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Waterdown

Storie von: Arne Kupetz, am 22.09.2001 ]

Was WATERDOWN aus dem Raum Osnabrück in der kurzen Zeit ihres Bestehens alles erreicht haben, ist für eine deutsche Band sicherlich nicht unbedingt alltäglich. Im Januar letzten Jahres gegründet, folgten der 'drawasmilingface' MCD auf Two Friends umgehend Support-Auftritte für Genre-Größen wie GRADE, SNAPCASE oder auch BOYSETSFIRE, die der Band schnell einen großen Bekanntheitsgrad und einen Vertrag auf dem amerikanischen Szene-Giganten Victory bescherten.

 
Musikalisch spielt man in Anlehnung an die genannten Kollegen Hardcore mit stark emotionalen Zügen. Berade das Gegenspiel von Sänger Marcel und Shouter Ingo belebt das Debut 'never kill the boy on the first date' ungemein und so ist in unseren Landen eine Perle entstanden, die kein besseres Zuhause als eben Victory hätte finden können. Die Musiker blicken trotz neuer Band auf jahrelange Erfahrung in PENDIKEL oder auch CRACK-AGE zurück und telefonisch stand mir Bassist und Bandinitiator Christian Rede und Antwort. Nachdem man Gitarrist Axel an THUMB verloren hatte, war mit Claus (ex- CALIBAN) schnell Ersatz gefunden und das Line Up wieder komplettiert. Sänger Marcel war nach der Bandgründung bewusst hinzu geholt worden, wie Christian auf meine Nachfrage bestätigte: "Sagen wir mal so: Wir haben nicht überlegt, was uns fehlt, um Erfolg zu haben. Ich stehe auf Bands, die schreien und singen. Ingo kannte ich schon seit vielen Jahren und wollte ihn einfach in meiner Band haben. Da ich nicht nur eingleisig fahren wollte, brauchten wir einen Gegenpol. Ich kenne nur wenige Bands mit einem Schreisänger, von denen man eine ganze Platte am Stück hören kann. Marcel war der beste Sänger, den ich hier in der Gegend kannte. Ich habe ihn gefragt, ob er Lust hätte mitzumachen und Marcel hat eine supergeile Stimme und der Kontrast stimmt einfach; das superheftige Geschrei von Ingo und diese richtig gute Gesangsstimme." Auch an gesteckten Zielen mangelte es nicht: "Unser wichtigster Traum war es, dass wir weltweit unterwegs sein können und alles mitzunehmen: So viele Touren wie möglich, so viele Shows wie möglich und so viele Leute kennen lernen wie möglich. Das Ding ist einfach, dass ich stark davon überzeugt bin, dass ich mit der Band nicht einen einzigen Pfennig verdienen werde, aber sie mir die Möglichkeit gibt, so viele Erfahrungen zu machen, die ich in meinem ganzen Leben nicht wieder vergessen werde. Ich denke, ich habe momentan ein spannendes Leben und das ist mir wichtig. Deswegen war es schon irgendwie klar, dass ich ein Album auf einem weltweit operierenden Label machen würde." Wie schon betont, mit Bescheidenheit allein gewinnt man nichts und mit guter Musik im Rücken darf man auch schon einmal in größeren Dimensionen denken nach all den Jahren: "Das Ding ist, dass ich seit zwölf Jahren in Bands spiele und mit PENDIKEL zwei Alben, zwei 10'' und zwei 7'' veröffentlicht habe und seit zehn Jahren live auftrete. Natürlich sind wir eine neue Band, aber wir sind alle schon so lange dabei. Wir konnten gleich die alten Kontakte nutzen und hatten alle schlechten Erfahrungen schon gemacht. Das ist der große Unterschied. Ich weiß, dass es für manche Leute blöd aussieht, wenn da eine neue Band kommt, von der noch keiner was gehört hat und die in einem Jahr einen Victory-Deal kriegt. Ich verstehe das vollkommen, aber es gibt auch eine Vorgeschichte und uns gibt's nicht erst seit gestern!" Wie fühlt sich als erste deutsche Band auf Victory? "Wir sind wirklich die erste deutsche Band, die weltweit auf Victory ist. (THUMB hatten nur eine Lizenz für die Staaten.) Das ist ziemlich cool. Vom ersten Gedanken her, erste Band auf Victory, denkt man schon, geil, Neuland betreten. Andererseits kriegen wir aber auch so auf die Fresse deshalb, gerade hier in Deutschland. Ich habe weiß ich wie viele Victory-Platten im Schrank stehen und bin richtig deftig beeinflusst von GRADE, BOYSETSFIRE und SNAPCASE und von daher ist es für mich eine Ehre, auf diesem Label zu sein. Wie sind eine

