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Smoke Blow

Storie von: arne, am 02.07.2003 ]

Vor einigen Jahren habe ich Smoke Blow live zusammen mit ihren Kieler Kollegen Bonehouse gesehen. Damals kannte ich kein Release der Band und nahm auch nur eine Handvoll ihrer Songs mit. Vielleicht hätte ich mir ihr gesamtes Set anschauen sollen. Zu spät. Dieses Jahr fiel mir ihr vierter Output “German Angst“ in die Hände und ich war schlichtweg geplättet. Erschienen auf Nois-O-Lution, ist das Album ein absoluter Brecher, den man wohl am ehesten als einfach geniale Mischung aus Punk, gehörig viel Rock’n’Roll, Heavy Metal und auch einer guten Portion Proll beschreiben kann.

 
Die zwölf Songs kommen sehr direkt und ungemein heavy rüber. Immer wieder finden sich wahre Hymnen und an jeder Ecke kleine Feinheiten, die erst Stück für Stück ein super-rundes und vollgepacktes Album preisgeben. Woran es liegt, dass Smoke Blow noch immer nicht viel mehr als ein Geheimtipp sind, kann ich nicht sagen. Die Kieler ist richtig klasse und haben hörbar auch das Potenzial eine breitere Hörerschaft anzusprechen. Immerhin füllten sie das Berliner Silverwings, was längst keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht gibt es wirklich so etwas wie die “German Angst“, von der Fabrizio und Greif im Interview sprachen. Gute deutsche Bands stehen im eigenen Land noch immer nicht so hoch im Kurs wie schlechtere aus den Staaten oder sonst woher. Traut euch, “Made in Germany“ gilt doch gemeinhin als Quälitäts-Garant; warum nicht auch mal bezogen auf Musik? Mit dem neuen Album präsentieren sich Smoke Blow erstmals als Sextett; heißt, dass neben Letten jetzt auch MC Strassenköter am Mikro wirkt. Live wie auf Platte kommt diese Mischung sehr gut.

Doch der Reihe nach, zunächst sprach Fabrizio über den schweren Stand der Band, die noch immer nicht viel mehr als ein sehr zeitintensives Hobby, also eine Wochenendband ist: „Ja, das stimmt so. Viel kommt finanziell bei der Band nicht rum, und die Kohle, die wir verdienen, stecken wir sofort wieder in neues Equipment, oder wir kaufen neue T-Shirts und so weiter. Ich muss meine Drum-Sticks jedenfalls immer noch selber zahlen.“ Vielleicht hat sich das nach meinem Interview Ende Februar geändert, denn "German Angst“ wurden von der Musik-Presse sehr wohlwollend aufgenommen, schon damals, und seine Wirkung erzielt das ja immer erst einige Zeit später. Dennoch war schon damals unübersehbar, dass die Songs nahezu durchweg auf breiten Zuspruch gestoßen waren. Die Band selbst stand dem eher skeptisch gegenüber:

„Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass solche Auszeichnungen wie etwa Schönheit der Ausgabe, die wir in der Visions bekommen haben, so viel bringen. Payola, gute Kumpels von uns, bekamen den Titel auch mal, mehr Platten haben sie aber trotzdem nicht verkauft. Um wirklich von der Musik leben zu können muss schon ein bisschen mehr passieren, und ich denke nicht, dass das in absehbarer Zeit der Fall sein wird.“ So pessimistisch sollten die Jungs eigentlich an die Sache gehen, denn dazu besteht kein Anlass. Ich hatte schon im Vorfeld gelesen, dass sich die Musiker über die Stoner- Einordnung ihrer Band ziemlich ärgerten. Mit der neuen Platte wollten sie das scheinbar schon im Vorfeld ausschließen, denn "German Angst“ ist sehr hart, auch eingängig, aber alles andere als Stoner. Greif reagiert auf die Frage dennoch energisch:

„Ach, diese Schwachsinns-Vergleiche; wir waren niemals eine Stoner-Band.“ ...und doch las man das Wort immer wieder in bezug auf Smoke Blow. In meinem Nichtwissen hatte ich die Kieler gedanklich auch in dieser Ecke verankert, bis mich das Album eines Besseren belehrte. Die Band jedenfalls fühlte sich verkannt: „Ja, das nervte gewaltig, aus dieser Schublade wollten wir unbedingt weg, weil da einfach Vergleiche kamen, die wirklich blöd waren. Wenn überhaupt, waren wir mal eine psychedelische Rock-Band, aber nie Stoner.“ Genug davon, zumal die neue Platte, wie gesagt, dieses Problem nicht mehr mit sich bringt. Vielmehr fällt schnell auf, dass Smoke Blow ungemein eigen klingen und einem kaum bzw. keine Vergleiche einfallen. Ein größeres Kompliment kann man einer Band sicherlich nicht machen, aber wie beschreibt man das Treiben jemandem, der die Band noch nicht kennt? „Ja, das ist doch klasse; wir machen eigentlich nichts neues, denn alles, was wir spielen, haben andere auch schon vor uns gespielt, aber wir sorgen dafür, das es etwas


eigenes wird, das nach Smoke Blow klingt und nach niemand anderem. So was traut sich ja heute fast niemand mehr. Wir schon. Die Leute schielen alle in die USA und kopieren, was die Bands dort machen. Keiner zieht mehr sein eigenes Ding durch.“

