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Mindfield

Interview von: arne mit Philip, am: 20.07.2003 ]

Mit “Be-low“ erschien kürzlich über Lifeforce der zweite Longplayer von Mindfield aus dem Pott. Das Quartett spielt sehr melodischen, modernen Metal-Sound, der einen von Beginn an anspricht und unterhält. Heavy Metal, wird im Gothic-Elementen versetzt und von einer ordentlichen Prise Rock abgerundet. Verspielt, melodiös, irgendwie auch fröhlich und technisch sehr versiert tritt die Band in Erscheinung. Vergleichbar scheint das Sound-Bild mit Sentencend und auch Amorphis...

 

Musicscan: Was sollte man zwingend über Euch wissen? Wie könnt Ihr kurz Euren bisherigen Weg abreißen?

Mindfield: Wir sind bis auf einen Sängerwechsel im Grunde in diesem Line up seit 1994 unterwegs. Aufgrund persönlicher bandinterner Geschichtchen ist es dazu gekommen, dass unser Drummer Felix auf „Be-low“ nicht zu hören ist. Diese Dinge sind jedoch ausgeräumt und er ist wieder an Bord. 1994 lagen unsere Wurzeln noch ein ganz klar im Death Metal. Dafür sorgte vor allem das Organ von unserem Ex-Sänger Thomas, der zuvor auch mal in der Kult Death Thrash Combo Trauma aktiv war. In den Jahren 1996 und 1997 entstanden zwei Demo CDs. Als er uns 1998 verließ, waren wir gezwungen umzudenken, weil es für ihn zu dieser Zeit keinen Ersatz gab. Da kam unser damals neuer Keyboarder Danny ins Spiel. Es wurde schnell klar, dass er unser neuer Leadsänger sein musste. Um soundtechnisch nicht ganz vom Death Metal Abschied nehmen zu müssen, entschlossen wir uns, dass ich noch ein paar Backings übernehmen sollte, so wie ich es für Thomas live auch schon gemacht hatte. In dieser Konstellation nahmen wir 1999 „Deviant“ für Gutter Records auf. 2001 endete diese Zusammenarbeit und wir gingen ohne Rückendeckung für „Be-Low“ ins Studio, weil wir das Album unbedingt machen wollten. Jetzt endlich ist es via Lifeforce erschienen und wir sind sehr glücklich darüber...

Musicscan: An welchem Punkt befindet Ihr Euch gerade als Band? Vor welchen Problemen/ Entscheidungen steht Ihr? Wie plant Ihr Eure Zukunft?

Mindfield: Wir haben aus unserer Sicht jetzt eine große Chance bekommen und wollen diese best möglich nützen. Wir stehen jetzt erst am Anfang. Trotzdem gab es auf dem Weg bis hier her schon viele kleinere und größere Rückschläge. Deshalb sind wir glücklich aber vorsichtig, was die Planung betrifft. Wir denken nur in überschaubaren Kategorien, und bilden uns nicht ein, dass wir jetzt an der Schwelle zur Welteroberung stehen... Hahaha. Ansonsten haben wir die selben Probleme wie jede andere Band auch. Hauptsächlich geht es da um organisatorische Schwierigkeiten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass uns widrige Umstände mit Arbeitgebern oder Ähnliches schon oftmals am Vorankommen gehindert haben.

Musicscan: Zwingend ist natürlich eine Nachfrage zum Label. Hat es Euch gereizt auf Lifeforce zu veröffentlichen und damit das erste "richtige" Metal-Release dort vorzulegen? Im Label-Programm fallt Ihr ja richtig, natürlich positiv gemeint, aus dem Rahmen.

Mindfield: Ehrlich gesagt haben wir einfach eine Liste erstellt, auf der Lifeforce einer von vielen Namen war. Es ist uns bewusst, dass wir auch im Metal Bereich eher zwischen den Stühlen stehen, daher gab es diesbezüglich keine echten Wunschkandidaten. Ausschlaggebend für Lifeforce waren ihre Begeisterung ihr Enthusiasmus unserem Material gegenüber und natürlich ein dazu passendes Angebot und ihre professionelle Arbeitsweise. In welchem Genre Lifeforce sich ihren guten Namen gemacht haben war und ist für uns unerheblich. Es zählt, dass sie für Qualität stehen. Deshalb sind wir froh ein Teil dieses Ganzen sein zu können. Das wir als eine der ersten dabei die „alten Grenzen“ mit aufbrechen dürfen ist natürlich doppelt schön.

