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Of Mice & Men

Storie von: arne, am 16.01.2018 ]

Die Kalifornier trumpfen auf ihrem fünften Album mit einer lebendigen Mixtur aus Metal, Rock und Core groß auf. Der Ausstieg des Frontmanns fällt nicht ins Gewicht. OF MICE & MEN schärfen mit „Defy“ stattdessen sowohl ihr musikalisches Profil als auch die Belastbarkeit ihres Spiels.

 
Bassist Aaron Pauley, der zuvor bereits die Clean-Gesänge verantwortet hat, übernimmt nunmehr alle Vocal-Parts und schlägt sich als Nachfolger von Austin Carlile überzeugend. Facebook-Statements seines Vorgängers, nach denen dessen Ausscheiden neben gesundheitlichen Gründen auch mit Einschränkungen seiner Kreativität zu tun hat, kann Aaron im Gespräch weder nachvollziehen noch einordnen: „Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Zu dem Zeitpunkt, als er die Band verlassen hat, sind wir gar nicht mit Songwriting beschäftigt gewesen; haben nicht einmal über Ideen für neue Songs gesprochen. Natürlich haben auch wir seine Postings gelesen und uns darüber gewundert. Das letzte Album „Cold World“ war wenige Wochen vor seinem Ausstieg erschienen. Die Mehrzahl der Texte dieser Platte ist sehr persönlich gehalten und lag einzig und allein in Austins Verantwortung. Wir haben ihm da nicht reingeredet. Ein oder zwei Tage, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hat uns Austin mitgeteilt, dass er die Band verlassen müsse. Die Ärzte haben ihm gesagt, dass, wenn er weiter Sänger bliebe, er seine Stimme und Gesundheit gänzlich gefährdet. Deshalb war der Weg vorgezeichnet. Nun lebt er in Costa Rica und wir haben derzeit keinen Kontakt. Ich möchte über die Hintergründe seines Postings nicht spekulieren und kann lediglich sagen, dass wir als Band stets gemeinschaftlich und gut zusammen gearbeitet haben. Wir funktionieren nur als Einheit. Keiner macht dem anderen Vorgaben und legt fest, was er zu tun oder zu lassen hat.“

Die Kalifornier setzen aber wohl darauf, dass jeder auf sich Acht gibt und die Arbeit der Band ernst nimmt. Um im Winter Krankheiten möglichst zu vermeiden, halten sich OF MICE & MEN an einfache Regeln: „Wir trinken ausreichend Wasser und legen Wert darauf, ausreichend Schlaf zu bekommen. Flüssigkeitszufuhr ist gerade im Winter ein wichtiges Thema, dass viele Leute unterschätzen, nicht nur Musiker auf Tour. Man muss auf seinen Körper hören. Deshalb gehe ich die Dinge ruhig an. Ich bin kein Party-Typ und schlage auf Tour nie über die Stränge. Die beste Zeit des Tages habe ich auf der Bühne. Das ist ja auch der Grund, weshalb wir durch die Lande ziehen. Wir wollen den Leuten die bestmögliche Show bieten. Dafür bezahlen sie schließlich. Es fällt mir nicht schwer, das im Hinterkopf zu behalten und mein Handeln danach auszurichten. Wir alle kennen den beschwerlichen Alltag in Bands, die wesentlich kleiner sind und sich nicht eine solch komfortable Situation erarbeitet haben. Deshalb wissen wir das, was wir mit OF MICE & MEN haben, zu schätzen. Für die Möglichkeiten, die sich uns bieten, sind wir überaus dankbar. Das macht es einfach, die richtigen Prioritäten zu setzen. Am Ende des Tages ist es unsere Aufgabe, die Leute zu begeistern.“

Damit sie stets präsent sind und abliefern, folgen die vier Musiker einer schlüssigen Maxime: „Es mag ein Klischee sein, doch für uns ist immer die bevorstehende die wichtigste Show überhaupt. Das hat nichts mit der Größe der Clubs oder Hallen zu tun, sondern ist das Motto, nach dem wir uns ausrichten. So stellen wir sicher, dass wir nicht nachlassen und immer die richtige Einstellung an den Tag legen. Wir sehen ja, wie es Bands ergeht, die die Dinge weniger ernst nehmen, sich abends abschießen und dann am nächsten Tag leiden. Das wirkt sich unweigerlich auf ihre Leistungsfähigkeit aus.“