politische Band, aber wir sind keine p.c.-Band. Deshalb greift uns das auch nicht wirklich an. Natürlich ist Victory relativ groß und weltweit operierend, aber es ist kein Major-Label und kommt aus dem Punk-Rock und die Leute, die dort arbeiten, sind Punkrocker. Wir haben ja für drei Alben unterschrieben und das ist so ziemlich das Fetteste, was wir erreichen konnten und wir wollten auch nicht auf einen Major. Ich kenne nicht eine Hardcore-Band, die auf einem Major funktioniert hätte. Entweder haben sie sich aufgelöst oder sind zurück zu einem Indie zurück." ...und wer keine Victory-Platten im Schrank hat und trotzdem sagt, er höre Hardcore, möge sich bitte bei Christian oder mir melden. Politisch sind WATERDOWN wirklich, und das weit über ihr SLIME- Cover hinaus. Der Song ist übrigens weltweit auf dem Debut zu finden, doch zurück zur politischen Einstellung des Musikers: "Ich finde, Leute, die sagen, sie wären nicht politisch -das geht gar nicht. Alles, was man im Leben macht, ist politisch. Auch was man nicht macht, ist politisch. Enthaltung ist genauso eine politische Aktion wie Stellung zu beziehen. Das kann man in den Texten lesen. Nicht in allen, weil einige sehr persönlich sind, aber auch persönliche Erfahrungen sind irgendwie politisch und von daher sind wir auf jeden Fall eine politische Band." Besonders der zehnte Song 'corporate identidy' ist hier zu nennen, denn von seiner Aussage her ist er mehr als nur eindeutig: "Das war der Song, beim dem der Text zuletzt im Studio entstand. Wir haben überlegt, wie die anderen Texte sind und was uns nach unserer persönlichen Vorstellung von dem, was wir auf der Platte sagen wollen, noch fehlt. Dann ist uns aufgefallen, dass uns richtig direkte, politische Aussagen fehlen und wir haben uns dann in einer 20minütigen Brainstorming-Session zusammengesetzt und überlegt, welche Sätze unbedingt gesagt werden müssen und haben das dann auch zusammengefasst. Im Booklet steht nicht der ganze Text; da steht nur der Refrain. Die restlichen Sätze sind politische Parolen, die man so verstehen kann und die auch nicht abgedruckt werden müssen, weil sie schon relativ simpel gehalten sind und das war auch unsere Intention dabei." Nicht minder deutlich ist zudem erste Song 'impress me', der sich an die eigene Szene richtet: "Es geht um die Leute in der Szene, die 16 oder 17 sind, nichts gegen Jugend, die seit zwei Jahren Hardcore hören und mir erzählen wollen, wo der Hammer hängt und in eineinhalb Jahren Technofans sind. Es geht vor allem um diese möchtegern pc-Kinder, die mit Dogmen rüberkommen und einem vorschreiben wollen, wie man zu sein hat und zum Teil nichts anderes zu tun haben, als vorgekaute Phrasen nachplappern." Es ist eigentlich schlimm, dass es scheinbar immer mehr gute Bands nötig haben, sich mit solchen Problemen auseinander zu setzen. Dennoch wünschen sich WATERDOWN Kontakt zu ihren Fans: "Ich freue mich immer über Reaktionen. Von daher fände ich es cool, wenn Leute nach den Konzerten zu uns kommen würden oder auf der Homepage (www.waterdown.de) etwas hinterließen. Sehr sehr gerne hören wir Kritik. Was ich inzwischen aber nur noch überlese und albern finde, sind diese Beschimpfungen, aber das hat jede Band und da geht's wieder zurück zu 'impress me'... Da hat nichts mehr mit Hardcore zu tun. Leute mit Homophobie haben für mich in der Hardcore-Szene auch nichts zu suchen." Dem kann man eigentlich nur zustimmen. Denkt 'mal darüber nach, wenn Ihr Euch angesprochen fühlt.
 
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