Musicscan: Ist es für Euch als Band nicht etwas schwerer über Lifeforce zu veröffentlichen? Ich meine, Euer Sound ist wohl zu sehr "klassischer Metal" für die Stammkäufer von Lifeforce und Lifeforce dann auch zu sehr Hardcore-Label für die "Metal-Käufer-Schicht"...

Mindfield: Das glaube ich nicht. Lifeforce gehen mit allen ihren Bands individuell um, so auch mit uns. Wir haben definitiv das Gefühl, das sie ihr best mögliches für „Be-Low“ tun und das ist wirklich nicht zu wenig, das kannst du mir glauben. Ich meine wir werden ja nicht als Hardcore Band vermarktet. Es war von vorne herein klar, dass der Stammkäufer von Lifeforce vielleicht weniger mit uns anzufangen weiß, aber diese Leute werden in Zukunft sicher nicht von dem Label enttäuscht werden. Wir repräsentieren schließlich nur eine neue Fassette innerhalb ihres Programms und nicht die neue Marschrichtung. Ich weiß nicht, ob ein klassischer Metaller wirklich aus Prinzip keine Platte von Lifeforce im Schrank stehen haben will. Aussagekräftig ist und bleibt allein die Musik. Ich denke im besten Fall bringt man auf diese Weise die Lager eher ein Stück näher zusammen.

Musicscan: Fasst doch mal bitte die Reaktionen aus beiden "Lagern" auf die Platte zusammen? Gibt es einen gemeinsamen Tenor?

Mindfield: Beide Lager waren im großen und ganzen sehr fair und gleichzeitig überacht. Ich meine, diesen „Das ist eine Lifeforce Band?“ – Effekt hatten wir von beiden Seiten. Auch über Produktion und unser Spiel als solches wurde seltenst wirklich hergezogen. Es gab bisher viel Enthusiasmus aus dem metallischen Underground und allgemeines Wohlwollen bis hin zum Lob von den großen Magazinen. Im Hardcorebereich hieß es meistens: „Die Jungs scheinen zu wissen was sie tun, aber das ist nicht ganz unsere Baustelle“. Das ist Kritik mit der wir gut leben können!

Musicscan: Ihr lest ja sicherlich alle Besprechungen, die in Eure Hände fallen. Was hat Euch da am meisten gefreut und womit konntet Ihr Euch gar nicht identifizieren?

Mindfield: In manchen Reviews kann man regelrecht herauslesen, dass der Rezensent oder die Rezensentin richtig berührt war. Das war natürlich nicht die Regel, hat uns aber in den Gefühlen bestätigt, die wir selber beim hören des fertigen Produktes hatten. Es gibt dann noch Vergleiche, wie die zu Sentenced oder Amorphis, die wir zwar nachvollziehen können aber nicht überbewertet wissen wollen. Das sind geile Bands aber nicht unsere direkten Vorbilder. Sonstige Sachen, wie Bon Jovi oder Dave Mustane Vergleiche sind für uns persönlich eher abwegig, stören uns aber auch nicht weiter.

Musicscan: Das Artwork der Platte finde ich super-klasse, gerade im Digipak. Welche Intention steht hinter dieser Gestaltung? Gibt es eine direkte Beziehung zur Musik?

Mindfield: Danke für das Kompliment. Das Artwork stammt von Jörg Hartmann. Der Mann ist mehr als nur talentiert.. Auch das Artwork für „Deviant“ von ihm war großartig. Er hat auch diesmal wieder ganze Arbeit geleistet. Idee und Konzept sind allein von ihm. Trotzdem haben wir eine direkte Verbindung zu Musik und Texten, denn jede Seite im Booklet nimmt Bezug auf den jeweiligen Song. So haben wir bei „Desperate (Death Parade)“ zum Beispiel im Hintergrund eine Beerdigungsgesellschaft zu eben einer solchen „Parade". Bei „Made To Measure“ sieht man diese gleichförmigen Figuren und bei „If You Wish“ , da ist es am deutlichsten, denn der Stuhl, der im Song kippt als der Protagonist sich erhängt, liegt im Booklet am Boden.

Musicscan: Ihr präsentiert Euch ja als Band auch über das Artwork der Platte - Was wollt Ihr da transportieren? Was für eine Art von Band sind Mindfield? Wofür steht Ihr geschlossen ein?

Mindfield: Das Artwork ist einfach eine perfekte bildliche Umsetzung der Stimmung, die schon die Musik in sich trägt. Auf diese Weise verstärken sich beide Komponenten gegenseitig. Mindfield steht in unseren Augen musikalisch für Leidenschaft, Wut und Melancholie. Alles das wird permanent transportiert. Sowohl musikalisch, als auch textlich oder vom Artwork.

