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My Daily Crisis

Storie von: arne, am 23.04.2017 ]

Für ihr modernes, heftiges Treiben haben die Stuttgarter den Ausdruck Benzcore geschaffen. Dahinter verbirgt sich ein elektronisch angereicherter MetalCore, der hymnisch zugespitzt wird. Die 2010 gegründeten MY DAILY CRISIS haben sich ein schlüssiges, effektvolles Spiel erarbeitet, das seine Momente findet.

 
„Es mag kitschig klingen, doch jedes Mal, wenn wir gemeinsam Musik machen, spüren wir, dass hier etwas Besonderes passiert,“ erwidern Bassistin Anne und Frontmann Sven. „Wir versuchen mittlerweile ganz bewusst, jedes Bandmitglied zu bestärken, wann immer wir zusammen sind. Für uns ist die Band eine Art Therapiegruppe, an der wir das Publikum hin und wieder teilhaben lassen. Unsere besondere Art von Freundschaft ist es wert, dass man sich den Allerwertesten dafür aufreißt. Fängt man erst einmal an, ein Instrument mit Begeisterung zu lernen oder zu singen, und schließt man sich nach Jahren des Übens einer Band an, fängt der Spaß doch erst richtig an. Die Zeit vergeht wie im Flug und Entbehrung ist dann die Zeit, in der man nicht Musik machen kann. Auftritte sind das Tüpfelchen auf dem vielzitiertem „i“ und das, worauf man von Anfang an hinarbeitet. Ein ganz besonderer Moment war es, als wir die ersten Master-Tracks von unserem Album zugeschickt bekamen und uns klar wurde, dass wir damit einen riesigen Schritt nach vorne machen würden. Es war fast so, als wären wir nach langer Wartezeit endlich Eltern geworden.“

Das vor einem Jahr erschienene Debüt-Album von MY DAILY CRISIS, „The Sum Of All Fears“, überzeugt ob seiner variable Anlage und starker Heavy-Core-Hymnen: „Die Resonanz war durchweg positiv, insbesondere, weil es so ein abwechslungsreiches Album geworden ist,“ bestätigen Anne und Sven. „Es hat uns jedoch verblüfft, dass wirklich jede Person einen anderen Track zum Favoriten erhebt. Das spricht einerseits für die stilistische Vielfalt, aber andererseits auch für die durchweg gute Qualität der Songs. Unsere Erwartungen haben sich insgesamt erfüllt. Wir haben es geschafft, ein tolles Debüt aufzunehmen und zu veröffentlichen und damit für die Band einen großen Schritt gewagt.“

Dass die modern eingestellte Metal-Hardcore-Formation ihre Einflüsse auf facebook u. a. mit Heaven Shall Burn, We Came As Romans, Amaranthe und Killswitch Engage benennt, überrascht nicht. Die Stuttgarter sind jedoch keine plumpe Kopie: „Emanzipation von solchen Schwergewichten ist immer schwierig,“ wissen die Bassistin und der Frontmann. „Wir glauben aber, dass wir aufgrund der unterschiedlichen Musikgeschmäcker der Band-Mitglieder eine besondere Mischung schaffen, die – obwohl wir keine Profis sind – eigenständig ist. Von unserem Produzenten Marc Hirte haben wir den Tipp bekommen, uns von den besten Songs anderer Bands inspirieren zu lassen; gewissermaßen deren Code für einen hervorragenden Song zu knacken und daraus unser eigenes Ding zu machen. Beim Songwriting für neues Material merken wir mittlerweile, dass wir


dadurch unseren Weg finden und unsere neuen Songs tatsächlich einen roten Faden besitzen. Eine Geheimzutat gibt es nicht, eigentlich viel eher ein Bauchgefühl, dass uns sagt: „Das ist Benzcore, das passt zu uns.““

Worauf MY DAILY CRISIS aus sind, versteht man intuitiv. Der breit angelegte Sound ist live mit vielen Genres kompatibel: „Vor kurzem haben wir einen Support-Gig für Entera (Thrash Metal) und Manus Mortis (Death Metal) gespielt. Deren harter Fan-Kern konnte mit unserer Musik nicht so viel anfangen. Das Schöne an der Metal-Szene ist jedoch, dass wir es meistens mit toleranten und interessierten Menschen zu tun haben, die sich auch auf Neues einlassen. Zuhause sind wir aber bei den MetalCore-Fans und denen, die aus dem Djent, Hardcore oder dem melodischen Metal kommen und auch einen Bezug zu elektronischer Musik haben. Was wir bemerken: scheinbar ziehen wir ein etwas älteres Publikum. Wir sind alle keine 18 mehr und man hört unserer Musik die Einflüsse aus den 1980er und 90er Jahren an.“ Beim Quintett ist erlaubt, was den Schwaben gefällt oder ihnen dabei hilft, mit sich ins Reine zu kommen: „Wir nennen uns auch gerne mal den Band-Stuhlkreis,“ witzeln Anne und Sven. „Die Musik und alles, was wir dafür tun, ist ein Ventil für die vielen kleinen und großen Krisen, mit denen wir alle tagtäglich konfrontiert sind. Mit den Jahren ist uns klar geworden, dass wir uns als Musiker und Freunde auf das konzentrieren müssen, was uns stärker, glücklicher und auch erfolgreicher macht. Deswegen ist es uns extrem wichtig, eine positive Botschaft nicht nur zu leben, sondern auch an unser Publikum weiterzugeben. Musik, und Metal im Speziellen, hat die wunderbare Wirkung, Kraft und Mut zu geben und so auch schlimme Dinge durchzustehen. Beim Metal kommt noch die starke Gemeinschaft dazu. Diese Gemeinschaft kann und sollte man feiern – und das machen wir mit unserer Musik.“

Was ihre Stücke haben müssen, wissen MY DAILY CRISIS ganz genau: „Die Entscheidung, ob ein Song Potential hat oder nicht, wird von uns intuitiv gefällt,“ verraten die Musiker. „Alles, was in Richtung Rock-Oper geht, fliegt raus. Bei uns herrscht mittlerweile ein striktes „weniger ist mehr“-Prinzip. Deswegen entstehen bei uns Songs meistens in Form von Demo-Tracks. Diese klingen oft schon sehr fertig. Wie aus einem Marmorblock klopfen wir dann langsam aber sicher ein finales Stück heraus, indem alles rausfliegt, was dem Song nicht hilft. Das fertige Stück muss dann ein gutes Verhältnis aus Melodie und Aggression besitzen; mindestens eine prägnante Melodielinie und vor allem einen Spannungsbogen mit Wiedererkennungspotential.“

 
 Links:
  mydailycrisis.net
 
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