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Between The Buried And Me

Storie von: arne, am 19.03.2018 ]

Das neue Konzeptwerk von BETWEEN THE BURIED AND ME spannt sich über zwei Alben. Das Quintett aus North Carolina bewegt sich auf „Automata“ in der Fantasiewelt eines Protagonisten, der sich in der Realität wähnt, obwohl er träumt. Dieser Traum wird von Medienkonzernen sichtbar gemacht und dient anderen als Unterhaltung. In dieser Zukunftsvision verschwimmen diverse Grenzen, da selbst das Privateste nicht länger geschützt ist und öffentlich wird. Musikalisch wird die aufreibende Geschichte mit einem facettenreichen, partiell neu interpretierten Mix aus Metal und Rock umgesetzt.

 
Dass BETWEEN THE BURIED AND ME per se als Grenzgänger und Innovatoren gelten und von vielen Menschen deshalb besonders ehrfürchtig gehört werden, ist Tommy Rogers durchaus bewusst. Für den Sänger und Keyboarder ist das aber nur nettes Beiwerk: „Jedes Mal, wenn unsere Band jemanden dazu anregt, anders zu denken oder sich dafür zu begeistern, Musik zu schreiben oder mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, ist unser Job erledigt. So ist es uns einst selbst gegangen und mit dieser Absicht haben wir die Band gestartet. Das ist der Grund, warum wir tun, was wir tun. Auch wenn wir heute älter sind, sind wir noch immer Fans, die sich von der Musik anderer inspirieren lassen. Wir haben das Glück, dass die Leute uns zuhören und unser Spiel schätzen. Das ist eine positive Sache. Als wir die Band gründeten, war unser Ziel, eine Metal-Band zu sein, die die Dinge anders betrachtet als die Masse und Musik schreibt, die sich vom Gros absetzt. Unsere Gehirne steuern uns unweigerlich in eine Richtung, die nicht normal ist. Von Beginn an verfolgen wir unsere eigenen Wege, was das Schreiben von Musik angeht. Deshalb denke ich, dass unsere Musik schlicht anders sein muss. Es ist jedenfalls nicht so, dass wir uns hinsetzen und bewusst versuchen, irgendetwas Abgefahrenes oder Verrücktes zu schreiben. Bei uns stellt sich das ganz von selbst ein. Unsere Musik ist dennoch stets sehr organisch. Als Band ist es uns ein Anliegen, dass jede Veröffentlichung unseren Herzen gerecht wird und aufzeigt, was uns als Menschen während der Arbeit an einem Album bewegt hat. Für mich resultiert einzig daraus das Besondere.“

Der Musiker streitet sogar ab, dass BETWEEN THE BURIED AND ME sonderlich vorwärts gerichtet unterwegs sind: „Wir befinden uns in einer schwierigen Lage, weil eigentlich alles schon getan und gespielt worden ist,“ argumentiert Tommy. „Alle nur erdenklichen Akkordfolgen sind geschrieben, alle Riffs hat es bereits gegeben. Es sei denn, man bewegt sich tatsächlich außerhalb aller Konventionen. Doch selbst das haben andere schon vor uns erledigt. Beispielweise gibt es ein Album von einem Kerl, der die Schreie seines Mitbewohners aufgezeichnet hat, während dieser nachts Albträume durchlebt. Es gibt so viele Arten von Kunst, doch nichts, was mir einfällt, ist wirklich neu. Die Technik erlaubt es den Menschen heute, all das auszuprobieren und umzusetzen, was ihnen in den Sinn kommt. Ich für meinen Teil werde aber noch immer von menschlicher Qualität angezogen und hoffe, dass es auch anderen so geht. Als Zuhörer spürt man, ob etwas echt ist oder erzwungen wird. Künstler müssen sich beim Songwriting nach dem richten, was sich natürlich einstellt. Sofern das Resultat Relevanz besitzt, werden sich auch Leute finden, die daran Interesse zeigen. Dafür gibt es allerdings keine Gewissheit. Ich strebe durchaus danach, musikalisch originell zu sein, doch nicht nur der Sache an sich wegen. Bis 2018 wurde schon unglaublich viel Musik geschrieben. Für die Bands vor 40, 50 oder 60 Jahren stellte sich die Situation ganz anders dar. Sie haben eine leere Leinwand vorgefunden, die gefüllt werden wollte, also konnten sie befreit aufspielen.“

