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Emmure

Storie von: arne, am 03.04.2017 ]

Mit „Look At Yourself“ erscheint der siebte Longplayer der Heavy-Core-Formation. Die 2003 gegründeten EMMURE halten am Zwei-Jahres-Takt fest, zeigen sich daneben aber runderneuert. Frontmann Frankie Palmeri ist die einzige Konstante, während die Vierbesetzung nunmehr durch Musiker von Glass Cloud und The Tony Danza Tapdance Extravaganza komplettiert wird. Musikalisch schlägt das Personalkarussell nicht durch. Es bleibt bei wuchtigen, animierenden Sounds zwischen NuMetal, MetalCore und Deathcore.

 
Als der Shouter Ende 2015 völlig alleine dastand, ist schon über das Ende von EMMURE spekuliert worden. Stattdessen belegt der Einstand für SharpTone Records nun eindrücklich, dass mit den New Yorkern weiterhin zu rechnen ist: „Der Ausstieg der anderen Band-Mitglieder ist sogar noch etwas früher erfolgt, bereits im September,“ erzählt Frankie Palmeri. „Die Fans und Medien haben aber erst einige Zeit später davon Notiz genommen, als ich die neuen Musiker vorstellte. Die Spanne vom September bis zum Jahresende war für mich keine leichte Zeit. Ich musste auf unterschiedlichen Ebenen alles dafür geben, dass es mit EMMURE weiter gehen konnte. Von jetzt auf gleich war mir mein Leben abhanden gekommen, um es so zu formulieren. Deshalb habe ich alles daran gesetzt, es zurück zu bekommen. Gefühlt habe ich rückblickend einige Wochen nur an meinem Handy verbracht, um Dinge rund um die Band zu regeln und Ersatz zu finden. Dass es weiter gehen würde, stand für mich dabei zu keinem Zeitpunkt infrage. Es musste einfach weiter gehen. Es hat auch gar nicht so lange gedauert, das Line-Up wieder zu komplettieren und uns aufeinander einzuspielen. Und nun legen wir unsere erste gemeinsame Platte vor.“

Zu den Hintergründen des jähen Endes der alten Besetzung schweigen die Beteiligten. Auch der Frontmann äußert auf Nachfrage nicht viel mehr als Andeutungen: „Innerhalb einer Band, wie in jeder anderen zwischenmenschlichen Beziehung, entwickeln sich die Dinge im Zeitverlauf. Interessen verlagern sich, Begehrlichkeiten wachsen und Spannungen entstehen. Für mich ist das ein normaler Prozess, mit dem man im Leben unweigerlich umgehen lernen muss. Man darf die Dinge nicht überdramatisieren. In einigen Fragen, die die Band betreffen, sind wir unterschiedlicher Meinung gewesen, was dazu führte, dass die anderen ausgestiegen sind. Mehr gibt es dazu von meiner Seite nicht zu sagen. EMMURE sind mehr als einzelne Musiker. Niemand wird gezwungen, dabei zu bleiben, wenn er das nicht will. Vor allem aber ist es die Band, die ich vor vielen Jahren gegründet habe und die ich am Laufen halte. Sie ist mein Leben. Mit den Unwägbarkeiten und personellen Veränderungen kann ich umgehen, denn so etwas passiert einfach immer wieder. Wenn Leute, die sich vorab nicht gut kennen, auf engem Raum zusammen kommen, entsteht irgendwann unweigerlich Reibung. Mich würde es überraschen, wenn es nicht dazu kommt. Die Band steckt es weg, wenn von Zeit zu Zeit neue Musiker hinzu stoßen. Wichtig ist, dass es zumindest eine Person gibt, die die Zeit überdauert und den Überblick behält. Das ist meine Funktion, ich schaffe die Verbindung. Dass es im musikalischen Bereich Verschiebungen gibt, wirkt sich weniger offensichtlich aus, wenn die Stoßrichtung grundsätzlich dieselbe bleibt. Für mich verläuft die Entwicklung von EMMURE trotzdem natürlich und insgesamt stringent.“

