Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1672

Letters From The Colony

Storie von: arne, am 13.02.2018 ]

Die aus Borlänge stammenden LETTERS FROM THE COLONY stellen sich als komplex und experimentierfreudig agierende Frickel-Künstler vor. Die Schweden siedeln ihr Spiel auf „Vignette“ zwischen Tech-Death, Deathcore, Djent und jazziger Freigeistigkeit an. Auf dem Debüt des Quintetts gibt es eine Menge zu entdecken und verdauen.

 
„Den Überraschungseffekt schätzen wir sowohl in der eigenen Musik als auch in der anderer,“ entgegnet Schlagzeuger Jonas Sköld. „Ich mag es, wenn Lieder wie eine Reise, ein Buch oder ein Film sind. Bei uns gibt es kein vorgegebenes Muster oder eine bestimmte Art und Weise, unsere Songs zu schreiben. Wir legen hingegen viel Wert auf einzelne Parts und verweben sie anschließend zu sinnvollen Stücken.“ Die Auseinandersetzung mit dem Spiel der Band wird dennoch nicht jedem Interessenten leicht fallen: „Wir haben nie beabsichtigt, Musik zu schreiben, die einfach zu hören ist. Ich denke, dass unsere Musik zu denen passt, die sowohl die Geduld als auch das Interesse haben, sich hinzusetzen, ein ganzes Album anzuhören und es zu analysieren. Es wird sich eine Gruppe von Leuten finden, die unsere Songs versteht und genießt. Unsere Stücke werden jedenfalls länger am Leben sein als durchschnittliche Pop-Songs.“

In diesen Worten drückt sich der gehobene Anspruch an, der dem Schaffen von LETTERS FROM THE COLONY zugrunde liegt: „Noch bevor wir unseren ersten Song fertiggestellt hatten, waren wir uns über die Vision für die Band im Klaren. Wir wollen eine Band sein, die technische, schnelle Songs spielt und trotzdem locker und nicht angestrengt agiert. Als würde man ein Gitarren-Soli spielen, während man einen Backflip macht. Es war uns von Beginn an wichtig, dass unsere Musik ein besonderes Qualitätsniveau erreicht.“ Um dieses näher zu beschreiben, bemüht der Schlagzeuger einen Vergleich: „Ich bin kein Sportler, doch ich bin fasziniert davon, wie Sport funktioniert, denn es gibt offensichtliche Parallelen zur Musik. Sportler versuchen jeden Tag, Barrieren zu durchbrechen, neue Taktiken auszuprobieren und besser zu sein als am Vortag. Eine gute Fußballmannschaft passt ihre Taktik dem Gegner an und probiert immer wieder etwas Neues. Nur so kann sie im Spiel bleiben und ihren Erfolg sichern. Sie muss etwas wagen und darf nicht still stehen. In der Musik genieße ich vor allem die Künstler, auf die genau die Beschreibung zutrifft.“

Dass mit „Vignette“ Material erscheint, das bereits zwischen Januar und April 2016 aufgenommen worden ist, stört Jonas nicht: „Das Songwriting fand sogar noch früher statt. Wir haben den Luxus, alles selbst in unserem Studio aufnehmen zu können. Wir sind gesegnet oder verflucht, unbegrenzt Zeit im Studio zu haben, weil unser Sänger von Beruf Musikproduzent und Toningenieur ist. Meine Schlagzeug-Aufnahmen hatten wir eigentlich im Sommer 2015 abgeschlossen. Doch als wir anfingen, die Gitarren einzuspielen, hatten wir schnell


das Gefühl, dass die Drums nicht dazu passten. Also haben wir das gesamte Album ein zweites Mal mit besserem Equipment aufgenommen. Darüber bin ich froh, denn dadurch klingt es viel besser – auch jetzt noch.“ Das variable Songwriting von LETTERS FROM THE COLONY ist ein weiterer Pluspunkt: „Wir sind und wollen nicht an eine bestimmte Schreibweise gebunden sein. Unterschiedliche Arbeitswege können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Am Ende kommt es aber stets darauf an, ob wir den Part oder Song mögen. Ist dem so, dann ist es ein gutes Lied. Oder eben nicht.“

Den Wert nachvollziehbarer Spannungsbögen gewichten die Schweden höher als progressive Ausreißer und jähe Wendungen: „Manchmal, wenn wir experimentieren, ergibt sich der Überraschungswert auf natürliche Weise,“ so der Musiker. „Das ist großartig, solange der Song fließt. Ich würde niemals zwei nicht zueinander passende Teile zusammenfügen, nur um einen Überraschungseffekt zu erzielen. Dennoch ist es unser erklärtes Ziel, etwas zu schreiben, was wir zuvor noch nie gehört haben. Manchmal gelingt es uns, manchmal klingt es doch vertraut und könnte auch von einer anderen Band sein. Wenn es uns gefällt und wir denken, dass es zu LETTERS FROM THE COLONY passt, können wir das verkraften.“ Obwohl die Schweden bereits zwei MCDs umgesetzt hatten, sind sie ohne Erwartungen in die Arbeit für das Vollzeit-Debüt „Vignette“ gegangen:

„Ich hatte absolut keine Ahnung, was auf der anderen Seite herauskommen würde,“ verrät Jonas. „Wir haben niemals einen vorab definierten Plan für ein Lied. Wir sind nur hartnäckig genug, um nicht aufzugeben, bis es fertig ist. Wir haben im Studio viel mit den Songs gearbeitet und danach unzählige Male geprobt. Die Songs fallen für mich inzwischen so selbstverständlich aus, dass sie Teil meiner wöchentlichen Routine sind. Ich hoffe, dass ich mehr Abstand zum Album bekomme, wenn es endlich veröffentlicht wird, und wir es live spielen.“ Für Hörer dürfte das Material weniger Routine als vielmehr eine kreative Wundertüte sein. Das lässt sich auch an folgender Anekdote ableiten:

„Einmal hatten wir einen Lichttechniker, der eine Show für uns programmieren wollte,“ erzählt der Drummer. „Schnell hat er sein Vorhaben aufgegeben und die Show stattdessen von Hand bespielt. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie er sagte: „Scheiß drauf! Wie kann ich diese Songs programmieren, wenn der jeweils nächste Part immer abgefahrener wird?“ Ich betrachte das als Kompliment und Beweis dafür, dass wir tatsächlich das tun, was wir von Anfang an vorhatten.“

 
 Links:
  facebook.com/lettersfromthecolony
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Earth Flight
  Foreigner
  Richie Sambora + Orianthi
  Sevendust
  Tri State Corner

Interviews/Stories:

  Underoath
  Caliban
  Negative Self

Shows:

  25.05. Ducking Punches - Hamburg
  25.05. Shantel - Augsburg
  26.05. Ducking Punches - Braunschweig
  26.05. Kmpfsprt - Visbeck
  26.05. Gregor Mcewan - Braunschweig