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Downfall Of Gaia

Storie von: arne, am 10.11.2016 ]

Das neue Album von DOWNFALL OF GAIA erzählt vom steten Dialog zwischen Leben und Tod; Erneuerung und Rückschläge inbegriffen. Ein Stück weit steht „Atrophy“ damit auch für die letzten Monate der Band selbst. Personelle Umbrüche äußern sich auf dem vierten Album in einem direkten, ungehobelten Heavy-Sound. Das Spektrum zwischen Death-, Crust-, Black-, Sludge-, Screamo und Post-Metal bleibt dabei ebenso gesetzt wie atmosphärische Kontrastpunkte.

 
Doch der Reihe nach. Ende 2015 ist der Ausstieg von Gründungsmitglied Peter Wolff publik geworden, der DOWNFALL OF GAIA nach sieben Jahren verlassen hat. Der Band ist damit ein Sprachrohr und eine treibende Kraft abhanden gekommen: „Das Ganze hat uns natürlich erst einmal sprachlos gemacht,“ erzählt der andere Gitarrist/Sänger im Bunde, Dominik Goncalves dos Reis. „Anton (Bassist/Gesang) und ich haben die Band damals gemeinsam mit Peter gestartet. Die ganzen Jahre des intensiven Aufeinanderhockens schweißen natürlich ziemlich zusammen. Von daher war es für uns alle eine unangenehme Angelegenheit. Man muss allerdings sagen, dass es ein schleichender Prozess gewesen ist. Es hat sich mehr und mehr abgezeichnet, dass unsere Interessen auseinanderdriften. Zum Ende hin gab es unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich diverser Dinge wie Tour-Leben und Songwriting. Wir haben uns ausgesprochen und keinen gemeinsamen Nenner mehr gefunden. Das war schade, aber Prioritäten im Leben ändern sich nun einmal. Die Trennung ist im Guten erfolgt. In seiner Situation hätte ich nicht anders gehandelt. Dann haben wir mit der Suche nach einem neuen Gitarristen angefangen. Da bis April 2016 keine Shows anstanden und wir uns auf das Songwriting der neuen Platte konzentriert haben, war das eine lösbare Aufgabe und hat trotz einiger stressiger Monate gut geklappt.“

Als Neuzugang ist nunmehr Marco Mazzola von Caino mit von der Partie: „Als das Ganze öffentlich wurde, haben sich diverse Leute gemeldet, unter anderem auch Marco,“ so Dominik. „Wir sollten vor Jahren mal ein paar Shows in Italien spielen, woraus im Endeffekt nur eine geworden ist, da sich die Frontscheibe unseres Tour-Vans verabschiedet hat und wir Shows canceln mussten. Lange Rede, kurzer Sinn – irgendwie sind wir in Kontakt geblieben. Als ich mein Umfeld nach möglichen Gitarristen ausgefragt habe, war er einer der Ersten, die sich meldeten. Wir haben uns getroffen und sind die Geschichte von vorne bis hinten durchgegangen. In den folgenden Tagen sind wir unsere Songs durchgegangen. Als das auch gepasst hat, gab es keine Gründe, es nicht mit ihm zu versuchen. Es ist wichtig, dass die menschliche Komponente stimmt, so kitschig das auch klingen mag. Aber du willst nicht mehrere Wochen mit irgendwem im Bus verbringen, den du nicht riechen kannst. Da nützt das beste Gitarren-Solo der Welt nix. Im April haben wir das Ganze fix und offiziell gemacht. Zu dem Zeitpunkt war „Atrophy“ schon geschrieben. Wir hatten keine Ahnung, wie schnell wir einen Gitarristen finden würden. Da wir noch 2016 veröffentlichen wollten, haben wir direkt nach Peters Ausstieg mit dem Songwriting angefangen.“

Mit ihrem vierten Album werden DOWNFALL OF GAIA wieder intensiv touren. International Präsenz zu zeigen, ist dem Quartett wichtig: „Jeder von uns macht Abstriche außerhalb der Band, doch die Prioritäten sind klar gesetzt,“ so der Gitarrist und Sänger. „Glücklicherweise hat es sich gut eingependelt. Wir alle arbeiten in flexiblen Jobs, die es uns erlauben, ausgiebig zu touren. Das ist in meinen Augen nötig, damit das Ganze überhaupt funktioniert. Ein stabiler Background, der dir Sicherheit, aber auch Möglichkeiten gibt. Ich erinnere mich noch an die Anfänge. Zwischendurch musste ich jeden Rotz arbeiten, nur um ohne Einschränkungen auf Tour fahren zu können und um irgendwie an Kohle zu kommen. Damals haben wir haben regelmäßig draufgezahlt, was auch okay war. Doch heute ist das nicht mehr drin. Wir sind jetzt in unseren 30er-Jahren. Das ist noch nicht so alt, aber es hat sich doch einiges geändert. Die Priorität liegt definitiv noch immer auf der Band, doch muss das Ganze mittlerweile in Balance zum Privatleben stehen. Wenn du am Anfang des Monats deine Miete nicht zahlen kannst, nützt das ganze Tour-Leben nix.“ Jenseits leidiger Geldfragen bringt der Kontakt mit Fans auf der ganzen Welt aber auch positive Motivation mit sich:

