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Gone Is Gone

Storie von: arne, am 06.01.2017 ]

Wenn Musiker mit Referenzen von Queens Of The Stone Age, Mastodon, At The Drive-In und Killer Be Killed eine neue Band gründen, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss. Wenig überraschend sind GONE IS GONE von Beginn an als Allstar-Kombo gehandelt worden, da das Line-Up aus Sänger/Bassist Troy Sanders, Gitarrist Troy Van Leeuwen, Schlagzeuger Tony Hajjar und Multi-Instrumentalist Mike Zarin besteht. Nach der selbstbetitelten Debüt-MCD stellt nun auch das erste Album „Echolocation“ heraus, dass es dem Vierer sehr wichtig ist, eine eigene Identität zu entwickeln und schlicht fesselden Rock zu spielen.

 
Die Beteiligten verfolgen einen bescheidenen Anspruch. Ihnen geht es um den kreativen Austausch und die gemeinsame Interaktion: „Wir respektieren und schätzen wir uns gegenseitig sehr,“ erzählt Band-Initiator Mike. „Wir kommen gut zusammen aus und haben gemeinsam viel Spaß. Deshalb gehe ich davon aus, dass es GONE IS GONE noch eine lange Zeit geben wird. Zumindest wüsste ich nicht, warum das nicht der Fall sein sollte. Wertschätzung und Respekt äußern sich im kreativen Arbeitsprozess darin, dass wir jedem Song und allen Ideen, die sich entwickeln, aufgeschlossen gegenüber stehen und wirklich allen Einfällen nachgehen. Jeder von uns bringt seine eigene Geschichte und Vorstellungen in unsere Musik ein. Ohne eine unvoreingenommene Grundhaltung zu unserem Spiel und den Willen, gemeinsam etwas Neues zu erschaffen, würden unsere Songs vermutlich eindimensional klingen. Doch das wäre uns zu wenig, denn dafür bräuchten wir die Band dann nicht.“

Zur Entstehungsgeschichte von GONE IS GONE gilt es zu wissen, dass Tony Hajjar und Mike Zarin zunächst zusammen kamen, um Soundtracks zu komponieren und gemeinsam zu experimentieren. Als sich andeutete, dass aus dem Projekt mehr erwachsen würde, ist zunächst Troy Van Leeuwen und später noch Troy Sanders zur Band gestoßen: „Das Spiel von GONE IS GONE stellt für mich eine Vermengung unterschiedlicher Perspektiven und Sichtweisen auf ein- und dieselbe Frage- oder Aufgabenstellung dar,“ ordnet Mike ein. „Wir vertrauen darauf, dass die Hörer sich eingehend mit unseren Ideen beschäftigen; uns als eigenständige Gruppe wahrnehmen und behandeln. Es wäre schade, wenn „Echolocation“ an den Veröffentlichungen der anderen prominenten Gruppen meiner Band-Mitglieder abgeglichen oder gemessen würde. Schließlich handelt es sich weder um eine bloße Vermischung ihrer Sounds noch um eine Platte, die mit anderen in irgendeiner Verbindung stehen würde. Wer darauf spekuliert, dürfte enttäuscht werden; im besten Fall überrascht sein. Unserem Selbstverständnis wird eine solche Sichtweise aber nicht gerecht. GONE IS GONE verfolgt einen eigenständigen Anspruch.“

Die Musiker lassen diesen Worten auf ihrem Vollzeit-Einstand Taten folgen. Die US-Kombo setzt auf einen sphärischen, Raum greifenden Klangkosmos, der eine organische, ganzheitliche Rockigkeit repräsentiert: „Mit unseren Songs und dem Album erzählen wir eine Geschichte, die wir in Musik überführt haben,“ erläutert Mike. „Diesem Verständnis folgend ist „Echolocation“ so etwas wie ein Soundtrack. Wenn wir unsere Hörer auf die eine oder andere Weise erreichen und sie für uns interessieren, sind wir zufrieden. Für mich ist es ein großes Kompliment, wenn Hörer unsere Musik als vorwärts gerichtet, inspirierend oder andersartig und interessant auffassen. Das sagt mir natürlich zu. Hinsichtlich GONE IS GONE schätzen wir gerade die Möglichkeit, im Unterschied zu unseren anderen Bands und Projekten, mit einem unkonventionellen Ansatz an die Musik heran gehen zu können und Einfälle in unseren Songs zu berücksichtigen, die niemand erwarten würde.“ Der mitschwingende Kopfkino-Ansatz kommt also nicht von ungefähr. Und auch der freigeistige, gelöste Eindruck, den das Spiel der Gruppe hinterlässt, ist mehr als nur Zufall:

