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The Used

Storie von: arne, am 20.12.2017 ]

Die Karriere von THE USED verläuft weder stringent noch berechenbar. Große kommerzielle Erfolge stehen auf der Haben-Seite. Darauf ruht sich das Quartett aus Utah aber nicht aus. Das neue Album „The Canyon“ steht für kreative Freigeistigkeit und eine Neudeutung des Spiels zwischen Emo/Screamo, Post-Hardcore und Indie-Rock. Dass die Songs polarisieren und wohl nicht von jedem Hörer verstanden werden, nehmen die Musiker billigend in Kauf.

 
„Wir tun schlicht und ergreifend das, was alle Musiker und Künstler tun sollten: wir sind und bleiben uns selbst gegenüber treu und erweitern die Grenzen unserer Musik,“ greift Bassist Jeph Howard den Gedanken auf. Im Rückblick überrascht es fast, welch breiten Anklang THE USED bereits gefunden haben. Als die Band anfangs eher konventionelle Sounds mit einprägsamen Hymnen abfeierte, fiel es vielen leicht, sie zu mögen. Doch diese Tage liegen schon lange zurück. Seit geraumer Zeit ist das aus Orem, Utah stammende Quartett vor allem bestrebt, sich zu verwirklichen: „Veränderung kann erschreckend sein und ängstigen,“ weiß Jeph. „Menschen sind Gewohnheitstiere, das darf man nicht vergessen. Einige widerstehen Veränderungen um jeden Preis, weil sie glauben, dass Veränderungen entweder schwierig oder negativ sind. Aber an Veränderungen führt kein Weg vorbei, denn sonst stagnieren die Dinge. Nur weil etwas funktioniert, heißt das nicht, dass man immer und immer wieder das Gleiche tun und sich ausruhen kann.“

Daran lassen sich die Musiker messen. Mit dem siebten Longplayer „The Canyon“ entziehen sich THE USED modernen Hörgewohnheiten komplett. Die Ästhetik des Albums ist nicht nur aufgrund der analogen Live-Aufnahme mit den früheren Veröffentlichungen kaum mehr zu vergleichen. Auch stilistisch hat sich einiges getan: „Die Aufmerksamkeitsspannen der Leute werden kürzer und kürzer. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass unser neues Album eine lange Zeit vorhalten wird,“ zeigt sich der Bassist überzeugt. „Es beinhaltet viele Ansätze und Ideen, für die viele Hörer eigentlich noch nicht bereit sind. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt auf uns zurück kommen, um zu verstehen, was wir vollbracht haben. Diese Platte ist ein langes Epos, für das sich Hörer Zeit nehmen und sich entspannen müssen, um alles nach zu vollziehen und in sich aufzunehmen. Wir sind Künstler und unsere Disziplin ist die Musik. Wir versuchen nicht, etwas zu sein, was wir nicht sind.“

Unter tatkräftiger Unterstützung des neuen Gitarristen Justin Shekoski (ex-Saosin) legt die Gruppe eine kreative Freigeistigkeit an den Tag, die es erst einmal zu verdauen gilt. Wenige Stücke taugen für schnellen Zugang und besitzen einen vordergründigen Eingängigkeitswert. THE USED haben Gefallen daran entwickelt, ihre Absichten über den subtilen Wirkungsbereich zu teilen: „Es ist immer eine harte Kiste, sich und seine Kunst in die Welt hinaus zu bringen,“ so Jeph. „Doch wenn du es nicht versuchst, wirst du nie wissen, was du


erreichen kannst. Dieses Album ist das, was wir schon immer zu erschaffen versuchten. Es ist ehrlich, voller Herzblut und Seele, und am wichtigsten von allem, es ist wirklich erfüllt von unseren musikalischen Persönlichkeiten. Das ist nicht schwer, wenn man die Dinge aus den richtigen Gründen tut. Uns geht es nicht um Geld oder Ruhm, sondern um Selbstverwirklichung und Liebe. Wir lieben die Musik und uns im kreativen Arbeiten heraus zu fordern.“ Dass „The Canyon“ nur eingeschränkt kompatibel klingt, stört den Musiker nicht:

„Sicherlich ist es toll, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen und breite Beachtung zu finden. Aber was dann? Wer oder was keine Seele hat, wird nicht bestehen. Ich interessiere mich für die tiefe Verbindung der unvollkommenen künstlerischen Seele, die mir inne wohnt. Berühmt zu werden, sollte nicht das Ziel eines Künstlers sein. Sein Leben zu entwickeln und zu ergründen, scheint mir ein weitaus besseres Ziel zu sein. Ich mache mir keine Sorgen und kümmere mich nur darum, unsere Grenzen und Fähigkeiten als Künstler zu erweitern. Wir verstehen uns als Gefäße der Kreativität, die Musik durch sich hindurchfließen lassen und kanalisieren. Musikalisch sind wir schlicht wir selbst – mit all unseren Schönheitsfehlern.“ Das Storytelling legt weite Wege zurück und besitzt ein Classic-Rock-Moment, das man von THE USED in dieser Form noch nicht gehört hat. Erweiterte Singer/Songwriter-Parts und akustische Momente, dazu LoFi-Charme, Spoken Word-Einordnungen und schonungslose Offenheit – „The Canyon“ ist ein zutiefst persönliches Album, das man nicht nebenbei hören kann:

„Die Art und Weise, wie diese Platte aufgenommen worden ist und wie sie klingt, ist mein persönliches Highlight von allem, was THE USED musikalisch jemals geschaffen haben,“ bekräftigt Jeph Howard. „Es ist real und voller Seele. Wir bringen ganz unterschiedliche Einflüsse ein, doch es gibt keine Konkurrenz zwischen ihnen. Die individuellen Einflüsse betreffen jede Person selbst, was im Zusammenspiel innerhalb der Band letztlich die Dynamik der Songs beeinflusst und den besonderen Reiz entstehen lässt.“

Angesichts der stilistischen Bandbreite und der behutsam entwickelten Gefühlsverarbeitung verliert man den Faden, wenn man nicht konzentriert und emotional bei der Sache bleibt. Obwohl es selten vordergründig hymnisch zugeht, bleiben etliche der neuen Tracks von THE USED im Ohr. Sobald man sich in das siebte Album des Quartetts hinein gehört hat, kommt man von ihm nicht wieder los.

 
 Links:
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