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Miss May I

Storie von: arne, am 14.05.2017 ]

Im US-MetalCore zählen MISS MAY I zu den großen Namen. Die Band aus Ohio legt seit gut zehn Jahren ein ausgeprägtes Gespür dafür an den Tag, wie sie die Szene-Klientel ansprechen muss, um ihre komfortable Position zu bestätigen und auszubauen. Die schlüssige Weiterentwicklung ihres Sounds treibt die Gruppe ebenfalls voran. Mit „Shadows Inside“ erscheint das sechste Album des Quintetts, das den Core-basierten Sound auf ein generelles Heavy-Niveau hebt und wieder ausnahmslos brachiale Ohrwürmer bietet.

 
Nachdem sich Ryan Neff und seine Kollegen zuletzt eine längere Auszeit vom Touren gegönnt und sich in der Öffentlichkeit rar gemacht haben, ist das Interesse am neuen Longplayer der Band nun umso größer: „Es scheint in der Tat ein nochmals gesteigertes Interesse an uns zu geben,“ freut sich der Bassist. „Unsere letzte Veröffentlichung liegt zwei Jahre zurück, wir haben das Label gewechselt und zuletzt einige Monate lang nicht mehr getourt. Deshalb sind die Fans neugierig und wollen neues Material von uns hören. Sie saugen alle Neuigkeiten wie Tour-Dates oder kurze Ankündigungs-Videos begierig auf. Für uns ist das eine denkbar gute Ausgangslage. Wir freuen uns darüber, dass die Fans uns mit offenen Armen empfangen und unser neues Label SharpTone mit seinem ganzen Team uneingeschränkt hinter uns steht.“ Schon seit geraumer Zeit erscheinen im Internet immer wieder neue Details und Teaser. Das Quintett versteht sich darauf, die Online-Medien für seine Zwecke zu nutzen und die Nachfrage der Fans anzuheizen. Das hat bei dem Quintett Tradition:

„Wir sind keine Band, die von jetzt auf gleich über die Leute hereingebrochen ist oder einen Schock-Moment ausgelöst hätte. Das entspricht weder unserem Ansatz noch unserem Selbstverständnis,“ äußert der Musiker. „Doch immerhin sind wir im Internet früh aufgefallen. Unser erstes Signing 2007 geht auf unsere damalige Popularität bei myspace zurück. Am Aufstieg von facebook haben wir dann ebenfalls partizipiert. Ich glaube nicht, dass MISS MAY I ohne die modernen Kommunikationskanäle und die Unterstützung aus dem Internet an den Punkt gelangt wären, an dem wir heute stehen.“ Der Nachfolger des 2015er „Deathless“ ist die erste Veröffentlichung der Gruppe, die nicht bei Rise Records erscheint. Ob bzw. inwieweit dieser Schritt den Verbreitungsradius des Fünfers nochmals erweitern kann, bleibt abzuwarten. Die Formation aus Ohio jedenfalls hat ihre Hausaufgaben gemacht und ein Album umgesetzt, das neben seinen eindrücklichen Hart-Zart-Kontrasten und starken Refrains auch mit einer reifen, übergeordnet wertvollen Heaviness punktet: „Bei uns ist es von jeher so, dass wir unsere Songs als Gruppe schreiben und entwickeln,“ erzählt Ryan. „Es gibt nicht bloß ein Mitglied, das die kreative Arbeit verantwortet. Bei uns kommen die Ideen und Einflüsse von fünf Personen zusammen, die mit unterschiedlichen Ansprüchen und Augen an die Sache heran gehen. Das Ergebnis profitiert davon. Natürlich hat jeder von uns die Möglichkeit, für sich allein an Ideen und Demos zu arbeiten. Doch am Ende entscheiden wir alle gemeinsam über die Stücke, die wir vollenden und später auch veröffentlichen wollen. Erst durch die Arbeit als Gruppe erreichen wir das bestmögliche Resultat.“

Der Longplayer „Shadows Inside“ bietet sowohl den MISS MAY I-Trademark-Sound mit ausgeprägten Core-Wurzeln als auch selbstbewusste, moderne Metal-Tracks. Die erweiterte Generalität steht den Jungs aus Ohio gut zu Gesicht, zumal es sich um eine nachvollziehbare Aufwertung des Heavy-Sounds handelt: „Mit Erwartungen und dem Geschmack ist es schwierig,“ relativiert der Bassist, der darauf hofft, dass die Fan-Basis die Änderungen mitgehen wird. „Im Songwriting richtet man sich zunächst nach den eigenen Vorlieben und versucht, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Andererseits ist man aber zumindest unterbewusst immer auch bestrebt, etwas zu erschaffen, von dem man meint, dass die Fans darauf warten. Daraus resultiert ein innerer Zwiespalt, dem sich jeder Künstler und jede Band in ihrer Karriere stellen und damit umgehen muss. Ein richtig oder falsch gibt es in dieser Situation nicht. Solange man mit dem Ergebnis zufrieden ist und es einen adäquat repräsentiert, ist alles gut. Bei der Arbeit am neuen Album haben wir uns alle Freiheiten gegönnt und allein das umgesetzt, was wir wollten. Dass dabei eine gesunde Mischung heraus gekommen ist, sehe ich auch so. Man hört einige klassische MISS MAY I-Songs. Andere Tracks sind hingegen experimenteller gehalten, während wider andere irgendwo in der Mitte zwischen beiden Polen liegen. Einige der Lieder lehnen sich sogar wieder


an den Sound unseres Debüts an. Genau eine solche Vielfalt hat uns für das Album vorgeschwebt.“

