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Groovenom

Storie von: arne, am 30.06.2017 ]

Rave/Trance/Elektro, NuMetal/Industrial, Beatdown/MetalCore, Hip Hop und Pop – bei den Dresdenern von GROOVENOM kommt musikalisch einiges zusammen. Hinsichtlich seiner Aufstellung setzt das Sextett zudem auf krasse Übertreibungen, plakative Headlines und bewusste Provokation. Der Unterhaltungswert des grell-bunten, extrovertierten Crossovers der Band ist enorm.

 
„Musik und Entertainment stehen bei uns im Einklang,“ greift Frontmann Mr. Sanz den Faden auf. „Und Entertainment hat unserer Auffassung nach immer etwas mit Provokation und Grenzüberschreitung zu tun. Wir wollen auffallen und anstoßen, aber auch unterhalten und glücklich machen. Ganz einfach.“ Blickt man auf die Anfänge und Entwicklungskurve der Band zurück, ist das Erreichen der heutigen Alleinstellung allerdings nicht zwingend vorgegeben gewesen: „Unsere Entstehung kam eher durch Zufall zustande,“ erinnert der Sänger. „Zunächst war die Band als instrumentales Groove-Djent-Projekt gegründet worden und ein experimenteller Zeitvertreib unseres Drummers mit seinem damals 13/14-jährigen Bruder an der Gitarre. Je älter der wurde, desto mehr Einflüsse prägten ihn als Musiker. So kam dann mehr und mehr der Bezug zu modernen Core-Bands auf und elektronische Einflüsse spielten plötzlich auch eine Rolle. Dann war auf einmal klar – es musste eine Band her; also mehrere Musiker, die diesen Style auch live repräsentieren konnten. Die beiden suchten sich vier Mann zusammen und zack kam auch schon das erste Album „Pink Lion“ auf den Markt.“

Seither kultivieren GROOVENOM einen gleichsam experimentellen wie Grenzen weitenden Sound, mit dem sie auffallen: „Wie schon gesagt, kommen wir eher aus einer djent-igen Richtung. Der jetzige Style ist die konsequente Weiterentwicklung von dem, was uns mittlerweile ausmacht: Death Metal gepaart mit Core-Elementen, Techno und Dubstep mit einer Prise Pop-Musik, Rap- und sogar ein wenig EBM-Flair. Auf dem Papier klingt das relativ undurchsichtig, aber das Endergebnis ist straight und eingängig. Wir wollen diesen Spagat sogar noch weiter ausreizen und zukünftig unsere dunkle Seite noch mehr ergründen. Das heißt: düstere Party-Tracks mit klarem Hang zu poppigen, epischen Arrangements mit einem Schuss Brutalität.“ Der Entertainment-Faktor dürfte sich durch die skizzierte Weiterentwicklung demnach verstärken. Ins professionell umgesetzte Gesamtbild mit Pseudonymen und Make-Up bei Auftritten passt das gut: „Wir haben unser Konzept nicht wirklich geplant, sondern wurden durch unsere persönlichen Vorlieben mehr und mehr zu diesem Entertainment-Paket,“ erzählt Mr. Sanz. „Uns hat es einfach nicht gereicht, nur ausgefallene Musik zu spielen. Wir wollten den Leuten etwas bieten, woran sie sich erinnern. Unser Spiel mit der Farbe pink sowie unser Make-Up und die Kostüme haben wir dann nach und nach auf die Spitze getrieben. Aktuell sind wir dabei, unsere Show-Effekte live auf ein neues Level zu bringen.“

Schon in der Wahl ihres Namens haben die Sachsen alles daran gesetzt, hervor zu stechen und die Richtung ihrer Aktivitäten abzustecken: „„The Groove is the Venom inside our veins!“, so der Frontmann. „Catchy Rhythmen und geile Grooves bestimmen unser Songwriting. Und die gehen nun einmal wie Gift ins Blut. Außerdem war eine Wortneuschöpfung von Anfang an unser Wunsch. Denn was sich zunächst komisch liest, wird später im Gedächtnis bleiben.“ Zu einem gewissen Teil spielen die Musiker auch auf ihre breit gestreuten Einflüsse an: „Wir wollen zeigen, dass wir unsere Inspiration aus allen Ecken der Musikwelt ziehen und uns überall die Perlen herauspicken. Bei sechs Musikern kommt einiges zusammen. Im Prinzip lieben wir die Theatralik und den Humor von Rammstein und Manson, das unheimliche und nihilistische von Behemoth oder Slipknot, die individuellen Charaktere von KISS und Manowar, die Attitüde von Guns’n’Roses und Mötley Crüe, die schlichten und zündenden Beats von Scooter und Skrillex, aber auch einfach gute Pop-Musik (Tokio Hotel, Adam Lambert, The Weeknd) sowie natürlich Bands der heimischen Szene wie Eskimo Callboy und WBTBWB, die diesbezüglich Türen geöffnet haben. Darum klingen wir so, wie wir es tun: modern, schrill, brachial, hymnisch.“ Die Musiker laufen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und zeigen sich auch von Kollegen, die sich außerhalb des Alltäglichen bewegen, begeistert und beeindruckt:

„Cypecore waren eine krasse Inspiration,“ äußert der Sänger wie aus der Pistole geschossen. „Wie die ihr apokalyptisches Sci-Fi Konzept durchziehen, ist unglaublich und hat uns definitiv angespornt, live noch mehr Theater zu machen. Geile Jungs! Mich persönlich haben auch Callejon total umgehauen. Die sind vor, hinter und auf der Bühne einfach eine menschliche Wucht. Auch die Dates mit The Browning und It Lies Within haben uns sehr gepusht. Diese Ami-Attitüde ist eben doch nochmal eine ganze Ecke geiler.“ Dabei bieten GROOVENOM selbst ein auffälliges Gesamtpaket, das bewusste Provokationen billigend in Kauf nimmt. Der Mechanismus funktioniert natürlich wie beabsichtigt: „Da gab einige Highlights,“ zeigt sich Mr. Sanz hoch erfreut. „Direkt unser erstes Musik-Video ,New Wave Of Mainstream‘, bei welchem wir bewusst die ultra-stumpfe Trancecore-Keule geschwungen haben, hat hier in Dresden ordentlich Staub aufgewirbelt. Die Leute kannten ja nur unseren früheren Background, der eher im Death Metal angesiedelt war, und dann DAS! Es war schon lustig, wie Leute fassungslos das Weite suchten und uns die Freundschaft kündigt haben. Bei so einer Musik, wie wir sie spielen, und vor allem den offensichtlich plakativ übertriebenen Texten muss man eben mit sowas rechnen. Unser Song ,FCK MTL‘ wurde neben viel Lob auch ziemlich zerrissen von Leuten, die ihre elitäre Metal-Musik angegriffen sahen. Lustigerweise haben wir gerade aus der extremen Metal-Szene viel Zuspruch und Lob für unsere Art von Humor erhalten. So haben teilweise Equilibirum als auch Die Apokalyptischen Reiter den Song online abgefeiert.“

„Modern Death Pop“ fungiert dabei als Klammer für den Ansatz des Sextetts aus Sachsen. Es ist nicht allein der Titel des Drittwerks der Band: „Das Album steht für unseren Stil-Mix und sollte nicht mit einem alles


andere überlagernden Titel-Track in Verbindung gebracht werden. Wir sehen die Platte als Compilation des von uns neu geschaffenen Genres. Auch hier stellen wir wieder den Bezug zum klassischen Metal her, in welchem oftmals ein Album nach oder mit einem Musik-Stil betitelt wird.“ Heftige Attacken und Eruptionen mit biederen Pop-Parts und seichten Refrains zu verbinden, ist für GROOVENOM ein natürliches Vorgehen, um ihre Absichten umzusetzen: „Wir haben von Anfang an alles auf eine Karte gesetzt und den Pop nur so sprudeln lassen,“ bestätigt der Frontmann. „Wenn uns etwas aufgehalten hat, war das eher unser musikalisches Unvermögen, gute Pop-Refrains zu Papier zu bringen. Wir haben damit quasi von null angefangen und mussten erst erlernen, was es bedeutet, eine griffige Hookline und einen Ohrwurm-Refrain zu schreiben. Eine Entwicklung, die auch jetzt noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber wir arbeiten weiter daran.“

Überhaupt erfordert es der Ansatz der Gruppe, Mut und Kreativität zu pushen und selbstbewusst musikalisches Neuland zu erforschen: „In unseren früheren Projekten haben wir recht belanglos agiert und uns stilistisch nicht in unbekanntes Terrain gewagt,“ erinnert sich Mr. Sanz. „Um dafür den Arsch in der Hose zu haben, bedarf es eines Kollektivs, welches zusammenhält, auch wenn es mal Rückschläge gibt. Zusammen bringen wir genug Selbstbewusstsein mit, um alles zu versuchen. Und glaub mir, es gab da schon einige peinliche Aktionen auf Konzerten, die wir ganz schnell wieder sein gelassen haben.“ Getreu dem Motto, das nur der gewinnt, der auch etwas wagt, treiben die Musiker ihren Ansatz kontinuierlich voran: „Eine sarkastische Ader und ein Hang zur Rebellion wird bei uns mit großer Sicherheit immer eine Rolle spielen, weil das einfach unser Charakter ist. Natürlich wissen wir, dass Genre-Diskussionen und Provokationen irgendwann verbraucht sind und wir nicht ewig auf der „Fuck-Your-Metal-Attitude“-Welle rumreiten können. Wir wissen noch nicht, wie die nächste Platte klingen wird und auch thematisch haben wir noch keinen Grundstein gelegt. Aber es wird definitiv anders.“

