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Trivium

Storie von: arne, am 02.01.2017 ]

Während andere Heavy-Kombos die Pausen zwischen zwei Alben und einhergehenden Tour-Zyklen zum Verschnaufen und zur Ablenkung nutzen, beschäftigen sich TRIVIUM mit ihrer Vergangenheit. Unter dem programmatischen Titel „Ember To Inferno: Ab Initio“ bringt das Quartett um Frontmann Matt Heafy eine Deluxe-Box auf den Markt, die den Werdegang der Band aus Florida bis zum Album-Einstand von 2003 nachzeichnet.

 
Als die 1999 gegründete Gruppe aus Orlando ihr Debüt auf dem deutschen Label Lifeforce Records veröffentlichte, ist dies unter dem Banner „Melodic-Death-MetalCore“ geschehen. Die damals zwischen 17 und 21 Jahre alten Musiker aus Florida bemühen eine variabel dargebotene Mixtur aus klassischem Metal, US-Thrash, skandinavischem Death Metal und New England-Core-Style. Ergänzt um eine eigene Note haben sich TRIVIUM unter Anhängern von Bands wie Shadows Fall, Killswitch Engage, In Flames, Amon Amarth, Metallica, Megadeth, Testament, etc. schnell etabliert und seither eine ansehnliche, erfolgreiche Welt-Karriere hingelegt: „Es ist von Beginn an unser Ziel gewesen, aufzufallen, als relevant wahrgenommen zu werden und einen Platz im Metal zu besetzen,“ äußert der Sänger und Gitarrist selbstbewusst. „Wir haben alles daran gesetzt, das zu erreichen und schätzen uns überaus glücklich, heute dort zu stehen, wo wir sind. Das hängt auch damit zusammen, dass wir keine Aufgabe als zu groß oder unüberwindbar ansehen. Mit TRIVIUM haben immer darauf abgestellt, anders und eigenständig zu klingen und hart dafür gearbeitet.“

Der aus dem Lateinischen stammende Name bedeutet „drei Wege“ und darf damit synonym für den mehrgleisig angelegten Band-Sound herhalten. Für den raschen Aufstieg der Gruppe wichtiger ist allerdings der reife, übergreifende Songwriting-Ansatz mit ausgeprägter Tendenz zur erinnerbaren Hymne. TRIVIUM haben zudem schon auf dem Debüt Wert auf ein Album-Konzept und übergreifende, verbindende Metal-Kost gelegt: „Das ist eine absolute zutreffende Beschreibung,“ bestätigt Matt. „Es war und ist uns wichtig, dass wir uns und unsere Hörer entwickeln und fordern. Deshalb unterscheiden sich all unsere Veröffentlichungen auch deutlich voneinander. Wir vermeiden Wiederholungen und versuchen lieber etwas Neues. Wir stehen selbstbewusst zu unseren Einflüssen, die uns und unsere Fans verbinden. In der Welt des Metal möchte ich uns als erfahren und versiert bezeichnen. Wir kennen und respektieren unsere Wurzeln und möchten unsere Hörer dazu animieren, unsere Inspirationsquellen selbst zu entdecken und ebenfalls schätzen zu lernen. Dadurch erlangen Hörer auch ein besseres Verständnis für uns und dafür, warum wir so klingen, wie wir es tun. Das Vermächtnis der Bands, mit denen wir aufgewachsen sind, zu bewahren, ist uns ein wichtiges Anliegen. Ganz ohne Überheblichkeit möchte ich hinzu fügen, dass TRIVIUM Songs für Leute spielen, die schlicht gute Musik hören möchten. Doch auch denjenigen, die Tiefe und Substanz suchen, bieten wir eine Menge, wenn man sich die verschiedenen Wirkungsebenen unserer Stücke anschaut. Das betrifft die Musik, die Lyrics und unsere visuellen Konzepte.“

Mit dem Abstand von mehr als einer Dekade lässt sich an „Ember To Inferno: Ab Initio“ ablesen, dass die Formation aus Florida schon zu einem frühen Zeitpunkt professionell und spannend unterwegs gewesen ist und – nicht minder wichtig – wusste, was sie wollte. Der ganzheitliche, unterhaltsame Metal-Sound ist davon nur die logische Folge: „TRIVIUM klingen nach TRIVIUM,“ zeigt sich der Frontmann überzeugt. „Wenn ich auf unsere sieben Alben zurück blicke, freut es mich sehr, dass nicht zwei von ihnen gleich angelegt sind. Stattdessen haben wir sieben unterschiedliche Sichtweisen davon veröffentlicht, was TRIVIUM auszeichnen kann. Die Basis unseres Spiels ist offensichtlich von den Größen des Metal inspiriert. Darauf aufbauend finden melodischer Death Metal, MetalCore, Death Metal, klassischer Rock, klassische Musik und noch eine Menge mehr zusammen. Versucht man all das auf einen gemeinsamen Nenner herunter zu brechen, lässt sich allein von Metal sprechen inklusive aller nur erdenklichen Schattierungen und Abstufungen.“