„Wir befinden uns in der komfortablen Lage, dass wir die Musik zunächst tatsächlich nur für uns selbst schreiben,“ zeigt sich Mike erfreut. „Finden später Leute zu uns, die unsere Songs ebenfalls mögen, ist das für uns ein Bonus, auf den wir allerdings nicht spekulieren. Dies vorausgestellt, gibt es für GONE IS GONE absolut keinen Druck und auch keine Erwartungshaltung, der wir uns verpflichtet fühlen. Es geht allein um uns selbst. Das ist für mich die beste vorstellbare Ausgangslage, um spannende Musik zu erschaffen.“ Kombiniert mit einer lockeren Grundhaltung und einem gegebenen Spaßfaktor ist das kreative Schaffen für das Quartett ein Selbstläufer: „Sowohl die Arbeit an unserer selbstbetitelten MCD als auch zuletzt an „Echolocation“ liefen praktisch ganz von alleine,“ bestätigt Mike. „Ohne Witz, einem solch entspannten, synergetischen Arbeitsprozess habe ich zuvor noch niemals beigewohnt. Es gefällt mir sehr, dass wirklich jede Idee gehört wird und wir gemeinsam daran arbeiten, aus den vielen Einfällen das bestmögliche Ergebnis zu formen.“

Erfahrung und Intuition sind dabei die Schlüssel zum variantenreichen, spannungsgeladenen Rock-Sound der Debütanten: „Wir haben wirklich überhaupt nicht erzwingen müssen, sondern allein unserer Kreativität freien Lauf gelassen,“ bekräftigt Mike. „Es dauert niemals lange, bis wir zu Ideen finden, die als Keimzelle für Songs dienen. Darum herum reihen wir gemeinsam weitere Ideen, bis die Stücke irgendwann fertig sind und jedem von uns zusagen. Es stimmt, dass wir uns auf unsere Intuition verlassen. Wenn etwas gut klingt, wissen wir es, greifen es bewusst auf und arbeiten damit weiter. Dabei ist es unerheblich, ob sich die Sounds, die uns ansprechen, geplant oder ungeplant einstellen. Das lässt sich ohnehin nicht steuern. Doch wir lieben es einfach, kreativ zu arbeiten


und sind selbst sehr gespannt, zu erfahren, wie es weiter geht und wohin uns Einfälle führen.“ Auch wenn sich die Musikalität bei GONE IS GONE ergebnisoffen einstellen und entwickeln kann, der Multi-Instrumentalit geht mit klaren Erwartungen hinsichtlich der Ausgestaltung in die Arbeit:

„Musik muss unserem Verständnis nach stets dynamisch angelegt sein und auch eine visuelle Komponente im Sinne assoziierbarer Überschneidungen bzw. Bilder aufweisen. Diesem Verständnis folgend, ist bei uns prinzipiell zunächst alles möglich. Es sei denn, einer von uns fühlt sich mit irgendetwas unwohl. Dann verwerfen wir den Track und arbeiten an der jeweiligen Idee nicht mehr weiter.“ Der Vollzeit-Einstand „Echolocation“ weist einen verbindenden, facettenreichen Rock-Sound auf, dessen Bestandteile sich gegenseitig bedingen und die Wirkung im Zusammenspiel steigern: „Es ist uns gelungen, unseren Ansatz noch organischer und klarer als auf der MCD heraus zu arbeiten,“ ist Mike überzeugt. „Gravierende Veränderungen gibt es aber nicht zu verzeichnen. Über die gesamte Länge des Albums hinweg wird auf bestimmte Stimmungen und Themen immer wieder Bezug genommen. Diese erzählen die Geschichte und bilden den Kern der Platte. Natürlich werden sie jeweils in einem anderen Kontext und aus einem anderen Blickwinkel heraus eingebunden. Sie durchlaufen Höhen und Tiefen, wenn man so will, ganz so, wie Charaktere im Film.“

