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Byzantine

Storie von: arne, am 23.08.2017 ]

LENKRAD-SPIELEREIEN. Nachdem BYZANTINE ihre beiden letzten Alben DIY heraus gebracht haben, erscheint „The Cicada Tree“ nun via MetalBlade. Das Quartett aus West Virginia ist durch die Kooperation hörbar beflügelt und präsentiert sich so stark und relevant, wie zu besten Zeiten vor dem zwischenzeitlichen Split.

 
„Meinem Verständnis nach sind wir schon immer eine Groove-Metal-Band gewesen, die vereinzelt progressiven Tendenzen nachgibt,“ äußert Gitarrist und Sänger Chris „OJ“ Ojeda. „Nachdem wir 2003 von Prosthetic Records gesignt worden sind, ist das Missverständnis aufgekommen, wir seien eine MetalCore-Gruppe, nur weil das zu dieser Zeit das große Ding gewesen ist. Damit mussten wir uns einige Jahre herumschlagen, doch inzwischen haben die Leute verstanden, was unseren Sound auszeichnet und wofür wir stehen.“ Damit ist ein Groove-betonter Heavy-Metal gemeint, der sich durch eine organische Anlage und belastbare Erdung auszeichnet. „Als die Band im Jahr 2000 formiert worden ist, gab es nur wenige Einflüsse, auf die wir uns gestützt haben,“ erinnert sich OJ. „Damals haben wir nichts anderes als TESTAMENT, MESHUGGAH, PANTERA und OPETH gehört. Diese vier Gruppen bilden das Grundgerüst unserer musikalischen Ausrichtung. Einflüsse aus anderen Metal-Stilen finden sich in unseren Stücken aber ebenfalls seit dieser Zeit. Über die Jahre ist das immer offensichtlicher zutage getreten. Am jetzigen Punkt unserer Karriere spielt das Schaffen anderer Bands für uns keine Rolle mehr. Längst hat sich ein eigenständiger Sound herausgebildet, der sich natürlich einstellt, hinsichtlich seiner Ausgestaltung jedoch nicht festgelegt ist. Unsere eingefleischten Fans wissen, dass wir uns als Band ausprobieren und mit unserem Sound wachsen wollen. Dafür lieben und unterstützen sie BYZANTINE. Dieses Wissen im Hinterkopf zu haben, ist beim kreativen Arbeiten ungemein befreiend.“

Auf dem dritten Album seit der Reunion im Jahr 2010, „The Cicada Tree“, nutzen die Musiker aus West Virginia die sich bietenden Freiräume selbstbewusst aus. Der Einstand auf MetalBlade profitiert davon merklich: „Die letzten beiden Alben, das selbstbetitelte von 2013 und „To Release Is To Resolve“ in 2015, haben wir als Band in Eigenregie veröffentlicht, weil uns keine andere Wahl blieb,“ erzählt der Frontmann. „Es war uns klar, dass wir nach unserem fünfjährigen Spilt komplett von vorne beginnen mussten. Wir haben Verantwortung übernommen und das Nötige getan, um an unseren früheren Status anzuknüpfen. Als Metal-Band möchte man immer zu einem renommierten Label wie MetalBlade, weiß allerdings niemals im Voraus, ob sich eine solche Option überhaupt auftut. Als die Chance kam, haben wir nicht lange gefackelt. Wir hätten nicht bei jedem Angebot zugeschlagen, doch MetalBlade stand schon immer auf unserer Shortlist.“ Auch Unwägbarkeiten im Line-Up haben das Quartett nicht aufgehalten: „Die Arbeit an „The Cicada Tree“ ist unvermutet entspannt verlaufen,“ resümiert der Gitarrist und Sänger. „Eigentlich hätten wir eine Menge Druck verspüren müssen, nachdem das Signing auf MetalBlade verkündet worden ist und wir nach zwölf Jahren unseren Schlagzeuger


gewechselt haben. Doch das ist zu keiner Zeit der Fall gewesen. Das Material hat sich wie von selbst geschrieben. Wir sind eine Gruppe verschworener Musiker, die auf Erfahrung und Selbstvertrauen bauen kann. Mit diesem Selbstverständnis ist ein starkes Album entstanden.“

Gerade, als BYZANTINE mit der Arbeit an „The Cicada Tree“ starten wollten, ist es zum Wechsel gekommen: „Diese Personalie hat uns nicht negativ beeinflusst, weil wir mit Matt Bowles (zuvor OUR MALIGNANT BELOVED) einen mehr als adäquaten Ersatz gefunden haben,“ freut sich OJ. „Das Album ist durch eine gesunde Balance zwischen Melodie und Brutalität gekennzeichnet. Die Dynamik, die sich durch alle Stücke zieht, stützt die Hörbarkeit und hebt den Unterhaltungswert. Auch wenn wir beim Songwriting viel Spaß hatten, steckt doch auch eine Menge Arbeit in den Songs. Weil wir ein möglichst gutes Album abliefern wollten, haben wir mehr Zeit als sonst auf die Pre-Produktion verwendet. Weil es im Wesen von BYZANTINE liegt, haben wir uns auch die Freiheit genommen, mit neuen Einflüssen zu experimentieren und unseren musikalischen Rahmen zu weiten.“ Von der Qualität der eigenen Arbeit ist das Quartett aus Charleston überzeugt: „Ich habe aufgehört, mich zu hinterfragen und nehme Dinge schon einmal als gegeben hin,“ verrät der Frontmann. „Es bringt nichts, sich unnötig zu hinterfragen, wenn sich die Strukturen natürlich zusammen fügen und Stücke gut klingen. Warum soll ich an meiner Empfindung zweifeln? Wenn ein Song auch die übrige Band überzeugt, sollte das bei unseren Hörern nicht anders sein.“

Mit „The Cicada Tree“ erscheint ein für die Groove-Metaller typisches Album, das doch auch wieder anders ist: „Im Songwriting stelle ich nicht auf ein bestimmtes Ziel oder konkrete Absichten ab. Ich suche zunächst starke Riffs und kombiniere sie anschließend so lange miteinander, bis ein guter Song entstanden ist. Dabei vertraue ich auf meine Erfahrung. Manchmal schreibe ich große Teile der Stücke auch ganz ohne Gitarre, indem ich „Air Drums“ auf meinem Lenkrad spiele. Für die beiden letzten Alben habe ich jeweils vier Monate gebraucht. Wenn ich erst einmal ins Rollen komme, läuft es wie von selbst.“ Obschon das neue Album organisch und zusammengehörig klingt, wissen die Musiker vorab nie, wohin sie ihre Kreativität führt: „Während der Songwriting-Phase halten wir uns nicht zurück. Dem Grunde nach kann also alles passieren,“ stellt OJ klar. „Auf unserem Debüt von 2004 sind wir noch deutlich technischer orientiert gewesen und haben auch polyrhythmische Strukturen genutzt. BYZANTINE spielen auch heute noch mit technischem Anspruch auf, doch unser Spiel ist inzwischen leichter verdaulich, da wir vor allem auf Grooves abstellen. Selbst die Stücke, die nicht technisch sind, besitzen diesen typischen Groove, der uns auszeichnet.“

 
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