Dass schon das 2003er Debüt eine schwergewichtige Generalität aufweist, ist Matt zufolge kein Zufall: „Es ist uns von Beginn an wichtig gewesen, uns auf uns selbst zu konzentrieren und nicht von angesagten Strömungen oder bestimmten Genres einengen zu lassen. Gerade am Anfang versuchen die Leute immer, Bands in eine bestimmte Schublade zu pressen. Dagegen haben wir uns stets gewehrt. Mit der Zeit haben die Leute dann verstanden und akzeptiert, dass TRIVIUM ihr eigenes Ding machen und Vereinfachungen in unserem Fall nicht so leicht sind. Bis heute bewahren wir uns eine übergeordnete Positionierung, indem wir keiner Szene zuzuordnen sind oder irgendwelchen Klischees gerecht werden. TRIVIUM sind eine Band für jedermann. Das haben wir uns von unseren Helden abgeschaut, die es musikalisch und in ihren Shows nicht anders vorgelebt haben.“ Der Titel „Ember To Inferno“ ist dabei auch im Rückblick eine treffende Wahl für den Vollzeit-Einstand von TRIVIUM: „Das sehe ich auch so,“ stimmt Matt Heafy zu. „Es begann mit einem kleinen Funken, einer Idee, die schnell immer größer geworden ist und ein Feuer entfacht hat. Die Idee, die ich anspreche, ist es, einen nachhaltigen Eindruck in den Annalen der Musik-Geschichte zu hinterlassen und eine Band zu sein, der es möglich ist, tausenden Leuten auf der ganzen Welt zuzusagen und vor ihnen aufzutreten. Wir steuern noch immer auf dieses Ziel zu, haben auf unserem Weg aber schon viel erreicht und etliche wichtige Etappen zurück gelegt.“

Die Wiederveröffentlichung des Debüts als Deluxe-Paket ist auch einer gestiegenen Wertschätzung geschuldet, gibt der Sänger und Gitarrist zu: „Eine Zeit lang dachte


ich, unsere beiden ersten Alben wären von ihrer Anlage her recht ähnlich. Als ich mich dann aber eingehend mit dem Material bis „Ember To Inferno“ beschäftigt habe, ist jedoch schnell die Erkenntnis gereift, dass schon unser Einstand einen eigenen Charakter besitzt und für sich selbst steht. Etliche der Songs stellen bereits heraus, dass wir eine Band sind, die in ihren Stücken das Unerwartete zusammen bringt und wir Spaß daran haben, Gegensätze miteinander zu kombinieren. Tut man dies, entsteht dabei etwas Eigenständiges. Inzwischen kann ich aus voller Überzeugung heraus sagen, dass wir schon am Anfang unseres Wegs die Blaupause für das definiert haben, was TRIVIUM heute noch auszeichnet.“

Daneben nennt Matt aber noch weitere Gründe für die Neuauflage: „Als „Ember To Inferno“ damals auf den Markt gekommen ist, war es – zumindest hier in Amerika – nicht gleich überall erhältlich oder wenigstens nur mit Mühe zu finden. Am Veröffentlichungstag habe ich es in meiner Heimatstadt Orlando in keinen Plattenladen gefunden. Als es vertriebsseitig dann breiter ausgerollt wurde, kam fast schon unser zweites Album „Ascendancy“ heraus, wodurch das Debüt ein Stück weit überlagert worden ist und sein Potenzial nicht ausgereizt hat. Seit 2014 sind die Rechte an dem Album wieder bei uns. Seither habe ich überlegt, wie ich „Ember To Inferno“ zu größerer Geltung bringen kann. Gemeinsam mit Cooking Vinyl gehen wir dieses Unterfangen nun an. Unser Debüt erscheint zusammen mit dem stärksten Material unserer Anfangstage, so dass die Leute repräsentativ nachvollziehen können, woher wir kommen und wie wir uns entwickelt haben. Für die Veröffentlichung haben ein Zeitfenster abgepasst, in dem wir keine aktuellen Singles promoten, so dass die frühen TRIVIUM nun die volle Aufmerksamkeit erfahren.“ Hinsichtlich Wirkung und Attitüde sieht der Musiker keine Unterschiede zu den späteren Alben: „Spontanität und kreativer Freiraum sind die Attribute, mit denen ich TRIVIUM bis in die heutige Zeit hinein verbunden sehe. Wenn ich „Ember To Inferno“ höre, bin ich vor allem darüber überrascht, wie sehr wir damals der Zeit voraus gewesen sind. Schon auf unserem ersten Album haben wir die Grundlagen für all das gelegt, was uns als Band auszeichnet und uns bis heute wichtig ist. Schon damals haben wir mit Selbstbewusstsein einen eigenen Ansatz verfolgt. Das tun wie nach wie vor.“

