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Asking Alexandria

Storie von: arne, am 14.12.2017 ]

In mehrfacher Hinsicht steht das sechste Album der Briten für einen Neuanfang, und das nicht nur, weil Danny Worsnop als Frontmann zurückkehrt. Nach turbulenten Jahren haben sich ASKING ALEXANDRIA mit ihrem Band-Dasein und der Musik-Industrie arrangiert und setzen ihre Karriere nunmehr zu eigenen Bedingungen fort.

 
Das Quintett aus York hat mit seinem variablen Sound zwischen MetalCore sowie Rock-, Pop- und Elektro-Elementen für viel Beachtung, aber auch für Begehrlichkeiten gesorgt. Die Musiker haben den Preis dafür gezahlt: „Nach der Gründung der Band, haben wir einige Jahre zusammen verbracht und die Band erfolgreich entwickelt,“ bestätigt Danny. „Wir haben kontinuierlich nachgelegt und immer mehr gepusht, ohne zu merken, dass wir uns in eine Abwärtsspirale hinein bewegen. Das kam zu einem guten Teil von außen. Viele Leute haben von ASKING ALEXANDRIA profitiert und uns gedrängt, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu tun. Uns wurde gesagt, dass wir permanent auf Tour sein müssten und andernfalls vom Label oder aus der Booking-Agentur fliegen würden. Wollten wir eine Pause einlegen, drohte man uns mit dem Ende unserer Karriere. Angesichts dieser Umstände hat es nicht lange gedauert, bis wir physisch und psychisch ausgelaugt und am Ende waren. Rücksicht hat man darauf nicht genommen. Stattdessen hat man uns auf die nächste Tour geschickt. Auch als ich mit Suchtproblemen zu kämpfen hatte, gab es keinen Halt und wir mussten spielen. Nicht einmal als ich meine ungeborene Tochter verloren habe, hat man mir eine Auszeit gegönnt. Die Leute, die mit uns Geld verdienten, haben nur an sich gedacht und uns verheizt. Die Situation wurde immer schlimmer, die Stimmung richtig mies und dann ging irgendwann nichts mehr. Es ändert ja nichts, wenn man Probleme nicht löst und stattdessen zu Alkohol und Drogen greift. Der Zusammenbruch war unvermeidlich. Ab einem gewissen Punkt konnte und wollte ich schlicht nicht mehr. Also habe ich die Reißleine gezogen, bevor etwas noch Schlimmeres passiert. Anschließend habe ich mich ins Leben zurück gekämpft und von Tag zu Tag gelebt. Während der Arbeit an meinem Solo-Album habe ich all die Erlebnisse aufgearbeitet und wieder zu mir selbst gefunden. Im Ergebnis habe ich mich wieder als Mensch mit eigenem Willen gefühlt. Mit den anderen in der Band habe ich längere Zeit kein Wort gewechselt, bis ich irgendwann wieder Kontakt aufgenommen habe, als ich dazu bereit war. Wir haben dann eine erste gemeinsame Tour gespielt. Daraus sind dann zwei geworden und anschließend haben wir uns darauf verständigt, ein neues Album zu schreiben. Dieses liegt nun vor.“

Aus den Worten des Frontmanns klingen Frustration und Desillusionierung. ASKING ALEANDRIA haben Lehrgeld auf die harte Tour gezahlt: „Anfangs waren wir so naiv zu glauben, wir wären im Musik-Geschäft. Inzwischen wissen wir, dass es das Geschäft mit der Musik ist. Mir scheint es, als ginge es für die Industrie nur zu maximal 25 Prozent um die Musik. Der Rest ist Geschäft. Viele der Leute, die sich in diesem Metier tummeln, hassen Musik. Das ist meine feste Überzeugung. Ihnen geht es allein um den Profit. Die Leute klüngeln untereinander, schließen Deals und verarschen die Künstler. So habe ich es kennen gelernt. Es geht weder um Kunst noch um Kreativität, sondern nur ums Geld. Sofern man sich auf dem Level der großen Major-Label bewegt, haben die Gruppen und Künstler null Kontrolle oder Sagen über ihre Karriere. Sie werden komplett fremdbestimmt. Die Vorgaben seitens der Industrie sind strikt und nicht verhandelbar. Entweder arrangiert man sich damit und liefert oder man wird aussortiert. Alles wird am Fließband abgewickelt und erfolgt anonym. Die Taktung liegt nicht in den Händen der Bands. Die Kunst wird in ein enges Korsett gepresst. Im Pop-Sektor ist es besonders krass. Wenn einer nicht will oder kann, nimmt man den nächsten und setzt mit ihm exakt dasselbe um. Individualität spielt absolut keine Rolle. Schließlich gibt es viele gute Stimmen. Solchen Mechanismen sind wir begegnet. Wir haben am eigenen Leib erfahren, wie das Geschäft funktioniert und sind nach Strich und Faden verarscht worden. Gäbe es nicht die vielen tollen Fans, hätte ich vielleicht völlig aufgegeben. Mit unserem Wissen können wir andere aufklären und uns der Industrie entziehen. Wir bestimmen die Regeln heute selbst und lassen uns nicht mehr drängen. Für uns zählt die Kunst und wir wissen, wem wir vertrauen können.“

