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The Black Dahlia Murder

Storie von: arne, am 23.10.2017 ]

Das Quintett aus Detroit, Michigan spielt pro Jahr mindestens 200 Konzerte und legt mit zweijähriger Taktung neue Alben vor. Ermüdungserscheinungen oder kreative Einbußen sind für THE BLACK DAHLIA MURDER dennoch Fremdwörter. Stattdessen ist das Gegenteil der Fall. Mit „Nightbringers“ erscheint das nächste furiose und wahnwitzige Melo-Death-Werk der Band, die immer weiter nachlegt und sich zu steigern weiß.

 
„Es gibt mehrere Gründe, warum wir das auf diesem intensiven Level betreiben,“ holt Frontmann Trevor Strnad aus. „Zuallererst ist es natürlich der Erfolg, der uns antreibt und motiviert. Wir haben so viele Fans, die sich für unsere Musik interessieren und zu unseren Shows kommen. Das ist inspirierend. Wie könnten wir da nachlassen? Und dann ist da noch die Band als solche, die anderen Typen, die mit mir unterwegs sind. Es mag nach einem Klischee klingen, aber es sind wirklich meine engsten Freunde. Wir haben viel Spaß und feiern zusammen Erfolge, die wir nie für möglich gehalten haben. Das hat uns auf ein gemeinsames Ziel eingeschworen. Wir machen so lange weiter, bis er für uns nicht mehr höher hinaus geht. Tut man das in einem Kreis von Freunden, kann man sich gegenseitig pushen, was das Erreichte noch wertvoller macht. Wir sind keine Ansammlung von Söldnern, die nur einen Job abliefern, sich emotional aber nicht einbringen. Sicherlich gab es in all den Jahren immer mal wieder personelle Wechsel, doch die Persönlichkeit der Band an sich hat sich dadurch nie verändert. Bei den Neuzugängen haben wir immer darauf geachtet, dass es geerdete, lockere Typen sind, die von ihrem Naturell her in die Band passen. Schließlich verbringen wir viel Zeit gemeinsam auf engstem Raum. Touren ist so ähnlich wie Camping. Man ist fast immer dreckig und erschöpft, hat einen Kater und muss sich durchschlagen. Um das als Gruppe zu tun, muss man von Leuten umgeben sein, die positiv eingestellt sind und mit durchziehen. Es bringt nichts, wenn man nur die schlechten Seiten des Tourens sieht. Das zieht schnell auch die anderen herunter. Wir versuchen immer, die positiven Aspekte zu sehen. Für uns läuft es von Album zu Album immer besser. Alles wird größer, so dass die Entwicklung aufregend bleibt und wir immer noch neue Dinge erleben. Davon habe ich immer geträumt. Dass wir immer noch wachsen, hätte ich niemals für möglich gehalten, doch so ist es. Wir können uns wirklich nicht beschweren und müssen am Ball bleiben.“

Anfang 2016 ist Gitarrist Ryan Knight ausgestiegen und durch Brandon Ellis (Arsis, ex-Cannabis Corpse) ersetzt worden, ohne dass es eine offizielle Information gegeben hat: „Ryan Knight ist ein begnadeter Musiker und war für uns als Band ein richtiger Volltreffer, der uns maßgeblich voran gebracht hat,“ äußert der Shouter im Rückblick. „Noch dazu sind seine Persönlichkeit und Einstellung tadellos. Er hat viel für uns geopfert. Bereits kurz nach der Geburt seines Kindes saß er wieder im Auto, um mit uns proben zu können. Das war 2009, und schon damals wusste ich, dass der Zeitpunkt kommen würde, an dem er sich für seine Familie zurückziehen würde. Wir sind so viel unterwegs, fast das gesamte Jahr. Mit Kindern und einem normalen Familienleben lässt sich das nicht vereinbaren. Ryan ist ein unglaublicher Songwriter und Gitarrist, doch wir hatten schon lange die Ahnung, dass seine Beteiligung endlich ist. Seinen Ausstieg hat er über einen längeren Zeitraum angekündigt und vollzogen. Er ist es gewesen, der Brandon Ellis als seinen Nachfolger ausgewählt hat. Am Ende haben wir um den Wechsel kein großes Aufheben gemacht. Wann immer man Line-Up-Änderungen kommuniziert, kommen Gerüchte und Spekulationen auf. Das wollten wir vermeiden. Es ist ja nichts, was man freudig verkündet. Zumal dann nicht, wenn man im Guten auseinander geht. Wir haben es die Leute selbst entdecken lassen. Einen solch nahtlosen und gleichwertigen Wechsel hat es in unserer Historie zuvor noch nicht gegeben. Auch dafür bin ich Ryan unendlich dankbar. Erst kürzlich ist er auf einer Show gewesen. Wir sind uns nach wie vor sehr nah und eng verbunden.“