Protagonisten im Film entwickeln sich mitunter widersprüchlich oder unvorhersehbar. Zudem werden sie sympathisch oder abstoßend dargestellt, damit Zuschauer eine Verbindung oder Abneigung aufbauen können. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wirken GONE IS GONE wie der nette Freund von nebenan, zu dem man direkt eine Freundschaft aufbaut und der ohne zu zögern hilft, wenn es drauf ankommt: „Jeder von uns setzt in seinem Spiel individuelle Akzente und bringt seine eigene Expertise mit ein,“ sagt Mike. „Vom Grundnaturell her sind wir intuitive Musiker, keine übertrieben technisch veranlagten. Andernfalls würde „Echolocation“ ganz anders klingen. Ich sehe uns jedenfalls nicht dem Risiko ausgesetzt, dass ein Streben nach spielerischer Exzellenz höher als die Musik an sich oder das Zusammenspiel von uns Band gewichtet wird. Auch künftig werden wir uns auf den jeweiligen Song konzentrieren und seinem Verlauf folgen. Das zu zerstören, wäre verrückt und macht keinen Sinn, denn es liefe den Songs zuwider. Wir stellen darauf ab, eine sich dynamisch entwickelnde Musik zu erschaffen, die uns allen gefällt. Mit Blick auf unser erstes Album kann ich aus voller Überzeugung heraus sagen, dass uns dies gelungen ist. Wir fiebern dem Tag herbei, an dem wir „Echolocation“ mit der ganzen Welt teilen können.“ Die vier Musiker vertrauen ihrem Bauchgefühl, doch an anderer Stelle legen sie die subjektive Brille bewusst ab: „Es ist auch wichtig, das eigene Schaffen objektiv auf den Prüfstand zu stellen,“ weiß Mike. „Soweit das möglich ist. Um das zu erreichen, versetzen wir uns in die Rolle des Produzenten, und eben aus diesem Grund produzieren wir selbst. Das funktioniert aber nur, wenn man wirklich in der Lage ist, Herz und Verstand voneinander zu trennen.“

Die Songs von GONE IS GONE lassen in den Köpfen der Hörer Bilder entstehen und wecken Assoziationen. Die Musiker arbeiten mit Andeutungen und impliziten Botschaften, anstatt auf direkte, offenkundige Wirkungsstränge zu setzen. Das Quartett geht Input-seitig immer wieder bewusst und sparsam vor, verfolgt jedoch das Ziel, einen maximal breiten, Reaktionen hervor rufenden Klangraum zu erschaffen: „Echolocation“ ist als klassisches Album konzipiert, das von Anfang bis Ende gehört werden soll,“ formuliert Mike die Erwartungshaltung der Gruppe. „Die Stücke fügen sich zu einem Bild zusammen, das erst im Zusammenspiel aus ihnen allen einen wahrnehmbaren Gesamteindruck ergibt. Im Umfeld kurzer Aufmerksamkeitsspannen und dem Bedürfnis nach sofortiger Befriedigung versuchen wir, die Konzentration unserer Hörer aufrecht zu erhalten. Wir sind guten Mutes, dass Hörer auch beim zehnten Hören des Albums noch Überraschungen erleben, weil sie Facetten entdecken, die ihnen zuvor nicht aufgefallen sind.“

In dieser Hinsicht kann also von musikalischer Ausdrucksmalerei gesprochen werden, die sich thematisch mit Kampf und existenziellem Denken beschäftigt und dieses visualisiert. Mike Zarin‘s Erfahrungen beim Komponieren von eindrücklichen Stimmungen und Soundtracks wirken sich hier förderlich aus. Die zwölf Stücke des Albums reichen tief und bieten viel Substanz, an der sich Hörer abarbeiten können: „Von emotionaler Intelligenz zu sprechen, trifft es schon ganz gut,“ greift der Musiker die Frage nach der Grundhaltung von Musik und Texten auf. „Daneben lassen sich auch Begrifflichkeiten wie Selbstbewusstsein, Verständnis, existenzielles Denken oder interpretative Erfahrungen anführen. Alle Unwägbarkeiten, die einem im Leben begegnen oder den Weg versperren, werden verschwinden – entweder auf eine gute oder eine schlechte Art und Weise. Anders formuliert: GONE IS GONE.“

 
 Links:
  goneisgoneofficial.com
 
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