Vor dem Hintergrund des wuchtigen Crossover-Sounds zwischen NuMetal, MetalCore und Deathcore überrascht diese Aussage nicht. In den weiten Grenzen ihres Ansatzes steht es Frankie Palmeri & Co. frei, die Gewichtung zu verschieben und sich neu zu erfinden: „Es ist von Anfang an Teil unseres Selbstverständnisses gewesen, dass wir einen Sound spielen, der Einflüsse aus verschiedenen Stilen miteinander kombiniert und von Zeit von Zeit seinen Schwerpunkt verändert,“ bestätigt der Shouter. „Es wäre doch langweilig, wenn wir immer das Gleiche tun würden. Wechselnde Besetzungen helfen dabei, die Dinge anders anzugehen. Noch wichtiger ist jedoch unser Anspruch, nach dem wir uns selbst unterhalten und überraschen wollen. Das klappt nur dann, wenn man Dinge tut, die neuartig sind und einen fordern. Als Band lernt man jeden Tag dazu. So lässt sich die Wiederholung von Fehlern vermeiden und man wird in die Lage versetzt, wirklich das umsetzen zu können, was einem vorschwebt. Ich habe Spaß daran, neue Ideen zu entwickeln und neuartige Sound-Kombinationen auszuprobieren. EMMURE verschaffen mir die Möglichkeit, meine Kreativität zu fordern und meine Ideen auszuleben. Darüber, das tun zu können, bin ich glücklich. Die Musik, die Konzerte, die Leute und was sonst noch alles dazu gehört – all das nehme ich auf und interpretiere meine Eindrücke. Daraus entstehen dann neue Songs und das Spiel geht von vorne los. Reift man als Persönlichkeit, wächst man auch als Künstler. In diesem Kreislauf bewege ich mich nun schon seit vielen Jahren und es geht immer weiter. Bislang haben wir nicht ein Album sieben Mal veröffentlicht, sondern sieben Mal eine jeweils eigenständige Platte. Genau so muss das sein, denn wir streben danach, immer frisch und relevant zu klingen. Unser Umfeld ändert sich, also tut das auch unser Sound.“

Die Interaktion in der neuen Besetzung und der Beitrag neuer Kreativköpfe ist von diesen Worten ausdrücklich mit umfasst: „Auch wenn das Suchen neuer Mitstreiter mitunter ein langwieriger Prozess sein kann, helfen neue Sichtweisen auf den EMMURE-Sound doch dabei, unser Spiel weiter zu entwickeln,“ bestätigt Frankie Palmeri. „„Look At Yourself“ präsentiert eine personell runderneuerte Band, was sich in den Songs deutlich ausdrückt. Ich mag aber gar nicht spekulieren, wie wir heute klingen würden, hätte es den Umbruch nicht gegeben. Sicher bin ich mir nur darin, dass wir auch in diesem Fall kein zweites „Eternal Enemies“ geschaffen hätten.“

Als beständig und intensiv tourende Band haben EMMURE ein besonderes Interesse daran, in den Setlists für Abwechslung zu sorgen und ihren Sound aufregend und spannend zu halten: „Das Touren ist mein Alltag, für den ich mich bewusst entschieden habe,“ so der New Yorker Shouter. „Anders möchte ich es gar nicht, denn ich liebe es, unterwegs zu sein und Konzerte zu


spielen. Es bedeutet mir viel, die Leute zu treffen, die sich für uns interessieren und vor ihnen unsere Songs zu präsentieren. Das Leben als Musiker, der in der Welt herum kommt, habe ich mir von klein auf erträumt. Es stört mich nicht, in Kälte oder Hitze in engen Vans zu schlafen oder mir mit vielen anderen ein Hotel-Zimmer zu teilen. Das gehört zu dem Abenteuer, das das Band-Dasein mit sich bringt. Im Augenblick wüsste ich nichts, was ich mit meinem Leben lieber anstellen würde, also koste ich die Erfahrungen aus und genieße die Zeit. Solange es geht und die Leute uns sehen oder hören wollen, werde ich mit EMMURE weiter machen. Und selbst nach einem möglichen Ende dieser Band ist es mein Plan, meinen Lebensunterhalt weiterhin mit Musik zu bestreiten. Das Touren führt es mir jeden Tag vor Augen, dass ich genau da bin, wo ich sein will. Deshalb fällt es mir leicht, auf der Bühne abends mein Bestes zu geben und den Leuten eine gute Show zu bieten. Das ist mein Leben.“

Den schwierigen Seiten des Tour-Alltags versucht Frankie Palmeri Positives abzugewinnen: „Ich habe gelernt, bescheiden zu sein und mit dem zufrieden zu sein, was sich ergibt,“ so der Musiker. „Selbst schwierige Phasen müssen nicht per se schlecht sein. Sie sind immer auch eine Chance, sich zu hinterfragen, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Für falsche Entscheidungen gilt dasselbe. Doch wer aus Fehlern nichts für seine Zukunft ableitet, dem ist nicht zu helfen. Auch wenn es schmerzhaft ist, gibt es immer einen Ausweg und Ansätze, gestärkt aus einer Situation hervor zu gehen. Dass ist die wesentliche Lehre, die ich nach 14 Jahren EMMURE formulieren kann. Das bedeutet nicht, dass jede Band so heftig und rücksichtslos touren muss, wie wir es tun, um zu ähnlichen Einsichten zu gelangen. Dieses Jahr bin ich 30 geworden, was noch nicht wirklich alt ist. Dennoch bemerke ich inzwischen zunehmend, dass ich nicht mehr alles ganz so leicht wie noch vor zehn Jahren wegstecke. Ein Dutzend Touren am Stück ohne jede Pause wird es sicherlich kaum mehr geben, auch wenn es mir nach wie vor alles bedeutet, auf der Bühne zu stehen

