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Rise Of The Northstar

Storie von: arne, am 29.10.2018 ]

Die Franzosen von RISE OF THE NORTHSTAR zelebrieren einen bunten und ereignisreichen Crossover zwischen NuMetal, Thrash und MetalCore. Auf diese Art und Weise findet die seit 2008 aktive Gruppe aus Paris zu Eigenständigkeit und Differenzierung. Das Zweitwerk „The Legacy Of Shi“ wird noch größere Wellen als das schon richtig starke Debüt „Welcame“ schlagen.

 
„RISE OF THE NORTHSTAR ist von seiner Denkweise her unabhängig“, stellt Gitarrist Evangelion B klar. „Wir vertrauen nur auf uns selbst, auch wenn wir in bestimmten Bereichen schon auf die Meinung von kompetenten Menschen Wert legen. Solange niemand versucht, in unsere künstlerische Vision einzugreifen. RISE OF THE NORTHSTAR ist und bleibt künstlerisch eigenständig. Unser Frontmann Vithia hat eigens ein Label gegründet, um uns alle Freiheiten zu wahren. Wir spielen in der Band, von der wir als Teenager träumten, sie auf der Bühne zu sehen.“ Wer die französischen Musiker geprägt hat und bis heute beeinflusst, steht außer Frage: „Was mich betrifft, so bin ich mit den einschlägigen Gruppen aus den späten 1990ern, frühen 2000er Jahren aufgewachsen, wie Slipknot oder Limp Bizkit. Diese Bands haben in mir den Willen geweckt, Musik zu machen und eine Band zu gründen. Wenn wir heute ebenfalls Leute dazu inspirieren können, ein Instrument zu spielen und Bands zu gründen, dann ist ein kleiner Teil unserer Arbeit erledigt. Das wäre eine der schönsten Belohnungen, auf die wir hoffen können.“

Das Interesse an frischen Ideen und neuen Sounds hat Evangelion B nicht verloren: „Wenn ich eine neue Band höre, geht es zunächst um reine Neugierde. Ich lasse mich gerne überraschen. Eine der letzten Bands, die mich stark beeindruckt haben, waren Ghost. Wir hatten eine gemeinsame Show und ich kannte keinen ihrer Songs; wusste also nicht, was mich erwartet. Von ihrem Spiel war ich sofort begeistert. Dabei ist es schwierig, in eine Live-Show einzusteigen, wenn man nichts über eine Band weiß. Umso höher ist ihre Leistung einzuschätzen.“ Im eigenen Spiel legt es der Musiker ebenfalls darauf an, einen schnellen Zugang zu ermöglichen und seiner Intuition zu folgen: „Wenn ich Gitarre spiele, denke ich nicht darüber nach, was ich tue. Ich lasse mich von dem tragen, was mir in diesem Moment einfällt. Es ist aber schon so, dass sich bestimmte Strukturen für unsere Stücke mehr oder weniger etabliert haben. Ich kann ausschließen, dass wir einen zehn-minütigen Song mit 30 verschiedenen Riffs umsetzen werden. So etwas passt nicht zu uns.“

Hinsichtlich der Ausrichtung der Band ist die Sicht des Franzosen klar: „Wir definieren uns selbst als Metal-Crossover. Der Begriff Crossover stellt dabei in unserem Verständnis nicht nur auf Musik ab. Bei RISE OF THE NORTHSTAR dreht sich alles um Crossover. Wir vermischen diverse Musikstile, haben Texte in Englisch und Französisch, arbeiten mit visuellen Elementen der japanischen Kultur und Shonen Manga,... RISE OF THE NORTHSTAR sind eine Mischung aus all dem und noch viel mehr. Mitunter werden wir als Hardcore-Band eingestuft, manchmal sogar als Beatdown. Diese Etiketten kann ich nicht nachvollziehen. Sicherlich ist ein Teil unserer Songs von diesen Musikrichtungen durchdrungen, jedoch nicht die Essenz der Band. Ich hoffe, die Dinge werden für die Fans mit „The Legacy Of Shi“ noch klarer. Persönlich habe ich mich im Laufe der Zeit immer neuen Möglichkeiten geöffnet.“

Die fortschreitende Entwicklung ist zwischen den einzelnen EPs und Alben gut nachvollziehbar. Auf jeder Veröffentlichung werden noch mehr Einflüsse berücksichtigt: „Wir verändern uns beständig, sowohl klanglich als auch visuell. Als wir begannen, das neue Album zu komponieren, wollten wir kein weiteres „Welcame“ produzieren. Seltsamerweise ist die Platte dennoch ganz natürlich und ohne Zwang gewachsen. Letztlich ist genau die Musik entstanden, die wir in dieser Phase unserer Leben hören wollen. Was den Sound betrifft, sind wir auf etwas Schweres und Organisches aus. Das Album ist in New York aufgenommen worden. Dort haben wir mit Joe Duplantier von Gojira zusammengearbeitet. Eine externe Meinung in den Prozess einzubinden, von jemandem, der uns weiterbringen kann, war uns wichtig. Auch deshalb fällt „The Legacy Of Shi“ variabler und vielfältiger aus. Es geht stärker in den Hip Hop und Sound der späten 1990er/frühen 2000er Jahre hinein. Zudem gibt es ein geschlossenes Konzept rund um das Album mit einer Geschichte. Nimmt man all das zusammen, ist eindeutig unser bestes Werk entstanden.“

