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Terror

Storie von: arne, am 19.05.2017 ]

Die Kalifornier von TERROR bereichern den weltweiten Hardcore-Zirkus seit 2002. Anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens legt die Band mit „The Walls Will Fall“ eine 5-Track-MCD auf. Neben vier eigenen Stücken im typisch ruppigen Gewand gibt es mit ,Step To You‘ auch ein Cover von Madball.

 
„Hardcore repräsentiert für mich mehr als nur die Musik. Es ist meine Lebenshaltung,“ äußert Frontmann Scott Vogel. „So einfach ist es, an dieser Überzeugung halte ich fest. In der Szene habe ich schon viel erlebt und eine Menge gelernt. Das wird sich auch in der Zukunft fortsetzen. Für mich geht Hardcore damit einher, all das zu hinterfragen, was mir im Alltag begegnet. Ich strebe in meinem Leben nach möglichst weitreichender Individualität und folge dem Weg, der mich als Menschen glücklich macht. Meinem Umfeld und dem Leben begegne ich aufgeschlossen und bin begierig, neue Dinge kennen zu lernen. Deshalb versuche ich, die Chancen, die sich mir bieten, wahr zu nehmen. Menschen messe ich an ihren inneren Werten und Taten, jedoch nicht an ihrem Auftreten oder Erscheinungsbild. Letztlich geht es mir darum, frei zu leben. Der Hardcore hat meinen Geist geschult und es mir ermöglicht, die Welt zu sehen. Auf meinem Weg hat sich mein Sehen und Denken zum Positiven verändert.“

Das Hinterfragen geht mit der Äußerung von Kritik einher, wie der Track beweist, nach dem „The Walls Will Fall“ benannt ist: „Das Titel-Stück ist durch Donald Trump und seine Rede inspiriert, mit der er den Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko angekündigt hat,“ erzählt der Shouter. „Dass ihm so viele Leute zugejubelt haben, hat mich wütend gemacht, aber auch traurig und nachdenklich gestimmt. Wir sollten aus der Geschichte gelernt haben, dass Abschottung und Isolation nichts bringen. Doch wir entwickeln uns gegenwärtig nicht in eine bessere Zukunft, sondern bewegen uns rückwärts.“ TERROR sind dafür bekannt, mit ihren Texten klar Stellung zu beziehen: „Für mich gehören Musik und Botschaft elementar zusammen,“ unterstreicht Scott. „Ich schätze die Bands, die etwas zu sagen haben und kann nur jeden Künstler ermutigen, davon Gebrauch zu machen. Nicht nur in den Songs, sondern auch mit Ansagen zwischen Stücken auf Konzerten. Auch wir versuchen, die Leute zu bewegen.“ Mit der Interpretation des Madball-Klassikers sind indes keine Hintergedanken verbunden: „Nein, dahinter steckt weder eine Botschaft noch eine besondere Absicht. Es ist schlicht ein Stück, das ich mag und das noch dazu von einer Band stammt, die ich sehr schätze. Wir hatten Spaß daran, dem Track unseren Twist mitzugeben. Unabhängig davon finde ich es wichtig, dass Kids die Wurzeln und wichtigen Bands des Hardcore kennen.“

Mit der Veröffentlichung einer MCD bzw. Vinyl-Single im Jubiläumsjahr zeigen sich die Kalifornier ebenfalls traditionsbewusst und Szene-bezogen: „Ich mag das Format der 7Inch,“ verrät der Frontmann. „Das Schreiben


der Songs und das Aufnehmen verliefen sehr entspannt und in bester DIY-Tradition. Ein volles Album fertig zu stellen, ist immer deutlich mehr Arbeit. Man muss viel mehr Tracks aufeinander abstimmen, damit am Ende alles zusammen passt. Bei einer 7Inch ist es weniger kompliziert und schneller erledigt.“ Das Anliegen und der metallische Hardcore-Trademark-Sound von TERROR kommen auf „The Walls Will Fall“ wiederum gut und rabiat zur Geltung. Die Band um Scott Vogel besitzt auch im aktuellen Wettbewerbsumfeld Relevanz und wird ihre Hörer finden:

„Machen wir uns nichts vor; es liegt in der Natur der Sache, dass sich Dinge verändern. Wer das nicht wahr haben will, ist ignorant,“ erwidert der Frontmann darauf angesprochen, dass die Hardcore-Szene in viele Sub-Szenen zersplittert ist und das Gemeinschaftsgefühl sowie ein geteilter Konsens hinsichtlich wichtiger Gruppen in den letzten Jahren ein Stück weit auf der Strecke geblieben sind. „Auch die Technik bietet neue Möglichkeiten, die Veränderungen nach sich ziehen. Das ist ein fortwährender Prozess, der niemals still steht. Damit gehen auch weniger schöne Seiten einher, doch ich sehe da draußen nach wie vor viele gute Bands, Labels und Leute, die engagiert sind und an den Hardcore glauben. Ihnen gilt mein Respekt. Überall auf der Welt gibt es kleine, rege Szenen, die die klassischen Ideale und Werte am Leben erhalten und eine verschworene Brüder- bzw. Schwesterschaft bilden. Um den Hardcore an sich mache ich mir keine Sorgen.“

Mit der Stellung und Rezeption von TERROR zeigt sich der Shouter zufrieden: „Ich bin realistisch genug, zu wissen, dass wir nicht die Art von Musik spielen, die bei der breiten Masse Anklang findet oder mit der man reich wird. So etwas habe ich auch nie erwartet. Mir reicht es vollkommen, Teil einer Hardcore-Band zu sein. Uns bieten sich immer wieder neue Möglichkeiten, von denen ich nie zu träumen gewagt habe. Mehr will ich gar nicht.“ Doch da ist noch etwas anderes, was Scott Vogel bis heute überzeugt und interessiert hält: „Im Punk und Hardcore ist jeder willkommen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Rasse und Religion. Jeder wird aufgenommen und respektiert. Das Fortschreiten meines Alters in einem tendenziell jungen Umfeld ist ein Fakt und unabdingbar, doch von der Motivation her bin ich immer noch jung und hungrig. Deshalb bin ich weiterhin Teil der Szene und mit Begeisterung bei der Sache. 15 Jahre TERROR stehen im Rückblick für viele angenehme Momente und eine Menge Wahnsinn. Unsere Reise hat ihr Ziel aber längst noch nicht erreicht. Geht es nach mir, wird sie nie zu Ende sein.“

 
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