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Nailed To Obscurity

Storie von: arne, am 15.01.2017 ]

TYPISCH DEUTSCH!? Die Niedersachsen von NAILED TO OBSCURITY bemühen einen Mix zwischen Melo-Death und Doom-Rock, um ihr stimmungsvolles Drittwerk „King Delusion“ auszuarbeiten. Der düster-atmosphärische Heavy-Kosmos des Quintetts ist ganzheitlich und organisch angelegt; verschleiert die Herkunft der Band geschickt.

 
Es ist kein Zufall, dass die Norddeutschen vorab den Song ausgekoppelt haben, nach dem der Longplayer benannt ist: „Der Titel-Track repräsentiert das Album meiner Meinung nach sehr gut. Deshalb haben wir ihn auch als Single und Opener gewählt,“ erläutert Gitarrist Jan-Ole Lamberti. „Ob es ein Stück auf ein Album schafft, merken wir ganz einfach daran, wie gut er uns selbst beim Songwriting gefällt. Wenn uns schon der Ansatz nicht von Anfang an überzeugt, dann schreiben wir an dem Teil gar nicht erst weiter. Was uns nicht sofort umhaut, wird verworfen. Was da genau den Ausschlag gibt, kann ich gar nicht sagen. Wir versuchen, die Songs immer auch aus Sicht der Hörer zu betrachten. Ein wichtiger Teil des Songwritings ist bei uns tatsächlich, dass wir uns unsere Demos intensiv anhören, ohne dass wir selbst dazu spielen. Ein Song ist dann fertig, wenn jeder in der Band zu 100 Prozent von ihm überzeugt ist. Mehr ist es eigentlich gar nicht.“

Losgelöst von Stilfragen verfolgen NAILED TO OBSCURITY eine verbindende Ästhetik, die sich unterschwellig durch Musik und Auftreten der Band zieht: „So etwas haben wir schon,“ bestätigt der Gitarrist. „Mir fällt es allerdings schwer, dies in Worte zu fassen und zu beschreiben. Wir sind uns aber im Klaren darüber, was zu uns passt und was nicht, was unseren Sound ausmacht, etc.“ Das reicht über den Wirkungsrahmen der bloßen Songs hinaus, wie Sänger Raimund Ennenga ergänzt: „Letztlich ist es für uns wichtig, dass die Musik selbst bereits Bilder erzeugt. Das macht es umso wichtiger für das Artwork, genau diese Bilder perfekt zu transportieren. Im Falle von „King Delusion“ könnten Artwork, Musik und Texte kaum wirkungsvoller einher gehen.“ Es überrascht weiterführend nicht, zu erfahren, dass die Niedersachsen auch die Live-Tauglichkeit im Blick behalten:

„Es war uns schon immer wichtig, dass wir unsere Songs möglichst 1:1 live umsetzen können,“ so Jan-Ole Lamberti. „Es gibt wenige Details, die live nicht exakt so funktionieren. Eigentlich schreiben wir nichts, was für uns unspielbar ist, denn das würde uns auf der Bühne den Spaß nehmen. Außerdem schreiben wir unsere Songs immer zusammen im Proberaum und dadurch merken wir sofort, was funktioniert und was nicht.“ Nicht nur beim kreativen Arbeiten setzen NAILED TO OBSCURITY auf die Kraft ihrer Fünfer-Besetzung: „Es ist uns schon immer wichtig gewesen, dass alle gleichberechtigt sind,“ führt der Gitarrist aus. „Wir sind eine sehr demokratische Band, was die Dinge oft verkompliziert. Doch wir alle stecken viel Arbeit, Zeit und Herzblut in die Band. Deshalb soll sich auch jeder einbringen können. Wir sind meist schnell einer Meinung oder kommen zumindest nach längeren Diskussionen zu gemeinsamen Entscheidungen. Dazu muss jeder Kompromissbereitschaft mitbringen oder sich auf Diskussionen einlassen. Das


ist nicht immer einfach, aber nur so funktioniert es für uns. Wir alle sind eng miteinander befreundet und haben die gleichen Ziele und Prioritäten, was die Band betrifft. Das ist ein weiterer, wichtiger Punkt. Das war aber nicht immer so. Es hat lange gedauert, bis das jeder für sich herausgefunden und klar definiert hat.“

Inzwischen ist die Stoßrichtung klar, was auch für den gewählten Sound und dessen Entwicklung gilt: „Wenn wir an einem Album arbeiten, gibt es natürlich einen Masterplan,“ verrät Jan-Ole. „Wir haben grobe Vorstellungen davon, in welche Richtung es gehen soll und welche Elemente für unseren Sound wichtig sind. Innerhalb dieses Rahmens passiert dann alles instinktiv. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir uns eher von unseren Gefühlen leiten lassen, anstatt beim Songwriting nach irgendwelchen ausgelutschten Formeln zu handeln.“ Über ihre bisherigen Veröffentlichungen hinweg haben sich die Norddeutschen zu einem ausbalancierten, songdienlichen Heavy-Sound vorgearbeitet, der im Fall von „King Delusion“ breites Identifikationspotenzial und Wiedererkennbarkeit auf sich vereint: „Ich würde schon sagen, dass das größtenteils bewusst passiert ist,“ rekapituliert der Gitarrist. „Uns war relativ schnell klar, was wir bei diesem Album anders und besser machen wollten und das haben wir dann getan. Beim Songwriting-Prozess zu „Opaque“ befanden wir uns noch in einer Findungsphase, weshalb alles etwas planloser lief. Dieses Mal wussten wir schon von Anfang an, was für uns funktioniert und dass es einfacher sein würde, mehrere Songs parallel zu schreiben, anstatt sich immer nur an einem abzuarbeiten, bis er fertig ist. Es gab viele solcher Details, die dazu geführt haben, dass wir unsere Grundidee viel besser umsetzen konnten, als das bei „Opaque“ der Fall war.“

Die qualitative Steigerung kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn das Interesse an NAILED TO OBSCURITY zieht an: „Beim letzten Album waren wir nicht wirklich international aufgestellt,“ gibt Gitarrist Jan-Ole Lamberti zu. „Im Ausland hatten wir nahezu keine Presse und auch nur wenig gespielt. Anhand der Reaktionen auf unseren Social-Media-Kanälen und der internationalen Presse-Anfragen habe ich das Gefühl, dass wir mit dem neuen Album eine Chance haben, für mehr Aufsehen zu sorgen. Seit der Veröffentlichung des Videos zu ,King Delusion‘ haben wir schon mehrfach gehört, dass wir nicht wie eine typisch deutsche Band wirken. Das finde ich ganz interessant, denn das hat uns vorher nie jemand gesagt.“ Sänger Raimund Ennenga indes wäre interessiert daran, zu erfahren, wie die Niedersachsen im hohen Norden aufgenommen werden: „Unsere musikalischen Einflüsse stammen zu einem großen Teil aus Skandinavien, weshalb es für uns wirklich spannend wäre, genau dort zu spielen. Dort hat unsere Musik schließlich ihren Ursprung.“

 
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