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Dead Mans Chest

Storie von: arne, am 18.11.2016 ]

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER. Diese simple Weisheit gilt in fast allen Bereichen des Lebens – auch im Hardcore. Die Londoner DEAD MAN'S CHEST spielen auf ihrem Zweitwerk impulsiv und wütend auf, wenn sie ihren Emotionen heftig und brachial Ausdruck verleihen. Fleißarbeit im Proberaum schafft die Voraussetzung für den barschen Sound von „Violent Days“.

 
Neben der Umsetzung ihres zweiten Albums standen die Briten zuletzt vor der Herausforderung, zwei Neuzugänge an Gesang und Bass einzuarbeiten: „Die Zeit zwischen „Negative Mental Attitude“ und „Violent Days“ war extrem, was die Umstände des Schreibens, die Integration neuer Mitglieder und unsere Live-Präsenz, auf die wir Wert legen, anbelangt,“ erzählt Gitarrist Kay. „Das neue Material ist das Ergebnis einer intensiven Arbeitsphase. Unser Schlagzeuger Andy und ich haben alles in nur drei Monaten auf die Beine gestellt und zwischendurch weiterhin Shows gespielt. Von den Wechseln im Line-Up haben wir uns nicht beeindrucken lassen. Das ist für uns nichts Neues. Die Band hat Zeit ihres Bestehens ein ernsthaftes Personal-Problem. Ohne ins Detail zu gehen, stecken zumeist Einstellungsdefizite dahinter. Unser letzter Frontmann war beispielsweise nicht in der Lage, ernsthaft zu arbeiten und seine Zeit effektiv zu nutzen. Mit unserem Gitarristen verhielt es sich nicht anders. Da wir kurzfristig keinen geeigneten Ersatz gefunden haben, bin ich vom Bass an die Gitarre gewechselt.“ Die Arbeitsethik von DEAD MAN’S CHEST besteht darin, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Fertigkeiten zu schleifen:

„Wir halten uns an die schlichte Maxime, hart zu arbeiten, viel zu proben und unsere Technik zu verbessern,“ erklärt der Musiker. „Nur so können wir als Band vorankommen. Das ist eigentlich nicht viel verlangt, doch die Musiker, die uns verlassen haben, konnten das nicht leisten.“ HATEBREED, 100 DEMONS, FULL BLOWN CHAOS,... – diese und ähnlich gelagerte Bands kommen einem in den Sinn, wenn man sich mit den Stücken der Londoner beschäftigt: „Tagtäglich sind wir aus den unterschiedlichsten Gründen wütend. Wir sind bestrebt, damit positiv umzugehen. Wer „Violent Days“ hört, wird eine Energie erleben, die auch „Satisfaction Is The Death Of Desire“ prägt.“ Daran hat sich in zehn Jahren DEAD MAN’S CHEST trotz einer unsteten Besetzung nichts verändert: „Wer still steht, kann sich nicht weiter entwickeln und bewegt sich eher in die entgegengesetzte Richtung,“ weiß Kay. „Es hat sehr lange gebraucht, bis wir eine Mannschaft gefunden haben, die harte Arbeit und Zeit investiert, um die Gruppe wirklich voran zu bringen. Welch rohe Wut wir in uns tragen, bringt „Violent Days“ nun gut zur Geltung.“

Auf den britischen Inseln tun sich die Musiker dennoch schwer, Fuß zu fassen. Der Gitarrist sieht die Gründe dafür in fehlgeleiteten Entwicklungen in der Hardcore-Szene: „In den letzten zehn Jahren hat sich nicht viel geändert; weder zum Positiven noch zum Negativen. Die Hardcore-Szene im UK ist zersplittert und kleinteilig. Die einzelnen Strömungen und Crews unterstützen sich nur untereinander, jedoch nicht gegenseitig. DEAD MAN'S CHEST als Band aus London mit einer internationalen Besetzung haben es zusätzlich schwer, weil wir nicht zu 100 Prozent Britisch sind. Es gibt keinen Rassismus im Hardcore? Von wegen! Es


sieht so aus, als seien wir in Deutschland populärer als in unserer Heimat. Schon bevor wir zum deutschen Label BDHW gekommen sind, war das so. Kaum einer hier mag uns. Was haben wir daraus gelernt? Wir halten uns vor allem an die, die uns unterstützen; behandeln aber jeden so, wie wir selbst gerne behandelt werden wollen.“

In dieser Beziehung orientiert sich das Quartett an einem großen Vorbild: „Viele Gruppen beschäftigen sich ausschließlich mit sich selbst und unterstützen andere Bands nicht,“ berichtet der Gitarrist aus Erfahrung. „Weil sie das genaue Gegenteil sind und sich so viele Verdienste um die Hardcore-Szene im UK erworben haben, schätzen wir KNUCKLESDUST sehr. Ohne ihren Einfluss würde alles wohl noch viel schlimmer aussehen.“ Eine Besserung der beschriebenen, unbefriedigenden Situation ist vorerst nicht in Sicht: „Wohin sich der Hardcore entwickelt, vermag ich nicht zu sagen,“ gibt Kay zu. „Derzeit scheint alles ein Stück weit richtungslos. Die lokalen Szenen vegetieren vorhersehbar und einfallslos vor sich hin. Viele Bands interessieren sich weder für Traditionen noch entwickeln sie einen Gemeinschaftssinn. Es reicht ihnen, aktuelle Trends aus Amerika zu kopieren oder sich an den UKHC-Sound zu halten, den Bands wie KNUCKLEDUST und FREEBASE vor mehr als zehn Jahren losgetreten haben.“

Innovatives Potenzial sieht der Musiker aktuell allein auf dem europäischen Festland: „Gruppen wie NASTY oder HARM/SHELTER fügen dem Genre etwas Aufregendes und Neuartiges hinzu, während die UK-Kapellen überwiegend dogmatisch des Beatdown-Stil der frühen 2000er Jahre fortschreiben.“ An Motivation und Überzeugung mangelt es DEAD MAN'S CHEST dennoch nicht. Die Band will etwas bewegen: „Hardcore ist für uns eine Lebenshaltung und nicht nur ein vorübergehender Trend. Aktuell existieren im UK weniger Hardcore-Bands als in früheren Zeiten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir den Traditionen verpflichtet bleiben und uns für die Gemeinschaft und das Fortbestehen der Szene stark machen.“ Für Newcomer hat der Musiker ausgehend von der eigenen Arbeitsmaxime eine klare Empfehlung:

„Gruppen sollten zunächst so viel Zeit im Proberaum verbringen, bis sie ihren Sound gefunden haben und umsetzen können. Handwerklich versiert zu sein, ist essentiell. Ohne intensives Üben klappt es nicht. Meiner Auffassung nach wählen zu viele Gruppen den einfachen Weg. Sie schreiben 2-3 Songs und spielen direkt die ersten Shows und Touren, noch bevor sie wissen, was sie eigentlich wollen. Doch so ist es in der heutigen Zeit. Alle sind ungeduldig. Der Erfolg muss sich über Nacht einstellen. Kaum jemand ist bereit, hart zu arbeiten. Das beständige Proben ist für mich aber das A und O. Hier möchte ich einen früheren Weggefährten zitieren, der etliche Alben geschrieben und noch mehr Touren absolviert hat: "Amateure müssen üben, bis sie es richtig machen. Profis müssen üben, damit sich keine Fehler einschleichen."

 
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