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Cane Hill

Storie von: arne, am 21.01.2018 ]

„Too Far Gone“ repräsentiert NuMetal im Verständnis von KoRn, Slipknot und King 810. In den Songs von CANE HILL trifft rigorose Frustverarbeitung auf einen rohen Eingängigkeitswert. Das Quartett aus New Orleans versteht es auf seinem zweiten Longplayer bestens, gleichsam durchschlagende und animierende Heavy-Tracks zu setzen.

 
Die Band bietet den Musikern die Möglichkeit, ihre Alltagserlebnisse zu verarbeiten und ihre Gefühlswelt gerade zu rücken: „Heavy Metal ist der beste Weg, um Aggression und Traurigkeit heraus zu lassen. Viele Leute werden wahrscheinlich behaupten, dass es im Metal allein um Wut geht, doch die Grundlage dieser Wut sind Schmerz, Traurigkeit und Angst. Aufgrund der Art und Weise, wie wir leben, denke ich nicht, dass sich diese Wurzeln jemals ändern werden.“ Entsprechend richtet sich der Blick beim Songwriting allein nach innen: „Wahrscheinlich sollten wir uns dafür interessieren, was die Leute über uns denken oder von uns erwarten, doch darauf verschwenden wir keine Zeit,“ gibt der Shouter zu. „Wenn wir uns zu stark mit den Meinungen oder Wünschen anderer beschäftigen, wären wir nicht länger in der Lage, etwas so Originelles und Einzigartiges zu erschaffen, wie wir es tun. Rückschläge wären dann unvermeidlich. Wir hingegen erwarten aber durchaus, dass die Leute unseren kreativen Fortschritt bemerken und anerkennen. Dass dem so ist, beweist ja schon die Tatsache, dass wir stets etwas Neues auf den Tisch legen.“

Näher eingrenzen kann und möchte es der Frontmann nicht: „Wir klingen wie CANE HILL. Das ist es – nicht mehr, nicht weniger. Bei uns gibt es schon immer abgefahrene Musik. Unsere Songs sind vielfältig und anders. Trends interessieren uns nicht. Was im Bereich des modernen Heavy Metal abgeht, verstehe ich zu einem großen Teil nicht einmal. Deshalb schauen wir allein auf uns, denn hier können wir etwas bewegen. Nimm das neue Album: für uns sind das die besten Songs, die wir je geschrieben haben. Wir sind einfach nur stolz auf das, was wir geschaffen haben.“ Inspiration findet Elijah Witt in der Beschäftigung mit der Musik aus vergangenen Zeiten und in der Auseinandersetzung mit seiner Persönlichkeit: „Was meine musikalischen Vorlieben anbelangt, bin ich in den 1980er und 1990er Jahren hängen geblieben. Ganz offensichtlich gibt es Musik, die uns inspiriert, wie den Thrash und Grunge der 1980er und 1990er Jahre. Doch die konkrete Ausgestaltung unserer eigenen Stücke und die Themen, die wir aufgreifen, das sind wir und niemand sonst. Alles kommt aus unserem Inneren. Das ist, was wir durchgemacht haben. Auf unserem Debüt „Smile“ ging es uns noch darum, unsere Grenzen im Leben zu erweitern, während wir uns jetzt auf „Too Far Gone“ mit der Unvermeidlichkeit des Todes beschäftigen.“

Etwas konkreter geht es auf dem Zweitwerk von CANE HILL um das Folgende: „Alles dreht sich um Verlust, Veränderung und die Akzeptanz des unvermeidlichen


Endes,“ so Elijah. „Es geht darum, aus Fehlern zu lernen und an ihnen zu wachsen. Verlust, Verständnis, persönliche Veränderung; wir möchten, dass unsere Hörer fühlen, was wir vor ihnen durchgemacht haben. Unsere Musik soll sich in ihre Seelen einschleichen und ihre Perspektive auf Existenz, Selbstwahrnehmung und den Kern ihrer Persönlichkeit ändern.“ Eindeutig und festgelegt ist die Wirkungsrichtung des Materials dabei nicht: „Ich möchte, dass die Zuhörer die Songs selbst interpretieren und zwar so lange, bis es sie verrückt macht, weil nicht alles so offensichtlich ist, wie es scheint. Hierbei ist auch die Instrumentierung wichtig. Ich fühle mich geehrt, mit einer Band zusammen zu arbeiten, die so talentiert ist, etwas so Schönes und Zerstörendes zu erschaffen wie „Too Far Gone“.“

Dass man das Spiel von CANE HILL nur schwer greifen kann, ist für den Shouter keine Überraschung: „Wir sind klanglich ein Stück weit chaotisch und ohne klare Gestalt. Das stimmt. Es fühlt sich nicht so an, als würden wir uns ständig verändern, doch letztlich passiert genau das. Dabei schreiben wir immer einfach nur das, was wir im jeweiligen Moment fühlen. Das neue Album zeigt auf, wie und wer wir im Jahr 2017 sind. „Smile“ repräsentiert, was wir 2016 waren. Was im nächsten Jahr sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.“ Das Quartett aus New Orleans tut bewusst einiges dafür, anders zu klingen: „Mit Stücken wie ,Singing In The Swamp‘ und ,Why?‘ haben wir unsere Grenzen klar gerissen und sogar überschritten. Beim Songwriting von ,Swamp‘ hat uns ein Freund geholfen, der normalerweise für Pop-Bands arbeitet und uns dazu gebracht hat, etwas zu schaffen, das die Barrieren zwischen Metal und Pop durchbricht, ohne klischeehaftet oder geschmacklos zu klingen.“

Elijah Witt und seine Mitstreiter scheuen sich nicht davor, zu experimentieren und voran zu gehen. Die Eigenüberprüfung spielt bei CANE HILL eine wichtige Rolle: „Von der Sekunde, in der wir mit einem Song beginnen bis zu dem Moment, an dem er fertig gestellt ist, tun wir nichts anderes, als ihn zu analysieren,“ gibt der Frontmann zu. „Egal, ob wir essen, arbeiten oder unseren anderen Hobbies nachgehen, wir sezieren jedes Stück. Natürlich wissen wir, dass man eigentlich Pausen machen sollte, damit es nicht in einem Desaster endet. Doch wir haben festgestellt, dass wir keine Pausen benötigen und wir mit unserer Arbeitsweise nichts ruinieren. Vielmehr wird gerade so alles noch besser. Wir wissen genau, was wir von unseren Songs erwarten. Das ist der entscheidende Unterschied, denke ich.“

 
 Links:
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