Um die Gesundheit von Frankie muss man sich dieser Tage nicht mehr sorgen, wie der EMMURE-Frontmann auf seine Stimmprobleme in der Vergangenheit angesprochen berichtet: „Hat man als Sänger ernsthafte Einschränkungen bei der Stimme, muss man das ernst nehmen und Konsequenzen ziehen. Deshalb achte ich heute viel mehr auf meine Ernährung und wärme meine Stimme vor Auftritten immer auf, was ich früher nie getan habe. Dass Pausen nötig sind, habe ich auf die harte Tour gelernt und beherzige es heute. Insgesamt lebe ich bewusster, um noch lange das tun zu können, was ich liebe. Im Rückblick habe ich die Dinge nach dem ersten Schreckmoment vielleicht etwas überdramatisiert. Alles in Ruhe untersuchen und auskurieren zu lassen, war dennoch die richtige Entscheidung. Nichts wäre schlimmer, als wenn ich meine Stimme verlieren würde. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie mein Leben in diesem Fall weitergehen würde. Ist die Stimme weg, macht man sich unweigerlich Gedanken und rennt von einem Arzt zum anderen. Glücklicherweise war es doch nichts dramatisch Schlimmes, so dass mir schnell geholfen werden konnte. Seither achte ich auf mich und alles läuft gut.“

Den Alltag einer tourenden Core-Band stecken die New Yorker gut weg, das Publikum hält sie jung: „Ich fühle mich keinesfalls zu alt für meinen Lebensstil,“ gibt sich Frankie Palmeri energisch. „Musik kann man in jedem Alter spielen, auch Hardcore und Metal. Musik und Touren sind weiterhin die beiden wichtigsten Dinge in meinem Leben. Ich bin nicht der Typ, der gerne zu Hause rumsitzt und gut darin ist, Zeit tot zu schlagen. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht viele Freunde. Das liegt aber daran, dass ich schon lange Zeit permanent unterwegs bin. Für mich ist das okay. Mir reicht es, meine Freunde und Familie nur gelegentlich zu treffen. Ich muss sie nicht täglich um mich haben.“ EMMURE halten sich an ihre vom Alter her jüngere Fan-Familie:

„Die Leute verbinden Musik stets mit einer bestimmten Lebensphase. Abhängig vom Alter investiert man mehr oder weniger Zeit darin, neue Stile zu entdecken und die für sich passenden zu finden. Wer jung ist, saugt alles auf und definiert sich darüber. Irgendwann kommt allerdings der graue Alltag und die Euphorie lässt bei vielen nach. Jobs, Familie und Verpflichtungen wichtiger werden. Deshalb sind die Leute, zu denen wir spielen, im Regelfall jünger als wir selbst. Das sind diejenigen, die Zeit haben, zu Konzerten zu gehen und Bands auszuprobieren. Leute in meinem Alter hören irgendwann auf, sich akribisch zu informieren und jede neue Gruppe zu testen. Sie halten sich eher an das, was sie kennen. Verschiedene Stile in seinen Songs zusammen zu bringen, kann diesbezüglich von Vorteil sein. Denn so entdecken die Leute im Zweifel immer etwas, das sie kennen. Unsere Hörer bauen eine Beziehung zu uns auf, weil sie ähnliche Probleme, Sichtweisen und Vorlieben teilen und wir uns einfach verstehen. Das wird mir immer dann deutlich, wenn ich im Internet Tipps zu Büchern, Spielen, Nachrichten oder ähnlichem gebe. An den Kommentaren sehe ich, dass die Leute, die mir folgen, wie ich selbst sind. Deshalb weiß ich, dass sie unsere Musik und Texte auch so aufnehmen, wie wir sie meinen und fühlen. Ich habe bereits darüber gesprochen, dass wir darauf aus sind, uns selbst zu beeindrucken. Wenn unsere Hörer wie wir drauf sind, gelingt uns das auch mit ihnen. Ich mag den Gedanken, dass ich selbst im Publikum stehe und mir bei der Show zusehe. Da ich weiß, dass ich mich selbst überprüfe, gebe ich alles, um mich von mir selbst zu überzeugen. Macht das Sinn?“

 
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