Für junge Künstler, die sich zu etablieren und behaupten suchen, hat Danny folgenden Rat: „Jede Band, die danach strebt, von der Musik zu leben, muss sich im Klaren darüber sein, dass sie sich in einem Geschäftsumfeld bewegt. Ich kann nur jedem empfehlen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren, um auf all das vorbereitet zu sein. Dann versteht man das Umfeld, in dem man sich bewegt. Die meisten Leute, denen man begegnet, sind nett und vermeintlich hilfsbereit, doch sie sind nicht deine Freunde. Anfangs schmeichelt es, zu Abendessen eingeladen zu werden und zu Touren zu fliegen, doch dafür erwarten sie Gegenleistungen. Am Ende geht es darum, dass sie Geld mit dir verdienen wollen. Ist das nicht länger der Fall, beantworten sie nicht einmal mehr deine Anrufe und verschwinden von der Bildfläche. Zumindest eine Person in jeder Band sollte mit wirtschaftlichen Belangen vertraut sein und alles aufmerksam verfolgen. Dazu rate ich eindringlich. Ich möchte es vermeiden, von weiteren jungen Bands zu hören, die abgezockt werden, wie es uns passiert ist. Zum Glück wissen wir nicht, um wie viel Geld man uns gebracht hat. Das liegt nicht einmal daran, dass wir dumm oder naiv waren. Wir haben es schlicht nicht mitbekommen und erst später realisiert. Wer sich als Künstler mit Geschäftsleuten einlässt, muss auf die Nase fallen. Ohne Manager, Anwälte und Buchhalter geht es leider nicht. Es ist schön, wenn man den Leuten, mit denen man zusammen arbeitet, vertraut. Noch besser ist es aber, wenn man die Dinge selbst in die Hand nimmt und versteht, was passiert und worum es geht. Mit deinen Band-Mitgliedern bist du ohnehin den ganzen Tag zusammen. Es ist wie in einem Haushalt und auch dort


kümmert sich einer um die Finanzen und rechtliche Belange. Wir haben auf Tour nur nicht die Möglichkeit, uns in unser Zimmer zurück zu ziehen, sondern hocken immer aufeinander. Die Leidenschaft für Musik und Songschreiben habe ich bei all dem zum Glück nicht verloren. Ich wünschte, dass es nur darum ginge, doch leider ist das nicht der Fall.“

Das britische Quintett lässt sich heute nicht mehr verheizen: „Wir touren keinesfalls mehr als vier Monate in einem Jahr,“ äußert der Shouter entschlossen. „Mehr geht für mich guten Gewissens einfach nicht. Neben ASKING ALEXANDRIA möchte ich mich auch weiterhin auf meine Solo-Karriere konzentrieren und auf mein Songwriting. Ich will Zeit zu Hause verbringen und mein Studio weiter aufbauen. Es fühlt sich toll an, so etwas wie ein gewöhnliches Leben zu führen. Den anderen Mitgliedern der Band geht es genauso. Auch sie wollen nicht mehr nur auf der Straße leben, sondern ein Zuhause haben. Wir alle haben Familien und Interessen jenseits der Musik. Wir wissen das, was wir haben, zu schätzen, doch wir müssen uns nichts mehr beweisen. Eine Welt-Tour pro Jahr über vier Monate reicht vollkommen. Daneben trinke ich nicht mehr und treibe viel Sport. Ich laufe jeden Tag vier Stunden und achte auf mich. Wir haben unsere Leben komplett auf den Kopf gestellt und zerstören uns nicht mehr sehenden Auges selbst. Wenn man Verantwortung für seine Frauen und Kinder trägt, ändert das die Sichtweise. Man ist nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich. In gewisser Weise betrachten wir ASKING ALEXANDRIA deshalb inzwischen als Job. Früher war es keine ernsthafte Karriere, sondern nur etwas, das uns den Alltag finanziert hat, für den wir nicht viel brauchten. Nun geht es um viel mehr, weshalb wir unsere Einstellung angepasst haben. Wir möchten den Leuten eine gute Show bieten und dafür tun wir das, was nötig ist. Wir haben einen geregelten Tagesablauf und bereiten uns vor. Nach dem Aufstehen um neun Uhr morgens gehe ich jeden Tag laufen. So präpariere ich meine Lungen für unsere Shows. Ich achte darauf, regelmäßig und ausgewogen zu essen und meine Stimme zu trainieren. Die mentale Einstellung stimmt und ist darauf ausgerichtet, auf Konzerten meine beste Leistung abzuliefern. Durch die bewusste Begrenzung unserer Tour-Aktivitäten fällt es uns zudem leichter, uns zu motivieren und wirklich durchzuziehen. Wir haben schließlich die Gewissheit, dass wir uns anschließend regenerieren können. Auch kleine Dinge tragen zum Wohlbefinden bei. Etwa, dass ich inzwischen meinen Hund mit auf Tour nehme und mit ihm ein Stück Zuhause. Das erdet mich und erinnert mich an das normale Leben, das für die Zeit des Tourens außer Kraft gesetzt ist. Wenn wir in Regionen touren, zu denen ich meinen Hund nicht mitnehmen kann, tun wir das für maximal eine Woche. In Australien spielen wir beispielsweise nicht mehr als vier oder fünf Shows.“

