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Astpai

Storie von: arne, am 05.07.2018 ]

GEHT NOCH MEHR? ASTPAI repräsentieren melodischen Punk-Rock in seiner besten Auslegung. Das Spiel der Österreicher ist melodisch-eingängig und gefühlsbetont-aufrichtig. Textlich zeigt das Quartett Kante und thematisiert Probleme unserer Zeit. „True Capacity“ hinterfragt u. a. Informationsüberflutung, Drucksituationen und die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit.

 
„Der Begriff beschreibt das tatsächliche Produktionsvermögen von Maschinen,“ erklärt Sänger/Gitarrist Zock. „Obwohl er aus der Industrie kommt, lässt sich der Begriff meiner Meinung nach gut auf die menschliche Psyche umlegen. „True Capacity“ ist das, was wir tatsächlich geistig verarbeiten können. In unserer Gesellschaft wird eine gewisse mentale Kapazität als Norm festgelegt. Eine negative Abweichung wird im ständigen Voranschreiten des Kapitalismus und der gesellschaftlich auferlegten Fassaden abgewertet statt akzeptiert oder unterstützt. Das Album-Cover soll die Überladung der Psyche und das Ausreizen unserer Kapazitäten, Informationen aufnehmen und sinnvoll verarbeiten zu können, zum Ausdruck bringen. Textlich geht es bei dieser Platte um eine Art Selbsttherapie. Obwohl „True Capacity“ selbstreflektierend ist und Selbstzweifel, Depression, Angst und Unsicherheit thematisiert, kann es politisch oder gesellschaftskritisch relevant sein.“

Musikalisch wird der für viele Menschen belastende Themenkomplex in einen Kontext zugänglicher Songs eingebunden, die das ernste Anliegen zunächst nicht vermuten lassen: „Im Laufe der Zeit haben wir Gefallen an der Arbeit an eingängigen Songs gefunden. In den frühen Jahren der Band wussten wir nicht wirklich, wie so etwas funktioniert. Auf den ersten Alben waren wir vor allem damit beschäftigt, komplexe und spielerisch herausfordernde Songs zu schreiben. Damals waren wir einfach jünger. Gutes Songwriting ist für mich eine Frage der Erfahrung. Auch wir haben noch lange nicht ausgelernt. Dass sich weiterhin schnelle oder härtere Parts auf „True Capacity“ verirrt haben, liegt daran, dass wir bestimmte Ideen nicht ausschließen wollten, nur weil sie nicht völlig zum Grundtenor der übrigen Songs passen. Wir lieben es immer noch, schnell zu spielen. Das ist ja auch auf eingängige Weise möglich.“ Nach mehr als 800 Konzerten verstehen sich ASTPAI darauf, live-taugliche Stücke umzusetzen, die auf den Punk(t) kommen und zu gleichen Teilen Unterhaltungs- Wiedererkennungswert mitbringen:

„Weder hat es einen Plan noch Hintergedanken gegeben; die zehn Songs auf „True Capacity“ waren die, die uns im Kollektiv am meisten überzeugt haben. Texte und Ideen hätte es noch reichlich gegeben. So ist das bei unseren Alben immer: drauf kommt, was uns Spaß macht. Von den zehn neuen Songs würde ich ,Feel Your Pain‘ als bestes Beispiel für unsere musikalische Weiterentwicklung hervorheben. Da gibt es sowohl schnelle als auch gefühlvolle Parts, Lead-Gitarren und großartige Drum-Fills. Unsere Arbeitsweise hat sich in all den Jahren aber nicht verändert. Wir nehmen alles, woran wir arbeiten, sehr ernst und wollen Song-Ideen bestmöglich umsetzen. Anfang 2017 wussten wir noch gar nicht, dass wir überhaupt ein weiteres Album aufnehmen würden. Als wir nach langer Pause wieder zueinander


gefunden haben und die Songs nur so aus uns raussprangen, war bald klar, dass wir nochmal eines drauflegen werden. Zum Abschluss der Arbeiten an „True Capacity“ stellte sich dasselbe Gefühl ein, dass wir bei jedem Album haben: nämlich, dass es unser bestes ist.“

Mit Blick auf die griffigen Melodien und Hooklines, intuitiv treffsicheren Hymnen sowie die jederzeit mitschwingende bodenständige Authentizität lässt sich diese Aussage zustimmend abnicken. Kürzlich haben die Wiener auch von prominenter Seite Bestätigung erhalten: „Vor einer Woche hat uns Dave Wagenschutz, Schlagzeuger von KID DYNAMITE, eine der für uns wichtigsten Bands, total aus dem Nichts eine Email geschrieben, um uns wissen zu lassen, dass er die Single ,Best Years‘ gut findet und sich aufs Album freut,“ erzählt Zock voller Stolz. „So etwas ist ein netter und besonderer Moment. Das klingt jetzt womöglich schmalzig, aber für mich ist auch jede einzelne Probe Beweis dafür, dass das, was wir hier machen, gut und wertvoll ist – zumindest für uns vier und die Leute, die uns unterstützen. Wir sind über all die Jahre persönlich immer mehr zusammengewachsen und haben mittlerweile genug Reife und zeitlichen Abstand gewonnen, um das glückliche Ausmaß unserer Band-Existenz mit jedem kleinen Schritt noch mehr zu schätzen. Als selbstverständlich haben wir sowieso nie etwas angesehen. Ich glaube, dass mittlerweile, nach so langer Zeit, eine unbedingte Dankbarkeit und Zufriedenheit eingesetzt hat, die im großen Drang der zeitlich dichten Jahre nie ganz verarbeitet werden konnte. Zu wissen, dass z. B. unsere Labels aus Leuten bestehen, deren Leben zu fast hundert Prozent mit Familien und Jobs verplant sind, wir als Band aber dennoch unendlich viel Unterstützung erhalten, ist unbezahlbar. Nach 17 Jahren immer noch Leute kennenlernen zu dürfen, die zum ersten Mal von unserer Band hören und sie gut finden, ist großartig. Immer wieder bekannte Gesichter auf Konzerten sehen zu dürfen, ist nochmal eine Draufgabe.“

Die Österreicher verstehen ihr Dasein als ATSPAI als Privileg. Entsprechend formuliert der Musiker das Selbstverständnis, dass die Band-Aktivitäten zugrundeliegt: „In erster Linie ist das unsere Freundschaft und der Respekt, den wir einander als Menschen und Musiker entgegenbringen. Wobei man sagen muss, dass wir uns erst über die Jahre so richtig kennengelernt haben. Als Hauptantrieb stand zunächst an erster Stelle, mit der Musik so weit wie möglich raus- und rumzukommen. Vereint haben uns schon immer unser Musikgeschmack, unser politisches Bewusstsein und unsere Dankbarkeit, für das, was wir zusammen auf die Beine stellen und dass wir mit einem Publikum belohnt werden. Das persönliche Zusammenwachsen ist dann erst durch die intensive, gemeinsam verbrachte Zeit gekommen. Wir sind emotional noch näher zueinander gerückt.“

 
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