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Bloodclot

Storie von: arne, am 18.08.2017 ]

Mit dem BLOODCLOT-Debüt „Up In Arms“ erscheint ein bissiges, rigoroses Old School-Album. Das Quartett setzt auf wütende DIY-Sounds zwischen Punk, Hardcore und Metal, die Ausdruck von Ernüchterung und Frustration sind, aber auch einen Gestaltungswillen erkennen lassen, um die Situation zum Besseren zu wenden.

 
Aufgrund der Beteiligung prominenter Szene-Figuren ziehen BLOODCLOT Aufmerksamkeit auf sich. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass zu den Referenzen der Musiker Gruppen wie Cro-Mags, Warzone, Murphy’s Law, Wasted Youth, Danzig, Queens Of The Stone Age und Kyuss zählen: „Inzwischen bin ich seit einem geschlagenen Monat damit beschäftigt, Interviews zu geben,“ erzählt ein gut gelaunter John Joseph. „Das Interesse ist groß. Nicht nur aufgrund der Tatsache, wer in der Band ist, sondern auch, weil die Leute die Platte mögen. Das ist letztlich ja das, was für uns zählt. Wir wissen, wer wir sind und kennen unsere Historie. Es hat ein Jahr gedauert, dieses Album fertig zu stellen. Es ist also nichts, was wir in fünf Minuten lieblos zusammen geschustert haben. Wir haben ernsthaft gearbeitet und sind keine Supergroup, die auf schnelles Geld aus ist. Hier in den USA steht in Kürze eine Tour mit Negative Approach an. Die Rückmeldungen sind sehr positiv, was mich freut. Das ist ja nicht selbstverständlich. Wir haben bislang erst eine Show beim „The Power Of The Riff“ Festival in Los Angeles gespielt. Niemand kannte uns. Doch als die Leute sahen, wer auf die Bühne kommt, sind sie von Beginn an mit Slam-Dancing und Moshing abgegangen. So kann es gerne weiter gehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Leute hören, dass wir aufrichtig agieren.“

Dem Gründungsmitglied der Cro-Mags ist es wichtig, klar zu stellen, dass hier nicht an die gleichnamige Gruppe angeknüpft wird, die vor gut zehn Jahren ein Album veröffentlicht hat: „Es sind eine andere Besetzung, ein anderer Sound und ein anderes Gefühl. BLOODCLOT sind eine völlig neue Band. „Up In Arms“ ist unser Debüt. Noch bevor wir uns auf den Namen festgelegt hatten, gab es uns schon. Wir haben über verschiedene Optionen gesprochen und sind schließlich bei BLOODCLOT hängen geblieben. Das bedeutet sinngemäß, dass die Dinge am Arsch sind. In Deutschland sagt man Scheiße, in Jamaika BLOODCLOT. Die Welt steht am Abgrund. Überall bringen sich Leute gegenseitig um. Es sind schlimme Zeiten.“ …und die bedingen einen heftigen Sound: „„Up In Arms“ ist die Essenz dessen, was und wer wir sind,“ weiß der New Yorker. „Das gilt musikalisch, philosophisch und hinsichtlich unserer Botschaft. Wir verstecken uns nicht, sondern nennen die Dinge beim Namen. Als Band sind wir eine starke Einheit. Es gibt keine Konflikte, die sich auf die Musik auswirken und keiner klaut dem anderen Geld. So etwas habe ich früher bei den Cro-Mags erlebt und das ist keine schöne Situation. Das familiäre Band-Gefüge, das wir bei BLOODCLOT haben, sagt mir weitaus mehr zu. Todd, Nick und Joey kenne ich schon ewig; ebenso Nick Oliveri. Er ist der Typ, der im Video zu ,We Gotta Know‘ von 1986 am Anfang in die Arena rennt und ein Cro-Mags Shirt trägt. Was soll ich noch sagen, er war schon immer da und passt zu uns. Letztlich ist es ja egal, wie gut eine Person als Musiker ist. Ein Idiot bleibt ein Idiot. Keine tourende Band kann solche Leute gebrauchen, denn man ist auf engstem Raum zusammen. Das möchte man nur mit Leuten sein, die man mag und respektiert.“

Mit Punk, Hardcore und Metal sind die Beteiligten schon ewig befasst und das hört man: „Nick Oliveri ist seit den 1980er Jahren in Punk- und Hardcore-Bands aktiv. Joey hat bei Wasted Youth mitgemischt und Todd war 1983 Teil von Agnostic Front. Ich selbst habe die Cro-Mags gegründet, wie jeder weiß, und das war 1981. Uns kann niemand etwas vormachen. Wir sind von Beginn an dabei. Es gibt Gruppen mit prominenten Musikern, die nur deshalb entstehen, weil die Leute Geld verdienen wollen. Das ist nicht unsere Motivation. Wir tun schlicht das, was wir seit Jahrzehnten tun. Nur in einer neuen Besetzung, denn wir vier wollten schon ewig eine Band auf die Beine stellen. Davon sprechen Todd und ich schon seit den 1980er Jahren.“ Angesichts der vielfältigen Betätigungsfelder und Projekte der Musiker ist folgende Äußerung wichtig: „BLOODCLOT sind eine vollwertige Band, die unsere volle Priorität besitzt,“ äußert der Shouter aus voller Überzeugung. „Jeder in der Band gibt seine ganze Energie für BLOODCLOT und stellt andere Projekte zurück.“