Der Rückgriff auf die eigene Historie ist kein kreativer Rückschritt, denn die barsche Brutalität wird in einen reifen Kontext eingebettet. Dadurch wirkt sie effektvoller und anders: „Es handelt sich um unser sechstes Album,“ gibt Ryan Neff zu bedenken. „Wir kennen die Abläufe und lassen uns durch nichts mehr so leicht aus dem Konzept bringen. In der einen oder anderen Hinsicht ist die Arbeit an jeder Platte schwierig. Dieses Mal habe ich das allerdings gar nicht so empfunden, denn vom Umfeld her hat alles super gepasst. Wir haben volle kreative Freiheit genossen, mit einem tollen Produzenten zusammen gearbeitet und sind vom Label nach Kräften unterstützt worden. Der Arbeitsprozess hat sich praktisch von selbst erledigt. Inhaltlich sind düstere Stücke entstanden, die der Spiegel persönlich harter Zeiten, die wir durchlebt haben, sind. Die Arbeit im Studio war unsere Therapie und hat uns dabei geholfen, über all das hinweg zu kommen.“ Wohl aus diesem Grund hat es im Prozess des Songwritings für „Shadows Inside“ kleine Änderungen im Vergleich zu den anderen Alben gegeben: „Früher war es uns wichtig, die Richtung der Aussagen der Texte zu kennen, bevor wir Musik geschrieben haben,“ so der Bassist. „Dieses Mal haben wir quasi zunächst eine instrumentale Platte erschaffen und diese dann auf uns wirken lassen. Die Songs haben uns die Themen vorgegeben, für die wir anschließend Worte formuliert haben. Der überwiegende Teil der Stücke ist auf diese Art und Weise entstanden.“

Hinsichtlich der Wirkung werden Fans keine gravierenden Unterschiede bemerken. MISS MAY I sind als sie selbst erkennbar, auch wenn sie ihr Spiel in den Details neu gewichten: „Für mich ist es immer spannend, zu erfahren, wie die Fans auf neues Material reagieren,“ äußert der Bassist. „Schließlich ist das stets mit Unsicherheiten verbunden. Als Beteiligter ist man emotional zu involviert und zu nah dran, um seine Leistung objektiv einschätzen zu können. In dieser Hinsicht hat man so etwas wie einen blinden Fleck. Nur weil man selbst von den Songs vollends überzeugt ist, heißt das ja nicht, dass die Fans sie nicht doch hassen können, weil ihnen irgendetwas nicht gefällt. Schon in der Vergangenheit haben wir immer wieder auch Songs geschrieben, die polarisiert haben und nicht bei allen gut angekommen sind. Deshalb wissen wir, mit allen Reaktionen umzugehen, egal, wie sie ausfallen.“

Bislang ist für die Gruppe noch immer alles gut gelaufen. Die zehnjährige Karriere des Quintetts, ist eine Erfolgsgeschichte, die Ryan Neff und die anderen aus Ohio hinaus in die Welt geführt hat: „Wir lieben das Touren und die Arbeit im Studio. Wir sind glücklich darüber, dass uns unsere Wege in diese Band geführt haben. Wir sind dankbare Metal-Heads, um es so zu formulieren. Unser regionales Umfeld und die lokalen Größen haben uns beeinflusst und geprägt. Glücklicherweise hatten wir das richtige Timing auf unserer Seite, als wir auf den Plan getreten sind. Vom Auftreten und dem Werdegang von The Devil Wears Prada haben wir uns viel abgeschaut und ihren Weg aufmerksam verfolgt. Wir haben enorm von den Grundlagen profitiert, die sie geschaffen haben, wofür wir ihnen dankbar sind. Rückblickend sind The Devil Wears Prada für uns der größte Einfluss gewesen, denn lokal gab es keine zweite Gruppe wie sie. Als besondere Highlights unserer Karriere sind mir vor allem große Übersee-Shows wie unsere Auftritte beim Download, Rock am Ring und Rock im Park in Europa in Erinnerung, aber auch das Mayhem Festival in Amerika oder das Soundwave in Australien. All die renommierten Metal-Festivals sind besonders und stets eine tolle Erfahrung. Nach unserer Gründung haben wir anfangs lokale Clubs angemietet und eigene Shows veranstaltet, um überhaupt auftreten zu können. Inzwischen erhalten wir die Gelegenheit, gemeinsam mit Legenden und unseren Helden aufzutreten und sogar mit ihnen zu touren. So etwas hätte ich niemals für möglich gehalten.“ Mit „Shadows Inside“ können MISS MAY I nun wieder auf Tour gehen.

 
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