Die Ansprüche hinsichtlich des Songwritings und der zu erreichenden Wirkung verbinden die verschiedenen Schaffensphasen der Gruppe aus Orlando: „Der Song an sich besitzt für uns von jeher die größte Priorität,“ stellt der Gitarrist und Sänger klar. „Danach kommt alles andere und füllt das Bild. Technische Aspekte und die Instrumentierung schließen in unserem Arbeitsprozess immer erst an das eigentliche Songwriting an. Zunächst müssen wir wissen, was wir wollen und wie sich ein Stück entwickeln wird. Dann reichern wir vorsichtig mit Brutalität oder Technik an, je nachdem, was gerade passt oder erforderlich ist. Es gab Phasen in unserer Entwicklung, in denen wir darauf hingearbeitet haben, die Grenzen des Spiels von TRIVIUM auszuloten oder sogar zu weiten. Wenn man seine Kreativität austestet und sich auszuleben sucht, muss das auch so sein. Hinsichtlich unserer Musik sehe ich grundsätzlich keine Grenzen oder Limits. Letztlich berücksichtigen wir unterbewusst immer das, was TRIVIUM ausmacht und wie wir unseren Ansatz am Effektivsten zur Geltung bringen können. Das tun wir ganz automatisch, ohne dass wir uns dazu zwingen müssen.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Musiker beim kreativen Arbeiten immer gleich vorgehen: „Im Songwriting existiert für uns nicht nur ein spezifischer und immer zielführender Weg. Es gibt auch kein definiertes Schema, dem all unsere Stücke gerecht werden müssen,“ so Matt. „Die Methoden und Arbeitsweisen ändern sich wie auch die Wirkung der Songs. Am Ende zählt das Ergebnis. Einige unserer Alben sind ohne große Anstrengung entstanden und waren gefühlt von einem Moment auf den anderen fertig. An anderen haben wir unglaublich lange gewerkelt und das Material ewig überarbeitet und umgestellt, bis wir irgendwann zufrieden gewesen sind. Unabhängig davon, sehe ich schon bei einer Song-für-Song-Betrachtung Unterschiede in unserer Herangehensweise. Jedes Stück hat seine eigene Entstehungsgeschichte und Zeit.“

Die imposante Entwicklung verteilt sich seit 2004 fast ausschließlich auf dasselbe Line-Up. Nur die Position der Schlagzeugers wechselt von Zeit zu Zeit: „Innerhalb unserer Band gibt es einen harten Kern, der sich aus Bassist Paolo, Gitarrist Corey und mir zusammen setzt,“ bestätigt der Frontmann. „Jeder Wechsel, der bei uns stattgefunden hat, war notwendig, um TRIVIUM am Leben zu halten. Ich möchte gar nicht detailliert auf die wechselnden Schlagzeuger eingehen. Doch wann immer es zu Veränderungen gekommen ist, war die Chemie innerhalb der Gruppe davor nicht gut, so dass die Wechsel unvermeidlich gewesen sind. Wenn sich personelle Differenzen auf die Leistung im Studio oder auf der Bühne niederschlagen, muss man reagieren. Die Band in ihrer Gesamtheit darf darunter nicht leiden. Deshalb bin ich Corey und Paolo so dankbar. Ohne sie wäre die Geschichte von TRIVIUM so nicht möglich gewesen. Seit unserem ersten Tag ist es unser gemeinsames Ziel, die Band überall auf der Welt zu positionieren und unsere Spuren in der Musikwelt zu hinterlassen.“

 
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