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Leeched

Storie von: arne, am 21.11.2018 ]

„You Took The Sun When You Left“ – der Titel des Debüts von LEECHED lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich um ein düsteres, bitteres Album handelt. Das Trio aus Manchester bemüht ein heftiges Spektrum zwischen Blackened-Hardcore, Grindcore, Crust und Industrial/Noise.

 
Dass Bassist/Sänger Laurie das eigene Schaffen in die Tradition einer früheren Größe des Programms von Prosthetic Records einordnet, ist da ebenso angemessen wie zutreffend: „Es freut uns, wenn die Leute meinen, dass unsere Musik eigenständig klingt. Ich selbst interessiere mich ebenfalls für originelle, nicht alltägliche Künstler. Für unsere Band ist es eines der Hauptziele, möglichst harte, für sich selbst stehende Songs zu erschaffen. Wir sind darauf aus, die Stücke zu kreieren, die wir selbst gerne hören wollen. Wenn ich das sage, ist das mehr als ein Klischee. Um das zu erreichen, stecken wir so viel Energie und Kraft in LEECHED, wie es uns physisch möglich ist. Das betrifft die kreative Arbeit, aber auch das Touren. Wir planen, mit dem Album so viel wie möglich unterwegs zu sein und es so einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das ist der Anspruch, an dem wir uns selbst messen. Eine Band, die wir alle sehr bewundert haben und der wir nacheifern, sind Trap Them. Zu ihnen und ähnlichen Gruppen schauen wir auf und wollen in ihre Fußstapfen treten.“

Musikalisch gelingt das schon einmal rabiat. Der Vollzeit-Einstand der gerade erst 2017 gegründeten Formation repräsentiert einen destruktiven Düster-Sound, der Kraft zieht und schonungslos wütet. Und auch was Konzerte anbelangt, stehen LEECHED längst in dem Ruf, ein intensiver, sehenswerter Live-Act zu sein. Dieser Umstand und die furiose erste MCD „Nothing Will Grow From The Rotten Ground“ haben zum Signing auf Prosthetic geführt. Dem Trio bieten sich dadurch neue Möglichkeiten, die die Gruppe zu nutzen weiß: „In der letzten Zeit haben wir zumeist vor einem neuen Publikum gespielt,“ erzählt Laurie. „Es scheint so zu sein, dass unsere Musik verstanden wird. Auf der Bühne versuchen wir, eine Atmosphäre zu erschaffen, die die Zuhörer tief in unsere Songs eintauchen lässt. Das ist auch nötig, denn wir bearbeiten starke Themen wie Elend und Zerstörung oder Verderbtheit und Schwäche.“

Die Gruppe aus Manchester stellt auf Widrigkeiten und Schattenseiten ab. Zur musikalisch gebotenen Ohnmacht und vertonten Ausweglosigkeit passen die tief gestimmte Gitarre und die drohende Tonalität der elf Stücke vortrefflich: „Als wir noch ganz am Anfang die Songs für unsere erste MCD geschrieben haben, war es für ein zäher Prozess während dem wir viele Ideen verworfen haben,“ erinnert sich der Bassist und Sänger. „Es hat seine Zeit gebraucht, das zu entdecken und sich in das hineinzudenken, mit dem wir nun alle zufrieden sind. Natürlich war auch das Schreiben unseres ersten Albums eine Herausforderung. Aufgrund der Tatsache, dass wir inzwischen


wissen, worauf wir aus sind und uns im Songwriting Sicherheit erarbeitet haben, konnten wir unsere Vision jedoch schnell vorantreiben. Wichtig dabei ist es, dass wir verstanden haben, wie unsere Ideen zusammenarbeiten, um die Emotionen zu erzeugen, die die einzelnen Songs vermitteln sollen.“

Die Auseinandersetzung mit dem Treiben des britischen Trios ernüchtert, fordert aber gleichfalls auch heraus. Das ist kein Zufall, denn LEECHED suchen im bearbeiteten Spannungsfeld nach eigenen Lösungswegen: „Es sagt mir zu, dass wir nicht wissen, was die Zukunft bringen und wie sich unser Sound entwickeln wird,“ äußert sich die Musiker interessiert und erwartungsfroh. „Ich bin davon überzeugt, dass der Versuch, mit der eigenen Musik bestimmte Konventionen zu befolgen, wie das Malen in einer Ecke ist. Sobald man das tut, wird es sehr schwierig, da wieder herauszukommen. Deshalb vermeiden wir das und lassen unsere Lieder stattdessen in eine Richtung wachsen, von der wir das Gefühl haben, dass sie dorthin gehen müssen. Und das ist bei jedem Stück eine andere.“

Diese Haltung ist nachvollziehbar und Grundlage für die unberechenbare Ausgestaltung von „You Took The Sun When You Left“. Überraschender trifft da die Aussage, dass eine britische Pop-Künstlerin dafür verantwortlich ist, dass Laurie heute Teil von LEECHED ist: „Obwohl wir alle eine breite Palette an Stilen hören, sind wir in erster Linie Fans von düsterem Metal und Hardcore. Das sind die Genres, mit denen wir umzugehen wissen und die uns dabei helfen, unsere Leben zu meistern. Bei uns ist es nicht anders: persönliche Erlebnisse beeinflussen unsere Musik ebenso wie unsere Texte. Diese Erfahrungen können sowohl gut als auch schlecht sein. Es ist aber nicht nur dunkle, heftige Musik, die mich persönlich inspiriert. Meinen Interessen reichen viel weiter. Das selbstbetitelte Album von Dua Lipa war es, das mich dazu brachte, weiterhin selbst aktiv zu sein und eine neue Band zu gründen.“ Mit der bisherigen Bilanz und dem ersten Album ist das Trio aus Manchester zufrieden:

„Meine persönlichen Favoriten auf dem Debüt sind ,Hollow-Point Weddings‘ und ,Born In Sand‘. Das liegt vor allem daran, weil sich beide Stücke merklich von der restlichen Platte unterscheiden. Insbesondere ,Born In Sand‘ ist vom Tempo her viel langsamer und in seiner Entwicklung vertrackt. Ich mag das, weil es den Zuhörern eine Verschnaufpause gewährt, bevor die letzten direkten Tracks dann ihre unheilvolle Wirkung entfachen. Darüber hinaus erkenne ich inzwischen auch viele Ansätze, von denen ausgehend wir es beim nächsten Mal noch besser machen können.“

 
 Links:
  facebook.com/Leechedmhc
 
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