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Sharptooth

Storie von: arne, am 07.01.2018 ]

SHARPTOOTH stehen für musikalischen Protest und klare Kante. Die Hardcore-Band aus Baltimore beschäftigt sich auf ihrem Debüt „Clever Girl“ u. a. mit Gewalt gegen Frauen, Homophobie, Rassismus und der aktuellen US-Regierung (,Fuck You Donald Trump‘).

 
„Wir alle sind sehr rational und aufgeschlossen,“ fasst Frontfrau Lauren Kashan die Motivationslage und das Naturell des Quintetts zusammen. „Trotz der aggressiven Natur unserer Musik nehmen wir im Allgemeinen keine militanten Haltungen ein. Wir sind in unseren Überzeugungen sehr fest, wissen aber auch, dass die meisten Themen, über die wir sprechen, komplex und nuanciert sind. Unsere Lieder dienen als Möglichkeit, Gespräche zu beginnen. Ich bin bereit, zuzuhören und mich praktisch mit jedem zu beschäftigen, solange dessen Meinungen und Ansichten die Rechte anderer nicht verletzen. Während die Übermittlung unserer Positionen musikalisch brutal und aggressiv geschieht, liegt ein Großteil unserer Botschaft in Empathie und der Wahrnehmung unterschiedlicher Perspektiven.“

Beschäftigt man sich mit dem ersten Longplayer von SHARPTOOTH, begegnet man reichlich Wut, aber auch ansteckender Leidenschaft und einem aufrüttelndem Gestaltungswillen: „Musik und Texte sprechen für sich,“ meint Lauren. „Wir sind unverblümt und ehrlich; unsere Texte normalerweise ziemlich geradlinig. Ich denke, einer der interessantesten Aspekte des Albums ist es, dass einige der Songs im Laufe der Zeit zusätzliche Bedeutungen entwickelt haben. Der Song ,Give Em‘ Hell Kid’ begann beispielsweise damit, dass es um Polizeibrutalität und die Bekämpfung von systemischem Rassismus ging. Inzwischen ist es für mich aber auch ein Stück, um korrupte politische Systeme zu konfrontieren. Und das Titel-Lied ,Clever Girl’ war zunächst eine geradlinige Hymne gegen das Patriarchat, richtet sich inzwischen aber auch gegen Teile der eigenen Reihen, die uns niederhalten und wertlos machen wollen. Die Bedeutungen der Songs wachsen und verändern sich je nach dem, was in meinem Leben und in der Welt vor sich geht.“

Im Hardcore hat Lauren Kashan letztlich doch ihren Platz


gefunden, um sich lautstark zu artikulieren: „Dass ich erst etwas später zum Hardcore gekommen bin, liegt daran, dass es in den frühen 2000er Jahren noch eine Menge Sexismus in der Szene gab. Ich hörte Dinge wie „no clit in the pit“ und habe mich zunächst nicht willkommen gefühlt. Erst als ich einige Bands gefunden habe, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und sich dagegen zur Wehr setzten, habe ich aufgehört, mich um sexistische Arschlöcher zu kümmern und es mir zur Aufgabe gemacht, meinen Platz in unserer lokalen Szene zu finden. SHARPTOOTH greift diese Absicht auf. Wir sind ein bisschen anders als der klassische Hardcore-Sound, aber wir glauben an unsere Musik und Botschaft. Wir sind bereit, uns zu behaupten und für unseren Platz im Hardcore zu kämpfen.“

Das Debüt „Clever Girl“ stellt nicht zufällig die klassischen Spielart-Ideale heraus: „Für mich geht es im Hardcore vor allem um Ehrlichkeit und Selbstverwirklichung,“ bekräftigt Lauren. „Das sind die Werte, die mir persönlich am Herzen liegen. In den Songs von SHARPTOOTH dreht sich vieles darum, die eigene Wahrheit zu leben und Freiheit in sich selbst zu finden. Hardcore hat mich gelehrt, dass es wichtig ist, meine Stimme zu nutzen und mich für Menschen einzusetzen, denen es schlechter geht. Für mich ist es wie eine Religion. Egal, ob ich selbst auf der Bühne stehe oder zu einer Show gehe, ich kann moshen, schreien und Befreiung spüren. Das ist meine Version der Erlösung. Es gab schon so viele Shows, nach denen ich mich von der Musik gerettet gefühlt habe.“

Das Material von „Clever Girl“ ruft eine solche Wirkung hervor. Was die Motivation und Wichtigkeit der transportierten Botschaften anbelangt, lassen sich SHARPTOOTH gut mit Stray From The Path und War On Women vergleichen. Die drei Gruppen haben keine Angst, Stellung zu beziehen und anzuecken.

 
 Links:
  facebook.com/SharptoothMD
 
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