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Jr Ewing

Storie von: arne, am 29.06.2003 ]

Über die Jahre hinweg sollte eigentlich jede/r im HC-Sektor auf JR Ewing gestoßen sein. Die Norweger sind einerseits permanent unterwegs, scheint mir jedenfalls so, und zum anderen erschienen regelmäßig Singles, Splits oder andere Releases des Fünfers aus Oslo.

 
Hinzu kommt, dass das Quintett zur ersten Garde der europäischen Noise-Hardcore-Fraktion zählt und wer will, kann JR Ewing auch in den Chaos-Sektor packen; das wäre ebenfalls legitim.

“Ride Paranoia“ heißt die neue Platte der Jungs, die in den Staaten auf dem kleinen Szene-Giganten GSL und hier in Deutschland lizenziert auf Swell Creek erschienen ist. Die neuen Songs sind natürlich gewohnt noisig-chaotisch, aber auch hörbar melodischer ausgefallen. Nachdem man endlich ein festes Line-Up gefunden war, konnte die Band endlich weiter am eigenen Sound feilen und das tat sie auch ausgiebig. “Ride Paranoia“ ist ein äußerst intensives, krachiges und verbreaktes Noise-Monster mit schön direkter Punk-Schlagseite geworden:

„Auf dem neuen Album schlägt vor allem durch, dass wir deutlich mehr Melodien und verschiedenste Song-Strukturen vereint haben.“ erzählen mir Gitarrist Erlend und Basser Petter vor dem Berliner Gig mit Poison The Well: „Auf der einen Seite sind wir deutlich komplexer geworden, aber auf der anderen wieder nicht. Es war uns wichtig Songs zu haben, die intensiv verschiedene Gefühle transportieren. Daneben wollten wir unbedingt geradlinige, einfache Rock’n’Roll-Songs haben. Diese Mischung geht in meinen Augen perfekt auf. Auf den früheren Releases wollten wir soviel Krach wie möglich machen; diesmal haben wir uns stärker auf das Album als Einheit konzentriert. Wichtig ist zudem, dass die Texte die Gefühle der Musik widerspiegeln.“

Sänger Andreas verarbeitet da vor allem den Frust einer Band, die sich einerseits mit kleinen Jobs notdürftig über Wasser halten muss und auf der anderen Seite auch noch von der Szene auf die Fresse bekommt, weil sie erfolgreicher ist als andere: „Das nervt uns wirklich. Wir haben nie versucht zu moralisieren; wir haben nie gesagt, man müsse eine Underground-Band bleiben oder Straight Edge oder etwas anderes. Umso unverständlicher ist mir, dass wir in den letzten drei Jahren so viel Scheiße erfahren haben. Die Leute haben uns verteufelt,


weil wir eine Europa-Tour spielten und haben von Sell-Out gesprochen. Diese Leute verstehen einfach überhaupt nichts. Sie geben ihre lieblosen Straight Edge-Bands schnell auf und lassen noch schneller den ganzen Punk-Rock-Aspekt hinter sich. Sie ziehen weiter und blicken nicht zurück. Sie müssen auf nichts verzichten, während wir noch immer touren. Wir geben unsere Jobs und Freundinnen auf um eine Band sein zu können. Wir halten uns mit Aushilfsjobs über Wasser um die Möglichkeit zu haben auf Tour gehen zu können, wann immer wir wollen. Leider scheint das bei vielen nichts zu zählen.“

Eigentlich schlimm, dass sich JR EWING mit solchen Problemen herumschlagen müssen. Es gibt weitaus wichtigeres als idiotische Anschuldigungen. Das sagt sich auch die Band, die ganz anderen Gedanken nachgeht: „Wir sind uns der Verantwortung gegenüber den Kids bewusst. Es gibt zu viele schlechte Platten. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich ein Album kaufe und die Songs belanglos daherkommen und die Bands sich keine Mühe geben. Wir respektieren die Kids, die Platten kaufen und versuchen stets unser Bestes zu geben. Gerade in der heutigen Zeit, in der Haarschnitte und der neueste Hype wichtiger als gute Musik sind, muss man dem ein Gegengewicht setzen. Ich hoffe, uns hört man an, dass wir mit vollem Herzen dabei sind und ehrliche Musik spielen.“

Kein Frage und darüber hinaus ist “Ride Paranoia“ auch zeitlich optimal angelegt: „Man darf derartige Musik nicht zu lange spielen, denn sonst verliert sie ihren Reiz. Aus diesem Grund ist das Album nur eine halbe Stunde lang. Ich denke aber, dass das auch reicht, denn so schafft man es die ganze Zeit über spannend zu bleiben." Dieses Ziel haben JR Ewing wirklich problemlos erreicht. Als Kurze Einordnung könnt ihr euch eine Mischung aus Drive Like Jehu, den Swing Kids und Trail Of Dead vorstellen: „Wir selbst sehen uns selbst in der Mitte von Rock’n’Roll, Noise, Funk und Indie. Wir spielen jedenfalls keinen Metal, alles, aber nicht das.“

 
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