Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1626

He Is Legend

Storie von: arne, am 09.05.2017 ]

IMPOSANTER MINIMALISMUS. Mit „Few“ glückt HE IS LEGEND ein weiterer Genie-Streich, der die aufgeweckte Spielfreude und die umtriebige Kreativität der Musiker dick unterstreicht. Drei Jahre nach „Heavy Fruit“ klingt die Melange aus Southern-Attitüde, Grunge-Einschlag, unstetem Hardcore sowie aufwühlendem Noise und Sludge noch zwingender.

 
Das zweite Album seit der Reunion präsentiert die Gruppe aus Wilmington, North Carolina so souverän und relevant wie nie: „Wir tun nicht mehr, als unserem Ehrgeiz zu folgen, eine eigene Sichtweise auf den Rock’n’Roll zu kreieren und dabei Spaß zu haben,“ relativiert Gitarrist Adam Tanbouz im Gespräch. „Wir legen es nicht aktiv darauf an, etwas bewusst anders zu machen oder als besonders aufzufallen. Alle anderen Bands, die wir kennen, bewundern und respektieren, tun nichts anderes als wir. Wir bringen lediglich unser eigenes Rezept auf den Tisch.“ Um im Sprachbild zu bleiben: hier sind Meisterköche zugange, die ein neues Geschmackserlebnis erschaffen: „Im Songwriting achten wir darauf, dass unsere Musik auf verschiedenen Ebenen gehört, verstanden und verdaut werden kann,“ führt der Gitarrist aus. „Wir hoffen, dass der Mehrwert, den Hörer empfinden, davon abhängt, wie intensiv sie sich mit unseren Stücken auseinander setzen. Das ist wie in anderen Kunstdisziplinen. Filme wie „Der Zauberer von Oz“ oder „Shining“ können vom Zuschauer auf mehreren Ebenen interpretiert werden. Es kommt auf die individuelle Sichtweise und die jeweiligen Kenntnisse des Rezipienten an. Mitunter beschreibe ich uns als musikalisches Projekt und nicht als Band. Damit ziele ich genau darauf ab, denn wir sind für mich keine Rock-Band im herkömmlichen Sinn, auch wenn wir unser Musikprojekt mit den bekannten Techniken einer Rock-Band in Songs überführen. Bei uns fällt vieles lauter und schriller aus. Unseren DIY-Ansatz leben wir konsequent aus. Unsere großen Phantasien setzen wir mit Hilfe schwerer, alter Werkzeuge um. So und nicht anders haben wir es schließlich kennen und lieben gelernt.“

HE IS LEGEND wissen um die große Rock-Historie und arbeiten sich an ihr ab, um über das Gewesene hinaus zu gehen: „Unsere Musik ist unsere Version von dem, was alle großen Bands tun,“ zeigt sich Adam Tanbouz bescheiden. „Wir nehmen die wichtigen Eckpfeiler der Rock-Musik, die jeder liebt, und versuchen, dem Ganzen einen eigenen Dreh zu geben. Konkret konzentrieren wir uns bewusst auf die Gemeinsamkeiten von Rock, Blues, Metal und Pop. Wir wollen mit unseren Songs Brücken zwischen ihnen erschaffen, die jeder versteht. Und natürlich beschäftigen wir uns ebenso intensiv mit den Unterschieden zwischen diesen Stilen. All denjenigen, die die verschiedenen Arten der Musik nicht auf eigene Faust entdecken wollen, bringen wir so den Wert von Stil übergreifender Kreativität nahe. Auf diese Art und Weise spiegeln wir, wie wir Musik hören. Es entspricht unserem Naturell, mit einem breit gefächerten Sound aufzuspielen.“

Das resultierende Ergebnis kann der Musiker aber nur annäherungsweise in Worte fassen: „Für mich klingen wir wie eine Band, die ihre eigene Interpretation des Rock-Dings macht – auf der Grundlage vieler sich überlagernder und widersprechender Ansprüche und Erwartungen. Unsere Einstellung ist schwer zu beschreiben. Ich hoffe, der harte Kern unserer


