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Tombs

Storie von: arne, am 02.06.2017 ]

FRIEDFERTIG KLINGT ANDERS. Seit 2007 zelebrieren TOMBS einen abstoßenden, rohen Düster-Sound, der sich aus unterschiedlichen Stilen speist. Auf dem neuen Album „The Grand Annihilation“ steht einmal mehr die unheilvolle Wirkung des Crossover-Ansatzes der New Yorker im Mittelpunkt. Die musikalische Bedrohungslage entsteht im Zusammenspiel von Elementen aus dem Death, Black und Sludge Metal, Industrial- und Elektro-Zitaten sowie von Hardcore, Noise- und Post-Rock bzw. -Punk.

 
Die englischsprachige Wikipedia-Seite der Gruppe spricht gar von Avantgarde-Metal, womit Gitarrist/Sänger Mike Hill jedoch nichts anzufangen weiß: „Um ehrlich zu sein, kann ich nicht nachvollziehen, weshalb der Sound von TOMBS mit dem Prädikat „Avantgarde“ belegt wird,“ erwidert das einzig verbliebende Gründungsmitglied. „Ich schreibe die Musik, die ich selbst hören möchte und die mich kreativ erfüllt. Mir geht es nicht darum, irgendwelchen Erwartungen, Regeln oder einem bestimmten Publikum gerecht zu werden. Mein wichtigster Zuhörer bin ich selbst und nur der zählt für mich. Dass sich auch andere Leute für die Band interessieren, freut mich dennoch. Meiner Wahrnehmung nach sind es Journalisten, die Bands mit bestimmten Genre-Labeln versehen. Für mich spielt das keine Rolle. Angesichts der ganzen Sub-Genre und Wortschöpfungen habe ich ohnehin jeden Überblick verloren.“

Der Musiker und Produzent blickt auf eine Vergangenheit bei bzw. mit ANODYNE und VERSOMA zurück. Die Motivationslage hat sich auch mit Blick auf die aktuelle Gruppe nicht verändert: „Was andere denken oder erwarten, ist mir vollkommen egal,“ stellt Mike klar. „Die Musik, die ich schreibe, besitzt eine gewisse Ästhetik, die sich immer wieder einstellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich es mit Vorsatz oder einem definierten Fahrplan darauf anlege. Dieser Sound ist schlicht in mir. Ich bin überzeugt davon, dass die Band nach all dem klingt, was mich tief bewegt und von jeher inspiriert. Das sind Gruppen wie NEUROSIS, GODFLESH, BLACK FLAG, FIELDS OF THE NEPHILIM, DARKTHRONE, SWANS, EMPEROR und andere. Was diese Künstler und TOMBS verbindet, sind die düsteren Zwischentöne und die insgesamt dunkle Musik. TOMBS klingen vordergründig destruktiv und aggressiv, doch wir erkunden auch das Subtile.“ Angesichts eines Titels wie „The Grand Annihilation“ und bedrohlich anmutender, ängstigender Heavy-Sounds ist vor allem von einer apokalyptischen Gemengelage zu sprechen:

„Das Wort Apokalypse stammt aus dem Griechischen und impliziert die Enthüllung von Wissen und Verständnis,“ greift der Musiker den Faden auf. „Wenn ich dieser Auslegung folge, kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass TOMBS einen apokalyptischen Sound pflegen. Textlich gebe ich Wissen preis, erkunde verborgene Emotionen und beschäftige ich mich mit dem Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen.“ Diese Themenlage passt zur bedrückenden Aura des Spiels der Band aus Brooklyn: „Meine Musik ist von jeher düster, introvertiert und recht aggressiv. Die Art und Weise, wie diese Eindrücke vermittelt werden, hat sich im Zeitverlauf jedoch stark verändert,“ erzählt Mike Hill. „TOMBS sind für mich dennoch bis heute eine Metal-Band, denn diesem Sound halte ich grundsätzlich die Treue. In Sub-Genres kann und werde ich es allerdings nicht herunter


brechen, denn ich fühle mich in keiner Weise limitiert.“

Unabhängig davon, wie sein jeweiliges Outlet heißt, ändert sich am Songwriting nichts: „In meiner Wohnung nehme ich die Gitarre zur Hand und spiele vor mich hin. Viele Einfälle kommen mir, während ich meinen Alltag durchlebe. Zu Hause überführe ich die Ideen dann in Musik. Ich sitze nicht herum und überlege, was die Leute interessieren könnte, denn meine Songs sind allein für mich selbst bestimmt. Ich schreibe kontinuierlich Material. Den überwiegenden Teil davon verwerfe ich allerdings schnell wieder. Wenn ich Ansätze spannend finde, führe ich sie zu richtigen Songs. Als Musiker bin ich nicht über Gebühr talentiert,“ äußert der Gitarrist selbstkritisch. „Ich schlage vor allem Krach, erschaffe aber immerhin in regelmäßigen Abständen neun bis zehn Stücke, von denen ich voll überzeugt bin. Das mag keine beeindruckende Ausbeute sein, doch mir reicht es. Wann immer sich alles schlüssig zu einem starken Stück fügt, ist das für mich jedes Mal ein großer Triumpf.“

Im Kontext von TOMBS sind diese Erfolge hart erarbeitet. Mike tut eine Menge dafür, die Gruppe am Laufen zu halten: „Die letzten zehn Jahre lassen sich am ehesten als Nervenprobe und Leidensweg beschreiben. Ich musste viele Line-Up-Wechsel und vergebene Chancen verkraften. Was ich nach all den Jahren sagen muss: TOMBS sind weniger eine Band als vielmehr eine Interessengemeinschaft auf Zeit, die immer wieder andere Musiker einbindet. Das Leben auf Tour ist hart und fordert seine Opfer. Dass ich das einzige verbliebende Gründungsmitglied bin, sagt diesbezüglich alles. Solange ich inspiriert bleibe, bestehen TOMBS fort. Ist das irgendwann nicht mehr der Fall, findet die Band ihr Ende. Damit will ich nicht sagen, dass ich das Aus schon absehen kann. Geht es nach mir, ist erst der Tod das Ende.“ Geplant war das anders, als Mike Hill 2007 loslegte, rohe Heavy-Klänge mit einer ausgeprägten Endzeit-Stimmung umzusetzen:

„Anfangs sollten TOMBS eine vollwertige Band sein, doch mit der Zeit habe ich mich damit arrangiert, dass dem nicht so ist und meine Mitstreiter immer wieder wechseln,“ so der Kreativkopf. „Nichtdestotrotz setze ich meinen Weg im Songwriting fort, der darauf ausgerichtet ist, mich beständig zu fordern und zu verbessern. Es ist mein erklärtes Anliegen, mich nicht in der Komfortzone auszuruhen, sondern mich kontinuierlich weiter zu entwickeln. Den Zustand der Unzufriedenheit zu pflegen, ist dafür entscheidend, denn nur aus diesem heraus bin ich wirklich motiviert, Veränderungen herbei zu führen.“ Ein Klangraum zum Verweilen ist „The Grand Annihilation“ beileibe nicht. Das Album ist vielmehr als musikalisches Äquivalent eines wahr gewordenen Albtraums zu beschreiben, der intensiv nachwirkt und den man nicht so schnell wieder vergisst.

 
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