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36 Crazyfists

Storie von: arne, am 13.11.2017 ]

Das Licht am Ende des Tunnels bzw. die Laterne im Dunkeln spenden allein schon aufgrund ihrer Existenz Zuversicht. Sie weisen den Weg und zeigen das Ziel auf. 36 CRAZYFISTS-Frontmann Brock Lindow hat sich in den letzten Monaten durch eine schlimme Depression gekämpft. Seine Erfahrungen bilden das thematische Konzept für den siebten Longplayer der Modern-Heavy-Kombo aus Alaska. Elemente zwischen MetalCore, Modern-Metal und Grunge-Rock formen „Lanterns“, das in seiner Quintessenz Kraft und Hoffnung spendet.

 
„Die drückende Stimmung ist gesetzt, die Dunkelheit zunächst allgegenwärtig,“ führt der Shouter in das neue Album ein. „Und doch besteht noch immer die Möglichkeit, einen Fuß vor den anderen zu setzen und so voran zu kommen. Man kann sich aus der Düsternis hinaus bewegen und das Alleinsein hinter sich lassen. Das ist die Botschaft, die „Lanterns“ vermitteln soll. Auch in vermeintlich ausweglosen Situationen geht es weiter. Man muss es nur wollen und etwas dafür tun.“ Um sein persönliches Schicksal aufzuarbeiten, hält Brock Lindow nichts zurück und zeigt sich schonungslos offen: „Die Platte ist ein Zwiegespräch, „Lanterns“ ein Argumentationsstrang und letztlich auch die Lösung meiner inneren Konflikte. Depressionen bekämpfe ich mit Optimismus und der Suche nach Möglichkeiten und Ansätzen, mich aus der geistigen Dunkelheit zu befreien.“

Für den Genesungsprozess sind auch die engsten Freunde des Frontmanns wichtig gewesen, wie er erzählt: „Egal, wie schlecht es läuft und wie hart einen das Leben trifft, gibt es doch eigentlich immer jemanden, mit dem man sprechen und der einem helfen kann. Ich habe erkannt, dass der Austausch und die Diskussionen mit meinen wahren Freunden wichtig sind und ich die letzten Jahre nur dank ihrer Unterstützung überlebt habe. Sie haben nicht gezögert, mir zu helfen, als es mir richtig dreckig ging. Deshalb kann ich jedem nur raten: lasst euch fallen und vertraut auf eure Freunde.“ Für Brock Lindow zählen dazu auch seine Mitstreiter bei 36 CRAZYFISTS: „Meinem Verständnis nach sind wir mehr eine verschworene Gemeinschaft als nur eine Band. Wir sind eine Familie und schätzen uns glücklich darüber, die Band auch nach all den Jahren und Entbehrungen noch immer gemeinsam für uns zu haben. Das bedeutet uns sehr viel und hilft im Alltag.“

Die seit 1994 bestehende Gruppe kennt ihre Trademarks und versteht sich bestens darauf, diese zur Geltung zu bringen: „Wir wissen sehr genau, was wir können und spielen wollen. Deshalb sitzen wir nicht herum und diskutieren. Stattdessen lassen wir der Musik freien Lauf. Was sich einstellen will, stellt sich ein. Unser Bauchgefühl hat uns bislang noch niemals im Stich gelassen, und darauf vertrauen wir. So können wir unser Vermächtnis fortsetzen und verlieren nicht die Richtung.“ Die einzelnen Veröffentlichungen der Formation aus Alaska weisen allesamt einen autobiografischen Ansatz auf und bauen musikalisch jeweils aufeinander auf: „Mehr als alles andere haben wir mit „Lanterns“ ein weiteres Kapitel im Leben unserer Band fertig gestellt.


Darin entfernen wir uns nur bedingt von dem, was wir im Verlauf unserer Karriere bereits getan haben. Wir fügen aber wohl etwas Neues hinzu, denn es ist ein düsteres, launisches Rock'n'Roll-Album entstanden.“ Der rockigen Attitüde zum Trotz, ist primär von einer Mischung aus MetalCore, Modern-Metal und Grunge-Rock zu sprechen: „Wir sind niemals eine Band gewesen, die irgendwo richtig hinein passte oder irgendeinem Sub-Genre des Metal wirklich gerecht worden ist,“ äußert Brock. „Das ist aber gerade das, was uns von anderen unterscheidet. Egal, ob man uns mag oder hasst, wir ziehen unser eigenes Ding durch und zumindest das dürfte den Leuten auffallen.“ Die Umsetzung von „Lanterns“ erfolgte klassisch und so, wie man es auch von anderen Gruppen kennt:

„Wir haben uns an die die Arbeitsweise unserer frühen Tage erinnert und Monate bevor wir in die eigentlichen Aufnahmen gingen, zunächst Demos aller Songs angefertigt,“ rekapituliert der 36 CRAZYFISTS-Frontmann. „Dadurch sind wir mit dem Material vertraut geworden und haben die Hausaufgaben erledigt, die noch offen waren. Als wir schließlich ins Studio gingen, waren wir bestens vorbereitet und hatten alles drauf. Bei den letzten Alben haben wir im Vorfeld auf Demos und Proben verzichtet. Jeder hat nur seinen Part abgearbeitet. Am Ende wurde alles übereinander gelegt. Die Rückkehr zur alten Arbeitsweise fühlt sich um einiges besser an. Zumal das Album nun endlich auch wieder aus einer Gemeinschaftsleistung heraus entstanden ist.“ Die Rollenverteilung ist dennoch klar:

„Mein Part ist es vor allem, zunächst spannende Ideen, Themen und Song-Titel und später die richtigen Worte zu finden. Anschließend ist es meine Aufgabe, meine Texte bestmöglich mit der Musik in Einklang zu bringen und meine Gesangsspuren auszuarbeiten. Beim Durchexerzieren von neuen Stücke in den Proben, sagen wir vor allen die Songs zu, die heftige Themen behandeln und in diesem Verständnis eine Therapie für mich und die Hörer darstellen.“ Die Band aus Alaska kann auf eine verschworene Anhängerschaft bauen, die „Lanterns“ ungeduldig herbei wünscht: „Der Underdog-Status begleitet uns schon unsere gesamte Karriere über,“ sagt Brock Lindow zum Abschluss. „Natürlich wäre es schön, wenn unsere Band Aufmerksamkeit auf einem größeren Level erfahren würde. Ich bin aber nicht so vermessen, zu glauben, dass das zwangsläufig geschehen muss. Deshalb bin ich umso dankbarer für alle die Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnisse, die mir durch die Band und Musik zuteilwerden.“

 
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