„Schon eine gute Show entschädigt für vieles, egal, wo sie stattfindet,“ bestätigt der Musiker. „Allerdings hätte ich es mir niemals träumen lassen, dass ich dafür um die Welt fliegen darf. Japan und Australien zu besuchen oder in regelmäßigen Abständen die USA; nicht zu sprechen von den ganzen Orten in Europa,


die ich privat nie im Leben besucht hätte – ohne das Band-Leben hätte ich nicht einmal ansatzweise so viel von der Welt gesehen. Konzerte mit Bands, die man seit Ewigkeiten verehrt, lassen sich anführen oder auch interessante Menschen, die man kennenlernt und Freundschaften, die sich über den Globus verteilt entwickeln. Es gibt schon eine Menge Dinge, die der Motor für die ganze Nummer sind. Erst kürzlich auf der Australien-Tour kam jemand extra aus Malaysia angereist, um eine Show zu sehen. Das sind Momente, die hängen bleiben und die wir nicht für selbstverständlich nehmen.“

Eitel Sonnenschein ist das Touren in der Nische dabei nicht – insbesondere in Nordamerika: „Du sagst es ja selber – diese Musik ist und bleibt Nische,“ stimmt Dominik zu. „Von daher wird man dort drüben vom Publikum nicht wirklich anders aufgenommen als hier in Europa. Der Konzertbesucher hat sich diese Nische gesucht und ist nicht ohne Grund auf dem Konzert. Ich sehe keinen gravierenden Unterschied zu Europa/Deutschland darin, wie man als Band grundsätzlich aufgenommen oder verstanden wird. Allerdings liegen zwischen Nordamerika und Europa Welten. Touren in den USA sind harte Kost. In der Regel gibt es kein Essen, keine Getränke und keine Schlafplätze. Nachdem du gespielt hast, darfst du deine Sachen packen und weiterfahren. Da ist es dann auch egal, ob du eine deutsche, französische, dänische oder amerikanische Band bist. Es ist in der Hinsicht für alle Bands gleich beschissen. Nichtdestotrotz haben wir das Glück, uns international schon angenommen zu fühlen. Dank der Menschen, die halt auch mal unter der Oberfläche graben und einer relativ belebten Szene für „Nischenmusik“, die all dies möglich macht.“

Wirkungsseitig setzt sich der 40-minütige Sechs-Tracker teils merklich von „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ ab. Das vierte Album stößt ein neues Kapitel im Werdegang des Quartetts auf: „Ich persönlich finde, dass „Atrophy“ die direkteste und eingängigste Platte ist, die wir bis dato aufgenommen haben; natürlich inklusive DOWNFALL OF GAIA-Stempel,“ skizziert der Gitarrist. „So haben wir uns das allerdings auch vorgenommen. Der große Unterschied zu den anderen Platten ist es, dass es das erste Release ohne Peter ist. Peter und ich haben uns immer gemeinsam um das Songwriting gekümmert. Jeder hat seine Ideen gehabt, Songs vorbereitet, Demos aufgenommen und diese in den Proberaum geschleppt. Am Ende haben wir aus beidem eins gemacht. Dieses Mal gab es das so nicht mehr. Es mag sein, dass die Platte aus diesem Grund etwas runder wirkt. Für das Album habe ich mir meinen Laptop geschnappt, die Songs aufgenommen und das Endergebnis an unseren Schlagzeuger Mike geschickt. Wir haben Ideen zum Drumming ausgetauscht. Dann hat er die Drums drunter programmiert. In dieser Form haben wir das vorher noch nie gemacht. Diese neue Art des Schreibens, die direkte Möglichkeit, sich immer und immer wieder mit den Songs befassen zu können, hat uns die Option gegeben, uns bewusster mit jedem Titel auseinanderzusetzen.“

Der Einsatz von Gesang erfolgt wiederum effektvoll und umsichtig: „Das geschieht immer aus dem Bauch heraus; dafür haben wir keine Formel,“ verrät der Sänger. „Am Anfang steht immer der fertige Song ohne Lyrics. Wir nutzen den Gesang als fünftes Instrument, ohne die Stücke zu überladen. Es muss sich einfach richtig anfühlen und stimmig sein. Oftmals haben wir im Entstehungsprozess zu viel Text vorbereitet, der dann in Teilen wieder verworfen wird, weil es nicht passt.“ Konzeptionell geht es auf dem neuen DOWNFALL OF GAIA-Album neuerlich gehaltvoll und hintergründig zu: „Es ist eine Geschichte über die Absurdität des Lebens, in der das Leben als solches zur perfekten Sisyphusarbeit geworden ist. Wenn du so willst, steht „Atrophy“ ebenfalls wieder in einem negativen Kontext. Ich finde allerdings, dass unsere Spielart für genau solche Dinge geschaffen ist. Ich will bei dieser Art von Musik genau so etwas hören und mich mit tieferen Abgründen auseinandersetzen. Jedes Album ist immer auch eine Niederschrift der Dinge, die mir zu der jeweiligen Zeit im Kopf herumgeistern und mich anstacheln, sie zu verarbeiten. Wenn ich Texte schreibe, ist das Negative meine Inspiration.“

 
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