Die Veränderungen, auf die der Sänger anspielt, liegen in der Natur der Sache: „Die meisten Stücke entspringen der Feder eines mittlerweile 17-jährigen Jugendlichen. Wie auch er selbst als Mensch wird seine Musik immer reifer und strukturierter, was der Rest der Band klar befürwortet. Das Experimentieren mit verschiedenen Stilen und der Hang zu teils unüblichen Song-Strukturen war wichtig, um uns zu definieren und nicht einem bestimmten Schema zu verfallen. Mit dem Release von „Modern Death Pop“ sind wir erwachsen geworden und wissen, was wir zukünftig mehr fokussieren wollen und welche Stilistiken uns eher weniger liegen.“

An einem nicht antizipierbaren Crossover wird die Band dem Grunde nach festhalten, denn dieser wirkt: „Der Vorzug ist es, dass den Leuten live immer wieder die Kinnlade runterfällt, weil sie den nächsten Part niemals so erwartet haben. Natürlich sagt uns zu, dass wir uns als Künstler austoben können: GROOVENOM ist für uns ein musikalischer Spielplatz voller Ideen, auf dem wir kompromisslos alles aufbauen und niederreißen können. Ehrlich gesagt versuchen wir derzeit, die heftigen Momente etwas zurück zu nehmen. Allerdings gelingt uns das nicht immer, denn fette Breakdowns, Blastbeats, Death-Growls, usw. sind einfach in uns drin und werden auf natürliche Art und Weise mit eingeflochten. Gerade live macht uns gerade das am meisten Spaß. Ich denke, dass sie für den typischen GROOVENOM-Sound immer relevant bleiben werden, jedoch zukünftig pointierter und raffinierter eingebaut werden.“ Dass es bei der sechsköpfigen Formation auf ein Konzept hinaus läuft, das sich über alle Aspekte rund um Band und Musik spannt, ist ebenfalls absehbar:

„Wir zielen natürlich auf gute Einzel-Songs ab, aber ebenso auf eine übergeordnete Zusammengehörigkeit aller Tracks. Ich habe lieber das Gefühl, ein Gesamtkunstwerk zu hören, als nur random Tracks durchlaufen zu lassen. Und das Ganze muss natürlich hübsch verpackt sein. Style ist heutzutage alles! Das Optische muss die Musik einfangen, widerspiegeln und selbst interessant sein. Gute Musik allein ist längst nichts Bedeutendes mehr. Das Gesamtkonzept muss stimmen.“ Plakative Titel und auffällige Botschaften wird es demnach auch in Zukunft geben. Die Musiker leben die Selbstbestimmung vor, die sie propagieren: „Lebe laut! Mach dein Ding und lass dich nicht von der Meinung anderer beherrschen,“ fordert Mr. Sanz auf. „Der typische GROOVENOM-Fan ist eloquent, hat was in der Birne, ne’ große Klappe und liebt sein Leben. Sag das, was du denkst und sei ehrlich zu dir selbst! Und scheiß verdammt nochmal auf Schubladendenken! Wir stehen auf Claims wie ,Proud 2B Loud‘, ,StayAwesome!‘, ,Traitors To The Scene‘, usw., welche nicht nur den Songs ein Gesicht geben, sondern auch einfach geile Statements sind. Einerseits bekommen wir permanent Lob für unser Marketing, unseren Style und unseren Ehrgeiz. Auf der anderen Seite kann aber auch mal sowas Lapidares wie ein Facebook-Post zur Geduldsprobe werden. Wir sind da halt recht konsequent und wollen in allen Bereichen unserer Sprache und Ästhetik treu bleiben.“

Nach einer kurzen Verschnaufphase werden die Dresdener bald schon wieder aufdrehen, wie der Frontmann abschließend verrät: „Wir legen derzeit aus persönlichen Gründen eine Sommerpause ein und können dieses Jahr leider keine Festivals mitnehmen. Ab September starten wir aber wieder mit vollem Elan durch. Dann werden wir sicherlich auch schon ein paar neue Songs im Gepäck haben, da wir uns in der Zwischenzeit im Studio verschanzen. Im Herbst wird es außerdem eine ganz besondere Single geben, zu welcher wir ein Video veröffentlichen werden. Das wird für unsere Fans definitiv eine große Überraschung.“

 
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