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Miozän

Storie von: arne, am 10.01.2017 ]

Schon vor einiger Zeit haben die Niedersachsen ihre offizielle Reunion-Show gespielt. Nun melden sich MIOZÄN auch mit einer Comeback-Platte im aktiven Dienst zurück. „Surrender Denied“ transportiert jenen Old School-Hardcore mit hymnischer Punk-Kante, für den die 1991 gegründete Band bekannt ist.

 
„Es war nie geplant oder angedacht, dass wir uns als MIOZÄN jemals wieder zusammenraufen,“ stellt Frontmann Kuddel zum Auftakt klar. „Als 2009 unser Freund und Tour-Begleiter Billy ein Fest zu seinem Geburtstag anberaumte und anfragte, war es selbstverständlich, dass wir dort spielen. Da ging es aber nur darum, einem Freund die Ehre zu erweisen. Dass in Zusammenhang mit der Show gerade bei Frank und mir die alte Leidenschaft entfacht wurde, würde ich heute als schicksalhaft bezeichnen.“ Der Bassist nimmt die Steilvorlage auf: „Dass da noch eine Hardcore-Scheibe in mir schlummert, war mir schon 2009 klar, doch das es eine MIOZÄN-Scheibe wird, nicht. Und dass das nochmal sieben-acht Jahre braucht, auch nicht.“

In jedem Fall kehren die Niedersachsen unter ihrem eingeführten Namen nicht bloß für eine Tour oder ausgewählte Konzerte zurück, wie es bei vielen früheren Größen des US-Hardcore der Fall ist: „Ob es richtig und sinnvoll ist, dass MIOZÄN wieder da sind, sollen andere entscheiden,“ meint Kuddel. „Für uns persönlich ist es das aber, und nur das zählt für mich. Wer da partout nicht drauf kann, muss uns ja nicht hören. Mit dem Namen gab es tatsächlich eine kurze Diskussion, allerdings war schnell klar, dass Frank und ich, und das meine ich jetzt nicht selbstgefällig oder arrogant, die Band waren und sind. Die überwiegende Arbeit, Zeit, Schweiß und Kohle haben wir zwei eingebracht. Gegründet wurde der Haufen damals auch von uns – also eigentlich durch und durch unser Baby. Der Name an sich, völlig klischeefrei und für viele unaussprechlich, stand uns in den Jahren aber eher im Weg als er uns hat glänzen lassen.“

Für die Musiker ist „Surrender Denied“ ein immens persönliches Album: „Stolz und Freude überwiegen, und na klar sind wir auch gespannt, ob andere den Scheiß mögen. Auf der anderen Seite ist die ganze Entstehung der Scheibe so derb gefühlsüberladen und so hart dran an den letzten zwei Jahren, dass es mir egal wäre, wenn die Welt sie zerreißt. Sie hat meinem besten Freund und Bruder durch die härtesten Zeiten geholfen und auch mir so viel Kraft und Hoffnung gegeben, dass es für uns was ganz großes ist – vielleicht sogar unser Manifest für Kampfgeist, Willensstärke und aufrichtige Freundschaft. Wer zur Hölle sollte mir so etwas madig reden können!?“ Hier spielt der Sänger auf die bekannt gewordene Krebserkrankung des Bassisten an: „Das hat Frank nicht öffentlich gemacht, sondern ich. Ohne nochmal zu sehr darauf einzugehen, war es zunächst nur im engsten Freundeskreis bekannt. Wir haben


eine Menge getan, um Frank und seine Frau zu unterstützen. Nach der ersten Operation, die abgebrochen wurde, weil der Tumor „zu riesig“ war, habe ich zuhause gesessen und mir die Scheißaugen aus dem Kopf geheult. Mein ältester Freund, wir sind seit 30 Jahren eins, könnte sterben... Da war für mich der letzte, verzweifelte Schritt, für ihn um Support zu bitten. Hoffnung und Freude sollten ihn stärken und Kraft geben. Dass daraus eine solch große Welle der Solidarität wurde, hätte ich nie erwartet oder zu hoffen gewagt.“

Inzwischen ist Frank geheilt, woran die Musik und das Hardcore-Umfeld ihren Anteil haben: „Der Zuspruch und Support war gigantisch und hat mir jeden Tag einen positiven Kick gegeben. Es verging ja kein Tag, an dem nicht irgendwas bei mir eingetrudelt ist. Da blieb gar keine Zeit für negative Gedanken. Letzten Endes muss man durch sowas allein durchgehen, allerdings gibt solch ein Zuspruch einem die Kraft dazu. Und wenn man es wirklich will, kann man Berge versetzen und unmögliche Dinge möglich machen. Die Ärzte haben in meinem Fall gesagt, dass sie so etwas noch nicht erlebt haben. Das Schreiben der Songs war so etwas wie mein musikalisches Tagebuch. So war während der 20 Monate immer ein Ziel vorhanden. Die erste Show im Juni habe ich noch von der Intensivstation aus klargemacht. Kein Witz! Der Arzt, der mich operiert hat, kam nach der zweiten Operation ans Bett und sagte, dass dieses Mal alles super gelaufen ist; Tumor weg, künstlicher Darmausgang zurück gebaut, alles geil. Da war klar, dass ich gute Chancen habe, mein normales Leben zurück zu kriegen. Vollgepumpt mit Morphium habe ich die Show in Hamburg klar gemacht. Das war für mich das erste Etappenziel zum Gesundwerden. Wenn die Scheibe dann draußen ist, wird das Thema hoffentlich in den Hintergrund treten. Es ganz zu verdrängen, wird wohl aber nicht möglich sein.“

Deshalb formuliert der Bassist mit Blick auf die Comeback-Platte auch bescheidene Ziele: „Surrender Denied“ ist meine 13. Platte in 25 Jahren Musik. Da war nie Ruhe. Ich kann es mir gar nicht aussuchen. Wenn ich nicht in regelmäßigen Abständen meinen kreativen Output in Form von Songs raushaue, bin ich total unausgeglichen und kriege schlechte Laune. Das ist die Hauptmotivation. Unsere Attitüde war immer, den Kopf oben zu behalten, sich von nix und niemandem verarschen lassen und für die Dinge, an die man glaubt, zu kämpfen und einzustehen – „Surrender Denied“! Die Stoßrichtung für MIOZÄN 2016 heißt Spaß und eine gute Zeit haben und geile Shows spielen.“

 
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