Musicscan: "Be-low" ist sehr verspielt, melodiös, auch fröhlich und technisch sehr versiert - Mit welchem Anspruch seit Ihr an das Album gegangen? Hattet Ihr schon vorher eine Vision des späteren Ergebnisses? Hat Ihr sie realisieren können?

Mindfield: Fröhlich? Wenn du damit Spielfreude meinst, liegst du definitiv richtig, Unsere Vision war es, im Vergleich zum Vorgänger eingängiger und kompakter zu werden und uns der absoluten Eigenständigkeit ein Stück weiter zu nähern. Ich würde nicht sagen, dass wir uns mit unserer Technik brüsten können, hahaha. Es ist uns gelungen, das Beste, was wir zu bieten hatten aus uns rauszuholen. Deshalb kann man sicher sagen, wir haben unsere persönliche Vision von „Be- Low“ sicherlich realisiert.

Musicscan: Was charakterisiert den Sound von Mindfield? Womit hat man als Hörer zu rechnen, wenn man Euch nicht kennt?

Mindfield: Unser Sound verbindet klassische und rockige Metalelemente mit modernen und auch Gothic Einsprengseln wo bei die Melodien als tragende Säulen fungieren.

Musicscan: Ist "Be-low" ein Konzept-Album? Man könnte fast auf den Gedanken kommen...

Mindfield: Nein. Es handelt sich nicht um ein Konzeptalbum mit einer Story, die durch die Songs hindurch erzählt wird. Der Eindruck entsteht, einerseits, weil wir auch durch die Zwischenspiele, wie etwa „A Silent Moment“ den roten Faden vom nächsten Song aufrecht erhalten haben. Und andererseits liegen die Themen, die ich in den Texten behandle teils wirklich recht nah beieinander, aber dass liegt eher an der Tatsache, dass der Grundgedanke meines ganzen Seins, so wie ich ihn in den Texten geäußert habe mehr oder weniger auf persönliche Freiheit und Respekt davor ausgelegt ist. Das ist mir selbst aber erst in der Rückschau auf alle meine Texte bewusst geworden.

Musicscan: Worauf fokussiert Ihr bei der Song-Erstellung? Was muss ein Song haben, um es auf ein Album zu schaffen?

Mindfield: Am Anfang steht eine Melodie. Sei es von der Gitarre oder vom Keyboard. Melodien sind definitiv die Grundfesten unseres Songwritings. Ob und wie es ein Song dann schafft, wird dann durch das gemeinsame Arrangieren bestimmt.

Musicscan: Nehme ich alle Tracks zusammen, bilden sie ein sehr harmonisches, angenehmes und auch beschwingtes Gesamtbild. War es Euer Ziel so etwa zu erreichen?

Mindfield: Ja. Wir wollten ein, für uns persönlich leidenschaftliches und homogenes Stück Musik schaffen. Das Gesamtbild sollte genau so stark sein wie jeder einzelne Song es für uns ist.

Musicscan: Ihr zielt ja sicherlich auch auf Reaktionen in Euren Hörern ab. Was sollen Eure Songs in ihnen erreichen? Habt Ihr Euch in dieser Richtung schonmal Gedanken gemacht?

Mindfield: Wir sind natürlich selber Fans und Hörer. Und aus dieser Sicht haben wir in gewisser Weise versucht ein Album zu machen, dass in unseren persönlichen Plattensammlungen noch fehlt und das wir trotz unserer so verschiedenen Geschmäcker alle gleich geil finden.. Wenn Fans und Hörer diesen Gedanken jetzt mit uns teilen, ist das großartig. Was für die einzelnen Hörer nun im Vordergrund steht, warum sie der selben oder einer ähnlichen Meinung sind, ist unwichtig. Jeder hört Musik ja schließlich anders.

Musicscan: Ab und an schielt auch eine gewisse Schwermut in den Songs mit durch. Ist die als Ausgleich zur eher positiven Gesamtstimmung gedacht?

Mindfield: Das klingt fast so, als glaubtest Du wir hätten die Songs am Reißbrett entworfen. Hahaha. Wir haben nichts speziell dosiert. Die Musik selbst ist ja selten wirklich schwermütig oder tief traurig, auch wenn die Melodien andersherum natürlich keine frohlockendem Kindermelodien sind. Der Schwermut auf „Be-low“ kommt für mich vor allem durch die Art und Weise zu Stande, wie Danny die Texte gesungen hat. Dazu musst du wissen, das die Texte immer ganz zum Schluss entstehen. Das macht die Sache einfacher, denn die Ausrichtung eines Songs und letztlich auch die Gesangslinie dazu bestimmen den Tenor des Textes. Das alles zusammen führt dann zu der Musik und den transportierten Emotionen, wie sie sind..