Erst kürzlich sind OF MICE & MEN in einem spannenden Paket durch Europa getourt. Aaron Pauley sieht das genauso: „Die Zusammenstellung mit Five Finger Death Punch und In Flames sagt mir sehr zu. Es handelt sich um eine der interessantesten Touren, die wir bislang gespielt haben. Allenfalls ist es noch mit unserer Tour mit Slipknot und Marilyn Manson zu vergleichen oder mit der mit Linkin Park. Grundsätzlich nehmen wir jede Herausforderung an und vertrauen darauf, auf aufgeschlossene Besucher zu treffen, die uns eine Chance geben. Persönlich finde ich es herausfordernd, mit stilistisch unterschiedlichen Gruppen unterwegs zu sein. Die Fans von Five Finger Death Punch und In Flames sind an moderner Musik interessiert und wissen es zu schätzen, dass diese beiden Bands verschiedene Stile kombinieren. Insofern fühlen wir uns in diesem Paket gut aufgehoben. Das war bei Slipknot, Marilyn Manson und Linkin Park ganz genauso. Auch ihre Fans sind an neuartigen Sounds interessiert und lassen sich begeistern. Ich freue mich über jedes Publikum, das die Interaktion annimmt und sich in die Show einbringt.“

Um die Identifikationsmöglichkeiten zu erweitern, stellt die Formation aus Orange County für jede Tour eine eigene Songs-Auswahl zusammen: „Unser Katalog ist divers und bietet für die verschiedenen Touren viele Möglichkeiten. Die Setlist orientieren wir an den zu erwartenden Hörern. Für die Termine mit Five Finger Death Punch und In Flames haben wir sehr harte Stücke ausgewählt. Für die Shows mit Linkin Park waren es eher die mit einem hohen Anteil an Clean-Gesängen und viel Melodie. Unser Songwriting ist schon immer variabel, weshalb wir aus einem breiten Fundus schöpfen können. Sicherlich ist es nicht unbedingt nötig, die Setlist anzupassen, doch wir sind davon überzeugt, dass es für die Besucher so unterhaltsamer ist. Wir wollen ihnen eine gute Show bieten. Jeder will doch etwas hören, was er kennt und mag.“ Von den Gegebenheiten der Auftritte ist die Auswahl nicht abhängig: „Der einzige Unterschied zwischen kleinen Clubs und großen Arenen ist die Größe des Backstage-Bereiches, ansonsten ist da nichts. Je größer die Show ist, desto besser ist das Catering und desto größer sind die Aufenthaltsräume. Das ist also eher ein Luxus-Thema. Auf der Bühne ist für uns nichts anders. Egal, ob wir vor 50 oder 50.000 Leuten spielen, die intrinsische Belohnung, die wir für uns mitnehmen, bleibt dieselbe. Die Musik schmeichelt so


oder so unseren Seelen, unabhängig von der konkreten Umgebung. Natürlich genießen wir den Luxus, wenn er sich bietet, doch auch die kleinen Club-Shows gehen wir mit derselben Energie und Leidenschaft an.“

Was die Rezeption auf Hörerseite anbelangt, hat der Bassist und Sänger zwischen Europa und den USA aber durchaus Unterschiede festgestellt: „An Europa gefällt mir vor allem, dass die Leute der Musik einen größeren Stellenwert einräumen und sie ihnen offenkundig mehr bedeutet,“ formuliert es Aaron. „In den USA geht es für viele darum, was gerade angesagt ist. Diese loyale Fan-Kultur, die einem in Europa begegnet, ist in den USA nicht so stark ausgeprägt. Die Rock-Musik wird hier insgesamt mehr wertgeschätzt. Das gefällt mir. 2014 haben wir all die legendären Sommer-Festivals in Europa und Großbritannien das erste Mal gespielt. Erst zwei Jahre später konnten wir das wiederholen. Wir sind beim Hellfest, Vainstream, Southside, Roskilde und weiteren großen Rock- und Metal-Festivals aufgetreten. Uns ist aufgefallen, dass das Publikum stark angewachsen ist und sich inzwischen deutlich mehr Leute für uns interessieren. Vor dem Hintergrund des Line-Up-Wechsels finde ich das keinesfalls selbstverständlich. Im Sommer sind wir ja zum ersten Mal in der neuen Besetzung hier gewesen. Es ist schön, dass die Fans uns die Treue halten und bemerken, dass wir aufrichtig und leidenschaftlich weiter machen und wir selbst bleiben.“