Ein Stück weit


Chaos und Unplanbarkeit gehört bei den Franzosen und ihrer überbordenden Kreativität aber mit dazu: „Oftmals ist es mir selbst ein Rätsel, wie wir alles auf die Reihe bekommen“, so Gitarrist Evangelion B. „Erklären kann ich es nicht. Für das neue Album hatten wir mehr als 40 Songs. Das liegt auch daran, dass wir uns viele Experimente und Neuheiten erlaubt haben. Darunter sind natürlich viele Tracks, die nicht zum Geist von RISE OF THE NORTHSTAR oder zur Atmosphäre des Albums passten, was okay ist. Wir spüren immer sofort, ob etwas funktioniert oder nicht, denn wir wollten einheitlich bleiben und keine unnötigen 180 Grad-Drehungen hinlegen.“

Der Mut, die eigene Komfortzone auszutesten, zahlt sich für die Gruppe aus Paris aus: „Wir gehen bewusst Risiken ein, um das Ergebnis zu erreichen, das uns vorschwebt“, erzählt Evangelion B voller Stolz. „Es ist ein Fakt, dass Musik heutzutage anders konsumiert wird als früher. Dem Publikum deshalb zu geben, was es vermeintlich will, ist dennoch nicht unsere Sache. Wir setzen auf unseren Weg. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Fans genau das an uns schätzen. Zuhörer müssen herausgefordert werden. Musik ist für mich keine Entspannung. In seiner Essenz ist Musik für mich ein Spiegel des Lebens. Es repräsentiert Freude, Traurigkeit, Gewalt, Hoffnung, Hass, etc.. Weil die heutige Musik oftmals nur auf oberflächliche Dinge setzt, haben viele vergessen, worum es eigentlich gehen sollte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Zeit einen dazu bringt, sich individuell zu entwickeln. Hätten wir schon zwei Jahre nach „Welcame“ ein neues Album geschrieben, wäre es wohl dasselbe geworden. Das ist für mich einer der Gründe, warum Bands, die alle zwei Jahre veröffentlichen, unermüdlich das Gleiche anbieten. Alles, was wir in den letzten Jahren gesehen und erlebt haben, hat „The Legacy Of Shi“ beeinflusst. Und damit meine ich nicht nur unsere geteilten Erfahrungen.“

Das Zweitwerk der Franzosen überzeugt vor allem mit einem beachtlichen Abwechslungsreichtum und satter Härte: „RISE OF THE NORTHSTAR sind darauf aus, den spannenden Mittelweg zu finden“, gibt der Gitarrist die Richtung vor. „Natürlich könnte ich einen fünfminütigen Song voll mit Soli komponieren, doch das sind wir nun einmal nicht. Es geht uns darum, die richtige Balance zwischen den einzelnen Bestandteilen unseres Sounds zu finden, um perfekte Songs zu kreieren. Wir versuchen, jeden Einfluss jedes Mitglieds zu integrieren, um zu dieser homogenen, spannenden Mischung zu gelangen, die nicht in alle Richtungen gleichzeitig weist, sondern hörbar ist und Sinn ergibt.“ Spontanität ist dem Quintett aber wichtig:

„Um gute Songs zu kreieren, darf man sich nicht zu viele Fragen stellen. Für dieses Album haben wir viel Material geschrieben und am Ende die besten zwölf Tracks ausgewählt. Die meisten davon sind sehr schnell und ohne viel Nachdenken komponiert. Wenn man es schafft, einen Song schnell zu entwickeln, fließt alles und ist unverfälscht. Fängt man aber an, sich für einen Song eine ganze Woche Zeit zu nehmen, blockiert man und erkennt die Zeichen nicht mehr. Es gibt noch einen weiteren Faktor, der wichtig ist: das ist die Zeit. Es braucht eine Weile, um eine Perspektive auf das einzunehmen, was man geschaffen hat. Einige der Songs auf dem Album sind bereits zwei Jahre alt. Da sie uns auch nach so langer Zeit immer noch gefallen, wissen wir, dass sie wirklich gut sind.“ Gegenüber dem Debüt markiert das Zweitwerk einen deutlichen Qualitätssprung: „Von einer neuen Identität möchte ich nicht sprechen, wir haben uns nur weiterentwickelt“, wiegelt der Gitarrist ab. „Es ist das gleiche Haus, doch es ist nun anders möbliert. Das ist alles. Wir wollten all die Genres, die den Sound von RISE OF THE NORTHSTAR bilden, noch weiter vorantreiben. Die Rap-Parts sind grooviger, die Thrash-Parts nervöser und die Ambient-Passagen aufwändiger. Vithia hat intensiv an der Visualisierung gearbeitet. Um das Album herum gibt es ein ganzes Konzept und eine schlüssige Fiktion, die während des Kompositionsprozesses entstanden ist. Es war nicht geplant, doch nach und nach ist es dazu gekommen.“

 
 Links:
  riseofthenorthstar.com
 
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Shows:

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  20.11. Kadavar - Bielefeld
  20.11. Monolord - Bielefeld
  20.11. Doro - Gorlitz
  21.11. As It Is - Hamburg