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First Blood

Storie von: arne, am 14.02.2017 ]

Die Band um Frontmann Carl Schwartz steht für Metal-Hardcore der alten Schule. Toughe Sounds und klare, kritische Botschaften besitzen für das Spiel von FIRST BLOOD dieselbe Wichtigkeit. Das Quintett zeigt sich auf beiden Ebenen schonungslos und im Zusammenspiel rabiat verdichtet. „Rules“ ist dabei mehr als nur ein Titel und fungiert als Leitmotiv. Jedes der zwölf Stücke greift einen anderen Aspekt auf, wo uns im Alltag Regeln begegnen, wie sie wirken und was man gegen sie tun kann.

 
„Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren vegan und Straight Edge,“ erzählt der Shouter, der aus der Bay Area stammt, jedoch schon geraume Zeit in Schweden lebt. „Die Philosophie eines bewussten und selbstbestimmten Lebens spiegelt sich deshalb unweigerlich auch in unseren Alben wider. Für aktuelle Ereignisse und die Weltpolitik interessiere ich mich sehr. Als metallische Hardcore-Band kann man die Kämpfe auf der Welt und aktuelle Problemfelder mit einem nachhaltigen musikalischen Eindruck aufgreifen und thematisieren. Letztlich geht es mir darum, eigene Überzeugungen zu entwickeln und diese klar zu formulieren, um meinen Platz in dieser Welt zu definieren und zu finden.“

Obwohl sich die Hardcore-Szene insbesondere in den letzten Jahren und seit Erscheinen von „Silence Is Betrayal“ stark verändert hat, stellt der frühere Bassist von Terror und Sworn Vengeance seinen politisch gefärbten Ansatz nicht infrage: „So wie ich es wahrnehme, gab und gibt es im Underground zu jeder Zeit eine hinreichend große Zahl von Kids, die auf Basis eines wachen Bewusstseins und kritischen Veränderungswillens eine Gemeinschaft Gleichgesinnter bilden. Vielleicht schaffen wir es nicht, den Lauf der Welt zu beeinflussen, doch das ist ohnehin kein realistisches Ziel. Deshalb ist es umso wichtiger, bei uns selbst zu beginnen, mit Familie und Freunden über kontroverse Themen zu diskutieren und dem eigenen Umfeld ein Vorbild zu sein. Die Dinge und Menschen ändern sich. Das ist ein Fakt, mit dem man leben muss. Viele der Kids, die in unseren frühen Jahren vegan, Straight Edge und rebellisch waren, sind längst nicht mehr Teil der Szene. Dafür gibt es aber eine neue Generation an Kids, die nicht minder frustriert und getrieben ist, als die anderen es damals waren.“

Wut und Aggressionen lassen sich in der Hardcore-Szene weiterhin gut ausleben: „Ich persönlich beschäftige mich ausschließlich mit Gruppen, die auch etwas zu sagen haben,“ äußert Carl. „Wenn sich Bands primär auf den musikalischen Aspekt beschränken, sind sie nichts für mich. Das gilt aber nur für mich. Ich kann durchaus nachvollziehen, warum man das tut. Allerdings bin ich in einer Zweit groß geworden, in der im Hardcore die Texte wichtig und eine Haltung gegen das Establishment sowie Kritik an der Gesellschaft gang und gäbe waren. Vielen reicht es heute schon, dem Druck und den Strapazen von Schule, Jobs, Rechnungen und Verantwortlichkeiten für die Zeit zu entkommen, die sie eine Platte hören oder


ein Konzert besuchen. So können sie Dampf ablassen. Doch selbst im Underground existieren Regeln und Codes, denen wir bewusst oder unbewusst unterworfen sind. Unabhängig zu sein und frei zu leben, ist das Konzept, mit dem sich „Rules“ auseinander setzt.“ FIRST BLOOD teilen auf ihrem Drittwerk heftig aus:

„Am Anfang und Ende von „Rules“ steht dieselbe angepisste und enttäuschte Attitüde,“ fasst der Shouter zusammen. „Mein primäres Anliegen ist es gewesen, all meine Frustration und Wut in diese Songs zu packen. Damit ich die Musik ohne Ablenkung am Stück schreiben konnte, habe ich mich für sechs-sieben Wochen im Studio eingeschlossen. Das folgende Jahr habe ich an den Texten und der Botschaft gearbeitet.“ Seine Worte wählt der Carl Schwartz mit Bedacht und Absicht: „Ich frage mich immer, ob meine Gedanken oder Meinungen wichtig genug sind, um in Musik und Texte überführt zu werden. Ist das der Fall, tue ich es. Welchem Background die Band stilistisch entstammt, ist bekannt und offensichtlich. Hinsichtlich der Themen, die ich aufgreife, sehe ich mich jedoch keinen Einschränkungen unterworfen. Eigentlich nicht einmal, was die musikalische Ausgestaltung des Soundtracks anbelangt, der meine Worte begleitet. Vom Start weg sind wir heavy und aggressiv gewesen. Als ich die Songs des neuen Albums geschrieben habe, befand ich mich an einem düsteren Tiefpunkt in meinem Leben. Der „Moshpit-Kung-Fu-Fokus“ von vor 15 Jahren hat zu dieser Situation nicht so recht gepasst. Dennoch habe ich wieder mein ganzes Herzblut in diese Platte gesteckt und mir für die Vocals die Lunge aus dem Leib geschrien. Für mich zählt vor allem, dass alle Songs ernsthaft und aufrichtig ausfallen.“

Nach einer 15-jährigen Karriere geben sich FIRST BLOOD ungebrochen kämpferisch und engagiert: „Ich möchte mein Fazit auf das Folgende herunter brechen: Selbst, wenn man alles daran setzt, die Welt zu verändern, wird man es alleine nicht schaffen,“ zeigt sich Carl realistisch. „Man kann einzig und allein bei sich selbst anfangen. Der Lebensweg eines Menschen ist von Fehlern und Feinden gepflastert, die einem Steine in den Weg legen. Man verliert eine Menge, ob nun Freunde, Familie, was auch immer. Wer sich jedoch für nichts aufopfert oder nirgends einbringt, kann im Gegenzug auch nichts erwarten. Das Leben bewirft einen unweigerlich mit Schmutz. Egal, was man tut. Deshalb sage ich – Mein Leben, meine Regeln. Ich lasse mir nichts von irgendwelchen Idioten vorschreiben.“

 
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