Der Frontmann ist breit interessiert und beschäftigt sich auf der Suche nach Inspiration sowohl mit der Vergangenheit als auch der Moderne: „Ich höre viel alte Musik und bin ein großer Fan des klassischen Rocks. Doch auch der zeitgenössischen Musik kann ich bisweilen viel abgewinnen. Jede Woche bin ich aufgeregt, herauszufinden, welche tollen neuen Veröffentlichungen auf den Markt kommen und ständig auf der Suche nach neuer Musik. Je älter ich werde, desto mehr bin ich auf der Suche nach guten Songs. Deshalb sind die Beatles eine meiner Lieblingsbands überhaupt. Ihre Songs sind einfach nur perfekt. Sie sind einprägsam, einzigartig, authentisch und herzlich und das ist es, was Musik sein muss. Im Metal ist es schwieriger, etwas Besonderes zu finden, doch ich denke, dass es hier und da Bands gibt, die großartige Songs spielen. Da sind zum Beispiel Leprous, mit denen wir bald wieder auf Tour sein werden. In Europa haben wir mit ihnen bereits mit Devin Townsend getourt. Zuvor hatte ich sie noch nicht gehört, und sie haben mich jede Nacht weggeblasen. Nicht nur, weil ihre Songs wirklich gut sind, sondern auch, weil ihre Formel super eingängig ist. Das setzen sie live ganz natürlich um, weil es für sie selbstverständlich ist. Und genau das beeindruckt mich. Nach wie vor höre ich auch viel Black Metal. Ulver ist beispielsweise eine der Bands, deren Entwicklung ich seit vielen Jahren verfolge. Ihr letztes Album war im vergangenen Jahr eines meiner Lieblingsalben. Sie sind von jeher eine Band, die ihre eigene Sache macht, und befinden sich in einer ähnlichen Situation wie wir. Es geht ihnen einzig und allein darum, die besten Songs zu schreiben, die ihnen möglich sind. Sie versuchen nicht, irgendjemanden zu beeindrucken oder irgendetwas zu tun, um Erwartungen zu erfüllen. Sie tun, was sie für richtig halten und das nur für sich selbst.“

Die Vorzüge, die seine Beteiligung an BETWEEN THE BURIED AND ME mit sich bringt, kann Tommy Rogers schnell benennen: „Das Tollste an dieser Band ist, wie sehr wir uns gegenseitig kreativ befruchten. Durch die Arbeit mit diesen Jungs habe ich so viel gelernt, und hoffentlich haben die anderen auch von mir etwas mitgenommen. Weil unsere Songs so unterschiedlich ausfallen, beschäftigen wir uns permanent mit den Ideen der anderen. Das hilft jedem einzelnen von uns, besser zu werden und seinen Horizont zu weiten. Nach all der Zeit und den vielen


Songs, die wir schon geschrieben haben, sind wir an einem Punkt angelangt, wo die Band wie ein Uhrwerk funktioniert. Wir arbeiten gut und effizient zusammen. Die Dinge passieren schnell und unvermittelt. Wir füttern uns gegenseitig mit Ideen. Immer wieder gibt es Momente, in denen zwei von uns Parts schreiben, die buchstäblich miteinander synchronisiert scheinen, ohne dass wir darauf hingewirkt haben. Wie bei Schlüssel und Schloss passen sie einfach natürlich zusammen. Oftmals scheint mir Magie die einzige Erklärung dafür zu sein.“

Die Arbeit an „Automata“, dessen erster Teil nun erscheint, verlief, wie beschrieben: „Der Prozess vom Songwriting bis zur Aufnahme gestaltete sich reibungslos,“ bestätigt der Frontmann. „Musikalisch kam wirklich alles zusammen. Mit den Texten und dem Konzept habe ich allerdings einen intensiven Kampf ausgetragen. Es ist unser drittes bzw. viertes Konzeptalbum. Einerseits wollte ich mich nicht wiederholen. Andererseits stand ich vor der Aufgabe, eine Geschichte zu erschaffen, die interessant genug ist, um zwei vollwertige Alben zu füllen. Es gibt Momente, in denen ich großen Druck verspürt habe, doch letztlich hat alles ineinander gegriffen. Was die Produktion und die kompositorischen Herausforderungen anbelangt, so verlief die Arbeit ohne Vorkommnisse. Das bloße Songwriting hat sich praktisch von selbst erledigt. Wir alle schreiben ja kontinuierlich Musik für uns selbst. Sobald wir anfangen, als Band Songs zusammenzustellen, sind wir sehr genau, was die Entwicklung der Tracks angeht. Auf eigene Art und Weise ist jeder von uns ein Perfektionist. Das äußert sich etwa auch darin, dass wir unsere Alben immer genau so hinbekommen, wie wir es uns vorstellen, noch bevor wir überhaupt ins Studio gehen. Deshalb bedeuten für uns Songwriting und Pre-Produktion eine Menge Arbeit. Das Studio ist am Ende nur noch Mittel zum Zweck. Zuvor werden alle Stücke mehrfach seziert und durchlaufen eine Transformation, bis sie so perfekt sind, wie wir es uns wünschen. Aus diesem Grund gibt es keinen Raum für Improvisation. Unsere Musik ist sehr dicht, und es ist viel los. Wir müssen sehr genau darüber nachdenken, wie wir sie umsetzen. Würden wir anfangen, zu improvisieren, würden die Dinge durcheinander geraten. Musik ist für uns eine Wissenschaft, die exakt ist und erforscht werden will. In der Vergangenheit haben wir durchaus versucht, zu improvisieren, aber das funktioniert bei unserer Musik einfach nicht. Beim Proben haben wir auf persönlicher Ebene mitunter Spaß daran, doch das spielt für das eigentliche Songwriting keine Rolle