Musicscan: In welchen Parts seht Ihr Eure Stärken; in den eher langsamen, breitflächigen oder in den schlelleren?

Mindfield: Keine Ahnung. Bisher waren wir der Meinung, dass wir beides recht gut umgesetzt haben.... Im Ernst: Diese Frage würde dir jeder von uns anders beantworten. Danny beispielsweise mag es ruhiger währen Rainer unserer Rock n Roller ist. Mir persönlich ist zum Beispiel wichtig das die Musik eine gewisse Härte nicht verliert. Im Grunde ist das Stimmungsabhängig. Deshalb behalten wir uns vor beide Seiten zu zeigen.

Musicscan: "Be-low" klingt wirklich super skandinavisch. Wie kann man als Band aus dem Ruhrgebiet ein solches Album vorlegen? Von dt. Bands bekommt man so etwas ja selten bis nie vorgelegt, und schon gar nicht so versiert und überzeugend. Was habt Ihr anderen Bands voraus und wie motiviert Ihr Euch?

Mindfield: Ich wüsste nicht was wir anderen voraus haben sollten. Wir sind lange zusammen und haben unseren Input in die Band auf einander abgestimmt. Jede Band fängt mit Talent und Ambition an, der Rest ist ein Reifungsprozess. Da haben wir keine Ausnahme gemacht.. Unsere Motivation ist die Musik selbst. Eine Songidee zu haben, den man für großartig hält und die zusätzlich noch durch die anderen Bandmitglieder verbessert wird, das ist ein großes Gefühl!

Musicscan: Wie hat sich Eurer Sound mit den Jahren verändert? So voll und atmosphärisch war er ja sicherlich nicht von Anfang an?

Mindfield: Wir haben mit der Zeit mehr Rock n Roll und Melodien eingebaut. Darüber hinaus haben wir unsere Songs immer weiter von überflüssigem Ballast befreit. Atmosphäre haben wir stets groß geschrieben. Allerdings sind wir mit der Zeit in unseren Bemühungen versierter geworden.

Musicscan: Sind Texte und Musik gleichberechtigt? Im Metal sind Lyrics ja oft nur "Beiwerk" zur Musik. Wie ist das bei Euch?

Mindfield: Texte und Musik ergänzen sich. Mir persönlich sind sie sehr wichtig. Trotzdem steht die Musik klar im Vordergrund. Ob ein Hörer in den Texten etwas findet, oder sie als Beiwerk betrachtet, sei jedem selbst überlassen. Ich bin froh, das beides möglich ist, hahaha

Musicscan: Die Stücke von "Be-low" sind ja schon ein wneig älter. Was habt Ihr in der Zwischenzeit getrieben? Stehen neue Releases an?

Mindfield: Jeder von uns versucht, dass, was ihm an „Be-low“ schon gefallen hat weiter zu verbessern und fortzuführen. Aufgrund der Tatsache, dass Felix erst recht frisch zurück bei uns ist, konnten wir uns noch nicht so intensiv mit neuem Material befassen, dass ich Songs direkt beschreiben könnte. Es liegt definitiv viel auf Halde was nur darauf wartet, bearbeitet zu werden...

Musicscan: Wenn ja, wo?

Mindfield: Bis jetzt liegt die Sache so, dass auch ein weiteres Album bei Lifeforce erscheinen soll.

Musicscan: Was darf von Euch zukünftig erwarten? Wie werdet Ihr Euch als Band weiter entwickeln? Wo liegen Eure Ziele?

Mindfield: Ich hoffe doch, das wir nicht stagnieren werden und uns stetig weiterentwickeln. Andernfalls könnten wir auch aufhören. Es ist nicht unsere Sache, riesige Ziele vor Augen zu haben. Wir wollen einen Schritt nach dem anderen tun. Natürlich hat jeder Träume, wie etwa einmal Wacken, WWF oder Summerbreeze. Oder auch das Ausland wäre ein Traum. Unsere Zukunft liegt momentan aber darin, die Platte so gut als möglich zu promoten. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.

Musicscan: Wollt Ihr noch etwas loswerden?

Mindfield: Danke an alle Fans und Supporter! Check out www.mindfield-webhq.de

 
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