Die übrigen Aktivitäten rund um die Band verfolgen die Musiker nicht minder professionell und überzeugt, wie der Frontmann mit Blick auf das neue Album berichtet: „Wir gehen unseren eigenen Weg und übernehmen Verantwortung. Wenn es nicht funktioniert, sind allein wir dafür verantwortlich, niemand sonst. Wenn es funktioniert, sind wir es gewesen, die Recht mit ihren Entscheidungen hatten. Bevor wir mit der Arbeit am neuen Album begonnen haben, gab es eine Abstimmung darüber, was wir wollen und wie wir das Album umzusetzen gedenken. Die ganze Arbeit sollte nicht wieder vergebens sein. Wir sind uns im Klaren darüber, dass die Musik-Industrie im Dezember eigentlich pausiert. Es passiert praktisch nichts. Zwischen Dezember und Februar wird kaum etwas veröffentlicht. Doch wir waren bereit, die Arbeit und die Strapazen auf uns zu nehmen und sind davon überzeugt, dass es auch jetzt etwas wird. Mangels anderer Veröffentlichungen bekommt man schließlich mehr Beachtung.“ Den Schritt zu einer möglichen Eigenveröffentlichung sparen sich die Briten aber vorerst für die Zukunft auf: „Ich habe schon häufig darüber nachgedacht, ein Label für meine Solo-Sachen zu starten,“ bestätigt Danny. „Auch als ASKING ALEXANDRIA haben wir das gedanklich schon durchgespielt. Derzeit stehen wir noch bei Sumerian Records unter Vertrag, die uns nach Leibes Kräften unterstützen und mit deren Arbeit wir sehr zufrieden sind. Ein weiteres Album werden wir bei ihnen definitiv noch heraus bringen. Was danach passiert, wird man dann sehen. Wir sind in jedem Fall bereit, auch das zu übernehmen und beobachten deshalb, wie sich der Markt weiter verändert. Wenn unser übernächstes Album erscheint, wird es wahrscheinlich schon keine CDs mehr geben. Sie sind ja schon heute praktisch tot. Insofern sprechen wir über Digital-Veröffentlichungen, wofür man als Künstler nicht zwingend ein Label benötigt. Ein Promo-Team kann man im Zweifel auch selbst beauftragen oder wir gehen das selbst an. Es hat seinen Grund, dass viele Bands schon heute komplett auf eigenen Beinen stehen.“

Der sechste Longplayer markiert den selbstbewussten Startpunkt der zweiten Karriere der MetalCore-Gruppe: „Das neue Album ist ein Neustart und öffnet für ASKING ALEXANDRIA ein neues Kapitel. Wir haken die Vergangenheit ab, die wir ohnehin nicht mehr ändern können, und blicken nach vorne. Die Dinge, die zwischen uns vorgefallen sind, verleugnen wir nicht, doch wir haben uns ausgesprochen und sind mit uns im Reinen. Wir wissen, was wir an uns haben, und sind gespannt, was die Zukunft für uns bereit hält. Diesem Verständnis folgend ist es so etwas wie unser erstes Album. Genau aus dieser Motivationslage haben wir uns den Songs und der Umsetzung genähert. Wir haben bei null begonnen und geschaut, wohin uns die gemeinsame Arbeit führt. Auf diese Art und Weise ist etwas entstanden, was jeder von uns als bislang bestes Album von ASKING ALEXANDRIA ansieht.“

 
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