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Benighted

Storie von: arne, am 01.03.2017 ]

Die Franzosen legen mit „Necrobreed“ ihr achtes Konzeptwerk auf. BENIGHTED präsentieren sich gewohnt hemmungs- und schonungslos, wenn sie ihren Extrem-Mix aus Brutalo-Death und Grindcore inszenieren. Neben Unmengen an Blastbeats und Killer-Riffs erklingen dabei auch Monster-Grooves, ängstigende Atmosphären und bedrohliche Samples. Anders formuliert: der ganz normale Wahnsinn.

 
„Was wir spielen, ist schon ein wenig verrückt und speziell,“ stimmt Frontmann Julien Truchan zu. „Dass diese Art rasanter und gewalttätiger Musik nichts für jeden ist, liegt auf der Hand. Dasselbe gilt aber auch für mein zweites großes Hobby, Rugby. Viele denken, diese Sportart sei nur etwas für masochistische, dumme Barbaren. Doch das stimmt so nicht. Was müsste ich für eine Person sein, wenn das zuträfe? Für mich verhält es sich eher so, dass wir mental Jugendliche geblieben sind, die mit ihren Hobbies Spaß haben wollen und mit der Band für sich etwas gefunden haben, mit dem sie ihre Energie und Wut ausleben können. Wichtig ist es mir, darauf hinzuweisen, dass wir nicht bloß Tracks spielen, sondern für BENIGHTED die Qualität des Songwritings einen hohen Stellenwert besitzt. Für extreme Metal-Alben ist nichts tödlicher, als dass man das Gefühl hat, einem 40-minütigen Endlos-Track zu lauschen, an den man sich hinterher nicht erinnern kann. Deshalb ist es unser Ziel, solch starke Songs zu schreiben, dass jeder von ihnen ein Album-Opener sein könnte.“

Am kompromisslosen Sound ändert das jedoch nichts: „Für mich stellt BENIGHTED die klangliche Entsprechung einer psychischen Krise dar,“ beschreibt es der Shouter. „Unsere Musik ist unberechenbar und weist gruselige Passagen auf, die sich mit schnellen, brutalen abwechseln. Dazu gesellen sich Chöre, die man augenblicklich im Ohr behält, denn wir versuchen, unsere Hörer in die Untiefen ihrer Psyche zu führen. So, als wären sie Teil eines für sie realen Horrorfilms oder Halluzinationen ausgesetzt, so dass sie nicht länger wissen, was wahr oder falsch ist. Die Reaktionen auf unseren Konzerten zeigen mir, dass wir dieses Ziel erreichen.“ Den Franzosen ist zudem wichtig, dass jedes ihrer Alben einen eigenständigen Charakter besitzt. „Necrobreed“ folgt dieser Maßgabe: „Wir schreiben unsere Stücke zunächst instinktiv,“ erzählt Julien. „Aus dem neuen Line-Up heraus haben sich schnell tolle Ideen ergeben. Schwieriger war es schon, aus der Vielzahl der Ansätze diejenigen zu bestimmen, mit denen wir weiter arbeiten wollten. Manu, unser neuer Gitarrist, ist eine unglaubliche Riff-Maschine. Unsere Songs profitieren von seiner frischen Brutalität ungemein. Im Ergebnis steht etwas, das unsere Death Metal-Wurzeln mit einem verrückten Moment verbindet. Ein solch schnelles und gleichzeitig abwechslungsreiches Album gab es von uns noch nicht. Dass der Gitarren-Sound klassischer gehalten ist und an den schwedischen Old School-Death Metal angelehnt ist,


sollte genau so sein. Das passt hervorragend zur Atmosphäre, die uns für „Necrobreeed“ vorschwebte.“

BENIGHTED haben es bewusst darauf angelegt, ein Album zu schaffen, das einem musikalischen Horror-Roman oder -Film gleichkommt: „Neben den brutalen und gruseligen Akzenten gibt es auch überraschende Wendungen, die man nicht kommen sieht,“ freut sich der Frontmann. „Das Unvorhersehbare besitzt für unsere musikalische Identität einen hohen Stellenwert. Auch deshalb ist es so wichtig, dass wir richtige Songs schreiben. Hierbei hilft es sicherlich, dass wir es in keiner Richtung übertreiben. Wir sind keine technische Band, obwohl wir unsere Fähigkeiten demonstrieren. Uns geht es primär darum, auf effektive Art und Weise schnell, brutal und groovig aufzuspielen.“ Technik ist den Musikern ein Mittel zum Zweck, wobei die Beteiligung von Schlagzeuger Romain Goulon (ex-Necrophagist) positiv auffällt, da er verspielt und präzise in Erscheinung tritt. Das Konzept des achten Longplayers der Franzosen lohnt ebenfalls einen zweiten Blick:

„Es hat bei uns Tradition, dass alle Alben auf einem Konzept basieren,“ führt Julien ein. „„Necrobreed“ erzählt die Geschichte eines schizophrenen Mannes, der allein lebt, glaubt schwanger werden zu können und eine Familie gründet, die aus toten Tieren besteht, die er am Straßenrand findet. Dazu muss man wissen, dass ich als Pfleger in der Psychiatrie arbeite. Einer meiner Patienten weiß nicht, ob er Mann oder Frau ist. Wann immer er Bauchschmerzen hat, glaubt er, schwanger zu sein. Das Album greift das auf und erzählt von einem wahnhaften Mann, der sich tote Tiere in seinen Bauchraum näht. Wenn er aufgrund der unvermeidlichen Infektion Wärme in seinem Bauch spürt, denkt er, etwas Lebendiges sei in ihm. Dann öffnet er die Nähte und gewährt dem „Baby“ Platz in seinem Haus. Die Songs zeichnen sein Leben und seine Kindheitstraumata nach, die zu diesem Delirium geführt haben. Auf einer zweiten Wirkungsebene erzählt „Necrobreed“ vom durch die sozialen Netzwerke veränderten, modernen Verständnis von „Familie“ und „Freunden“. Zuneigung und Liebe werden mit „Likes“ gezeigt, während man allein für sich hinter dem Computer oder Smartphone sitzt und den anderen gar nicht real vor Augen hat oder kennt. Trifft man sich dann doch, wissen viele schon gar nicht mehr, wie man miteinander redet, Zeit verbringt und Spaß hat. Im Internet ist es sehr leicht, jemanden zu löschen. Dann ist er einfach weg, als ob es ihn nie gegeben hätte. Für mich ist das beunruhigend.“

 
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