Dank Vergangenheit bei Cannabis Corpse dürfte sich Neuzugang Brandon schnell eingelebt haben: „Kiffen ist ein fester Bestandteil unserer Band-Kultur,“ stellt Trevor klar. „Gerade auf Tour rauchen wir wirklich viel. Insbesondere Brian (Eschbach – Gitarre/Vocals) kifft jeden Tag und fühlt sich selbst auf der Bühne nur dann richtig wohl, wenn er total high ist. Es beeinflusst unser Spiel zum Glück aber nicht. Die Härte und Präzision sind nicht gefährdet. Wir sind eine tighte Band. Unabhängig davon möchte ich unsere Hörer und Zuschauer auch zum Lachen bringen und ihnen eine gute Zeit bescheren. Das tue ich mit Statements wie den zum Kiffen. Das ist die Motivation für viele unserer Videos und Photos. Dass wir viel kiffen, bedeutet ja nicht, dass wir als Band nicht ernst genommen werden wollen. Das Gras ist eines der Rezepte, die mir helfen, das beschwerliche Touren durchzustehen. Man muss so viel Zeit tot schlagen. Abends steht man meistens nur eine Stunde auf der Bühne. Den übrigen Tag verbringt man im Bus oder schaut in weite Landschaften hinaus. Das ist schnell langweilig und zehrt an den Nerven.“

Das war nicht immer so, wie der Frontmann erzählt: „Mir fehlt ein Stück weit der Abenteuer-Charakter der frühen Jahre. Damals wussten wir oft nicht, was als nächstes passieren würde. Wo wir spielen, ob überhaupt jemand erscheint, wo wir schlafen, was wir essen, etc. Das war aufregend, weil immer irgendetwas nicht geklappt hat oder schief lief. Heutzutage ist alles professionell durchgeplant. Ich weiß vorab auf die Minute genau, was ich wann wo machen werde. Das ist nicht besonders aufregend, jedoch sind die Shows heute viel größer und es sind immer Leute da. Dafür bin ich sehr dankbar, auch wenn das Reisen mit dem Alter nicht einfacher geworden ist. Inzwischen bin ich 36 Jahre alt und spüre meinen Körper immer öfter. Da ist es förderlich, dass wir seit einigen Jahren mit Bussen und nicht mehr in Vans unterwegs sind. Der Vorteil ist, dass man sich lang machen und immer dann schlafen kann, wenn einem danach ist. Trotz all der Einschränkungen und Beschwerlichkeiten möchte ich aber nichts anderes. Wenn ich zwischendurch zu Hause bin, fühlt sich das unnatürlich an.“ Der Musiker ist einen anderen Tagesrhythmus gewöhnt: „Wenn die Bewegung fehlt und ich zur Ruhe komme, beginne ich, über viele Dinge nachzudenken und mich mit Alltagsproblemen


herumzuschlagen, denen ich sonst nie begegne. Deshalb schätze ich es, beschäftigt zu sein und mich auf die Band konzentrieren zu können. Es hilft aber durchaus, dass es in meinem Umfeld keinen Bekanntheits-Bonus gibt. Ich wohne zwei Orte von meinem Elternhaus entfernt, und meine Eltern passen auf, dass ich normal bleibe.“

Dabei sind THE BLACK DAHLIA MURDER zumindest im Melodic-Death-Segment eine relevante, eingeführte Größe, die man kennt und die immens viel Zuspruch erfährt: „Ich würde lügen, zu sagen, ich wäre auf unsere Entwicklung nicht stolz. Damit geht aber auch Druck einher, und den verspüre ich ebenfalls. Wir haben einige Alben in Reihe veröffentlicht, die sich erfolgreich verkauft haben. Als Band sind wir mit jeder Veröffentlichung weiter gewachsen. Es gibt immer mehr Leute, die sich für uns interessieren. Damit geht auch bei uns die Erwartung einher, dass wir uns immer weiter steigern. Das ist kein leichtes Unterfangen, wenn man im Hinterkopf hat, dass die Songs, an denen man gerade arbeitet, die Entwicklung der Band in den nächsten zwei oder drei Jahren bestimmen. Wir verfolgen stets das Ziel, uns selbst und unsere Hörer zu beeindrucken. Doch je besser unsere Platten sind, desto schwerer ist es, sie jedes Mal wieder zu toppen. Andererseits fordert das natürlich auch heraus und stachelt uns an. Wir wissen, dass die Leute warten und ziehen daraus Inspiration. Anfangs gibt es eigentlich immer einen Moment, an dem mir alles zu viel ist, ich an mir zweifle und Panik schiebe. Dann beruhige ich mich und beginne mit der Arbeit. Im Zweifel nehme ich mir eine kurze Auszeit, um herunter zu kommen. Druck ist ja auch etwas Schönes, wenn er dadurch entsteht, dass man Fans hat, die sich für einen interessieren.“