Das Quintett aus North Carolina beschäftigt sich auch mit der Wirkung seiner Songs und Alben intensiv. Dass „Automata“ in zwei Teilen erscheint, hat seine Gründe: „Wir schreiben die Musik, die wir schreiben wollen. Das haben wir stets im Hinterkopf. Natürlich ist uns bewusst, dass wir sehr lange Alben und Songs und sehr dichte Musik herausbringen. Wir sind glücklich, Fans zu haben, die genau das wollen und verstehen. Ein guter Teil der Idee, die hinter der Veröffentlichung dieses Albums in zwei Teilen steckt, ist folgender Überlegung geschuldet. Jede Woche kommen eine Menge Platten heraus, die entweder gehört werden oder keine Beachtung finden. Mich beschleicht das Gefühl, dass viele Menschen auf lange Sicht nicht mehr so stark an Musik interessiert sein werden, wie sie es einmal waren oder aktuell noch sind. Wenn wir den Zuhörern nun die Gelegenheit bieten, tief in zwei unterschiedliche Teile einer Platte einzutauchen, bleiben sie als Hörer vielleicht länger erhalten. Selbst Leuten, die uns noch nicht kennen, bietet sich eine gute Chance, uns kennen zu lernen. Niemand muss 75 Minuten am Stück hören. Oftmals verhält es sich ja so, dass die zweite Albumhälfte seltener und weniger aufmerksam gehört wird. Gerade, wenn es sich um längere Veröffentlichungen handelt, verliert man auf dem Weg viele Hörer. Mit der Zweiteilung wollen wir dem entgegnen wirken, weil wir überzeugt sind, dass alle Stücke dieses Albums wirklich stark sind.“

Für das zugrunde liegende Konzept gilt das ebenfalls: „Was meine Texte angeht, wollte ich schon immer über die Dinge schreiben, die mich faszinieren,“ äußert Tommy. „Das sind vornehmlich Dinge, die mich menschlich beschäftigen. Die Geschichten, die ich schreibe, passen mit ihren Drehungen und Wendungen sehr gut zu unserer Musik. Es liegt nicht in meiner Natur, über Gebühr politisch zu werden. Das war auch nie das, worum es unserer Band ging. Dennoch analysieren wir unser Umfeld und erschaffen darauf aufbauend unsere Geschichten. Inzwischen weiß ich, dass wir im Wesentlichen zwei Arten von Fans haben. Es gibt Leute, die unsere Musik mögen und sie als Soundtrack zu ihrem Alltag nutzen. Und es gibt Leute, die unsere Musik nicht nur mögen, sondern sie sezieren und bei jedem Takt und Text herauszufinden versuchen, was sie bedeuten könnten und wie sich alles zusammenfügt. Die Konzepte ermöglichen es den Leuten, wirklich tief in unsere Musik einzutauchen. Die Leute, die sich eingehend mit uns beschäftigen, verstehen uns auch. Eine Band wie die unsere wird nie etwas für jeden Hörer sein. Doch das gilt für jede Art von Kunst. Wir haben das Glück, auf Fans bauen zu können, die das lieben, was wir tun. Sie verfolgen unsere Entwicklung und setzen sich auch dann mit uns auseinander, wenn wir neue Dinge ausprobieren. Was unseren Sound angeht, verstehe ich uns nach wie vor als Metal-Band. Wir gehen die Dinge immer wieder neu an, doch genau das haben wir uns vorgenommen, als wir im Jahr 2000 gestartet sind.“

 
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