Fans versteht unseren Ansatz und überträgt seine Aufregung und Begeisterung auf andere, die noch nichts von uns gehört haben.“ Davon ist auszugehen. Denn ist man erst einmal mit HE IS LEGEND in Kontakt gekommen, gibt es kein Zurück mehr. Dass die Gruppe aus North Carolina nach kreativer Verwirklichung strebt, erweist sich als Glücksfall: „Nichts von dem, was wir tun oder besser noch wie wir es tun, höre ich von irgendeiner anderen Band,“ resümiert der Gitarrist völlig zutreffend. „Der Ehrgeiz im Songwriting besteht für mich darin, meinen inneren Kritiker zu befriedigen. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden, egal was andere später äußern. Im Songwriting genieße ich die kreative Freiheit, unkonventionell arbeiten zu können. Im Arbeitsprozess erfordert ein solches Vorgehen größere Anstrengung und Aufmerksamkeit. Doch das Endprodukt ist dafür für einen ungleich längeren Zeitraum befriedigend. Was auch immer mir auf der Seele liegt, ist das, was man letztlich in unseren Songs hört.“

Der Zielfokus für die Erstellung des fünften Longplayers war Adam Tanbouz zufolge dennoch klar umrissen: „Bei der Annäherung an „Few“ ging es uns vor allem darum, einige der Fehler zu korrigieren, die wir auf früheren Aufnahmen gemacht haben sowie etwas Großes und Mächtiges zu schaffen. Wir haben versucht, ausgetretene Pfade zu verlassen, um etwas Wirkungsstarkes zu kreieren. „Few“ gibt bereits mit dem Titel vor, dass wir einen imposanten Minimalismus vorleben, bei dem wir aus wenig möglichst viel machen und die größtmögliche Wirkung erzielen. Das Album ist das Ergebnis von intensivem Nachdenken und einer akribischen Vorbereitung. Der größte Unterschied im Vergleich zu unseren früheren Alben ist das Ausmaß an Hintergedanken und Mühen, die in diesen Longplayer geflossen sind. Aufgrund des vorgelagerten Crowdfundings ist die Natur des Albums zudem noch mehr DIY. Es ist wahre Kunst entstanden, die unsere Herzen und Seelen widerspiegelt. Und dann klingt „Few“ auch noch richtig gut.“

HE IS LEGEND ist es gelungen, ein in jeder Hinsicht animierendes und fesselndes Werk abzuliefern: „Wie in jeder künstlerischen Disziplin, beim Kochen oder auch Sex kommt es darauf an, ein Gleichgewicht zwischen Leidenschaft, Aggression, Technik, Humor und Melancholie zu erschaffen,“ fasst es der Musiker. „Übertreibt man es mit dem Anspruch oder der Ernsthaftigkeit, beginnt auch gute Musik nach einer Weile, den gewünschten Effekt zu verlieren. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden.“ Die Diversität innerhalb der Gruppe scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein: „Für uns als Band gibt es keine kollektive Auslegung davon, wofür wir stehen und was uns auszeichnet. Unsere geteilte Basis ist die Wertschätzung für Musik und Kunst, das Leben an sich und andere Mysterien. Wenn überhaupt, könnten wir uns wahrscheinlich allein darauf verständigen, dass wir es darauf anlegen, von unserer Musik fasziniert zu bleiben und das zu genießen, was wir als Band tun.“

 
 Links:
  facebook.com/HeIsLegendNC
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Bloodclot
  Decrepit Birth
  Origin
  Suffocate For Fuck Sake
  Conveyer

Interviews/Stories:

  Sworn In
  Ektomorf
  Groovenom

Shows:

  27.07. Dool - Jena
  27.07. Hardside - (deu) Essen
  27.07. Teenage Bottlerocket - Stuttgart
  28.07. Teenage Bottlerocket - Bausendorf
  28.07. Dool - Neuensee