„Nightbringers“ wird die Wertschätzung für das Quintett nur zusätzlich steigern. Die Band aus Michigan setzt mit ihrem achten Album konsequent nach. Der an den Tag gelegte Ideen- und Variantenreichtum beeindruckt: „Uns geht es darum, die Leute zu begeistern und unserem klassischen Sound neue Aspekte abzugewinnen,“ erklärt Trevor die Ausgangslage. „Die Leute sollen THE BLACK DAHLIA MURDER wieder erkennen und gleichzeitig überrascht sein, dass wir auch etwas Neues zu bieten haben. Ich kann aus vollster Überzeugung sagen, dass „Nightbringers“ unsere bislang beste Platte ist. Das muss sie schon deshalb sein, weil es sonst keinen Grund gäbe, unseren Entwicklungspfad fortzusetzen. Die Motivation ist doch gerade, dass man sich ein ums andere Mal steigern und voran kommen möchte. Dass alle zwei Jahre zu bewerkstelligen, ist eine fabelhafte Leistung. Wir spielen mindestens 200 Konzerte pro Jahr und arbeiten auch daneben viel für die Band. Doch wann immer Zeit ist, beschäftigen wir uns mit neuen Gruppen oder durchforsten ganz andere Stile. Ich bin so neugierig, heraus zu finden, was man mit Musik in ihren unterschiedlichen Formen ausdrücken kann. Wann immer wir mit der Arbeit an neuen Songs beginnen, bin ich überrascht davon, dass die anderen ebenfalls nicht untätig gewesen sind und neue Ansätze gesucht haben. Auf „Nightbringers“ ist auch der Einfluss von Brandon schon deutlich spürbar, der einige der Tracks geschrieben hat.“

Der Longplayer überzeugt als zusammen gehörende Einheit, die abermals auf einem Album-Ansatz basiert: „Uns ist es sehr wichtig, Platten umzusetzen, die man problemlos am Stück hören kann und von denen man durchgängig unterhalten wird. Natürlich ist unser Sound extrem, doch wir begehen nicht die Fehler vieler anderer Gruppen, statisch aufzuspielen und es ab dem dritten Track mit der Brutalität endgültig zu übertreiben. Über die letzten Alben haben wir den Abwechslungswert innerhalb der Songs immer weiter ausgebaut. Ganz bewusst haben wir möglichst viele Ideen zugelassen, um die einzelnen Tracks voneinander abzugrenzen. Das Spiel mit der Dynamik und auch die Möglichkeit, kurzzeitig ruhig zu sein, nutzen wir ebenfalls absichtlich. So erschafft man eine spannende Dramaturgie, die Leute fesselt und interessiert hält. Brutalität ist bei uns zudem jeweils mit Melodien gekoppelt. Was die Länge der Stücke anbelangt, achten wir darauf, es nicht ausufern zu lassen, sondern nach drei Minuten fertig zu sein. Damit die Tracks nachvollziehbar und eingängig ausfallen, arbeiten wir überdies mit klassischen Strophe-Refrain-Strukturen. Die Zugänglichkeit kommt dabei immer von den Gitarren. Die Vocals erzählen nur die Geschichte, sind aber nicht für die Hooks verantwortlich.“

Genre-typisch sind die Lyrics von Trevor gewalttätig, brutal und düster: „Aus einem abstrakten, nicht greifbaren Verantwortungsgefühl heraus werde ich nicht aufhören, Texte zu schreiben, in denen Leute getötet werden. Vielleicht beeinflusst das wenige Leute auf eine negative Weise, doch für schreckliche Taten sehe ich die Verantwortung im Zweifel nicht bei meinen Texten. Es gibt so viele Leute, die uns kennen und hören und die Texte einzuordnen wissen. Wenn ich Geschichten verfasse, in denen das Blut trieft und Eingeweide heraus gerissen werden, sind das bewusste Übertreibungen, die in unserem Genre absolut gängig sind und nicht aus dem Rahmen fallen. Das gilt auf für den insgesamt makaberen Touch von „Nightbringers“ mit seinen auch musikalisch gewalttätigen Stücken. Es ist nun einmal Death Metal. Als Band sind wir über alle Jahre demselben Sound und denselben Themen verbunden geblieben. Wir haben einen wiedererkennbaren Stil, wie ihn auch Cannibal Corpse oder Slayer pflegen. Die Richtung ist gesetzt und wir verfeinern die Details, indem wir als Songwriter und Texter besser werden. Man kann seine musikalische Identität nicht ändern, nur weil es vielleicht einige wenige falsch auffassen. Dennoch bin ich mir der Tatsache bewusst, dass wir eine gewisse Türöffner-Rolle inne haben und etliche Hörer über uns Kontakt zum extremen Underground finden. Doch auch deshalb möchte ich auf unseren Alben herausstellen, was den Death Metal so stark und besonders macht. Es ist Musik, die hart ist, ängstigt und eine böse Attitüde besitzt.“

 
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