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Attila

Storie von: arne, am 06.11.2016 ]

Das „Chaos“ ist für ATTILA ein vertrauter Begleiter. Die Band aus Atlanta, Georgia schlägt sich seit mehr als einer Dekade mit zunehmender Beachtung durch den Crossover-Underground. Elemente aus MetalCore, Deathcore, NuMetal, Rap und Elektro werden vom Quartett entlang großspuriger, überzogener und plakativ hitverdächtiger Songs in Stellung gebracht. Nun scheint die Zeit für die Gruppe endlich gekommen.

 
„Unsere gesamte Karriere über halten wir uns schon an dieselbe Formel,“ rekapituliert Frontmann Chris „Fronz“ Fronzak. „Auch wenn sich unser neues Album von seinem Vorgänger unterscheidet, sind die die Zutaten doch dieselben. Man hört unterschiedliche Gesangsstile, begegnet einer ungezwungenen, frechen Attitüde und sieht sich heftigen Breakdowns ausgesetzt. Wir erfahren inzwischen mehr Aufmerksamkeit, wofür wir dankbar sind, doch geändert hat sich sonst nichts. Wir schauen allein auf uns und spielen das, womit wir uns wohl fühlen. Daran halten wir uns seit zwölf Jahren und leben gut damit. Der Glaube an unseren Sound und unsere Hartnäckigkeit zahlen sich langsam aus. In all den Jahren habe ich viele Gruppen gesehen, die schnell bekannt geworden sind und sich noch schneller wieder aufgelöst haben. Wir hingegen legen beständig nach und sind noch immer da.“

Da ATTILA keine gewöhnliche Band sind, hat der Etablierungsprozess mehr Zeit als bei anderen gefordert: „Ich wollte von Beginn an mit einem eigenständigen Ansatz auffallen,“ äußert Fronz. „Als ich aufgewachsen bin, gab es allenfalls eine lokale Band, die mich nachhaltig beeindruck hat. Fight Paris haben mir dabei geholfen, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was ich erreichen will. Das war eine abgefahrene Rock’n’Roll-Kombo, die nur über Sex, Drogen und Parties gesungen hat und das Verrückteste war, womit ich damals in Berührung gekommen bin. Ihre Karriere war kurz und intensiv. Ich bewahre ihr Vermächtnis und nehme es für uns in Anspruch, eine ein Stück weit eigene Positionierung in der Heavy-Szene aufgebaut zu haben. Wir sind nach wie vor heftig unterwegs und zweifellos auch „Underground“, doch in eigenwilliger Art und Weise zugleich auch massenkompatibel. Wir fallen in die Kategorie einer Band, von der Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder sie hören. Dafür lieben uns die Kids umso mehr. Im Umfeld des gegenwärtigen NuMetal-Revivals profitiert unser Rap-Metal-Stil. Nach all den Jahren spielen wir doch noch den richtigen Sound zur richtigen Zeit.“

Ausgehend von der Unzufriedenheit mit „Guilty Pleasure“ haben sich ATTILA gesteigert: „Schon der kreative Arbeitsprozess der letzten Platte lief ein Stück weit überstürzt ab,“ meint der Frontmann rückblickend. „Hinsichtlich der Vermarktung habe ich ebenfalls das Gefühl, dass viel Potenzial verschenkt worden ist. Davon haben wir gelernt und sind die Dinge mit „Chaos“ nun anders angegangen. Wir haben uns die nötige Zeit für das Songwriting genommen und die Tracks exakt so angelegt, wie wir sie live umsetzen werden. Für


die Aufnahmen haben wir uns sechs Wochen im Studio gegönnt. In dieser Zeit haben wir dort sogar geschlafen und das Album und „Chaos“ voll und ganz gelebt.“

Obwohl Unterhaltungswert und Spaß-Faktor zentral stehen, ist das Spiel des Quartetts nicht allein darauf zu reduzieren: „Für mich ist es okay, von „Fun Heavy Music“ zu sprechen,“ sagt Fronz. „Heftige Musik ist normalerweise düster und extrem; häufig auch sehr fokussiert. Es gibt nur wenige Gruppen, die den Fun-Aspekt so stark gewichten, wie wir es tun. Ich kann damit umgehen, dass die Hälfte der Leute unseren Ansatz versteht und die anderen 50 Prozent überhaupt keinen Zugang zu uns finden. Gewöhnlich erfahren wir genauso viel Liebe wie Hass. Wir sind nicht für jedermann, und das gefällt mir.“ Die Band ist mit sich im Reinen: „Mir ist es allein wichtig, ein möglichst vielschichtiges Album zu erschaffen, und das ist uns gelungen,“ so der Frontmann zum eigenen Anspruch. „Eine solche Bandbreite wie auf „Chaos“ haben wir bislang noch nicht an den Tag gelegt. Heutzutage sind viele CDs gleich ausgerichtet und folgen ein- und demselben Schema. Spätestens nach wenigen guten Auftakt-Songs verfallen Künstler in einen Schongang. Uns ist das zu wenig: unser Album ist die ganze Spielzeit über genau das, was der Titel verspricht. Abschalten geht also nicht.“

„Chaos“ kann dabei sowohl als Zusammenfassung für das Leben von Chris Fronzak als auch die Karriere von ATTILA gelten: „Nichts, was ich bis heute erreicht habe, ist mir einfach in den Schoß gefallen, und nichts ist das Ergebnis von Planung. Das „Chaos“ ist mein beständiger Begleiter. Insofern war es höchste Zeit, diesen Titel für ein Album zu nutzen. Was die strukturelle und lyrische Seite anbelangt, passt er sowieso. Und doch sind meine Texte dieses Mal durchdachter und zielgerichteter. Ich greife viele neue Themen auf, werde aber trotzdem dem gerecht, was ATTILA schon in der Vergangenheit repräsentiert haben.“ Für Provokation und Schimpfwörter ist demnach weiterhin gesorgt. Was die Ausgestaltung des Crossovers anbelangt, geht das Quartett ebenfalls in die Vollen:

„Um ehrlich zu sein, sehe ich wenig Potenzial, unseren Sound noch weiter zu treiben, ohne Abstriche in Kauf zu nehmen. Deshalb sind wir darauf aus, graduell zu schärfen, anstatt viel Neues zu probieren. Für uns bietet es sich an, teilweise Radio-freundlicher vorzugehen und auf der anderen Seite noch heftiger zu agieren, um so die Extreme unseres Spektrums klar heraus zu stellen. Mit „Chaos“ unternehmen wir einen deutlichen Schritt in diese Richtung.“

 
 Links:
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