Die Kooperation mit MetalBlade Records ist auf den ersten Blick nicht unbedingt naheliegend. John wartet jedoch mit einer


plausiblen Erklärung auf: „MetalBlade weiß zu schätzen, dass in dieser Band 140 Jahre Musikgeschichte und Erfahrung vereint sind. Joey und ich sind seit 1981 aktiv, Todd seit 1982 und Nick auch seit dieser Zeit. MetalBlade wollte nicht einmal wissen, welche Ideen wir für die übrigen Songs hatten. Sie kannten nur das Demo, haben uns vertraut und uns machen lassen. Mit „Up In Arms“ bekommen sie uns und nichts anderes. Genau darauf haben sie gehofft. Wir wissen, was wir können und daran haben wir uns orientiert. Uns ist eigentlich egal, wo unser Album erscheint. Doch natürlich ist es schöner, bei einem Fan wie Brian Slagel zu veröffentlichen, der immer noch nonstop zu Shows geht und seine Bands abfeiert.“ Das angesprochene Demo ist eher zufällig entstanden, wie der Shouter berichtet:

„Als wir für einige Cro-Mags Konzerte kurzfristig einen Ersatz finden mussten, habe ich Todd Youth angesprochen und diese Wahl war goldrichtig. Er kam angeflogen und ohne jede Probe hat er sich problemlos eingefügt und die Konzerte gerockt. Er hatte damals schon einige Songs geschrieben und mir vorgespielt, als wir abhingen. Ich dachte nur „Wahnsinn“. Wir sind in engem Kontakt geblieben und irgendwann habe ich dann Lyrics zu fünf-sechs Stücken geschrieben. Als ich etwas später einen Iron Man in Kalifornien absolvieren wollte, konnte ich aufgrund einer Beinverletzung nicht antreten. Ich bin zwar hingeflogen, habe aber schon beim leichten Lauftraining feststellen müssen, dass es mit einem Start nichts wird. Da ich in meinem Leben stets versuche, immer das Positive zu sehen, habe ich Todd angerufen und gefragt, ob er nicht auf die Schnelle ein Studio buchen kann, um ein Demo aufzunehmen. Genau das haben wir dann getan. Das Demo ist an einige Labels gegangen und die Sache kam ins Rollen. Ein Freund von mir kennt Brian Slagel, der sofort begeistert war und sich intensiv um uns bemüht hat. Der Rest ist Geschichte.“

Zu alt dafür, noch einmal ganz von vorne zu beginnen, fühlt sich John Joseph nicht: „Ich werde dieses Jahr 55 und absolviere meinen neunten Iron Man. Ich nehme keine Drogen, trinke nicht und halte mich fit. Es ist mir wichtig, eine starke Physis zu besitzen und auf einem Level zu performen, als wenn ich 25 Jahre alt wäre. Und das schaffe ich. Im Hardcore dreht sich letztlich alles um Energie. Nichts ist erfüllender, als vom Publikum die Intensität zurück zu bekommen, die man selbst hinein gibt. Das hält mich jung. Ich lebe meine positive Grundhaltung und lasse nicht nach. Für mich als Sänger ist der Körper mein Instrument und auf das achte ich. Ich mache seit 36 Jahren Musik. Heute wie damals lieben die Kids unsere Songs. Ich habe mich von der Szene nie zurück gezogen, sondern bin all die Jahre getourt. Das ist mein Leben.“ Seine Kreativität lebt der Sänger nicht nur mit den Cro-Mags und BLOODCLOT aus:

„Ich fordere mich die ganze Zeit über heraus und schreibe neben Song-Texten auch Bücher, TV-Serien und Filme. Was immer mich interessiert, kann als Grundlage für irgendetwas dienen. Ich spiele permanent mit Ideen und schaue, wofür sie sich eignen. Ein Thema, das mich aktuell sehr beschäftigt, ist die negative Kraft der Gedanken. Das ist etwas, womit sich die Menschen schon ewig herum schlagen. Es lässt sich auf verschiedene Art und Weise verarbeiten, weil es universell gültig ist. Bei politischen Aussagen stelle ich ebenfalls nicht auf aktuelle Personen ab, sondern halte es globaler. Wichtige Themen verlieren nie an Aktualität. Es bringt meistens nichts, etwas zu erzwingen. Schon Ernest Hemingway hat gesagt, dass der erste Versuch fast immer in die Hose geht. Deshalb lasse ich mir lieber Zeit und warte auf die passende Einsatzmöglichkeit. Ich will damit sagen, dass kreatives Arbeiten ein Prozess ist, der Zeit fordert. Kürzlich habe ich mein drittes Buch fertig gestellt, an dem ich zwei Jahre gearbeitet habe. Wer kreativ ist, muss die Bereitschaft aufbringen, seine Kunst zu zerstören, um sie anschließend neu zu erschaffen und besser zu machen. Ohne Überarbeitungen geht es nicht. Aus diesem Grund hat die Arbeit an „Up In Arms“ ein Jahr gedauert. Todd und mir war es wichtig, dass es keinen Track gibt, den man als Punk- oder Hardcore-Hörer überspringen möchte. Und genau so ein Album ist entstanden.“

 
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