumes stellt und zunächst anhört, was wir mitbringen, und dann tief in die Musik einsteigt.“

Dass sich die Veröffentlichungen von CORTEZ deutlich voneinander unterscheiden, hat Greg zufolge einen einfachen Grund: „Wir sind Menschen und als Musiker Amateure. Also können wir uns entwickeln. Nach „Phœbus“, das in der Tat mehr Post-Hardcore gewesen ist, dachte ich, dass wir etwas Einfacheres, Langsameres machen würden. Als wir mit dem Komponieren begannen, geschah genau das Gegenteil. Vielleicht liegt das daran, weil wir uns ausleben wollen. Von der Musik zu leben, ist nicht unser Ziel. Also fühlen wir uns frei, das zu tun, wonach uns ist. Wenn wir uns im Schreibprozess befinden, kümmern wir uns weder um das Publikum noch um Labels oder Tour-Buchungen. Wir denken nicht einmal daran,


dass wir am Ende all das lernen müssen, was wir verzapfen.“

Die bedingungslose Umsetzung der eigenen Ideen unterliegt jedoch einem Wandel: „Wir haben 2001 begonnen“, erinnert sich Greg. „Im Rückblick muss ich sagen, dass die jeweiligen Umstände die Musik gemacht haben und die drei Alben bestimmen. Bei „Initial“ (2005) waren wir etwa 25 Jahre alt und wir drei (damals noch mit JR, der nicht mehr in der Band ist) trafen uns dreimal pro Woche im Proberaum. Es war mehr Rock’n’Roll mit Bier, Musik hören, etc. Das Debüt ist in einem guten Sinn naiv, ideell und wütend. JR hat die Band vor „Phœbus“ verlassen, kam dann zunächst aber wieder zurück. Sam und ich haben alle Songs alleine geschrieben und viele Dinge entdeckt, von denen wir heute profitieren. Inzwischen sind wir mehr Zuhörer unserer Musik, anstatt wild drauf los zu spielen. „No More Conqueror“ ist konstruktiver, vielleicht auch kalkulierter, sowie weitaus solider und kraftvoller als seine Vorgänger. Dabei haben wir nur eine Woche im Proberaum verbracht und anschließend weitere zwei Wochen in einem kleinen Zimmer nur mit einer Gitarre und einem Midi-Drum-Computer. Im Ergebnis klingt alles homogen, doch ich kenne beide Orten und bin mir sicher, dass sie Einfluss auf das hatten, was entstanden ist. In einem Proberaum spielt man mehr mit seinem Sound; er fällt roher und intensiver aus. In einem kleinen Zimmer mit Midi-Drum ist es ruhiger, man hat größere Kontrolle. Es ist weniger wild und in gewisser Weise intellektueller, was auch cool ist.“

Sam klärt über die Hintergründe der Arbeitsweise auf: „Zu der Zeit habe ich in Singapur gelebt. Greg kam zu mir nach Asien, wo wir ein minimales Setup installiert und zwei Wochen durchgezogen haben. Während eines meiner Besuche in der Schweiz hatten wir drei Songs geschrieben, doch der Rest des Albums stammt aus Singapur. Ich hatte erwartet, dass nach drei Tagen die Luft raus sei, doch wir waren bis zum Ende produktiv. Seit dieser intensiven Session hat sich an der Platte fast nichts geändert, so dass es sich um ein sehr spontanes Werk handelt. Es ist sehr dicht, weil es zeitlich begrenzt entstanden ist. Wir haben die Gelegenheit genutzt, zu komponieren und im Anschluss direkt aufzunehmen. Dann ging es zum nächsten Track. Die Stücke nicht immer wieder zu wiederholen, befreite unseren Geist und hat dabei geholfen, schnell voran zu kommen. Es ist ein bisschen wie bei einer Achterbahn-Fahrt, bei der man die Schienen Stück für Stück einsetzt, ohne zu wissen, wo sie enden werden. Es ist riskant, doch glücklicherweise hat sich alles stimmig gefügt.“

 
 Links:
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