OF MICE & MEN tun ja auch einiges dafür, dass man ihnen bereitwillig die Treue hält: „Um im Gespräch zu bleiben und unsere Karriere zu entwickeln, ist es vor allem entscheidend, gute Songs zu schreiben und gute Shows abzuliefern,“ weiß der Musiker. „Das ist das, was in unseren Händen liegt. Den Rest entscheiden die Hörer. Wir können mit unseren Touren nur die Möglichkeit schaffen, dass man uns begegnet. In diesem Kontext ist es mir wichtig, klar zu stellen, dass OF MICE & MEN keine Karriere, sondern ein Projekt sind, das auf Leidenschaft und Hingabe basiert. Natürlich sind wir in diese Band hochgradig involviert, denn sie bestimmt unsere Leben. Doch es geht in erster Linie um die Kunst. Darauf verwenden wir alle Energie.“ Die Neuordnung des Band-Gefüges nach dem Ausstieg Austins verlief auch deshalb reibungslos: „Für mich hat sich gar nicht so viel verändert. Die Clean-Vocals habe ich ja schon vorher beigesteuert. Auch wenn ich nun alle Gesangs-Parts übernehme, verstehe ich mich nicht als Frontmann,“ gibt sich Aaron bescheiden. „Ich sehe mich allein als Sprachrohr unserer Band. Die Texte schreibe ich aus einer persönlichen Perspektive, doch dabei versuche ich stets auch, die Sichtweise der Band zu berücksichtigen. OF MICE & MEN sind schließlich unsere gemeinsame Geschichte. Alles, worüber ich schreibe, besitzt auch für die anderen eine Bedeutung. Das ist mir wichtig, denn jeder von uns soll sich repräsentiert fühlen. Das war nicht anders, als Austin noch Teil von uns war. Uns geht es immer um die Gemeinschaft. Deshalb hat sich nicht viel verändert, auch wenn wir nun eine Person weniger sind. Heutzutage bin ich die Hauptstimme, doch auch die anderen müssen etwas beitragen und sind dadurch hörbar. Nicht nur ich stehe im Scheinwerferlicht. Insgesamt ist mehr gleich geblieben, als sich verändert hat. Ich hoffe, das macht irgendwie Sinn. Was das Songschreiben und die Instrumentierung anbelangt, sind es schon immer wir vier gewesen, die gemeinsam gearbeitet haben. Austin hat erst später aufgesetzt. Unsere Arbeitsweise mussten wir also nicht umstellen. Natürlich ist das veränderte Line-Up ein Kapitel in der Geschichte unserer Band, doch die Implikation ist weniger einschneidend, als man von außen meint. Der Verlust von Austin hat uns getroffen, doch dadurch sind wir noch enger zusammen gerückt. Wir haben uns der Situation gestellt und eine Lösung gefunden. An unserer Motivationslage und unseren Zielen hat sich nichts verändert. Ich finde es sogar gut, dass wir die Gelegenheit hatten, uns zu hinterfragen und zu bestätigen.“

Das Thema des neuen Albums sind nicht zufällig Veränderungen: „Das hat natürlich mit den Entwicklungen innerhalb der Band zu tun, ist aber zugleich auch das größte Thema im Leben von uns Menschen. Denn ständig verändert sich etwas und man muss sich an neue Gegebenheiten anpassen. Man verliert den Job oder Partner, erlebt einen Schicksalsschlag oder muss sich von heute auf morgen neu erfinden. So etwas fällt niemandem leicht. Die Frage ist nun, wie man damit umgeht. Lässt man sich von Veränderungen aus der Bahn werfen oder versucht man, die Veränderungen zu steuern? Wir denken, dass man sich von Veränderungen nicht dominieren lassen und sich ihnen nicht unterwerfen darf. Man muss widerstehen und sie gestalten. Diese Botschaft steckt hinter „Defy“. Wenn man das selbstbewusst tut, kann man viel über sich und seine innere Stärke lernen. Viele Leute haben erwartet, dass wir es nicht schaffen würden und am Ende wären, als der Ausstieg von Austin publik wurde. Doch wir haben die Herausforderung angenommen und sie eines Besseren belehrt. Wir zeigen der Welt mit dem neuen Album, wer wir sind und wofür wir stehen. Die Arbeit an „Cold World“ war von widrigen Begleitumständen geprägt und eine eher traurige Zeit. Einige von uns hatten private Probleme. Es fiel uns nicht leicht, dieses Album umzusetzen, was sich in der düsteren, harten Attitüde der Songs widerspiegelt. „Defy“ steht hingegen für ein Triumph-Gefühl und ist der Beleg dafür, dass wir zu unserer Leidenschaft zurück gefunden haben. Es war von Vorteil, dass wir nur wenige Wochen nach den letzten großem Shows in Europa, die wir vor vielen tausend Leuten gespielt haben, ins Studio gegangen sind. Wir haben die Euphorie und Energie mitgenommen und sie in die Songs einfließen lassen. Ausgehend von der positiven Grundstimmung haben wir uns mitreißen lassen.“

 
 Links:
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