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Six Feet Under

Storie von: arne, am 30.01.2017 ]

Im Line-Up der Death Metal-Kapelle sind regelmäßig Wechsel zu verzeichnen, wobei der markante Sänger Chris Barnes als Konstante und verbindender Faktor zwischen den Veröffentlichungen der Gruppe fungiert. Die Gleichung Chris Barnes = SIX FEET UNDER besitzt seit 1993 Gültigkeit – und natürlich auch hinsichtlich „Torment“, dem zwölften regulären Album der US-Kombo.

 
Zuletzt ist das im Kontext der „X-Mas In Hell Tour 2016“ deutlich geworden. Nachdem die neue Platte im Studio fertiggestellt war, haben SIX FEET UNDER ihr 1995er Debüt „Haunted“ live am Stück umgesetzt: „Im Vorfeld des Jubiläums haben etliche Leute darum gebeten, dass wir etwas Spezielles machen. Die Europa-Tour war dafür die optimale Gelegenheit,“ erzählt Chris. „Einige der Stücke gehören von jeher zu unserem Live-Set, so dass sie uns nie fremd geworden sind. Die Leute haben bis heute Spaß an ihnen. Ein Album in voller Länge auf die Bühne zu bringen, ist allerdings eine Geschichte für sich. Für mich war dabei besonders spannend zu sehen, wie die Songs im aktuellen Line-Up funktionieren. Probleme habe ich aber zu keiner Zeit erwartet. Denn egal, wer gerade Teil von SIX FEET UNDER ist, es sind stets professionelle Musiker, die wissen, was sie tun und die sich auch der älteren Stücke schnell annehmen. Für mich ist es aufregend, die Songs mit anderen Musikern zu spielen. Das hält sie auch für mich frisch, denn jeder interpretiert die Tracks ein bisschen anders, ohne ihr Wesen zu verändern.“

Auch der Kontrast zum aktuellen Material bringt Spannung mit sich: „Erst kurz zuvor haben wir die Arbeit an unserem neuen Studio-Album beendet,“ bestätigt der frühere Frontmann von CANNIBAL CORPSE und TORTURE KILLER. „Anschließend habe ich bewusst eine kleine Pause eingebaut, denn es schien mir unmöglich, direkt mit den Proben unseres Debüts fortzufahren. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die neuen Songs, die Jeff (gemeint ist Gitarrist/Bassist Jeff Hughell (auch RECIPROCAL sowie ex-VILE/BRAIN DRILL)) und ich geschrieben haben, sind intensiv und heftig. Wir haben Wert auf größtmögliche Variabilität und wahrnehmbare Veränderungen innerhalb des Albums gelegt. Neben der obligatorischen Brutalität passiert eine Menge; die Gegensätze zwischen den einzelnen Passagen sind stark ausgeprägt. Sich nach der aufreibenden Arbeit an „Torment“ in die Zeit von „Haunted“ zurück zu versetzen, war herausfordernd. Meine Vocals habe ich damals noch ganz anders eingearbeitet. Inzwischen setze ich meine Stimme bewusster und langsamer ein, was eine ganz andere Physis erfordert. Die Texte an sich schreibe ich aber auch heute noch auf eine ähnliche Art und Weise. Meine Entwicklung rekapituliert zu haben, ist für mich die wesentliche Erkenntnis aus der intensiven Beschäftigung mit „Haunted“. Heute bin ich keine 25 Jahre mehr alt. Doch wann immer ich Texte schreibe oder Songs aufnehme, versetze ich mich in eine andere Geisteshaltung und lebe mich voll aus. In dieser Hinsicht hat sich seit dem Debüt doch nicht viel verändert. SIX FEET UNDER bietet mir schon seit mehr als zwanzig Jahren die Gelegenheit, mich auszutoben, wofür ich dankbar bin. Im Rückblick ist es sogar ein Glücksfall, dass ich bei CANNIBAL CORPSE heraus


geflogen bin. Seither kann ich tun, was immer ich will und den Death Metal weiter führen, als es mir mit dieser Band möglich gewesen wäre.“

Seine exponierte Stellung als einer der bekanntesten Shouter im Extrem-Zirkus verdankt der Frontmann mit der markanten Stimme der Beteiligung an beiden Gruppen. Schon aufgrund der Verkäufe von SIX FEET UNDER kann sich Chris Barnes aber als vierterfolgreichster Death Metal-Shouter bezeichnen: „An meiner Wand hängen goldene Schallplatten – für jedes unserer ersten vier Alben, also die bis 2001,“ entgegnet der Musiker mit Stolz. „Dass es sich um tatsächliche Album-Verkäufe handelt, bedeutet mir eine Menge; weit mehr als Download-Zahlen, über die heutzutage gesprochen wird. Aus meinen CANNIBAL CORPSE-Tagen habe ich sogar eine Platin-Schallplatte, aber auch weitere goldene. Vor Jahren hat mir jemand gesagt, ich sei der Death Metal-Frontmann mit den meisten Platten-Verkäufen, wenn man CANNIBAL CORSPE und SIX FEET UNDER zusammen zählt. Als ich das hörte, war ich baff und fühlte mich sehr geehrt. Das erfüllt mich mit Demut und Dankbarkeit. Ich arbeite jeden Tag hart daran, mein Level zu halten und mich weiter zu beweisen.“ Der Schlüssel zum Genre übergreifenden Zuspruch liegt nicht zuletzt darin, dass SIX FEET UNDER auf einen belastbaren Old School-Sound setzen, der bei genauerem Hinhören nicht ausschließlich auf den Death Metal beschränkt ist:

„Auf unseren Touren sehe ich parktisch jeden im Pit – von Skins und Punks über New School-Kids bis hin zu Metalheads,“ bestätigt Chris. „Das freut mich und so muss es meiner Meinung nach auch sein. Ich selbst höre die unterschiedlichsten Stile, die sich mehr oder weniger deutlich in unseren Songs wiederfinden. Ich bin auch mit CRO-MAGS, AGNOSTIC FRONT, D.R.I., etc. aufgewachsen und habe nicht nur KREATOR, SLAYER, MOTÖRHEAD, VOIVOD oder VENOM gehört. Es ging bunt durcheinander. Seitdem ich eigene Songs schreibe, ist es mein Ziel, all das zusammen zu bringen und Gleichgesinnte zu finden, mit denen ich das tun kann. Wenn man sich ein Album wie unser „Warpath“ von 1997 anhört, ist der Hardcore-Einschlag doch sehr deutlich. Es ist geradlinig und roh, auch wenn es im Kern Death Metal darstellt.“ Noch bildhafter drückt es der Frontmann wie folgt aus:

„Mein Arsenal an Waffen ist gut bestückt. Ich habe die Qual der Wahl. Mal nutze ich das Maschinengewehr, mal das Kampfmesser. Es kommt auf die jeweilige Situation an,“ weiß Chris Barnes. „Wir gehen der Konfrontation nicht aus dem Weg, doch verstehen uns darauf, uns den Gegebenheiten anzupassen. Damit meine ich, dass alles seine Zeit hat. Es kann sinnvoll sein, zu einem Zeitpunkt simpel strukturiert vorzugehen und beim nächsten Mal ungleich komplexer. Ich schätze es, ein Stück weit unberechenbar zu agieren und mit SIX FEET UNDER nicht immer dasselbe zu tun.“

 
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