Und kaum einer würde hierzulande sein Album "German Angst" nennen. Die Kieler tun es dennoch: „Genau, eine amerikanische Band bringt so was vielleicht, aber von einer deutschen erwartet man das nicht.“ Dennoch steckt mehr als nur bloße Provokation hinter dem Titel, was aber nicht unbedingt sofort ersichtlich ist: „Hierzulande kaufen die Leute eben lieber die Scheiben von amerikanischen Bands als von deutschen. Wenn sie wählen müssen zwischen einer hiesigen Platte und einer aus den USA, nehmen sie im Laden fast immer die aus den Staaten. Keine Ahnung, warum das so ist, aber wir nennen das "German Angst" - die Angst der Deutschen, eine Platte aus ihrem eigenen Land zu kaufen. Wären wir Amis oder von mir aus auch Skandinavier, hätten wir bestimmt schon viel mehr Scheiben verkauft.“ Das kann gut sein, aber wie passt der Tanker auf dem Cover ins Bild:

„Unser Sänger Letten hing ewig mit unserem Grafiker am Computer rum und hat sich mit ihm unzählige Bilder-Datenbanken angeschaut. Irgendwann hatten sie dann den Tanker, und Letten wusste gleich: Das ist es! Das ist krank, groß, irgendwie bescheuert. Das passt perfekt.“ In punkto Volumen und Heaviness sehe ich da wirklich eine Verbindung und inzwischen gefällt mir das Artwork auch, anfangs war das anders. Wo nun Letten schon im Gespräch war, musste die nächste Frage unweigerlich auf den witzigen Frontmann von Smoke Blow abzielen; steht er doch quasi synonym für die Band: „Klar, aber dafür ist er ja auch unser Frontmann und steht im Mittelpunkt des Interesses. Da erwartet man auch von ihm, dass er was bringt und die Erwartungen erfüllt er verdammt gut.“ In Sachen Entertainment ist Letten wirklich gut dabei. Ernst nehmen darf man ihn dabei aber nur bedingt:

„Viele Bands nehmen sich so unglaublich ernst, das ist echt schlimm. Dabei ist das doch nur Punkrock und der soll Spaß machen. Wenn Leute auf unsere Shows kommen, sollen sie schwitzen, es soll laut und geil sein, damit sie hinterher nicht sagen, dass sie sich zu Tode gelangweilt, sondern stattdessen wirklich was erlebt haben. Dann kommen sie das nächste mal auch wieder und bringen ihre Freunde mit.“ Den Animations-Part teilt sich Letten nun aber mit MC Strassenköter: „Naja, Straßenköter hängt ja schon ewig mit uns zusammen ab, als Mercher, enger Freund und so weiter und da Letten gerne mehr singen wollte, bot es sich halt an, dass Straßenköter die geschrieenen Parts übernimmt, und ich denke unserem Sound tut es echt gut zwei Sänger zu haben.“

Neben dem zweiten Frontmann ist auch das Label neu. Nois-O-Lution war bei mit in der Vergangenheit nicht unbedingt für härteren Rock bekannt, aber vielleicht war gerade das für Smoke Blow interessant: „Die Philosophie vom Label ist es sich stilistisch zu diversifizieren; in jedem Segment aber nur die besten Bands zu verpflichten. Da sind wir natürlich die erste Wahl wenn es um Punkrock geht. In anderen Bereichen haben sie mit Firewater oder Scumbucket ja schon sehr geile Bands.“

Mit Guido Lukas war zudem ein Produzent am Werke, der eher mit frikligen Bands zusammenarbeitet, die ehr schwer mit Smoke Blow vergleichbar sind: „Ja, das stimmt wohl, aber er hatte Bock drauf. Wir auch, also haben wir es gemacht und im Nachhinein können wir nur jedem empfehlen auch zu ihm und in die Blu-Box-Studios zu gehen. Guido ist verdammt cool drauf, hat gute Ideen und lässt dir freie Hand, und zudem sieht sein Studio genauso versifft aus wie unser eigenes in Kiel, wo wir etwa die Hälfte der Platte aufgenommen haben.“

 
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